(Gawasls sind die zünftigen Tänzerinnen, die Almehs die Sängerinnen | die Schoara die Märchenerzähler des Landes), singen die Almehs und er'
Verantwortlich: Dr. Kan» Thyrtvt. — Druck und Verlag: Vrühl'sche AniverfitütS-Buch- und Steindruckerei. jt. Lange, ©iefien-
Dunkle Blätter.
Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs.
Von Max E y th.
(Sortierung.)
Ich füllte seine Tasse bis zum Rand und schmuggelte mit Taschenspielergeschicklichkeit die zweite und letzte Flasche, die ich besaß, aus dem Kaffer. Er tat, als ob er nichts bemerkte, brummte befriedigt und fuhr fort:
„Frauen können es nicht lassen, den Helden des Glaubens nachzulaufen, in dieser und in jener Welt. Um die dritte und vierte Nachtstunde des großen Festes des Mulid el Hassanen wimmelt deshalb auch die Moschee der Heiligen, so daß die Derwische kaum Raum finden für ihre Sikrs und das Allahu und das Geschrei den toten Krieger Gottes wecken könnten. Mitten im Gedränge war auch die Prinzessin Zohra mit ihrer Gouvernante und zwei Eunuchen des vizeköniglichen Harims. Auch sie wollte beten, denn sie verehrte die Helden mehr als den Propheten, der doch der erste aller Helden ist. Die Leute wichen aus, so gut es ging, aber es gelang den Eunuchen nur schlecht, Platz für die Damen zu machen. Wenn der Geist der Derwische die Menge packt, ist ihr eine Prinzessin wie ein andres Weib. Da plötzlich erhob sich ein furchtbares Geschrei und Getümmel. Sie hatten einen Christen entdeckt, der in die Moschee geschlichen war. Heute ist es anders. Damals war es noch ein großes Verbrechen und eine Entheiligung, wenn ein Ungläubiger sich dem Schrein Husseins näherte. Hundert Stöcke erhoben sich, Messer funkelten, Flinten gingen los. Es war ein großer blonder Mann, der gegen eine Säule lehnte und, wie ein Wolf von Schakalen umringt, sein Leben zu verteidigen hatte. Der Turban war ihm abgefallen. Das blonde Haar zeigte jedem, daß er aus dem Norden und ein Nusrani (Nusrani ist eine Bezeichnung für Christen, „Nazarener") war. Er hatte eine nagelbe- schlägene Keule in der Hand, die er einem daliegenden Derwisch entrissen hatte. Zwei andre stürzten heulend zu Boden. Aber sie drängten von hinten, namentlich die Weiber. Was war der eine gegen Tausende. Er mußte erdrückt werden.
Da erkannte die Gouvernante den Mann und schrie auf. Es war ihr Bruder. Und die Prinzessin verstand alles, wie wenn ein Blitz des Allmächtigen sie erleuchtet hätte; erleuchtet und berückt. Auch sie stieß einen Schrei aus, so laut, so gellend, daß die tolle Menge stillstand, solange sie den Arm ausstreckte. Der junge Engländer aber, den blutenden Kopf gebeugt, gehorchte ihrer drohenden Hand und ging festen Schrittes durch die Menge, die ihm murrend eine Gasse öffnete. Als er verschwunden war, brach das Geheul aus wie ein entfesselter Sturm: .Allahu! Allahu!' und die Prinzessin warf ihre Arme gen Himmel und rief mit: «Allahu! Allahu!' — Das war ihre erste Begegnung.
Auch zwei von den jungen Mamelucken Abbas Beys — er war damals erst Bey — hatten sich in der Moschee befunden. Sie hatten alles mit angesehen und brachten die Geschichte nach Hause. Er sei an der Säule gestanden wie ein wahrhaftiger Deli, ein Krieger aus der Zeit der Helden. Er hätte noch ein Dutzend erschlagen, ehe man ihn überwältigt hätte. Aber eine Schande sei es, daß ihn die Weiber gerettet hätten. Ich dachte ebenso. Abbas ließ sich alles dreimal erzählen und war still wie eine Schlange, die sich zum Sprung zusammenrollt.
Einige von uns wurden auf Kundschaft geschickt. Wir erfuhren, daß er O'Donald hieß. Er war ohne Zweifel der richtige Bruder der Gouvernante. Als Soldat war er mit den Engländern zum erstenmal nach Aegypten gekommen, während sie im Jahre 1840 nach der Belagerung Beiruts unter Napier vor Alexandrien lagen. Damals hatte das Glück den großen Pascha verlassen. Er konnte es nicht hindern, daß seine Feinde Nilwasser tranken, soviel ihnen beliebte. Und nun kamen sie zurück, einer um den andern. Denn wer Nilwasser getrunken hat, sagen die Araber — und sie sagen die Wahrheit —, kommt wieder an den Nil. Der Strom läßt dich nicht mehr los. Du wirst es auch noch erleben, o Baschmahandi, wenn du uns verlassen solltest. Vielleicht hatte ihm auch seine Schwester geschrieben, die seit einigen Jahren wie die Schwester Zohras gehalten wurde. Kurz, er war nach Alexandrien gekommen und lebte dort seit etlichen Monaten als Beamter der Schiffsgesellschast, die den Ueberlandverkehr von dort nach Suez leitete. Er war keiner ihrer großen Kaufmannsfürsten, keineswegs! Aber er war schön und stark, und wenn er seiner Schwester glich, so hatte er heißeres Blut, als seine Landsleute gewöhnlich haben.
