Ausgabe 
22.8.1930
 
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stark in der frosterstarrten Luft, und vom Wöge Härte ich Rufe: Lauf!

sprang plötzlich noch ein Mann von dem Vorplatz in den Schnee hinaus, den Weg entlang und verschwand in der Finsternis. Ich hatte richtig geraten: es war noch einer dagewesen. Und diesem einen konnte ich nicht einmal hübsch gute Nacht sagen, denn es war nur ein elender Schuß in dem Revolver gewesen, und den hatte ich verbraucht.

Ich zündete die Lampe wieder an, holte das Geld aus dem Bett und steckte es zu mir. Und jetzt, nachdem alles überstanden war, war ich so jämmerlich feige geworden, daß ich nicht wagte, mich in dieser Nacht in das Ehebett zu legen, ich wartete noch eine halbe Stunde, bis e5 zu dämmern begann, dann zog ich meinen Ueberzieher an und ver­ließ das Haus. Ich verbarrikadierte die zertrümmerte Tür, so gut es ging, schlich in die Stadt hinab und schellte im Hotel.

Wer die Spitzbuben waren, weiß ich nicht. Zu den professionellen «erden sie kaum gehört haben, denn in dem Fast würden sie sich wohl kaum von einer Tür haben abschrecken lassen, wo doch zwei Fenster da waren, durch die sie hätten hereinkommen können. Aber auch diese Schlingel waren nicht ohne eine gewisse kalte und freche Gewalttätigkeit gewesen, denn sie zerbrachen das Schloß und den Sperrbalken an meiner Tür.

Aber so bange um mein Leben bin ich niemals gewesen, wie in dieser Nacht in der Präriestadt Madelia, Jessie James Zufluchtsstätte. Es ist mir auch seither mehrmals passiert, wenn ich erschreckt wurde, daß der Schlag meines Herzens bis oben in meinen Hals hinauf ge­hämmert und mir meinen Atem behindert hat das ist ein lieber« bleibfel aus dieser Nacht. Nie zuvor hatte ich eine Ahnung von einer Angst gehabt, die sich auf so außergewöhnliche Weise äußern kann.

Im Wald.

Von Gottfried Keller.

Arm in Arm und Kron' an Krone steht der Eichenwald verschlungen. Heut hat er bei guter Laune mir fein altes Lied gesungen.

Fern am Rand fing eine junge Eiche an, sich sacht zu wiegen, Und dann ging es immer weiter an ein Sausen, an ein Biegen;

Kam es her in rnächt'gern Zuge, schwoll es an zu breiten Wogen: Hoch sich durch die Wipfel wälzend kam die Skurmeswut gezogen;

Und nun sang und pfiff es graulich in den Kronen, in den Lüften, Und dazwischen knarrt' und dröhnt' es unten in den Wurzelgrüften, Manchmal schwang die höchste Eiche gellend ihren Schaft alleine: Donnernder erscholl nur immer drauf der Chor vom ganzen Haine!

Einer wilden Meeresbrandung hat das schöne Spiel geglichen, Alles Laub war, weißlich und schimmernd, starr nach Süden hingestrichen.

Also streicht die alte Geige Pan, der Alte, laut und leise. Unterrichtend seine Wälder in der alten Weltenweise.

In den sieben Tönen schweift er unerschöpflich auf und nieder, In den sieben alten Tönen, die umfassen alle Lieder.

Und es lauschen still die jungen Dichter und die jungen Finken, Kauernd in den dunkeln Büschen sie die Melodien trinken.

Schloß

n

n SchE

Amerikas nir fitze" Antwort ßen. Ä nöglichsl' r andere berfallen. Blitzt' ,ie einen uf, ziett- !06 noch' u ziele"- iall *

Mathilde Möhnng.

Roman von Theodor Fontane.

(Fortsetzung.)

Am Ende war's auch seine Taschenuhr?"

Nein, es war sein Herz. Und das einzige Gute ist, und deshalb is das so wichtig, wenn er was Häßliches sieht, dann schlägt es besser, und dann hat er ein starkes menschliches Gefühl und beinah männlich. Und ein so guter Mensch er is, das Liebste an ihm is mir doch, daß er immer einen so furchtbaren Schreck kriegt, wenn er die Runtschen in ihrem Kiepenhut sieht und all das andere. Es is mir ja leid um sie, aber er tzcht mir doch näher, und du glaubst gar nicht, wie wichtig das is. Sieh, Mutter, mit einem schwachen Mann is eigentlich nicht recht was zu machen. Ader man muß auch nicht zu viel verlangen, und wenn einer "lofe fo viel hat, daß er sagen kann: ,Thilde, die Runtschen muß mir u^n bleiben', so ist das schon ganz gut. Denn wer so furchtbar gegen s Häßliche is, der kommt auch zu Kräften, wenn er was sehr Hüb­sches sieht."

