Ausgabe 
22.8.1930
 
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Iaht

du kommst immer mit so viel to

wie

Aber Thilde

und von Bella. Mir is, was [o da- Und wenn gar nichts zwischen kam,

und Und

Verantwortlich: Dr. HanS Thtzriot. Druck und Verlag: Drühl'sche UniversttätS-Buch» und Steindruckerei. R. Lange, ®i6^e

viviger, als er eigentlich is. Aber zwischen."

Wie denn dazwischen?"

Gott, mit so viel vom Theater zwischen kommt, immer das liebste.

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Verlaß dich drauf; wenn es was werden soll, so kommst du legst dich hin oder kannst auch sitzen bleiben und ich frage dich, heut abend, wenn dir so sehr daran liegt, kannst du noch mal die Tochter der Luft sehen. Aber ich gehe nicht mit, ich habe vorläufig keinen Sinn für Vergnügen. Und morgen abend sangen wir an."

liegst, während ich dir alles abfrage und nicht eher ruhe, als bis du mir Red' und Antwort stehen kannst und alles ganz genau weißt am Schnürchen ..."

so ging ich auch zu Bett. Aber es is doch wohl nich richtig, daß immer so viel zwischen kommt."

Thilde lachte.Doch, Mutter, es is ganz richtig so. Sieh mal, ungefähr so. Wenn ich heut noch nach Spandau gehen soll, na, dann zieh ich mir einen Gummimantel über und nehme den Regenschirm und staple los. und in Charlottenburg lehne ich mich mal an und seh nach, was die Uhr ist, und um zwölf bin ich in Spandau, und um vier bin ich wieder hier und bringe dir deinen Kaffee." ,

Ja, Thilde, das glaub ich schon, aber was meinst du nu eigentlich?' Und nu nimm mal an, daß du gehen solltest. Auch nach Spaniol Ra bis vors Brandenburger Tor kommst du in einem Zug. Und baut setzt du dich auf die erste Bank, und wenn du dich ausgeruht hast, baut kommst du bis an den Kleinen Stern und dann bis an den Große« Stern, dann bis an die Chausieehäuser, und überall is ne Bank, uni überall kannst du dich ausruhen, und so kommst du endlich nach Span­dau. Sagen wir: gegen Abend. Aber du kommst doch an. Und oh"! Ruhebank wärst du liegen geblieben und gar nicht angekommen."

Ja so, nu versteh ich. Ohne die Bank kommt er nich an. Na, roentt er bloß ankommt."

Er wird schon", sagte Thilde.

Und richtig, er kam an. Hugo bestand. Er hatte zwar nur das W dürftigste gewußt, es aber trotzdem erzwungen: dasitzend wie Hus au dem Konzil zu Konstanz, ernst, schwärmerisch und bescheiden, halb toM und halb angstvoll. Diese seine Haltung war es gewesen, die schW^ alles zum guten geführt hatte. Seine Persönlichkeit hatte gesiegt. Em der Herren Examinatoren nahm ihn beiseite und sagte:Lieber (W mann, es war alles gut. Ich gratuliere Ihnen."

In einem merkwürdigen Seelenzustand, gehoben und doch aufl 8* drückt gedrückt, weil er an die Zukunft dachte kam er nach und sah sich dieser Stimmung erst enthoben, als er hier Mutier Tochter begegnete. Thilde, deren Auge leuchtete, blieb verhältnism 8 ruhig, nicht so die Alte, von der geküßt zu werden er nur mit gen« Not im letzten Augenblick durch Rückzug in sein Zimmer »ermc konnte. Mutter Möhring war das nicht recht, und weil sie das Beou i der Aussprache hatte, mußte nun Thilde alles mit anhören, wo Alten auf der Seele brannte.

Gott sei Dank, Thilde, nu kann man doch wieder ruhig 1$ J und weiß auch, was aus einem wird. Denn gut is er doch eig und wird eine alte Frau nich umkommen lassen ..."

(Fortsetzung folgt.) -

Die wollte zwei Neujahrsbesuche machen. Bei Schmädickes und bei Dammers. Sind noch alte Hausbekannte von der Zeit, wo wir noch in der Stralauer Straße wohnten."

Davon habe ich ja nie gehört ..." .

Ist auch nicht nötig, sie machen sich nichts aus uns, und wir machen uns' nichts aus ihnen. Sie sind nur langweilig und sehr eingebildet, aber Mutier hat mal so ihre alten Sätze, von denen sie nicht abgeht: man soll alte, gute Freunde nicht aufgeben usw. Als ob es alte Freunde wären! Aber es find keine Freunde, bloß alt find sie, das ist richtig. Und alle Neujahr einmal geht Mutter hin. Ich denke mir, es ist auch ein bißchen Neugier ... Und nun sage, wo warst du?"

