Ausgabe 
22.8.1930
 
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mutes und der Vernichtung. Im kiesbestreuten Garten des einst lübi- fchen, aus Fachwerk gebauten Vurmcisterhauses erholt sich munter das Völkchen der Touristen von seinen Wanderungen. Das Schiff trägt die abends leise von dannen. Schweigend versinkt die Stadt im verblassen­den Licht. Und drüben an der Küste, jenseits der Nacht liegt Kalmar, die kleine Seestadt, die einst im Schutz des ins Wasser vorgeschobenen vier­türmigen Schlosses aufblühte, das jetzt noch ungebrochen dasteht. Gotland lag immer weit draußen, fremd und einsam, hell und schweigend.

Nochmals Stockholm. Doch jetzt ist der Kai landeinwärts gerichtet. So leicht die Fahrt in den bequemen, von Sauberkeit glänzenden Zügen Schwedens vonstatten geht, noch sanfter schwebt doch dieses langsam gleitende weihe Schiffshaus mit feinen spiegelnden Sälen und wohn­lichen Kabinen mit den heiteren Menschen auf der abwechslungsreichen Landreise zum Kattegatt hinüber. Weißgrüne Birkenwälder, rote Bauern­hütten, weiße spitztllrmige Bauernkirchen, das alte Schloß Vadstena, die sagenhafte Insel Visingsö in der baikalgroßen Wasserfläche des Vätters- fecs, später die Kraftwerke, die Fabriken an der Seite der Schleusen, die kunstreiche, stufenartige Umgebung des Trollhättan, die Fahrt den sanften Göafluß hinab bis zu dem von granitnen Höhen und verwitterten Kastellen bewachten Gotenburg das ist der Weg quer durch Schweden, von dem glatten Mälar bis zu dem Meeresarm der Nordsee, in dessen Hintergrund die von Gustav Adolf gegründete, von Grachten durch­zogene Seestadt liegt. In doppelter Reihe säumt sie die Ufer mit den Werften und Liegeplätzen der Dampfer. Auch hier eine Hafenstadt, deren Reichtum sich ausspricht in herrlichen Alleen und Gärten, in reichen Kunstsammlungen und Museen und in dem modernen Charakter seiner verstreuten und luftigen Vororte. Eine Seestadt mit dem berühmten Markt am Hafen, dem die Fischerflotten der Nordsee den täglich neuen silbernen Reichtum des Meeres bringen. Und auch hier hinter den schwarzen, mennigroten, grauen Seedampfern mit ihren hellgelb gemalten Schornsteinen und dem unentwirrbaren Takelwerk finden sich die kleinen weihen Dampfer an der Landungsstelle. Sie fahren zu den Ausflugs­orten der Westküste, den Strom hinab, dann seitwärts in die flachen glänzenden Fjorde von Bohuslän, in die Heimat der Wikinger. In labyrinthisch verschlungenen Wasserstraßen liegen versteckte Buchten, um­säumt von roten und gelben Häusern. Felseneilande heben ihre Köpfe wie Seehunde aus der Flut. Nach einer Fahrt, deren Weg zuweilen als eine Schlucht in den Granit dieser merkwürdigen, von ewiger Bran­dung gepeitschten Küste eingesprengt erscheint, öffnet sich auf einmal, mit dem Festungsturm auf der Höhe, die Bucht von Marstrand, dieses schönsten Sommerkurortes mit seinen kleinen verborgenen Hainen und seinen weit ins Meer gestreckten Klippen, auf denen nichts als ein Farb­strich auf dem Boden dem Fußgänger im Glanz und Sturm der Meeres­nähe feinen Weg von Ruheplatz zu Ruheplatz und zu den Badehütten bezeichnet.

Köstlicher fröhlicher Sommer Schwedens! Ernstes und doch strahlen­des Land, über das sich die Menschen verlieren. Auch bei den Sammel­punkten, den Hotels mit ihren Speisesälen und Tanzabenden, ist noch immer ganz nah die Einsamkeit des Badens und Segelns, die freie Luft, die Ruhe auf dem Moos. Und die blaugelbe heitere Flagge weht allgegenwärtig. Sie ist wie das Telephon und das Radio, das selbst die einsamen und schweigenden Tage lebendig macht und den rauschenden ver­träumten Gewalten der Natur das Zeichen des menschlichen Daseins ent­gegensetzt.

Angst.

Erzählung von Knut Hamsun.

Copyright 1930 by I. L. A. Wien.

Ich habe eigentlich nie gewußt, was Angst sei, nur einmal während meines ersten Aufenthaltes in Amerika. Nicht weil meine Kühnheit so groß ist, sondern weil sie bis dahin niemals auf eine richtige Probe gestellt war.

