Ausgabe 
22.8.1930
 
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Geheim ZamilienblStter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang MV Freitag, den 22. August Nummer 64

Hymnus an die Reise.

Von Stefan Zweig.

Schienen, die blauen Adern aus Eisen, Durchrinnen die Welt, ein rauschendes Netz. Herz, rinn mit ihnen! Raff' auf dich, zu reisen, Im Flug nur entfliehst du Gewalt und Gesetz.

Im Flug nur entfliehst du der eigenen Schwere, Die dir dein Wesen umschränkt und erdrückte Wirf dich ins Weite, wirf dich ins Leere, Nur Ferne gewinnt dich dir selber zurück!

Siehl bloß ein Ruck, und schon rauscht es von Flügeln, Für dich braust eine eherne Brust,

Heimat stürzt rücklings mit Hängen und Hügeln.

Ein Neues, es wird dir neuselig bewußt.

Die Grenzen zerklirren, die gläsernen Stäbe, Sprachen, die fremden, sie eint dir der Geist Unendlicher Einheit, da er die Schwebe Der vierzehn Völker Europas umkreist.

Und in dem Hinschwung von Ferne zu Fernen Wächst dir die Seele, verklärt sich der Blick, So wie die Welt im Tanz zwischen Sternen Schweigend ausruht in großer Musik.

Schwedens fröhlicher Sommer.

Von Alfons P a q u e t.

Paquets dichterische Gabe, Natur und Kultur fremder Länder und ihrer Menschen geistig zu erfassen und mit dem vollen Atem der Lebensnähe nachzugestalten, gibt ihm seinen hohen Rang unter den namhaften Reiseschriftstellern der Welt.

Gewiß, auch für den schwedischen Winter gilt die blaue Flagge mit dem gelben Kreuz gleichsam als das farbige Symbol eines strahlenden himmele über der reinen Schneefläche, und in tausend papiernen Fähn­chen hängen diese Farben an den dunkeln schwedischen Weihnachts­bäumen. Aber die blaugelbe Flagge ist noch tausendmal mehr das Ab­bild aller Wonnen des Sommers in Wind und Wärme, mit seiner rassigen Freude an Blond und Blau, an reifem Korn und unermeß­lichem Himmel, an blauen Nächten mit heller Milchstraße, an klarer See und feuriger Morgensonne, am Goldglanz frischgeschnittenen Holzes von dem Walde, den tiefblau der Salitter eines stillen Sundes durchfunkelt ... Blau ist das Wappenschild mit den drei Kronen des Königs im Stock­holmer Schloß, über dem die dreizipfelige Flagge züngelt, und selbst die Wappen der kleinen Aemter und des Adels, die Ladenschilder der Hauptstadt, die Kokardenmützen der Studentinnen, die Uniformen der Post spielen immer wieder mit dem lichten, heiteren Farbenklang. Ob Birken oder Tannen den alten Landsitz umgeben, immer weht am Sonntag noch höher als der höchste Wipfel die blaugelbe Flagge von der Stange. Und über den Masten des Hafens, über den Segeln der brennenden Wasserfläche, über den Giebeln aller Städte und Dörfer von Norrland bis Schonen, von Gotland bis Marstrand weht am Sonntag schlich emporgehißt wie ein Gruß in dem Kosmos das blaugelbe Tuch. Eine unschuldige Freude, ein inselhaftes Lebensgefühl lebt in diesen beiden frischen Farben. Will sich einmal dieses Land, wie andere größere Länder, mit zwei Farben nicht begnügen, so kommt es noch hinzu das Weiß seines Winters, feiner Schiffe, feiner sommerlichen Segel, das Weiß der Brandungswelle und der Hütten über den Hellen Klippen an der See. Dann ergänzt sich das Gelbblau der Wasas, die mitten in Schweden herrschten, mit dem Blauweib der südlichen gotischen Pro­vinzen.

Was der unerträglich lange Winter verschlossen hält, die starke Heiterkeit, die unbändige Naturliebe des nordischen Menschen, seine Lust, den Pelz abzuwerfen und sich mit einem Kopfsprung in das Meer zu stürzen, alles das bricht in dem singenden, schwärmenden Sommer her­vor. Die berühmte Höflichkeit, das gesellige Temperament der Schweden, d>e attische Anmut ihrer Kunst und ihrer Frauen ist das Geschenk des öDtnmers, der als Erinnerung das ganze Jahr durchglänzt. Gespenstische herrliche Nächte, deren glühendes Dämmern und Verweilen das Herz ihwer macht von Glück, im Anblick einer Sonne, die niemals unter« M -.. Leidenschaftliche, liebende Ehrfurcht vor der Freiheit dieses un- veruhrten und dennoch zerrissenen Landes auf Felsen, Wälder und Seen Mfer dem unendlichen Saum einer Küste, die von den behäbigen Obst- r-ick? &e$ Een Lund bis zu den Gletschern der Polargrenze hinauf-

Die Hauptstadt dieses Landes ist ein Märchen. Stockholm liegt auf zwei zueinander gerichteten, von Inseln umschwärmten Landlappen, zwi­schen denen der Mälar seinen Wasserüberschuß mit einer einzigen fun­kelnden Stromschnelle in den Borhof der Salzsee gießt. Aus der größten Insel in der Mitte liegt die Altstadt mit dem breiten klassischen Schloß, mit den alten Kirchen, mit den engen Gassen einer vergessenen deut­schen Reichsstadt. Doch diese StadtZwischen den Brücken" ist so fern von dem modernen Schweden, wie die Gotik der Kirchenruinen von Wisby von der jetzigen mädchenhaften Heiterkeit der mit Rosengärten ge­schmückten Jnselstadt auf Gotland, dieser einstigen Heimat der kühnsten Seeräuber, die jetzt ein Paradies der Touristen ist. An allen Kais von Stockholm liegen die weißen kleinen Schiffe, auch der Altstadt geben sie ihr Leben, ihre Routen strahlen aus in das stille Reich der Schären, auf die hohe See, nach Finnland hinüber und zu den großen Häfen der Welt, doch ebenso landeinwärts zu den von Wäldern umrahmten Wasser­flächen.