Hugo berichtete getreulich, und während Thilde auf das Sofa und Hugo dicht neben sie setzte, sprach er auch von der Litfaßsäule, und daß sie heute abend in die Reichshallen gehen wollten. Da war die Tochter der Lust, eine pompöse Person und doch ganz ätherisch. Die Mutter könne ja ganz gut mitgehen.

Thilde sah ihn an und lächelte ruhig, dann nahm sie seine Hand und sagte:Reichshallen? Nein, Hugo, das ist nun vorbei. Wir waren nun von Heiligabend bis Silvester jeden Tag aus, oder hatten unfern Punsch, und einmal waren wir in einem ganz feinen Lokal, ich möchte beinah sagen über unfern Stand und unsere Verhältnisse; aber nun ist es auch genug, und nun müssen wir anfangen."

Ja, womit denn, Thilde?"

Nimm es mir nicht übel, aber so was kannst nur du fragen. Willst du mir erlauben, dir offen meine Meinung zu sagen, und willst du mir versprechen, mir nichts übelzunehmen, und von vornherein davon ausgehen, daß ich's gut meine mit dir und allerdings auch mit mir?"

Gewiß, Thilde, sprich nur, ich weiß ja, daß es immer was Ver­nünftiges ist, was du sagst. Mitunter ein bißchen zu sehr. Aber in dieser Woche habe ich dich auch von der lebenslustigen Seite tennengelernt."

Und das sollst du auch weiter, Hugo. Ich bin gar nicht so schlimm und so schrecklich vernünftig, wie manche glauben. Ich bin auch für ein hübsches Kleid und für Vergnügen, aber mit Arbeit muß es anfangen. Daß wir arme Leute sind, das weißt du, und daß du nicht reich bist, weißt du auch. Zweimal Null macht Null, und mit Null soll man nicht in teure Lokale gehen und nicht einmal die Tochter der Luft sehen. Wir sind nun verlobt, und ich bin glücklich, einen so guten und einen so hübschen Mann zu haben, und bin .sicher, daß ihn mir viele nicht gönnen, die Rätin unten gewiß nicht und die Frau Petermann schon gar nicht. Das sind neidische alte Weiber, und das schöne blonde Frauenzimmer unten mit dem Spitzenhäubchen sieht mich auch immer so an ... Nun, Neid macht glücklich, und ich bin es. Aber Stillstand ist Rückschritt, sagte mein Vater das Jahr vor seinem Tod, als er keine Weihnachtszulage gekriegt hatte."

Du hast ja recht", unterbrach Hugo.

Freilich hab ich recht, aber du sagst das nur, weil du nicht weiter zuhören willst. Ich weiß, das ist all so was, was doch schließlich wich­tiger ist als Konstnsky, womit ich aber nichts gegen unfern Schiller gesagt haben will, und all so was hörst du nicht gern. Es soll alles bloß hübsch aussehen und glatt gehen und bequem sein. Nun gewiß, Bequemlichkeit ist ja immer das Bequemste, versteht sich, und ich kann dir sagen, wenn früher die Herren um sieben ihren Kaffee wollten und einen hatten wir, der war schon Immer um Glock sechs auf und ich mußte dann raus und Kien spalten und mit einem Tuch über den Kopf zu Bäcker Pfannfchmidt, um die Semmeln zu holen ich kann dir sagen, da hätte ich mich auch lieber noch mal rumgedreht und das Kissen übers Kinn gezogen, denn es war ein bitterkalter Winter, und ich bibberte man so ..."

Na, Thilde, das ist ja nun vorbei."

Ja, das sagst du so hin. Vorbei. Was heißt vorbei? Verlobt sind wir, das heißt also, wir wollen doch mal heiraten und in eine christliche Ehe eintreten. Alles muß sein Vergnügen haben, aber auch seinen Ernst. Und der Ernst kommt erst. Und da wir doch nicht als Herr und Frau Student ober Kandadit, was eigentlich das gleiche ist, durch die Welt gehen können, schon deshalb nicht, weil wer kein Amt und keinen Dienst hat, auch kein dienstliches Einkommen hat, was wir doch fjaben müssen, wenn wir leben wollen und eine Familie bilden wollen ...'

Ach, Thilde, das ist ja noch weit hin."

... also nur leben wollen, so mußt du für das sorgen, was zum Leden nötig ist, das heißt, du mußt nun endlich dein Examen machen und nicht immer die Bücher beiseite schieben und dieGespenster" lesen was übrigens, wie sein Titel schon ausdrückt, ein grauliches Stück ist dein Examen machen sage ich, je eher, je lieber. Und von morgen ab wird angefangen ..."

