und Freude ist, dies Spiel zu spielen. Einen Wirt gibt es auch mit seinem Gesinde, der vor jedem Bürgerhause stillhält und sein Glas mit einem Spruch an die Lippen führt zu Ehren der in den Fenstern liegenden, geschmeichelt lächelnden Bürger.
Hinter den Schleichern ziehen die Innungswagen auf. Sie überbieten sich an lustigen Reimen, Wechselgesängen und Volkskomödien. Die Leute rings herum biegen sich vor Älchen — die Verse sind kräftig — Mussolini kommt nicht zu kurz.
Nach einigen Tagen erlebe ich ein Faschingsspiel in Imst, das durch die Vielheit der maskierten Gruppen, durch die Verschiedenartigkeit der Typen, durch die starke Fühlungnahme mit dem Publikum, welches wohl oder übel zum Mitspielen genötigt wird, noch abwechslungsreicher, noch unterhaltsamer, ja künstlerisch lebendiger ist als das von Telfs. Da wird der Bursch von der „Sacknerin" geprügelt, er versucht ihr, den schweren Stoffballen zu entwinden, „Hexen" stürmen dazu mit furchtbaren Reiser- besen. Kreuz und quer durchs Publikum stoßen die lieblichen Jünglingsgestalten der „Roller" mit klingenden Glöckchen, die massigen Männergestalten der „Scheller" mit einer ganzen Reihe gehaltig dröhnender Kuhschellen und ehren Teilnehmer des Festes durch das „Einfuhren", wofür die Betroffenen sich mit einer Spende bedanken. Auf dem Marktplatz, der groß genug ist, reihen sich die Wagen, auf denen sich drollige Szenen abspielen. Im Verlauf der Spiele findet sich manche Gelegenheit zu einer Art Volksjustiz, indem etwa bekanntgewordene Sünden einzelner an den Pranger gestellt werden.
Mit dem Abendläuten muß der tolle Spuk aufhören. Um erst in fünf Jahren wieder Auferstehung feiern zu können, weil dies Volk der armen Täler sich ein so kostspieliges Fest eben nur selten leisten kann. Noch heute halten die Bauern hartnäckig daran fest, daß es ein gutes Türksn- jahr (heißt Erntejahr) gibt, wenn der Imster „in die Schalle gegangen ist".
Errechnete Moneten.
wie ein neuer Stern gefunden wurde.
Von Dr. E. F. Dach.
Durch die Beobachtungsstatio.n der Harvard-Universität in Arizona ist dieser Tage ein neuer Planet hinter dem Neptun entdeckt worden. Dieser jetzt gesehene Planet ist bereits vor Jahren durch den verstorbenen amerikanischen Astronomen Lowell errechnet worden.
Der erste Planet, den nicht das menschliche Auge wahrgenommen, sondern der mathematische Verstand der Astronomen errechnet hat, war der Neptun, der achte Planet. Im Jahre 1845 hat der französische Astronom Leverrier mit feinsinnigen mathematischen Methoden den Standort eines Planeten ermittelt, der zu einem bestimmten Zeitpunkt an jener Stelle des Himmelsgewölbes mit geeigneten Hilfsmitteln der astronomischen Beobachtung durch das Auge wahrnehmbar fein sollte. Da man damals in Berlin gerade die Ausarbeitung von Sternkarten jener Himmelsgegenden abgeschlossen hatte, an der dieser neue Planet nach Leverrier zu suchen war, schrieb der französische Astronom an die Leitung der Sternwarte am Enkeplatz und teilte jene Daten mit. Am 23. September 1846 vormittags erhielt Calle den Brief und noch in derselben Nacht konnte er auch tatsächlich den neuen Planeten durch sein Fernrohr erblicken. Als Leverrier von dieser Bestätigung seiner Voraussage vön dem Vorhandensein eines achten Planeten Nachricht erhielt, erklärte er sofort, daß auch dieser Planet nicht der letzte sein werde, den wir entdeckt haben, und daß noch jenseits des Neptuns Planeten existieren müssen, von denen wir noch nichts wissen.
31 Jahre nach der Entdeckung des Neptuns hat dann der Amerikaner Todd zum ersten Male die Berechnung der Bahn eines jenseits des Neptuns um die Sonne kreisenden Himmelskörpers veröffentlicht. Auch Todd hat sich, ähnlich wie seinerzeit Leverrier, bei seinen Rechnungen auf Störungen, die die Bahn des Planeten Uranus durch den Unbekannten erlitt, gestützt. Todd war nicht in der Lage, die Bahn des jüngsten Planeten, des Neptun, bei seinen Arbeiten zu verwerten, denn dieser hatte inzwischen (seit der Entdeckung) nur einen kleinen Teil seiner Bahn um die Sonne zurückgelegt, währt doch seine Umlaufszeit 164 Jahre.