Stockholm, die Halbmillionenstadt, ist ein Dutzend locker zusammen­hängender Stadtteile. Scharfgeschnittene Hausprofile auf granitenen Vrocken, eine glänzende Geschäftsstadt, deren Plätze geschmückt sind mit Denkmälern, Blumenbeeten und stolzen Fronten. Auf waldigen Inseln liegen die Villenvororte bunt und ferienhast, die Fabriklandschaften an blanken Wasserwegen und hohen Vrücken. Die ganze große Stadt ist aufgeteilt zwischen Buchten, die tief hineingreifen in die Häusermasse, und Strandvägen ist ihr Rand, dieser breite luftige. Boulevard mit der geschlossenen Häuserreihe auf der einen Seite, auf der andern die grauen Voote der Flottenstation und der Mastenwald der Holzsegler, die. von den Wäldern des Nordens kommen, um Brennholz abzuladen ... Doch an der glänzendsten Stelle des Mälarufers, hinter einem Parterre von Rasenoierecken, erhebt sich das neue Stadthaus, derber Turm aus rotem Backstein, gekrönt von goldenem Zierrat, säulengetragener Palazzo mit der Front zum Wasser, mit strahlenden Sälen, der Marmorboden des größten wie ein gefrorenes Meer, dessen Algen und Moose von unten emporlangen. Das stolzeste Bauwerk Schwedens, eine Blüte der europäischen Baukunst. Und unter dem luftigen Pavillon des Turmes von Mövenscharen umflattert.

Liegt unten die Stadt wie eine Karte, umfaßt von Wäldern und von den Armen der See. Drüben die farbige Küste des Stadtteils Söder auf braunen Klippen, dem Meer zu, der Höhenrücken mit dem Turm von Skanfen, zu dessen Füßen alle Landschaften Schwedens in ihren verschiedenartigen Bauernhütten sich wiederholen, unten an der Bucht die Ausstellung dieses Jahres mit den aus schwedischem Boden gewachsenen feinen und schnittigen Werken der Künste und Gewerbe. Weit verteilt über den Dächern der Stadt stehen die Türme, die Hauben, die Goldgespinste der Kirchen, Wolken ballen sich alabastern zum Him­mel empor, unermüdlich reißen da unten die Fähren, die Boote ihre Spur in das Wasser, das Fahren, das Gleiten der Züge, der Autos über die Brücken ist unermüdlich. Ganz weit draußen an der Fahr­rinne, in der die seegehenden Dampfer noch lange an den Bäumen und Villen des alten Tiergartens vorbeifahren der Meeresarm wird breiter, die kleinen Dampferchen verschwinden schon in den Waldkanälen des inneren Schärenhofes schwebt Musik auf dem gläsernen Tanz­pavillon von Federholmen den Abschiedsgruß. Der Dampfer führt auf dem Schein des Abends, den die helle Wasserfläche gewaltig spiegelt, durch die stille sommergrüne Welt der äußeren Schären und begegnet endlich, da nun der Mond kommt, dem wiegenden Schwall der Dünung, vor den letzten, kahlen, weit umhergestreuten Felsenklippen.

Am Morgen: der Kai von Wisby ... Nüchterne Warenspeicher, da­hinter öffnen sich die harmlosen schmalen Straßen einer freundlichen Stadt. Doch uralte Gebäude stehen hoch und greisenhaft vereinsamt zwischen niebern, von Efeu überhängten Gartenmauern. Straßen, die den Namen alter Hansestädte tragen, steigen terrassenförmig empor, durch die leeren Torbogen verfallener Kirchen blickt der Himmel. Oben am Rand der Ebene, wo Gärten und Landstraßen, Bauernhöfe und kleine Jndustriegebäude einander begegnen, graben Spaten und Spitz­hacken aus dem Erdloch zu Füßen eines verwitterten Steinkreuzes rostige Kettenringe, zerhauene Helme, zerhackte Skelette, die lieber« blcibfel einer tast vergessenen Schlacht Weithin sichtbar steigt der Kreide- fels der sagenhaften Insel aus dem Meer.

Doch herrlicher ist am Sommertag jene Landspitze von Gotland, auf der noch drei steinerne Pfeiler des alten Galgens ragen. Hier umfaßt der Blick die Meeresweite, den Tummelplatz der unbändigen Nord­männer, deren Fahrten sich bis ins Schwarze Meer ausdehnten und die dann im Schutz der heute noch unversehrten, zwanzig Meter hohen Stadtmauer mit ihrem dreifachen Graben. Erhalten ist von den elf großen Kirchen da drinnen nur noch der Dom. Runensteine aus heid­nischer Zeit und christliches Schnitzwerk, arabische Goldmünzen, goldene Spangen, uralte Messer und Schwerter, seltsame Geräte füllen das kühle Museum, diese letzte Schatzkammer aus den großen Zeiten des lieber«