Ausgabe 
23.6.1930
 
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rinqsum im Lande alles von zerstörerischen Kugeln und Granaten nek, verschonten die Geschosse diesen blühenden Hügel. Den Linden wurde kein Ast geknickt, kein Kornhalm versank im aufgewühlten Acker. Aus den fallenden Wäldern retteten sich die Vögel in die hier unversehrten Bäume. Aus allen verwesenden Gärten kamen die Bienen diesem ^01119= ländchen zugcflogen. Feindliche Soldaten zogen am Fuße des Hügels vorbei, als entzöge ihnen öine Mauer das fruchtbare Anwesen. Wie mit Blindheit geschlagen, sah kein Mann den fröhlichen Rauch der Schlote

Die Kinder gediehen in diesem gottgesandten Segen, das Gebet der Frau hatte Wirkung, und der Mann kehrte unversehrt heim. Nur der alte Bauer verlor die Sprache, und, wie er sich verständlich zu machen suchte, darum, weil er sich zu üppig des Wunders und der Gnade gerühmt hatte. , t .

Deshalb lächelte er mit seinen) zahnlosen Greisenwiinde zustimmend und befriedigt, weil die junge Frau mit wenigen schlichten Worten mir das Begebnis erzählte. Er nickte mit dem Kopf, und im Mondschein sah ich in seinem alten Gesicht den Glanz, das Glück-, die damals cs verklärt haben mochten, als das ungefügige Kreuz ihn wunderbar heimtnrg.

Die Luft der Nacht ging kühl und frisch, die Sterne blitzten, die weihen Nelken am Kreuzsuß dufteten, daß ich auch di« Wonne zu kosten meinte, die der Greis in jener Wundernacht erlebt hatte. Der Mond stieg höher, der Schatten des Kreuzes sank vor uns, und ich sah in den unendlichen Raum mit Gefühl, das aus dieser seligen Unendlichkeit stammt.

Als Luther in Augsburg war ...

Bilder aus der Vergangenheit Augsburger Lrttherflätten.

Augsburg und Luther! Zwei unzertrennliche Namen. Man ist gewohnt, wenn man die Zeit der Reformation vörüberziehen Iaht, m erster Linie an Erfurt, Eisenach und Wittenberg zu denken. Sieben Dutzend deutsche Orte rühmen sich, der Reformation ihre weltgeschichtliche Bedeutung gegeben zu haben. In Triaden eingeteilt leuchtet ein Dutzend vor allen anderen aus der großen Zahl: Wittenberg, Eisleben, Erfurt; Mansfeld, Worms, Eisenach; A u g s b u r g, Leipzig, Magdeburg; Marburg, Schmalkalden, Coburg. In dieser Zwülfzahl nimmt Augsburg wieder einen besonderen Rang ein. Gab beispielsweise Erfurt als Groß­stadt, Universitätsstadt, Klosterstadt dem jungen Luther, nachdem er im April 1501 in die Mauern der Stadt eingezogen war, reichlich Gelegenheit, die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Zeitprobleme 311 beobachten, war Wittenberg der Platz, in dem der Universitätslehrer Martinus Luther zuerst die leuchtende Fackel erhob, so ist Augsburg zu der Stätte geworden, in der nicht nur der große Reformator wiederholt persönlich weilte, sondern wo die Reformation, die evangelische Lehre und der evangelische Glaube überhaupt durch dieConfessio Augustana" den fundamentalen Unterbau erhielt.

Früh schon hatte Luther erstmals Augsburg aufgesucht; 1512, als der Mönch in schwarzer Kutte von Süden heimwärts pilgerte aus der Stadt des Papstes. Zum zweiten Male kam Luther nach Augsburg, als dort 1518 Kaiser Maximilian Reichstag hielt und Luther sich vor dem päpst­lichen Gesandten, Kardinal Kajetan, wegen des Anschlagens der Wit­tenberger Thesen verantworten sollte. Krank und ohnmächtig war damals der Wittenberger Mönch von einem Bauernfuhrwerk auf der Straße zwischen Donauwörth und Augsburg aufgelesen und vor der Holzbrücke über Wertach abgesetzt worden.

Wertachbrucker Tor.

Das Wertachbrucker Tor ist somit das erste Mahnzeichen, das uns an Luther erinnert und durch das mit ihm die Reformation in Augsburg Einzug hielt. Schon im Jahre 1282 wird die Wertachbrücke in Augsburgs Geschichte erwähnt, als die Stadt mit dem Bischof in Streit geraten war wegen des einzuhebenden Zolles.. Wann das Tor gebaut wurde, steht nicht fest; es ist ober eines der ältesten Gemäuer. Durch seinen Torbogen nahm der gesamte von Norden herflutende Verkehr seinen Weg. Es werden also nicht nur Luther und Melanchthon und seine Glaubens­genossen, sondern alle die Fürsten, die sich zum Reichstage-1518 und 1530 versammelten, durch dieses Tor in die Stadt eingezogen sein. Augsburgs berühmter Stadtbaumeister Elias Holl hat dann anno 1605 das Tor um zweiGaden" erhöht.