Ach, Thilde, das is ja das Allerschlimmste, das kenn ich auch, damit komm mir Nicht."

Ja, Mutter, gerade damit komme ich. Du denkst bloß immer an UlrtJen und an Schnitzen unten, aber das is nicht die richtige Hübschig- keih das is, was man das Untere nennt, das Niedere. Daneben gibt es M was, das is das Höhere, und sieh, wer das hat, der kann auch das schwache stark machen. Lange vor hält es wohl nicht, aber es kommt doch,

5 doch da. Und wie er gegen das Häßliche is, so is er auch für das ®We Und dies alles hab ich dir sagen müssen, damit du mir nicht wieder der Alten da draußen kommst. Daß er so gegen die Runtschen is, w is mein Hoffnungsanker. Und nun komm, Mutter, es is ja schon über «s. und morgen is ein schwerer Tag für mich. Denn morgen is die u vorbei, und morgen muß ich ihn ins Gebet nehmen." toi , . ktz Thilde, was fall nu wieder ,ins Gebet nehmen' heißen? urhr5.mir doch recht bange. Und so geht es nu ins neue Jahr rein, Ph.vir bißchen Erspartes wird immer weniger. Er is ja doch auch kein

jerter, er is ja bloß ein alter Student."

ihn" >2 r355 er- ober laß nur gut fein, wenn ich auch nicht viel aus all« vkel doch, daß ich ihn heiraten kann, und daß ich dir

«onate was schicken kann, und daß ich einen Titel habe."

*

ab unter- rd meine

lide, eine jetifdjlert, ich fing an hotte, chkeit, sie ,b Roum hlte mich eben, der holt, daß egisch St­ein unb h. Keine für den i erlosch, ugen ans ich in die mich als hen oder

Der erste Januar war ein wundervoller Wintertag, alles bereift unb übereift, aber nicht sehr kalt unb eine Helle Wintersonne am blauen Himmel. Hugo war früh auf, fo früh, daß Möhrings noch schliefen. Er ging hinüber, klopfte an das Schlafzimmer, unb als er Thildens etwas erschrockene Stimme gehört hatte, rief er durch die Türspalte, daß er sein Frühstück in den Zelten nehmen wolle.

Das tu nur", rief Thilde zurück, während die Alte vor sich hin- brummette:Gott, so fängt er nu an, das is nu Neujahr."

Hugo hörte aber nichts davon, er drückte schon die Entreetür ins Schloß unb überließ es Thilde, die Alte ein bißchen zurechtweifen.

Mutter, mit dir is auch gar nichts. Ich bin doch nun verlobt und feine Braut, unb ich muß dir sagen, du mußt nun wirklich ein bißchen anders werden."

Ja ja, Thilde, ich will ja."

Sieh mal, du schadest uns. Ich habe dir neulich gesagt, wir seien keine kleinen Leute, die Runtfchens seien .kleine Leute', und das is auch richtig, aber wenn du immer gleich so weimerst, dann sind wir auch kleine Leute. Wir müssen nun doch ein bißchen forscher fein und so, was man sagt, einen guten Eindruck machen ..."

Ach Thilde, es kost't ja alles fo viel wo soll es denn Herkommen?" Dafür laß mich man sorgen. Und wenn nicht einen forschen Eindruck, so doch einen anständigen und gebildeten. Aber weimern is ungebildet."

Und so fängt nu das neue Jahr an", wiederholte die Alte,so mit Zank unb Streit unb mit Jn-die-Zelten-Gehen. Und ich glaube, fo früh kriegt er noch keinen Kgffee. Die Zelten sind ja bloß für Nackmittag/

