Üarf nicht zweisekn, daß ich von meinem -fjerrn gerufen werde, wenn mich der Kaijer ruft. Der Sott, der die drei Jüngelinge im Feuerofen zu Babel erhalten hat, wird auch mich schützen. Fliehen will ich nicht, widerrufen noch viel weniger... Ich weiß und bin gewiß, daß unser Jesus Christus noch lebt und regiert, auf dieses Wissen trotze ich, daß ich mich vor tausend Päpsten nicht fürchten will." Wirkliches Heldentum offenbarte Luther auch bei der Verhandlung selber. Als der Kaiser ihm am Schlüsse der Verhandlung sagte, er solle eine Antwort geben, die keine Hörner trüge und keinen Mantel umgelegt habe, erwiderte Luther: „Weil denn Euere Kaiserliche Majestät schlicht eine Antwort begehren, so will ich eine Antwort ohne Hörner und Zähne geben: es sei denn, daß ich durch Zeugnisse der Schrift oder durch helle Gründe überwunden werde, so bin ich überwunden durch die von mir angeführten heiligen Schriften und mein Gewissen ist gefangen in Gottes Wort; widerrufen kann ich nichts und will ich nichts. Gott Helf mir. Amen." Auf weiteres Zureden, so meldete einer der Teilnehmer, „verharrte Luther als ein harter Fels".
Karl V. stand in seiner ganzen Regierungszeit unter einem tragischen Schicksale. Er hatte viele Widersacher, basogders politische Widersacher. Immer wieder bedrohten die Türken, die Donau aufwärts ziehend, sein Reich, mit dem König von Frankreich hatte er zu kämpfen, aber auch der Papst, dessen Sache er doch sonst vertrat, war zeitweise in politischen Fragen sein Gegner. So lange der Kaiser sich mit diesen Widersachern abzufinden hatte, konnte er an die Unterdrückung -der religiösen Neuerungen nicht denken. Das sogenannte Wormser Edikt hatte Luther und seine Anhänger in die Reichsacht erklärt und die Verbreitung seiner Schriften unter Strafe gestellt. Kaum ein Mensch in Deutschland kehrte sich an diese Bestimmungen, Luther konnte unter dem Schutz seines Kurfürsten weiter wirken. Unter diesen Umständen breitete sich die evangelische Lehre rasch aus. Im Kursachsen hatte sie festen Fuß gefaßt, nun fand sie Eingang in Hessen, Brandenburg, Braunschweig-Lüneburg, Anhalt wie auch in anderen deutschen Territorien, besonders auch in Reichsstädten. Der Kaiser war gegen die Evangelischen machtlos und mußte auf dem Reichstage zu Speyer im Jahre 1526 die Bestimmung annehmen: „Jeder Stand solle in Sachen, die das Wormser Edikt betreffen, mit seinen Untertanen also leben, regieren und sich halten, wie er solches vor Gott und Kaiserlicher Majestät hoffet und vertrauet zu verantworten."
Jrn Jahre 1529 war es zwischen dem Kaiser und dem Papste zu einer Verständigung gekommen, und der am 5. August zu Carnbrai mit dem König von Frankreich abgeschlossene Friede gab dem Kaiser weitere Bewegungsfreiheit. Schon im Beginn des Jahres hatte sich feine Lage so weit gebessert, daß er hoffen konnte, auf dem Reichstage, den er nach Speyer berief, mit den Evangelischen fertig zu werden. Mit Stimmenmehrheit wurde in Speyer angenommen, daß bis zu einem zukünftigen Konzile alle Neuerungen abgestellt werden sollten. Hiergegen protestierten am 20. April die evangelischen Stände.
Im Oktober 1529 waren die Türken, die bis Wien vorgedrungen waren, abermals zurückgeschlagen worden, und der Kaiser konnte daran denken, auszuführen, was er ein Jahr zuvor nicht erreicht hatte. Von Bologna aus ließ er am 21. Januar 1530 einen Reichstag nach Augs - b U.r g ausschreiben, er selbst langte dort erst am 15. Juni an. Kursürst Johann von Sachsen, der im Jahre 1525 seinem Bruder Friedrich auf dem Throne gefolgt war, hatte sich vor der Abreise nach Augsburg lange Zeit mit seinem Gefolge in Torgau aufgehalten. Luther war anfänglich auch in diesem Gefolge, er wurde aber an der Grenze des Landes auf der Beste Koburg zurückgelaffen, weil er als Geächteter nicht vor dem Kaiser erscheinen durste. Die Koburg war als Aufenthaltsort des Reformators gewählt worden, weil er fo am leichtesten von Augsburg aus zu erreichen war.