Heute noch ist das Tor eines der schönsten mittelalterlichen Prunk­stücke. Auf massivem Unterbau steht der obere Teil in mächtiger Gliede­rung, gekrönt von einem Zeltdach mit schlankem, laternenförmigem Auf- s«st- Aus den niedrigen und breiten Oeffnungen mögen die Geschütze getrotzt haben. Der ganze Bau ist von seltener Einheitlichkeit und Mächtigkeit.

K a r m e l i t e r k l 0 st e r b e i -S k. Anna.

Jin Kloster von St. Anna, dem jetzigen Pfarrhaus der Anim- Gemeinde, hat Luther mit seinen Begleitern, Leonhard Bayer aus Wittenberg und WenzeslaUs Link aus Nürnberg, Herberge genommen. 2bus Briefen wissen wir, daß der Prior des Karmeliterklosters, Johan­nes Frosch, der 15141516 in Wittenberg studierte und unter Luthers Präsidium den Licentiaten der Theologie erlangt hatte, Luther liebevoll aufgenommen hat. Von hier aus trat Luther am Dienstag, dem 12. Okto­ber, den schweren Gang zu Kardinal Kajetan an. Sechs Buchstaben nur forderte der Diener des Papstes:Revoco", d. h.ich widerrufe". Luther aber stellt nur dasSalva scriptura", d. h.mit der Bibel muß es stimmen" dem päpstlichen Würdenträger entgegen. 24 Stunden Bedenk­zeit wurden gegeben. Als Luther auch am Mittwoch schwieg, herrschte der Kardinal ihn an:Gehe und komme nicht wieder, ohne zu wider­rufen".

Eine Tafel ist zur Erinnerung an den Aufenthalt Luthers im Kloster- Hof angebracht. Das Kloster samt Kirche ist aus ersammeltem Geld der Bürgerschaft erbaut. Von Bischof Friedrich Späth von Turneck war es 1321 den Karmelitern eingeräumt worden. Diese Geistlichen, auch Frauenbrüder genannt, traten als erste 1526 zur Reformation über und verließen 1534 ihr Konvent.

S t. Anna-Kirche.

Mik 8er Geschichte des St. Anna-Klosters aufs innigste verknüpft, i(t die der St. Anna-Kirche, die ebenfalls 1321 von Bischof Friedrich Sxüth von Turneck den Karmelitem gewidmet wurde. 1460 zerstörte ein Brand Kloster und einen Teil der Kirche, doch rasch war die fromme Stätte wieder aufgebaut. Schon 1424 war von Konrad und Afra Hirn die St. Egidius-Kapelle angebaut worden; 1429 bis 1889 war diese Kapelle im Besitz der Augsburger Goldjchmiedczimft und hieß' fortan Gold- schmiedekapelle. Den Freskengemälden kommt bei der Seltenheit gälischer Wandmalereien besondere Bedeutung zu.

Den westlichen Abschluß des Mittelschifses der j)aupifirdx bildet die Fuggersche Grab ka pelle, 1509 bis 1518 erbaut. Sie ist von überragender Bedeutung als erstes Werk der Renaissance auf deutschem Boden. Der wichtigste Schmuck sind die vier Epitaphe des EhorabschlWz und die Figurengruppe der Beweinung Christi, mit dem stehenden Heiland als Seltenheit, ist eines der edelsten Kunstwerke. Die Namen eines Albrecht Dürer, Burgkmair und D a u ch e r sind mit dieser Kapelle verknüpft. Mit dieser Kapelle hat die Kausmannssamilie Fugger nicht nur der deutschen Kunst ein Denkmal gesetzt, sondern der deutschen GeschiG überhaupt, die während des 16. Jahrhunderts von augsdurgischem Geistes­mut durchsetzt war. Es ist eine eigenartige Wandlung im geschichtliche. Geschehen, daß das Geschlecht der Fugger, die durch den Ablaßhandel und ihre Geldsäcke aufs engste mit dem Papst verbunden undscharf wide: die Lutherei" waren, in ihrer von Jakob und Ulrich gestifteten GM- kapelle heute in einem protestantischen Gotteshause ruhen. Jahrhundeck hindurch, nur 1629 vorübergehend durch das Restitutionsedikt unter­brochen steht die St. Anna-Kirche im Gebrauch der evangelischen G- meinde. Während des Reichstages 1530 war die Kirche Kaiser Karl V. cingeräumt, um ihn günstig zu stimmen.