Da draußen in der Prärie liegt eine kleine Stadt, die Madelia heißt. Hier war es auch, wo Jessie James, Amerikas blutdürstigster, rauch- gcfchwärzester Räuber endlich ergriffen und totgeschlagen wurde. Hier­her war er gekommen, hier hatte er sich versteckt, ein passender Ort für dies Ungeheuer, das feit einer Reihe von Jahren die Freistaaten unsicher gemacht hatte durch feine Ueberfülle, feine Plünderungen und seine Mordtaten.

Hierher war auch ich gekommen aber in der friedlicheren Ab­sicht, einem Bekannten von mir aus einer Verlegenheit zu helfen.

Ein Amerikaner namens Johnston war Lehrer an derMittel­schule" in einer Stadt in Wisconsin, wo ich ihn und feine Frau kennen­lernte. Einige Zeit darauf gab dieser Mann seine Stellung auf und ging zu einer praktischen Tätigkeit über, er reifte nach der Präriestadt Madelia und eröffnete dort ein Holzgeschäft. Nachdem er ein Jahr diese Tätigkeit ausgeübt hatte, erhielt ich einen Brief von ihm, worin er mich bat, wenn es möglich wäre, nach Madelia zu kommen und feinem Geschäft vorzustehen, während er und seine Frau eine Reise nach dem Osten machten. Ich war zu jener Zeit gerade frei und begab mich nach Madelia.

An einem dunklen Winterabend traf ich auf dem Bahnhof ein, wo mich Johnston empfing, ging mit ihm nach Hause und erhielt ein Zimmer angewiesen. Sein Haus lag eine ganze Strecke außerhalb der eigentlichen Stadt. Wir verbrachten einen großen Teil der Nacht damit, mich ein wenig in die für mich so fremden Finessen des Holzgeschäfts einzuweihen; am folgenden Morgen händigte mir Johnston mit einem «cherz feinen Revolver ein, und ein paar Stunden später saßen er und seine Frau im Eisenbahnzug.

s im Hsiust war, zog ich aus meinem Zimmer in

a Grdgeschoß hinab, wo ich bequemer wohnte und von wo aus ich außerdem bessere Aufsicht über das ganze Haus führen konnte. Ich nahm auch das Bett des Ehepaares in Gebrauch.

Einige Tage gingen dahin. Ich verkaufte Planken und Bretter und brachte leben Abend das am Tage eingenommene bare Geld nach der

Bank, wo ich eine Quittung darüber in mein Buch eintragen ließ.

Es war recht einsam in diesem großen Hause für einen einzelnen Menschen von einigen zwanzig Jahren. Da waren stockdunkle Nächte, und es gab keine Nachbarn, bis man in die Stadt hinabkam. Aengstlich war ich aber nicht, es tarn mir gar nicht in den Sinn, ängstlich zu fein. Und als ich zwei Abende hintereinander ein verdächtiges Geräusch an dem Schloß der Küchentür zu hören meinte, stand ich auf, nahm die Lampe und untersuchte die Küchentür von innen und außen. Aber ich fand nichts Verdächtiges am Schloß. Und ich hatte den Revolver auch nicht in der Hand.

Aber es sollte eine Nacht kommen, in der mich eine so haarsträubende Angst befiel, wie ich sie weder vorher noch nachher erlebt habe. Und noch lange Zeit nachher konnte ich das Erlebnis dieser Nacht nicht verwinden.

Es war an einem Tage, an dem ich mehr als gewöhnlich zu tun hatte, ich schloß mehrere große Geschäfte ab und arbeitete bis spät in den Abend hinein. Als ich endlich Schluß machte, war es so spät geworden, daß es bereits dunkelte und die Bank geschlossen war. So konnte ich denn die Bareinnahme des Tages nicht abliefern. Ich nahm alles Geld mit in bas Zimmer und zählte es: Es waren 700 bis 800 Dollar.

Wie gewöhnlich fetzte ich mich auch an diesem Abend hin, um an einer Arbeit zu schreiben; es wurde später und später, und ich saß da und schrieb; es wurde Nacht, die Uhr wurde zwei. Da hörte ich plötz­lich abermals das geheimnisvolle Geräusch an meiner Küchentür.

Was war das?

Das Haus hatte zwei Türen nach außen, eine, die in die Küche führte und eine andere die eigentliche Haustür die auf einen Vor­platz vor dem Zimmer führte. Diese letzte Tür hatte ich der Sicherheit halber von innen mit einem Sperrbalken verrammelt. Die Jalousien im Erdgeschoß waren ein Patent, sie waren so dicht, daß man von außen absolut keinen Schein der Lampe sehen konnte.

Und jetzt dringt also von der Küchentür her ein Geräusch an mein Ohr.

