von Fleisch!
Gandhi wußte nicht, was er tun sollte. Er hatte Neigung zum Eng- lisch-Europäifchen, aber ein stärkeres, mächtigeres Gesetz banb ihn an die
Pflanzen?
Der Kellner stutzte: ,^Ich verstehe Sie nicht, Herr? Wie meinen Sie? Fleisch? Gemüse? Das sind Pasteten!" „Oh," erwiderte Gandhi, „ich machte wissen, ob in diesen Pasteten Fleisch getüteter Tiere ist?" Und wieder ist der Speiseträger verwundert, schon ein wenig spöttisch über den braunen, dürren Inder mit den abstehenden Ohren lächelnd. Gandhi jedoch merkte die Ueberhebung und das Abrückende des dienenden Europäers. „Sagen Sie mir klipp und klar: ist in diesen Pasteten Fleisch enthalten?!"
Aha, dachte sich der Kellner, ein Vegetarier aus Indien. Und er dachte blitzschnell weiter: ich könnte ihm ja sagen, daß darin Hühnerfleisch sei —
zu verwerfen.
Gandhi war banger Ueberlxgung voll; im Geiste und in der Vorstellung hat er das gütige und »erhärte Gesicht seiner Mutter cor sich, das er im Elterngarten von Pordanbar sieht, wie es von den Blumen und Bäumen mit einem forschenden Lächeln, zu ihm, dem Sohne, kommt. Er erinnert sich ihrer warmen, über alles Maß fließenden Zuneigung und Sorge, die ihm drei Bitten mit auf die Reise gaben: keinen Wem zu trinken; denn der Wein verleite zum Rausch, verdunkle die Vernunft und trübe die geistige Klarheit; ferner keine Frau zu berühren denn das Weib des Westens würde ihn vom göttlichen Bewußtsein und der edlen und gütigen Kraft seiner Reinheit weglocken und verderben, und drittens kein Fleisch zu essen; Fleischgenuh sei eine Sunde gegen das Leben und seine Religion und würde ihn von feinen Ahnen entfernen tue niemals Stosse des Tieres ausgenommen und in sich verwandelt hatten.
Gandhi zuckte mit keinem Nerv. Ein asiatischer Gott schien er zu sen, seit vielen hundert Jahren versteinert und erstarrt. Obwohl er soebenmü Billigung aller, beleidigt worden war, war es doch so, als ft, er au« der Siegende, der Unangetastete und der Erhabene. Selbst die zu M Dummen und selbst die zu höchst Arroganten fühlten, daß sich damit
Und ich bete nichts anderes als dieses: „Gott, gib mir, daß ich ein : Mensch werde, bevor ich sterbe!"
Gandhi sieht vom Gasimahl auf.
Von Anton Schnack.
(Nachdruck verboten.)
Mohandas Karamtschand Gandhi, der spätere Vorsitzende des indischen Nationalkongresses und beispiellos mächtige Fuhrer eines Mil- lionenvolkes, war noch nicht lange in England, als er von Lord A durch irgendwelche Empfehlungen eine Einladung zum Diner erhielt. Gandhi ivielte äußerlich den engiisch-europäifchen Gentleman: im Innern glühte G/bas qro6e unb stille Geheimnis des Muttergesichtes, d.e alte von Schweigens Regengüssen und Hitze versengte Stadt Pordanbar und das leidende und demütig ergebene indische Volk. Er hotte sich als Student der Rechte in London eingeschrieben und bekam dadurch Anschluß an die englische Gesellschaft ...
Da saß er nun als Achtzehnter in einer langen Reihe geladener Gaste. Sein Gesicht war grau, merkwürdig unschön, aber ausfallend aus bem ftetjen Weiß seines Stehkragens. Er hüstelte damals cm wenig, Kehlkopf ertrug die feuchte, von Rauch und Ruß durchsetzte englische Lust schlecht. Gandhi siel auf: ein komischer Mensch, dachten manche, wenn sie ihn laben. Sr hatte die Ohren wie große Muscheln von sich abstehen, als waren sie da alles und vieles von Geräuschen und Gesprächen auszusangen und nach innen zu leiten. Ein ungeheuerer Wissens- und Lerntr.eb trat sichtbar aus ihm heraus. Seine Ohren bildeten emen eigentumuchen Gegen- fall zu den breiten, harten Backenknochen, die auf Zah.gkeit und Standhaftigkeit wiesen.