Der von Todd errechnete Planet sollte eine Umlaufszeit von 375 fahren besitzen und von der Sonne 52 astronomische Einheiten entfernt fein. (Eine astronomische Einheit bedeutet die Länge des Halbmessers der Erdbahn im Mittel oder, in Kilometer ausgedrückt, 149,5 Millionen Kilometer.) Todd versuchte auch mit dem 26zölligen Fernrohr (Refraktor) des Marine-Observatoriums in Washington den Planeten aufzufinden, was ihm jedoch nicht gelang. Einige Jahre später, im Jahre 1880, hat bann der Engländer G. Fordes aus der Verteilung der Bahnen periodisch wiederkehrender Kometen ersehen, daß aus die Kometenbahnen em unbekannter Planet Einfluß haben müsse, der, von der Sonne 100 astronomische Einheiten entfernt, in 1006 Jahren feinen Umlauf voll- brmgt. Der berühmte englische Himmelsphotograph Isaak Roberts luchte dann auch jene Gegend nach diesem Planeten ab. Er hat mit achtzig Aufnahmen die von Fordes angegebene Gegend überdeckt, von je anderthalb Stunden Belichtungsdauer. Doch diese über 120 Stunden oauernde Arbeit war vergeblich. Zwar hatte Roberts eine Unmenge von ^wwwn bis zur fünfzehnten Größe auf die Platte bekommen, aber den Wuchten Planeten fand er nicht darunter. 1899 glaubte der Däne Hans । .®U bereits zwei unbekannte Planeten aus den Uranusstörungen ab- lck. 3U können. Um die Jahrhundertwende kamen dann die For- i Mngen zur Ergründung der Bahn des unbekannten, jenseits des Nep- n liegenden Planeten durch W. H P i ck e r i n g in ein neues Stadium. ^ trertng rechnete vorerst einen Planeten aus, der ähnlich dem von Todd
i "^Efche Einheiten von der Sonne entfernt fein sollte. Einige bfr r- *’ater .?iaubte er bereits drei Planeten vermuten zu dürfen. Der 2fi nnn nnv "öchfte sollte eine Umlaufszeit von 1400, der mittlere von
und der fernste von 500 000 Jahren haben.
Stftrnnr °?glifche Geistliche Metealse hat mit einem zwölfzölligen wapyen nach diesen Planeten gesucht, er photographierte etwa
300 000 Sterne, ohne hie vermuteten Planeten zu entdecken. Durch Totti und Pickering wurden die Forschungen nach diesem neuen Planeten eine Herzensangelegenheit amerikanischer Astronomen. Die Jagd nach dem neuen Planeten erreichte ihren Höhepunkt durch die Forschungen Pareisal Lowells. Dieser re.che Mann errichtete 1894 in Flagstaff in Arizona auf einem Berg von 2200 Meter Höhe ein vorzüglich ausgerüstetes Observatorium zur Erforschung des Planetensystems und begann dann auch mit allen Mitteln moderner astronomischer Forschung nach dem neunten Planeten zu fahnden. Auch er bezog sich vor allem auf die Störungen des Uranus. 1915 veröffentlichte er in dem ersten Band der „Memoirs of the Lowell Observatory“ ein imponierendes Material, das Voraussagen über die Bahn, Maße, Sichtbarkeit und scheinbare Größe dieses Planeten erhielt, den genauen Platz des Planeten zu einer bestimmten Zeit konnte aber auch Lowell nicht angeben. 1916 starb Lowell, der besonders dadurch bekanntgeworden ist, daß er die von Schiapa- relli entdeckten Marskanäle für Bewässerungskanäle ansah, die von einem Marsmeer zu dem anderen künstlich hergestellt worden sein sollten.
Nach feinem Tode erschienen dann wieder Arbeiten von Pickering, der unermüdlich nach dem transneptunischen Planeten forschte. Und als man 1928 in der Flagstoff-Sternwarte ein neues vierzehnzölliges photographisches Instrument von 63 Zoll Brennweite aufmontierte, verfuchien die Astronomen mit diesem in der von Lowell angegebenen Gegend den Planeten endlich zur Strecke zu bringen. Schon im Bericht dieser Sternwarte vom Jahre 1929 schrieb der jetzige Direktor B. M. S l i p h e k rätselhafte Worte über eine im Gange befindliche und erfolgversprechende Arbeit, die jetzt ihren Sinn enthüllen. Gelang es doch, den neunten Planeten nunmehr zu sehen, dessen Abstand von der Sonne 45 astronomische Einheiten beträgt. Damit waren die Vermutungen Lowells glänzend gerechtfertigt, vermutete er doch einen Abstand von 43 bzw. 44,7 astronomischen Einheiten für diesen neuen Planeten. Aus den bisher bekanntgewordenen Angaben über den neu entdeckten Planeten geht hervor, daß es sich um einen Himmelskörper von der Helligkeit eines Sterns fünfzehnter Größe handelt. Seine Maße sollen dem des größten Planeten, des Jupiters, nahekommen, doch läßt sich darüber vorläufig noch kein Urteil bilden. Hängt doch die Möglichkeit einer genauen Maßenbestim- mung bei Planeten vor allem davon ab, ob er Monde besitzt, und einen Mond oder Trabanten konnte man freilich bei dem neunten Planeten bisher nicht entdecken. Selbst wenn er Monde haben sollte, dürften sie noch lange Zeit für unsere Instrumente jenseits der Sichtbarkeit bleiben.