Gott weiß, was dann geschah. Er ist der Allwissende und weiß, was er tut; nicht wir. Zohra hätte längst verheiratet fein können, aber ihr Vater verlangte einen Sultan für sie oder den Sohn des Kalifen. Der Schah von Persien wäre ihm zu gering gewesen, und so hatte es sich nicht machen wollen. Denn auch sie dachte wie ihr Vater. Aber nun kam es Über sie gleich einem Wirbelwind. Die Liebe verzehrte sie wie ein Feuer. Sie weinte die heißen Nächte durch. Sie biß seine Schwester in die Wange vor Sehnsucht, oder weil diese ihr nicht helfen wollte, ihn zu sehen. Denn die Engländerin erschrak vor solcher Leidenschaft. Immer wieder hatte sie von ihrem Bruder erzählen müssen: wie er als Knabe gelebt, wie er im Sudan Löwen gejagt und in Indien gefochten habe, und jedes Wort begann sie zu bereuen. Denn es war Gift für Zohra. Sie schrieb und warnte ihren Bruder, der nach Alexandrien zurückgekehrt war und bald alles wußte, was mit der Prinzessin vorging. Doch anstatt zu fliehen, ließ sich der Betörte nach Kairo versetzen, wo seine Gesellschaft ein Kaufhaus zu errichten gedachte.
Sie sahen sich wieder in der dritten Nacht des folgenden Beirams. Du weißt, o Baschmahandi, wie in diesen Nächten arm und reich, groß und klein auf die Friedhöfe zieht, um an den Gräbern zu beten und den Toten zum Feste Glück zu wünschen. Im Süden und Norden der Stadt, auf den öden Sandhügeln, wo fönst nur der schrille Jammer der Klageweiber gehört wird oder das Heulen des Schakals, sammelt sich die halbe Stadt im Feftschmuck. Es ist ein lustiges Leben. Die Kinder schaukeln mit den Alten, Derwische beten ihre Sikrs, und dazwischen tanzen die Gawasis
zählen die Schoara ihre Geschichten. Für die Nacht werden Zelte ausgeschlagen, und das Getümmel wird kaum stiller, ehe die Morgendämmerung über die Felsen des Mokattam heraussteigt. Auch Zohra zog mit chrem Harim nach der Grabstätte ihrer Brüder und Schwestern, und dort unter der erbleichenden Mondsichel, sahen sie sich wieder.
Ich glaube, sie liebte ihn, wie in alten Zeiten schöne Frauen die Helden des Glaubens geliebt haben, denen Allah einen Vorgeschmack des Paradieses geben wollte. Und auch er mag sie geliebt haben wie ein Wahnsinniger, denn er mußte wissen, daß er sich zwischen nackten Dolchen bewegte und Schlimmerem. Ob sie den Plan hatten, zu fliehen oder nur an ihre Liebe dachten, weiß ich nicht; beides war gleich toll."
„Aber, Rames Bey", unterbrach ich den Tscherkessen endlich, denn auch mir wurde die Geschichte zu toll, „wenn das alles auch nicht ganz unmöglich klingt: woher weißt denn du, wie es In Zohras Harim und Herzen aussah? Du warst damals ein kleiner Mameluck, der Abbas Paschas Pfeifen blank hielt. Die Prinzessin hat dir ihre Geheimnisse wohl nicht anvertraut."
„Auch weiß ich es erst seit vier Jahren", antwortete Rames gekränkt. „Halim Pascha hielt sich zum drittenmal damals längere Zeit in Paris auf, und ich durfte ihn begleiten. Eines Tages gingen wir frühmorgens an der Kirche von St. Sulpice vorbei, als die Leute aus ihrer Messe tarnen. Da ging ein bleiches großes Frauenzimmer mit schneeweißen Haaren dicht an uns vorüber, und Halim erkannte sie. Es war ßueie O'Donald, die frühere Gouvernante feiner Schwester. Wir liefen ihr nach; wir besuchten sie. Halim wollte ihr Geld geben, aber sie hatte genug, mehr als genug. Sie erzählte ihm aus jenen Tagen des Glücks und des Schreckens, was ich nie zu erfahren erwartet hatte. Aber Gott sieht alles und redet, wann er will. Der Allgegenwärtige lebt in Paris unter den Ungläubigen wie in Musr und offenbart alle Geheimnisse zu seiner Zeit und an seinem Ort! — Ich bitte dich um etwas Wein, o Baschmahandi."