Unter den Männern, die auf diesem Reichstage über die evangelische Sache zu bestimmen hatten, ragen einige besonders hervor. Zu ihnen gehört, der Kaiser, damals erst dreißig Jahre alt, aber seit langer Zeit im Kriege und in der Politik erfahren, ohne Zweifel ein bedeutender Mann. In Augsburg versuchte er, durch Milde seine Gegner zu gewinnen. Der Reichstag, so hatte er von Bologna aus geschrieben, sollte „bemüht sein, die Zwieträchten hinzulegen, Widerwillen zu lassen, vergangene Jrrsale Christo, unserem Seligmacher, zu ergeben und Fleiß anzuwenden, eines jeglichen Gutdünken, Opinion und Meinung zwischen uns selbst in Liebe und Sittlichkeit zu hören, zu ersehen und zu erwägen, die Zwiespaltung zu einer einigen christlichen Wahrheit zu bringen und zu vergleichen". Rein menschlich erscheint der mächtige Mann in einem günstigen Lichte durch eine Aeuherung, die er dem Markgrafen von Brandenburg gegenüber tat. Dieser hatte bei der ersten Zusammenkunft dem Kaifer gesagt, eher wolle er sich den Kops abschlagen lassen, ehe er von dem Evangelium ließe. Darauf hatte der Kaiser in seinem gebrochenen Deutsch erwidert: „Nit Kopp an, lieber Fürste, nit Kopp ab!"
Aus evangelischer Seite hatte Melanchthon die Verhandlungen zu führen, ein Mann von großer Frömmigkeit und tiefer Gelehrsamkeit, aber mitunter zaghaft, pessimistisch, sorgenvoll und nicht standhaft genug. Die Seele des Widerstandes gegen den Kaiser war in Augsburg der junge, «m sechsundzwanzigsten Lebensjahre stehende hessische Landgraf. Es soll an Versuchen nicht gefehlt haben, Philipp umzustimmen. So soll ihm em Schwiegervater, Herzog Georg von Sachsen, die Nachfolge in einem Lande angeboten haben, wenn er sich zur katholischen Partei chluge. Der hessische Geschichtsschreiber Wigand Sauge schreibt, der Versucher habe den Landgrafen auf einen sehr hohen Berg geführt und ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit angeboten, wenn er nach- gebe, Philipp aber fei standhaft geblieben. Es ist das weltgeschichtliche Verdienst Philipps, in Augsburg die evangelischen Fürsten zur Standhaftigkeit ermuntert zu haben.
, Doch der geistige Führer der Evangelischen war auch bei dieser Gelegenheit Martin Luther. Ueber seinen Aufenthalt auf der bis auf diesen lag in der alten Form erhaltenen Koburg sind wir sehr genau unter« ndjtet, und aus vielen Berichten lernen wir den großen deutschen Mann in feiner ganzen Eigenart kennen. Vom 15. April bis zum 5. Oktober weilte er an der einsamen Stätte. Eigentlich sollte dieser Aufenthalt wie
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im Jahre 1521 der Aufenthalt auf der Wartburg nicht bekannt werden aber die Nachricht, daß der Reformator sich auf der fränkischen Veste befinde, sickerte allmählich durch. Humorvoll nennt er in feinen Briefen, die er von der Koburg abfanbte, seinen Aufenthaltsort bald „in der Wüste" bald „aus der Region der Vögel", bald „aus dem Reich der Malztürken"' oder er kehrt den Namen auch um und schreibt „Grubok". Zur Seite stand ihm der junge Magister Veit Dietrich, der nicht ohne günstigen Einfluß auf den großen Mann war und der vermittelte, als zwischen Luther und seinen in Augsburg weilenden Freunden eine gewisse Spannung eingetreten war. Luther erhielt auf der Burg mehr Besuch, als ihm lieb war. Trotzdeiy war er unausgesetzt literarisch tätig und schrieb viele Briefe an feine Freunde und Familienangehörigen. Einem Wittenberger Freunde gibt er eine humorvolle Schilderung des Treibens der Dohlen, die vor feinem Fenster lärmten, er verglich das Treiben der Vögel mit den Beratungen der zu Augsburg Versammelten.
Der Kurfürst von Sachsen hatte seine Theologen beauftragt, das Bekenntnis der Evangelischen in angemessener Form aufzuzeichnen. Dieser Auftrag wurde rasch ausgeführt, das Schriftstück wurde in Torgau dem Fürsten überreicht, darum trägt es den Titel die „Torgauer Ar- t i k e l". Melanchthon fiel die Aufgabe zu, diese Artikel zu einer Bekenntnisschrift umzugestalten, die dem Kaiser übergeben werden sollte. Der große Gelehrte hatte in seiner Niederschrift zuerst nur von den Mißbräuchen gehandelt, die sich in der Kirche eingeschlichen hatten, als er aber in Augsburg erfuhr, daß v. Eck in einer scharf gehaltenen Schrift die evangelische Lehre in vielen Punkten verdammt hatte, fügte er feiner Arbeit noch eine Ausführung über die Lehre der Evangelischen zu, diese Ausführung sollte die Uebereinstimmung der evangelischen Lehre mit der Heiligen Schrift nachweisen. Als Grundlage dienten ihm dabei die fog. 17 Schwabacher Artikel, die, eine Arbeit Luthers, ein Jahr zuoor dem Schwabacher Konvent übergeben worden war. Lacher war mit der Arbeit feines Freundes sehr zufrieden, und so wurde beschlossen, diese Bekenntnisschrift, an der hier und da noch etwas gebessert wurde, dem Kaiser zu überreichen.