Meistens saß er wie eine schweigende, bis ins Innerste erstarrte Maske da. Wer in eine Augen sah, sah entweder in ein Tier, tn einen Wald, in Metall ober in ein Wasser ... Demütig aber von Verschlossenheit und Unbeutbarteit unterlagert, schienen seine Augen zu sein. Jeder suhlte, der war nicht da, um zu jagen, der war nur da, um zu Horen, zu wagen und
Daran dachte Gandhi, als Diener lange Reihen von Salaten und Vorgerichten, Schüsseln und Schalen mit weißen Mayonnaisen angesullt mit Pasteten, aus denen ein gewürzter scharfer Geruch stieg, hereinbrachten. Er sah in die europäischen Gesichter. Er tastete sie ab, er fudjtc: in ihnen zu lesen, sein Auge roch förmlich an ihnen. Er stell e fest: alles Fleischsresser, wiedergemacht aus Tieren, beladen nut Geschwülsten, Wucherungen, Unreinheiten, Speck und Warzen. Sein inneres Äuge ftmrte in einen Tiersriedhof hinein, der sich ihm zu Kälbern, Schweinen, Gänsen, Hühnern, Krebsen und Fischen verwandelte. Aus dem Seelenraum mahnte ihn die Stimme seiner Mutter: Sohn, versprich es mir, nähre dich Nicht
übrigens schönes weißes Hühnerfleisch mtt viel Saft hoffentlich gehen nicht zu viel Pasteten drauf — aber da merkte er, daß sem Herr, Lord A., ber in der Mitte der anderen Seite saß, auf das Gespräch zwischen ihm und diesem jungen komischen Inder aufmerksam wurde. Lord A., em starrer Vollblutengländer, wurde innerlich unwillig: unerträglich^ einfach unwürdig, au meinem Tische Unterhaltungen zwischen Gast und Bediener. Kein Engländer, dachte er weiter, würde so etwas tun. Gs wurde für ihn zur Rassenfrage, indem er feststellte: Gibt man schon einem Farbigen die Ehre, bei einem Engländer Gast zu sein, gleich zeigt er seine Unvollkommenheit, Minderwertigkeit und Unerzogenheit.
Das hörte ja nicht auf, wurde er schon wütend, als er schnell und flüditia rechts und links spähte und bemerkte, wie der Staatssekretär 21. verächtlich und gelangweilt die Stirne runzelte. Bei Gott, unterhielt er sich weiter, das kann ich nicht hingehen lassen! Meine gesellschaftliche Ehre und mein Haus würben unter so gebilligten Unkorrektheiten und ungejell- schastlichen Verbrüderungen leiden.
Gandhi hielt immer noch seine schwermütigen und ängstlich fragenden Augen auf bas boshafte und rote Gesicht des Kellners gerichtet. Er sah mit seelischer Helle: auch dieser Mann hatte in sein Gesicht und in fernen Körper viel hineingefressen, immer und immer wieder, unablässig, Tag für Tag. Gandhis Geist überschlug wie im Blitz die Zahl der Tiere die von diesem Manne hinabgewürgt worden waren. Der Mann konnte suns- unddreißig sein: Dutzende von Tieren, vielleicht schon Hunderte waren von ihm gespeist worden, wissentlich, erfreut und begeistert vom Genuß.
Ich, dachte sich Gandhi, wäre wortbrüchig meiner Mutter und meinen Ahnen, und es widerspräche dem Gesetze meiner Religion und Lebensführung wenn ich die Neigungen dieser Europäer annehmen wurde. Ich
i habe Mich bisher von Reis, Hirse und Früchten genährt und die schonen und zarten Tugenden der Pflanzen geerbt.
Und Gandhi wollte dem Speiseträger soeben sagen, daß er 'h" mit den Pasteten nicht behelligen möge, aber da bemerkte er, wie das Gespräch plötzlich um ihn verebbte, er fühlte instinktiv, daß sich ^roa3D0pe™1*' eine Entscheidung oder eine Beleidigung. Da traf ihn schon die Cnmme non Lord A • Herr Gandhi!" — Gandhi drehte sich ihm zu und sah den Lord mit einer kleinen unwilligen Falte zwischen den Brauen sich zu
^Gandhi^gUig"weg& bis ins Innere klar und gefaßt, Mut und Glauben brannten in seinen Augen. Er sprach keinWortz er beweg e auch ch- den Kopf. Langsam und stumm gefror das höhnische Lachem und iM,ie auf den Gesichtern von Lords und Lakaien zusammen.
Mit Gandhi ging etwas, das nicht zu erklären war und bas au ) nicht zu verletzen ober zu zertreten war. Er schritt hinaus — uno schien, als begleite ihn etwas Millionenhaftes, Dumpfes, Gewaltiges u Unterirdisches: ein ganzes unsichtbares Volk folgte ihm.
aber Ick ging zu Ihm. Gemeinschaften stießen mich aus, die Gerechten und die Unaerediten. Ich ging aus meinem Vaterlande und aus meuter Rreünbichaft aber ich ging zu ihm. Leid ging von mir aus und ~ranen, aber ich ging zu ihm. Und hinter meinen Erschütterungen raufd;en schon die Wälder me.ner Kindheit, in denen er wohnt.
Was soll ich noch sagen von meinem Leben? Man rüst muh und ich folge Man wartet auf mich und ich komme. Man klopft an und ich off ne. & bin bered zu Leid und Seligkeit. Zu neuen Büchern, neuen Er schütten gen, neuer Ekstase. Ich weiche nicht mehr aus, ich verhülle mich nicht mehr. Man hat mich entbunden und ich schlage die Augen auf das Kom-
ihm herüberbeugen.
