Da sagte die junge Dame:Cs gibt doch Lebewesen in diesem Hause. Eine erfreuliche Tatsache. Ich dachte schon, zwischen Gespenster geraten zu fein. Führen Sie mich zu dem Prinzen!"

Galante schwieg und sah sie fortwährend an. In seine Augen kam ein brennender Glanz.

Sie sagte:Hurtig, hurtig! Uebrigens was ist denn das für ein Zimmer? Wie komisch, ganz schwarz, kein einziges Bild, dreieckig! Sagen Sie, mein Herr, was ist das für ein närrischer Raum? Eine Zwangs­zelle? Schlafen Sie hier?"

Galante lächelte:Dieser Raum ist das Zimmer der Melancholie, schöne Signorina!

Die Dame horchte einen Augenblick dieser melodischen Erklärung nach, dann trat sie mit ihrem kleinen Fuß heftig auf den Boden und sagte nervös:Jetzt rufen Sie doch schon den Prinzen, ja?. Erst setzt er mir nach wie ein Wolf, und dann eilt es ihm keineswegs, mich zu sehen! Ist so das galante Venedig? Erst sagt er, wie heißt er Pietro? das heißt, er sagte es nicht, er beschwor mich in in Santa Maria Namen einen Augenblick zu dem Prinzen Galante zu kommen. Nun stehe ich hier und unterhalte mich mit wer sind Sie eigentlich? Ganz nett sehen Sie aus! Etwas blaß! Sind Sie sein Sekretär? Jetzt gehen Sie doch schon, oder glauben Sie, ich sei hierhergekommen, um mich von Ihnen fixieren zu lassen?"

Da lachte der Prinz sehr laut und sagte mit einer Verbeugung: Ihr ungeduldiges Temperament ist bezaubernd, mein schönes Fräu­lein --Galante!"

Weshalb sagen Sie so so soignierk Galante? Wollen Sie etwa damit sagen ...?"

Daß ich Remi Galante bin. Erraten!"

Sie?" rief da die junge Dame und fiel vor Erstaunen in einen Stuhl.

Und der Prinz rief:Ja. Ich. Vor zehn Minuten nur eine düstere Ballade von Venedig und jetzt ...

Und jetzt?"

Auf dem Wege zum Himmel!"

Dieses geflissentlich überhörend sagte das Fräulein:So. Das ist ja reizend. Man hat mich also hinters Licht geführt. Betrogen. Man fing midjjin wie einen Fisch mit einem seltenen Köder!"

Signorina!"

Leben Sie wohl, Herr Signor, Exzellenza oder wie man hier­zulande Herren mit Ihrem Titel nennt. Ich weiß das nicht. Ich bin erst einen Tag hier. Leben Sie wohl!"

Sie knöpfte sich gelassen die Handschuhe zu und warf während dieser Tätigkeit noch hin:An der Art, wie Sie Ihre Abenteuer versuchen, merkt man sehr wenig von Ihrem Rang!"

Worte und Benehmen der Dame schienen den Prinzen zu versteinern. Er sprang auf, als sie sich zur Tür wandte, ergriff sie an der Hand, die alten Leidensfalten traten wieder in fein Gesicht:Signorina" in diesem Augenblick war der verführerische Stimmglanz des Südländers in feinen WortenSie wollen gehen, und ich weiß noch nicht einmal Ihren Namen, bitte, warten Sie noch etwas!"

Sie trat wieder näher und sagte leise:Ich heiße Gesta, bin aus Schweden und ein Mädchen ohne Beruf!"

Der Prinz ergriff ihre Hände:Aber vielleicht mit Berufung!"

Da löste sie ihre Hände und wurde wieder lebhaft:Als Pietro mich bat, zu Ihnen zu kommen, wie er als den Namen feines Herrn den Ihrigen nannte, lachten meine sämtlichen Begleiter. Ich fragte sie, warum. Sie sagten, Sie seien der schönste und der traurigste Mann von Venedig. Und mein Vetter, ein Mensch, der ohne Randbemerkungennicht leben kann, hieß mich zu Ihnen gehen; er liebt Sensationen. Sie würden sich nur für Tiere und alte Bücher interessieren. Sie seien ohne Gefahr. (Sie sah wieder den Leidenszug um Galantes Mund.) Aber ich wäre auch so gekommen. Jetzt weiß ich aber nicht, was ich hier soll.Es ist doch gar nicht wahr, daß Sie so traurig sind. Sie sind doch ein junger, flotter, lächelnder Mann. Nicht wahr, das find Sie doch? Sie tragen ja auch einen hellen Anzug!"