Ich nehme die Lampe in die Hand und gehe dorthin. An der Tiir bleibe ich stehen und lausche. Draußen ist jemand, es wird geflüstert und im Schnee vor der Tür schleicht etwas hin und her. Ich lausche eine ganze Weile, das Flüstern hört auf und gleichzeitig scheint es mir, als entfernten sich die schleichenden Schritte. Dann wurde alles still.

Ich gehe wieder hinein und fange wieder an zu schreiben.

Eine halbe Stunde verging.

Da fahre ich plötzlich in die Höhe die Haustür wurde eingerannt Nicht nur das Schloß, sondern auch der Sperrbalken innerhalb der Tür wurde zertrümmert, und ich hörte Schritte auf dem Vorplatz ge­rade vor meiner Tür. Der Einbruch konnte nur mittels eines starken Anlaufes und mit vereinten Kräften mehrerer Personen ausgesühri sein, denn der Sperrbalken war stark.

Mein Herz schlug nicht, es zitterte. Ich gab keinen Ausruf, keinen Laut von mir, aber ich fühlte die Bewegung meines Herzens bis oben in meinen Hals hinein, es hinderte mich, ordentlich zu atmen. In den ersten Sekunden war ich so bange, daß ich kaum wußte, wo ich war. Da fiel mir plötzlich ein, daß ich das Geld retten müsse, ich ging in die Schlafstube, nahm meine Brieftasche aus meiner Tasche und steckte sie unter die Matratze im Bett. Dann kehrte ich in das Zimmer zurück. Diese Handlung nahm sicher keine Minute in Anspruch.

Vor meiner Tür wurde gedämpft gesprochen und an dem Schloß wurde herumgearbeitet. Ich holte Johnstons Revolver heraus und unter­suchte ihn; er funktionierte. Meine Hände zitterten heftig, und meine Beine konnten mich kaum tragen.

Meine Augen fielen auf die Tür, sie war ungewöhnlich solide, eine Bohlentür mit starken Querbalken; sie war sozusagen nicht getischlert, sondern gezimmert. Diese massive Tür machte mir Mut, und ich fing wieder an zu denken was ich bisher wohl kaum getan hatte. Die Tür ging nach außen, folglich war es eine Unmöglichkeit, sie einzurennen. Der Vorplatz war auch zu schmal, um genügend Raum zu einem Anlauf zu gewahren. Dies fiel mir ein und ich fühlte mich plötzlich mutig wie ein Maure, ich schrie hinaus, daß ich jeden, der eindringe, tot niederstrecken würde. Ich hatte mich soweit erholt, daß ich selber hörte und verstand, was ich sagte, und da ich norwegisch ge­sprochen hatte, sah ich das Törichte meiner Handlungsweise ein und wiederholte mit lauter Stimme meine Drohung auf Englisch. Keine Antwort. Um meine Augen an die Dunkelheit zu gewöhnen, für den Fall, daß die Fenster eingeschlagen würden und die Lampe erlosch, blies ich die Lampe sogleich aus. Ich stand im Dunkeln, die Augen aus die Fenster gerichtet, den Revolver in der Hand. Die Sache zog sich in du Länge. Ich wurde immer kühner, ich nahm keinen Anstand, mich als Teufelskerl zu zeigen, und ich schrie: r

Nun, was haben Sie denn beschlossen? Wollen Sie gehen oder kommen? denn ich will schlafen!

Da antwortete nach einer kleinen Weile ein erkälteter Baß:

Wir wollen gehen, du Hundsfott!

Und ich hörte, wie jemand den Vorplatz verließ und in den Schnee hinausknirfchte.

Der AusdruckHundsfott" ist das nationale Schimpfwort Amerikas wie übrigens auch Englands und da ich es nicht auf mir M" lassen konnte, daß man mir dies Wort zurief, ohne daß ich eine Antwort gab, wollte ich die Tür öffnen und den Schlingeln nachschießen. hielt indessen inne, ich dachte nämlich im letzten Augenblick, möglichen weise habe nur ein Mann den Vorplatz verlassen, wahrend ijer andere darauf wartete, daß ich die Tür öffnete, um mich dann zu ubersme . Deshalb ging ich an eins der Fenster, lieh die Jalousine mit SUR schnelle an die Decke hinaufrollen und sah hinaus. Ich glaubte en dunklen Punkt im Schnee zu erkennen. Ich riß das Fenster auf, 3|C so gut es ging auf den dunklen Punkt und schoß. Klick! Ich schoß J Mals. Klick! Rasend erledigte ich den ganzen Zylinder, ohne zu 3tc ' endlich ging ein einziger, armseliger Schuß ab. Aber der Knall

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