Aber wie denn?"

Ganz einfach. Statt an die Reichshallen und an die Tochter der Luft zu denken, denkst du an das Repetitorium, was du während deiner Krankheit ganz vergessen hast. Und schon vorher war es auch nicht viel damit, und du bezahltest bloß und gingst spazieren. Aber nun mußt du wirklich hingeben, und abends, ihr habt ja da solche Fragehefte mit beigeschriebener Antwort, was ich alles auf deinem Stehpult habe liegen fetzen, abends kommst du zu Mutter und mir herüber und kannst dich auch auf die Chaiselongue legen, wenn es dir paßt, und dich mit deiner alten Reifedecke mit dem Löwen drauf zudecken. Und wenn du so da-

Hugo wußte nicht recht, ob er froh ober verstimmt fein sollte. g0 schwach war er nicht, um nicht einzusehen, daß Thilbe mit ihm madjtc was sie wollte, und so uneinsichtig war er nicht, bah er das sehr Um heldische seiner Situation nicht herausgefühlt hätte. Ader das waren nur kurze Anwandlungen. Eigentlich war er ganz froh, daß jemand d« war, der ihn nach links ober rechts birigierte, roie's gerabe paßte. es gut gemeint war unb daß er dabei vorwörtskam, empfand er jeben Augenblick, unb was ihm über gelegentliche Mißstimmungen am besten forthalf, war die Beobachtung der Methode, nach der Thilbe mit ihm ver­fuhr. In seinem ästhetischen Sinn, ber sich an Finessen erfreuen konnte sah er biese Methobe mit einem gewissen künstlerischen Behagen unb freute sich ber Erleichterung, die das pädagogische Verfahren ihm um mittelbar gewährte.

Es stand nämlich für Thilbe fest, baß sie sich hüten müsse, [einer Tragfähigkeit mehr zuzumuten, als diese doch nur schwache Kraft beim besten Willen leisten kannte, weshalb sie mit Klugheit unb Geschick für Unterbrechungen Sorge trug. Wenn bas Examinieren, das sie nach Möglichkeit in ein quickes Frag- unb Antwortspiel verwanbelte, bebrüt? lich zu werden anfing unb sich bei Hugo etwas von Ermübung zeigte, so brachte sie ein Glas Tee ober Rotwein ober eine Jngwertüte, unb während sie ihm daraus präsentierte unb auch wohl selbst ein Stückchen nahm und von den Molukken sprach, wo der Ingwer am besten ein­gemacht würde, und wo sie von China her (ober vielleicht würben sie auch nachgemacht) bie großen blaugeblümten Porzellankrüge hätten, glitt (lt zu Tagesfragen über und las ihm von Christenverfolgungen in Chin, vor ober von ben Franzosen in Anam ober Tonkin ober von dem Krieg, ben bie Hollänber mit ben Eingeborenen führen mühten. Die Japaner seien ben Chinesen boch weit voraus, unb ein Volk, das solche Natur- beobachtung habe unb solche Blumen unb solche Vogel machen könne, bas bebeute boch eine allerhöchste Kultur, was man von jebem Teebreit absehen könne. Dabei wolle sie noch nicht einmal von bem Lack spreche«, ber doch auch unerreicht dastehe.

So war Thilbe groß in Uebergängen, unb wenn sie berart mit Hilst der Zeitung bei den Molukken unb Japanern begonnen hatte, war es ihr ein leichtes, sich bis zu Kroll unb der Semdrich unb sogar bis z« Nybinski zurückzufinben, und wenn sie bann noch was Pikantes, dos sie eigens für Hugo sammelte, zum besten gegeben unb ihn erfrischt hatte, sagte sie:Nun aber: .Bricht Verkauf Miete ober nicht?'"

Und Hugo ging bann mit roiebergeroonnener Kraft ins Feuer uni antwortete mitunter so gut, baß Thilbe ihre heimliche Freube baran hatte.

Die alte Möhring war immer dabei, schon weil sie nicht wußte, wo sii anders hinsollte. So kam Ende Januar heran, unb als eines abends Hugo um bie zehnte Stunbe bas Zimmer verlaßen unb Thilbe bie Glast, unb Tassen auf bie Seite geräumt hatte, sagte die Alte, währenb sie sch auf eine Fußbank unb mit bem Rücken gegen ben Ofen setzte:Sag mal, Thilbe, lernt er benn gut?"

D, ganz gut, Mutter; eigentlich viel besser, als ich bachte." Ja, ja, bas kommt mir auch so vor, unb er is auch ein bißchei