Matt und ironisch erwiderte Galante:Noch nicht. Wohl nie. Vor dem Eingang des Paradieses hat man mir die Tür vor der Nase zu- geschlagen. (Er raffte sich auf.) Sagen Sie, schönes Fräulein, wer in aller Welt macht so gute Witze, über die man lacht, daß der ganze Ganale darauf horcht?"

Etwas unsicher antwortete Gesta:Habe ich so laut gelacht? Sie dürfen mich nicht fragen danach. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Ich weiß es selbst nicht. Aus dem Fenster eines Palastes, gerade neben dem Ihrigen, sahen wir einen Menschen fallen. Er flog mit einem solch ge­waltigen Schwung in die Lagune, als habe man ihn von weither durch das Fenster geschleudert. Wir ruderten sofort auf ihn, um ihn zu retten. Es war eine Puppe, aus Holz und Seide, eine ganz gewöhnliche tote Puppe, die sicher von einem Betrunkenen durch das Fenster geschleudert worden war. Da lachten wir alle recht herzlich; ich wohl am lautesten. Doch schien es mir selbst, als sei es etwas zu laut gewesen!"

Der Prinz faßte Gesta an der Hand:Blondes, schwedisches Mäd­chen. Sieben Jahre war ich alt, da kam eine Wahrsagerin heimlich in unser Haus. Sie war ein Savoyardenweib, wie sie oft durch Venedig ziehen. Wir Italiener sind ein abergläubisches Volk. Dieses Savoyarden­weib sagte meiner Mutter, daß der Sohn, den sie geboren habe, krank sei in der Seele bis zu jenem Tage, wo ihm vor dem Lachen einer Frau die Knie erzittern würden. Hinter einem Vorhang habe ich es gehört. Meine Mutter hat es mir nie verraten. Vorhin ist es geschehen, und als Sie hereintraten, hat der Prinz Remi Galante zum erstenmal in feiner Jugend wie ein Glücklicher gelacht!"

Und Gesta sagte nun die seltsamen Worte:Als ich zehn Jahre alt war, Remi Galante, kam in einem Tckmm ein Stern auf mich zu, der ein menschliches Antlitz hatte. Dieses Antlitz war so traurig, daß ich erschrak vor ihm, und er war mir, als rief es mich, und es hat mich nicht mehr verlassen bis zur heutigen Stunde. Dieses Gesicht hatte die­selben Augen und denselben Mund wie Sie, Remi Galante, jetzt sehe ich es genau!"

Und Sie fanden mich leichtfertig und frech!"

Das nicht. Aber begreifen Sie das doch. Seit Jahren verfolgt mich dieses Gesicht, und jedesmal, wenn es mich rief, sagte ich ja, ja; dem es war mir, als wäre ich dazu berufen, dieses Gesicht der Sonne zu. zudrehen. Dann heute dieses rätselhafte Lachen auf dem Ganale. Ihr Diener, Sie. Ich folgte Ihrem Diener wie einer Ahnung, obwohl ich zu einem Fest geladen war. Und dann sah ich Ihr Gesicht, verglich es mit dem Traumgesicht, sie waren ähnlich, aber in Ihrem Gesicht mar von Trauer nichts zu sehen, und ich mußte daher glauben, ein Phantom habe mich jahrelang genarrt!"

Der Prinz strich über ihr schönes Haar, wogegen Gesta sich nidjl wehrte:Es war das Wunder Ihrer Erscheinung, die in dem Spiel raum eines Augenblicks meine Seele auf die andere Seite wandte. Ah Sie kamen, fanden Sie schon den neuen Galante vor. Sie standen in der Tür, ein wahrer Engel des Heils! Und Sie haben mein erstes Lachen mit Frivolität, meinen Ruf mit einem alberften Abenteuer ver­wechselt. Treten Sie jetzt zurück?"

Da flüsterte die blonde Schwedin:Von morgen an werden sie dich nicht mehr denSchwarzen Prinzen" nennen!"

Der Prinz griff nach dem Kuvert auf dem Tisch:Da liegt ein Bries von dem Marchese ...; er kann das Vergnügen haben, zuerst den Weiß« Prinzen zu empfangen.