Was haben Sie mit dem Kellner George, oder was wollen Sie. Absichtlich ging er noch etwas über das Maß ferner Frage simaus. „SehenSikdenn nicht? daß 31)« Unterhaltung mit d-m Bedienten d.e Abwicklung des Mahles und die Gespräche der Gaste stört!
Gandhi beunruhigte fick) nicht über den Peitschenhieb, den ihm Lord A. vor dem ganzen Tisch um die Ohren geschlagen hatte. Er denkt noch em- mal daran was er der Mutter in Pordanbar bei der Abre.se versprochen hatte er denkt daran, und Würde und Stellung des Gastgebers, Mi en Haltung immer zorniger und ablehnender wird, sind .hm unwichtig. Sein rascher^und sicherer Instinkt zeigt ihm augenblicks den ungeheuren und weiten Weltenunterschieb, der sich zwischen ihm und dem Engender auf. tut Er formuliert sogleich politisch: das Imperium kämpft mit der Ko !°nie der Herr mit' dem Ausgebeuteten, der Weiße mit dem Farbigem
Die Tafelrunde verstummte und erstarrte plötzlich °hne Uebergang zu einer schadenfrohen, kalten und gegnerischen Masse. Es war füll im Saal; selbst die Bedienten waren wie angewurzelt.
„Ihre Antwort, Herr Gandhi," zischte der Engländer ihm scharf und spitz" entgegen, „was haben Sie, was wollen Sie?
Gandhi aber, der klein und sehnig dasitzt und die Entscheidung fühlt, die von ihm gefordert wird, kehrt aus seinen Ueberlegungen und aus I dem reinen und frommen Bild seiner Erinnerung zur Gegenwart zurück, die eiskalt und feindselig gegen ihn sich stürzt. „
„Sir, ich möchte wissen, da ich kein Fleisch esse, ob in d.eser Paf ete — und er deutete auf die Platte des Dieners — „Fleisch enthalten ist? Die Tafelrunde, Männer aus der Diplomatie, Rechtsanwälte, Bankdirek- toren Militärs und Geschäftemacher, lächelte; denn sie fand, genau wie Lord A. es ungeheuer kindisch, mit solchen veralteten und kleinlichen Am schauungen eine englische Gesellschaft zu behelligen. Ern Kopf neigte s ch z?m andern: Nicht wahr, dumm! Ueberflüssig, unmännlich das mit nach England zu schleppen! Schlechte Erziehung, wenig Selbstbeherrschung ^^<^andh?war^vor"dkeser^Gesellschaft von Engländern und anglisierten I Indern — das fühlte er mit seiner wachen und uberempf.ndlichen Seele — ein komischer Kauz und zu einer gesellschaftlichen Null geworden. Wer en aber em «arteres maiyugeres »«..» ------* mochte von diesen Männern noch m.t .hm .n Zukunft verkehren? Wer
Ahnen und an ihr jahrtausenbaltes religiöses Bekenntnis. Er frug sich soll mochte nod) mit .hm sich sehen la sen.
ick dies eilen? Ist es rein? Ober soll ich es nicht essen? Ist es unrein? Es | Diese allgemeine Stimmung suhlte Lord A. «us "en eisigen uno waren ihm zumeist unbekannte unb seltsame Gerichte, über die er nicht j ächtlichen Gesichtern seiner Gäste, und er war gewillt, diese Mei g Bescheid wußte. Ja, sagte er im Innern: Mutter, ich gehorche dir! Ich will I öffentlich auszudrücken. ., ,. h aatnen
nichts von Tieren essen, die ich liebe und die des Menschen wegen ge- „Herr Gandhi," entgegnete er ihm überlaut, mit M ganzen
tötet wurden. Ich will mir das Auge Gottes, bas in ihnen lebt, nicht zer- | Tafelrunde eines Sinnes: die Willkür und die Nichtverleugnung IY stören lassen. Das dachte der schweigende, vor sich hinbohrende und ängstlich ! Sonderwünsche sind eines Gentlemans unrourotgi überlegende Gandhi. ~ *' " * ' m rc:"
Da kam der Speiseträger mit den Platten zu seiner Rechten. Er beugte sich ein wenig zu Gandhi herunter unb hatte schon die Frage nach feinem Begehr auf den Lippen. Aber Gandhi zupfte ihn am Arm und flüsterte ihm zu: „Was ist diese Speise? Ist sie aus Fleisck) oder aus
In in ma alljähi Fleisch versch. schläch scywin Vögel umsur Himm lasten angett Eine räterft unter steht, nicht c die Hi denn i berouf; folgen schlag legunc immer
Am:
Vi. In bei Aufsick find ni Höhen Bueno Masse, endlich der G ren, sc hüten
Je. Jahre- auf bii strahe. die ab tn frül in den sind, s scheine Wegsp Gerips reszeit Brise, wirbel bedecke
Di. Eukal. Halme bet, w Mate bittere wird, und ir bann geschie heran! währe liegen, Dann Filzhr An d. knöpf den st ist ihr einem Schul! den b Kopf geht l sofort riecht Stier Kühe grausc
W Grasi gehrt, begeq Weg Kiihlr .1 en ( Herde chen, gelinc auszr