Ueberaus malerisch ist der Blick auf das ehrwürdige Bauwerk. (£vgen= artig ist die Baugliederung mit dem qucrgestellten, unten quadratische», oben achteckigen Turm mit seinem Kupscrdach; ebenfalls ein Werk des Elias Holl. Das Türmchen der Goldschmiedekapellc schmiegt sich mit schutzsuchend der Kirche an die Seite und eine Weide hängt träumerisch ihre Zweige über die Mauer des Hofes.

Lu t he r h ö f l c.

Ein Kleinod unter den von Luthers Fuß betretenen Stätten ist ins Luiherhöfle. Wir wissen, von wie einschneidender Bedeutung das 1321 von Bischof Friedrich Späth von Turneck gestiftete und nach dem 1460 neuerbaute Karmeliterkloster zu St. Anna seit Ansang der Rchr- maiionszeit für die evangelische «ache in Augsburg und Deutschland mr.

Als Luther während des Reichstages 1518 dort bei dem Prior, sei« Freunde Johannes Frosch Herberge genommen hatte, mag er ostmb sinnend den kleinen von Efeu umrankten und bäumebeschatteten Hof mich schritten haben, den man' nun dasLuiherhöfle" nennt. Auch damch als Luther an Weihnachten 1525 zum ersten Male in Augsburg in offen kicher Feier das Abendmahl unter beiderlei Gestalt gespendet Hai, st er nach der heiligen Handlung betend im Hof mit entblößtem Soff angetroffen worden fein.

D a hinab ...

Nachdem Luther im Oktober 1518, ohne feine Wittenberger Tat rote1 rufen zu haben, den erzürnten Kardinal Kajetan verlassen hatte, m« Luthers Freunde bange um seine Sicherheit. So entschloß sich MM Martinus zur Flucht. Der Domgeistliche Christoph ßan genmantti öffnete ihm in der Nacht zum 21. Oktober heimlich ein Pförtchen in « Stadtmauer.Da hinab" sollen die Worte gewesen sein, mit W Langenmantel dem aus der Stadt entweichenden Luther den Weg 11» den Graben wies. ........ .. , ,

So erzählt die einheimische Tradition. Geschichtlich ist dieses (£r-W nicht verbürgt; doch ist erwiesen, daß Luther in selbiger Nacht, nm einem alten Knecht begleitet, noch bis nach Monheim geritten >st, erschöpft vom Gaul fiel. Dann gings nach Nürnberg weiter. Zur M» rung an das Geschehnis der abenteuerlichen Flucht Luthers hat«. Bürger, der in der Nähe des Gallusbergleins, den der Volksmmw jener Zeit nunDa hinab" nennt, wohnte, Luther und ßangennwimi® feine Hauswand malen lassen. Als die katholischen Fugger spater in Stadt wieder obenauf waren, ließen sie das Bild zerflören.

Die beimDa hinab" am ©aUusberg stehende Kirche ift me «W Augsburgs, wie zwei Inschriften auf einem Stein beurkunden. WM soll sie im Jahre 1051 bei der Rückkehr vorn Mainzer Konzil MM haben; 1589 wurde das Gotteshaus erneuert. Außer dein Altar biwi - Kirchlein nichts Merkwürdiges; auf dem Platze aber soll einst em "ll irischer Merkurtempel gestanden haben.

Kollegium G t. 21 n n a.

Wenn auch nicht mit Luthers Person unmittelbar in Verbi" stehend, so doch bedeutsam für das Fortschrciten der Reformation 1 Collegium St. Anna. Als im Jahre 1580 durch eine Fuggersche 1 dcr neugegründete Jesuitenorden in die Lage versetzt n>uroe, e ziehungsanstalt in Augsburg zu errichten, taten sich drei 6« burger Bürger und evangelische Kirchenpsleger, Johann H Matthäus Stammler und Adam Rehm zusammen und ,am« unter den evangelischen Bürgern beträchtliche Geldmittel; ein owH, Handwerker, Martin Zobel, hat noch eigens einen größeren zugeschossen. Mit diesen Geldern erwarben sie von Philipp u 1^ unter Verheimlichung ihrer Pläne Haus und Bauplatz und 9" 1582 dasKollegium", das ist ein Alumneum für cvangmM schiller. Der erste Leiter der Anstalt war D. Georg M y 1 > >

Als dann während des 30jährigen Krieges den f'L. W Kirchen verschlossen waren, hielten sic in dem geräumigen W » "faiti giums St. Anna" von 1635 bis 1649 ihre Gottesdienste unter 1^ Himmel ab, 14 Jahre lang. Der aus damaliger Zeit uberli ll zeigt den Vorgang eines solchen Gottesdienstes mitW eLr «< Epharatshaus, in dem im 1. Stock ein Fenster für den +' gerichtet war. Heute ist unter diesem Fenster eine Tafel nJ.. M Erinnerung an jene Zeit. Vom Jahre 17991829 war dann M