War Luther auch fern von dem Verhandlungsort, so hat er doch an den Verhandlungen fortwährend teilgenommen, die Boten ritten fjin und her auf den Straßen von Augsburg nach der Koburg. Vor allem war es fein Bemühen, den oft zaghaften Melanchthon aufzurichte» und zu stärken. So schrieb er in dieser Zeit an seinen Freund Briefe, die uns den Glaubenshelden Luther in seiner ganzen Größe erkennen lassen. Unter anderem schrieb Luther: „Ausgang und Erfolg der Sache zer-, martern dich, weil du beide nicht begreifen kannst. Doch, wenn du beide begreifen könntest, dann wollte ich mit der Sache überhaupt nichts $« tun haben, viel weniger ihr Berater fein. Sott hat sie an einen gewissen allgemein zugänglichen Ort gestellt, den du in deiner Rhetorik nicht fjaft, auch nicht in deiner Philosophie. Dieser Ort heißt Glaube: da hat alles feinen Platz, was man nicht sieht und was nichts ist ... Der Herr ho! verheißen, im Dunkeln zu wohnen, und hat die Finsternis zu feinem Gezeit gemacht. Wer will, der mache es anders. Wenn Mose- zu begreifen getrachtet hätte, auf welche Weife er endlich dem Heer des Pharao ent I rinnen sollte, dann wäre Israel vielleicht noch heute in Aegypten."
Am 25. Juni 1530 wurde die Bekenntnisschrift der Evangelischen in der bischöflichen Kapitelstube — der bischöfliche Palast steht nidi: mehr —, vorgelesen und dem Kaiser überreicht. Dem kursächsischen Kanzl-i I D. Bayer fiel die Aufgabe zu, das Bekenntnis in der deutschen Ans-1 fertigung vorzulesen. Der Raum, in dem sich dieses denkwürdige Ereignis I zutrug, war verhältnismäßig klein, aber man hatte die Fenster geöffnet, | fo daß eine große Versammlung, die sich im Hose zusammengefunden f hatte, die Verlesung Wort für Wort folgen konnte. Der Kaiser nahmdiif Schrift entgegen und versprach, seine Entscheidung später bekanntzugeben. O. E ck lieck auf die Bekenntnisschrist der Evangelischen eint Widerlegung, die „Confutatio" folgen, die von den Evangelischen wiederum mit der „Apologie" beantwortet wurde. An geschichtlicher Bedeutung können diese beiden Schriften mit der Confessio Augustana nicht vergliche« werden.
Für die-Evangelischen bedeutete die liebe rreidyung ihres BekenniniP einen großen Erfolg. Melanchthon allerdings blieb sorgenvoll. Luchu aber schrieb einem Freunde: „Die Widerfahr haben erstaunlich gearbeiiet, daß der Kaiser das Bekenntnis nicht annehme; nun ist es auf des Kaisers Geheiß verlesen vor dem ganzen Reich, vor den Fürften und Ständen-, ich muß hier sehen und mit Händen greifen, daß Gott in Wahrheit W ein Erhörer des Gebets."
Die Jahre 1517 bis 1530 waren die Sturmjahre der deutschen W*- mation, nun folgten ruhigere Zeiten. Die evangelische Lehre öcrtrei»' sich von Jahr zu Jabr immer mehr, sie erfaßte ganz NordeuM« einen großen Teil Süddeutschlands und die Nordstaaten Schweden, v wegen und Dänemark. Zogen auch mit dem Schmalkaldifche' Kriege schwere Wetter am Himmel der Evangelischen herauf, so> schaffte doch der Augsburger Religionsfriede im Jahre ibt°l der evangelischen Kirche die Anerkennung im ganzen Deutschen Reiche- s
Das Augsburgische Bekenntnis gliedert sich in 28 Artikel. Die Ar!!!' 1 bis 21 legen in positiver Weise die Glaubensüberzeugung der EoE lischen dar, die Artikel 22 bis 28 sind überschrieben: „Artikel, von ww Zwiespalt ist, da erzählt werden die Mißbräuche, so geändert sind, t-" kirchliche Gemeinschaft kann ohne ein gemeinsames Bekenntnis nicht p- Man hat gesagt, das Apostolische Glaubensbekenntnis sei aufE. worden zur Lehr und zur Wehr, es sollte die Glieder der fW™:' Gemeinschaft belehren und falsche Ansichten abwehren. Es ist dos M« an der Confessio Augustana, daß sie nicht dogmatisch sondern rciig - gehalten ist. Auf ihrer Grundlage sind die evangelischen LandeskE die leider immer noch nicht zusammengeschlossen sind, aufgebaut «w 1 auf dieser Grundlage stehen sie seit vier Jahrhunderten. Die enange;i Christenheit wird sich rege an der Gedächtnisfeier ihrer ®efennfni5! M beteiligen, diese Feier wird dann zur Vollendung kommen, wen nj Augustana, die in diesem Jahre in vielen billigen Ausgaben ge worden ist, von den Evangelischen eifrig gelesen wird.