Ich öffnete, um die Gefühle des frommen Mamelucken nicht nutzlos zu verletzen, die zweite Flasche heimlich unter dem Koffer und füllte seine Tasse.
„Das Schicksal rollte feinen harten Weg entlang", fuhr er fort; „es war nicht mehr zu halten. Zohra hatte eine prachtvolle Dahabia (Dahabia heißen die Nilboote, die für den Personenverkehr eingerichtet sind, in denen man unter Umständen auch monatelang zu wohnen pflegt), das Geschenk ihres Vaters. In der Nacht des Nildurchstichs fuhr sie aus dem festlichen Gedränge der Boote, unter dem Schießen und dem Feuerwerk der Fantasia, die der Vizekönig gab, in die Nacht hinaus gegen Schubra. Der Engländer besaß eines jener langen Boote seiner Landsleute und ruderte wie ein Fisch. Er ruderte in tiefer Nacht dreimal um das Boot der Prinzessin. Sie fang ihm aus dem Fenster der goldglänzenden Kajüte ihre arabischen Liebeslieder, bis sie schluchzte. Auf dem Deck stand feine Schwester, zitternd vor Angst. Denn es war nicht die Nacht für ein solches Abenteuer mit tausend Lichtern, die auf dem Nil hin und her schwammen wie warnende Geister. Aber sie wußten nicht mehr, was sie taten. Das Feuer hatte beide erfaßt.
Später, und nicht nur einmal, fuhr die Dahabia der Prinzessin in finftrer Nacht von Roda, wo sie einen Garten besaß, den Nil herab über Bulak hinaus. Dort, im Schatten der hohen Dämme, lag sein Boot und schoß wie ein Gespenst über die braune, gurgelnde Flut, wenn sich das einfache Licht zeigte, das in ihrer Kajüte brannte. Ihr Mut wuchs mit der Gefahr; aber dies war allzu gefährlich. Sie war ihrer Dienerinnen sicher und des Eunuchen, der sie begleitete, aber die Schiffer und der Reis (Reis heißen die Kapitäne der Nilboote), obgleich sie fürstlich belohnt wurden, konnten plaudern. Die Wasserfahrten mußten aufhören, und bann fand O'Donald den Weg in den Garten ihres Harims.
Niemand, selbst wir nicht, wußten, wie Abbas Bey, unser Herr, lauerte. Er hatte die Jahre in der Militärschule zu Kanka nicht verschmerzt und glaubte, daß er sie nur Zohra zu verdanken gehabt habe. Er wußte bald mehr als genug. Es lebte damals eine französische Jüdin, Madame Rieochette, in Kairo, die mit Schmuck und Juwelen aus Paris handelte und in allen Harims der Vornehmen aus und ein ging. Abbas kannte das Weib und bezahlte sie mit der Freigebigkeit des Hasses. So erfuhr er, was er zu wissen wünschte.
Und so kam es, daß er mit vier bewaffneten Mamelucken O'Donald am Gartentor des Harims der Prinzessin begegnete, als dieser den Garten im ersten Morgengrauen verließ. Sie hatten stundenlang gewartet. Doch wagte Abbas nicht einzudringen. Es war das Harim der Tochter seines Großvaters. Von ungeduldiger Wut verzehrt, hielt er vor dem Türchen Wache, das ihm die Jüdin bezeichnet hatte. O'Donald war nicht ohne Waffen. Zwei Mamelucken lagen blutend und heulend am Boden, ehe die zwei andern vor dem wütenden Teufel, wie sie nachher gestanden, die Flucht ergriffen. Abbas, der kein Feigling war, trat ihm entgegen. Aber das Blut des Engländers war in Wallung. Ein Fußtritt schleuderte unfern dicken jungen Herrn in den Graben am Weg. O'Donald ging langsam davon; hinter ihm ein wimmerndes Schlachtfeld.
Er hatte Abbas schwerlich erkannt, aber er wußte, daß alles zu Ende war. Doch hatte er noch heilige Pflichten, ehe er an seine Rettung denken konnte. Er mußte Zohra warnen und seine eigne Schwester retten. 31’ solchen Stunden verwirren sich die Sinne. Nur Allah kann dann helfen. Aber weshalb sollte Allah den Ungläubigen retten? War er nicht frech genug und reif für feine Strafe? \
Er wendete sich, nicht zum erstenmal, ebenfalls an die Jüdin, die er als Kaufmann kannte und der er lachend manchen guten Dienst geleistet hatte. Alles ging wunderbar glücklich, wie es ihm schien. Madame Rico- chette machte keinerlei Schwierigkeiten, trug seine Botschaft und brachte Antwort. Er mußte Zohra in der kommenden Nacht noch einmal sehen, zum letztenmal; und seine Schwester muhte Kairo mit ihm verlassen, w* war sein Plan, soviel man weiß.
(Fortsetzung folgt.) __
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