Der neue Planet kreist in der Reihe der Planeten in weitester Entfernung von der Sonne, und es erhebt sich die Frage nach seiner Herkunft. Nach der Kant-Laplaeeschen Theorie sind die Planeten Abkömmlinge der Sonne, Körper, die in glühendflüssigem Zustand aus her Sonne herausgeschleudert worden sind. Vorerst scheint die Vermutung nahezu- hegen, daß dieser von der Sonne von allen bekannten Planeten fernst kreisende große Körper gewissermaßen der älteste Sohn her Sonne fei. Doch wird in neuester Zeit immer mehr vermutet, daß unser Sonnensystem nicht nur die Sonne und Abkömmlinge der Sonne enthält, sondern auch fremde Himmelskörper, die in das Netz feiner Anziehungskraft geraten sind, gefangen und in eine Planetenbahn gebannt wurden. Und so ist die Vermutung berechtigt, daß der neueste Planet ein solches Findlingskind unserer Allmutter Sonne (ei, kein Blutsverwandter in her Familie der Planeten, ein Fremdling, gleichsam von der Sonne adoptiert. Für diese Vermutung spricht hie Tatsache, daß sich die Entfernung dieses transneptunischen Planeten von der Sonne nicht in jenes Gesetz einordnen läßt, das nach Bode und Titius die Entfernungen der Planeten von Merkur bis Uranus angibt. Schon her Neptun läßt sich in dieses Gesetz nicht einordnen, er sollte als Sonnenkind viel weiter obliegen, als es der Fall ist, und dasselbe gilt von dem neuen Planeten.
Eisland.
Roman einet Expedition.
Von Hellmuth Unger.
Copyright by Carl Schünemann, Bremen.
lForljetzung.)
Alle tvaren sie junge, kräftige und gesunde Männer, zäh, ehrgeizig und abenteuergierig. Auszeichnungen und militärische Beförderung waren nach der Rückkehr gewiß, die Expedition bei der Umsicht der Vorbereitungen und den Hilfsmitteln ungefährlich. Da gab es Schlimmeres im Kriegsdienst.
Innerhalb weniger Tage war die Mannschaft vom Generaladjutant Drum gewählt und Leutnant Greely unterstellt, einem fanatischen Liebhaber von Forschungsreisen, der eher auf den Lehrstuhl einer Universität als in die Militäruniform gehörte, obwohl er «in vortrefflicher Soldat war. Der für die Polarfahrt gut geeignete Dampfer „Proteus" wurde gefchartert und in Eile ausgerüstet. Man hätte besser einen größeren Steamer mieten sollen, doch die vom Kongreß bewilligten Gelder waren nicht allzu erheblich und das Interesse für diese Polarexpediton nicht allgemein. Der „Proteus", vor sieben Jahren vom Stapel gelaufen, war ein Schiff von etwa fünfhundert Tonnen, durchaus nicht imponierend, aber fest, aus Eiche gezimmert mit eisenbeschlagenem Rumpf und Bug unter der Wasserlinie zum Schutz gegen das Packeis. Die Vorräte für den Winter im Fort Conger sollten die Mannschaft nicht zu Ueppigkeit verführen, doch waren sie gut gewählt und mannigfaltig. Ein von früheren Polarfahrern in der Dobbin Bay zurückgelassenes Proviantdepot war deshalb Greely sehr willkommen.
Im August, dem günstigsten Monat, errreichte der „Proteus" sein Ziel, löschte die Ladung und steuerte nach den Vereinigten Staaten zurück. Zwei der für Fort Conger bestimmten Soldaten desertierten Im letzten Augenblick; sie verbargen sich im leeren Packraum und ihr Fehlen wurde erst bemerkt, als der Dampfer bereits außer Sicht war. Sie hatten wohl den Mut verloren und fürchteten den Winter.
Diese Memmen!