Am nächsten Abend vermißte man auf den Lagunen die schwarz, Gondel des Schwarzen Prinzen. Man hielt ihn für noch kränker ai- gewöhnlich, bis am nächsten Tag von Lippe zu Ohr, von Ohr zu Lipp die Tatsache der wunderbaren Verwandlung sprang.

Es ist noch lange nicht endgültig bewiesen, daß Sterndeutung uni Wahrsagerei verwerflicher Unsinn ist. Die großen Eroberer, die gewii keine unintelligenten Menschen waren, haben felsenfest daran geglaubt Und es hat sich schon oft gezeigt, daß die Mächte des Blutes stärke! waren als die Erwägungen des Verstandes. Wenn man dieses bebenii, und die Abhängigkeit vornehmlich südländischer Menschen vom Aber glauben nicht vergißt, dann erscheint die soeben erzählte Geschichte ot wiß ebenso wahrscheinlich als wunderbar.

Dies

Denn

Was

ist die Lese, die sie selber hält; heute löst sich von den Zweigen nur, vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

HerbstSild.

Von Friedrich Hebbel.

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen fahl Die Luft geht still, als atmete man kaum Und dennoch fallen raschelnd fern und nah' Die schönsten Früchte ab von jedem Saum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!

Der Wein der Welt.

Von Dr. Emil Garzaus.

Mehr noch als die stürmische Winzerdemonstration von GermershM die auf Ausrottung gewisser Kreuzungsformen von deutschen Reben m der amerikanischen Fuchsrebe andrang, hat das neue Weingesetz die W merksamkeit auf unseren Weinbau und den des Auslandes hingeleB und das mit Recht. Spielt doch der Rebensaft im Kulturleben schon I« Jahrtausenden eine große Rolle, die sich selbst auf das religiöse ®eW erstreckt von den Tagen der Bacchusfeier bis zur Einführung des Heilig» Abendmahles. Nicht wundernehmen kann es, wenn die Weinernte ta Welt in manchen Jahren zweihundert, durchschnittlich aber hundertachtzj Millionen Hektoliter umfaßt.

Obgleich die Rebe eine wärmeliebende Pflanze ist, die nur noch in W südlicheren Teilen der gemäßigten Zone rechtes Gedeihen findet, sagt ff doch die Sonnenglut der Tropen so wenig zu, daß sie unter dem Aequo!-: allein im Halbschatten bet sorgfältigster Pflege Früchte zeitigt. Nur >- einer Gegend, an der trockenen Küste von Peru, reicht der Weinbau« die Tropenzone hinein und wenn auch das trockene Klima der Subtrop« dem Rebstock von seiner Heimat im Süden des Kaukasus her sehr zM so erstreckt sich doch die Rebenkultur heute hauptsächlich auf das nöW Mittelmeergebiet und die angrenzenden Länder des mittleren Gurop® In ersterem wachsen in der Glut der Sommersonne die als Subtw« bekannten zuckerreichen Weine, die sich nach längerem Lagern durch W hohen Alkoholgehalt auszeichnen. Die Weine des mittleren Europas!» im allgemeinen ärmer an Alkohol, dagegen entwickeln manche von ch« vor allem die deutschen Rhein-, Main- und Moselweine ein wundem feines Aroma, bei ersteren als Bukett, bei den Moselweinen als -öu® bezeichnet. _ , .,

Was die Menge des Rebensaftes angeht, so stehen Frankreich ® Spanien mit mehr als der Hälfte der ganzen Weitproduktion unter« Weinbauländern der Erde obenan. Frankreich, dessenGewächse . Güte die italienischen im allgemeinen weit übertreffen, brachte nach «! reicher Bekämpfung der Reblaußplage durch Einführung der aM nifchen. Fuchsrebe als Wurzelstaude und Pfropfung vonfranzWv Gbelingen auf diese im Jahre 1908 nicht weniger als sechzig MlUio Hektoliter Wein hervor. Schon im ersten Jahrhundert n.Eyr. aus der damaligen römischen Provinz Gallien so viel und so vorzugi Wein nach Italien, daß Kaiser Domitian zum Schutze des dortigen a baues die Hälfte aller Weinberge in Frankreich zerstören ließ. Heim. sieht dieses Land wieder sozusagen die ganze Welt mit den. Gewächsen des Bordeaux- und Burgunderweines, miterstklassigem w pagner und Gognat. Französische Schloßabzüge erfreuen sich M p langem so starker Nachfrage, daß es zur allgemeinen Gewohnheit ' den ist, auf jedes Etikett von französischen Rotweinflaschen das i Chäteau zu setzen.