Ach, er wirb schon für sich sorgen. In so was is er findig..." *

Hugo genoß den schönen Morgen. Er war glücklich, mal wieder einen weiten Spaziergang machen zu können, denn seit dem Tag, da er krank geworden, war er nicht herausgekommen. Er freute sich über alles und wußte nur nicht recht, ob es das Bräutigamsgefühl oder bloß das Rekon­valeszentengefühl sei. Er ging bis über Bellevue hinaus, unb erst auf dem Rückweg machte er sich's in dem mittleren Zelt bequem, wo der Alte Fritz mit dem Krückstock am Straßengitter steht. Dabei hing er seinen Gedanken nach unb überlegte. ,Heut früh kriegt nun auch meine Schwester meinen Brief, unb bann wird es ein großes Gerede geben. Aurelie ist ein sehr gutes Mädchen und auch nicht eng und nicht kleinlich, aber sie hat doch so'n sonderbares Honoratiorengefühi unb kann eigentlich auch nicht anders fein. Und wenn sie nun lieft, daß ich mich mit einer Chambregarnie-Tochter verlobt habe, dann wird sie die Nase rümpfen und von Philöse sprechen. Und vielleicht-schreibt sie mir auch einen imper­tinenten Bries ... Nun, ich muß es hinnehmen. Möhrings sind sehr gute Menschen, auch die SHte auf ihre Art, aber wenn sich einer mokieren will, bann kann ers... Schließlich schadet es nichts, man kann sich über alles mokieren. Und wenn Aurelie Thilden erst sieht, wird sie sich vielleicht auch wundern. Thilde hat nichts Gefährliches, aber das ist auch ein Glück. Wenn sie so was hätte, wohin sollte das sonst führen bei unfern Aus­sichten und so täglichem Verkehr! Und auch schon jetzt, ich muß mich vor Intimitäten hüten. Sie hat was Herbes, aber das kann auch nur angelegte Rüstung fein. Im übrigen weiß ich, was ich mir unb andern schuldig bin/

Es war schon zwölf, als er wieder nach Hause kam. Er hatte noch an der Ecke der Friedrichstraße eine Litfaßsäule durchstudiert unb war zu bem Ergebnis gekommen, daß sie den Abend in den Reichshallen verbringen wollten, wo eine Luftkünstlerin merkwürdige Sachen aufzu­führen versprach. Sie war auch auf dem Zettel abgebilbet, wie sie in leichtem Kostüm, eigentlich nur eine Andeutung, durch die Lust flog.

.Ich sehe gern so was', sagte er zu sich, als er von der Säule her in die Friedrichstraße einbog. ,Es ist sonderbar, daß mir alles Praktische so sehr widerstreitet. Man kann es eine Schwäche nennen, aber vielleicht ist es auch eine Stärke. Wenn ich solche schöne Person durch die Luft fliegen sehe, bin ich ganz benommen und eigentlich beinah glücklich! Ich hätte doch wohl auch so was werden müssen. Ausübender Künstler ober Luftschiffer ober irgend etwas recht Phantastisches. Zum Beispiel Tier­bändiger, das hat von klein an einen besonderen Reiz für mich gehabt. Es soll auch alles nicht so gefährlich sein, wie es aussieht. Sie machen sich etwas Zibet oder Moschus ins Haar, dann schnappt er nicht zu... Gott, wenn Thilde wüßte, daß ich so verwegene Gedanken habe! Nun, Gedanken sind zollfrei. Und es zieht auch mir fo über mich hin. Wenn ich ernsthaft zusehe, merke ich, daß alles lächerlich ist... Tierbändiger! Und dabei hat mich Thilde in Händen. Sie denkt, ich merke es nicht, aber ich merke es ganz gut. Ich laste sie gehen, weil ich es fo am besten finde. Schließlich ist man, was man ist, und wenn ich nur so leiblich bequem bnrchkomme...

Bei dieser Stelle feiner Betrachtungen war er vor Schnitzens Palazzo angelangt und sah hinauf. Schultze stand im Samtschlafrock und türkischem Fes am Fenster und grüßte gnädig hinunter, wobei er seinen Fes lüftete. Hugo erwiderte den Gruß, war aber nicht sehr erbaut davon, weil sich in dem Ganzen etwas von Ueberheblichkeit aussprach, jedenfalls nicht viel Respekt. Dann stieg er die Treppe hinauf. Das Mefsingfchild eine Treppe hoch war glänzend geputzt, unb ein Hausmädchen mit kokettem Häubchen und Töndelschürze, das Schultze selbst gemietet hatte, stand auf dem Borflur am Treppenfenster unb sah in den Hof hinunter. Als Hugo vorüberging, wandte sie sich um und grüßte sehr artig, aber doch mit einem Gefühl von Ueberlegenheit über ihn oder eigentlich über Thilde.

Hugo fühlte es heraus, unb eine ziemlich unbehagliche Stimmung überkam ihn. Ein Glück nur, daß er solchen Anwandlungen ebenso rasch entrissen werden konnte, wie sie ihm anflogen. Ms er oben war, dachte er schon wieder an die Reichshallen und das Bild auf dem Zettel, und wieder gehoben in feiner Stimmung, trat er ins Entree, legte den Ueberzieher ab und ging zu Möhrings hinüber.

Er fand nur Thilde. die merkwürdig gut aussah unb sich ihm kn einem neuen Kleide präsentierte. Die Alte war nicht da.

Guten Tag, Thilde, und viel Glück zum neuen Jahr ... Aber wo ist denn Mutter?"