Ausgabe 
20.1.1930
 
Einzelbild herunterladen

Die Kenntnis der

erzeugt rind Arbeit leistet und damit schon das verdient. Von einer Ausführung weiß man aber

Aeoirpile ging von den Griechen auf die Römer über: auch Vitruv spricht ausführlich von ihr. Daß man auch in späte­ren Seiten des römischen Imperiums die Spannkraft des Wasserdampfes kannte, geht aus einer merkwürdigen Geschichte hervor, di« uns Agathias übermittelt hat: Zwischen 553 und 557 legte der Mechaniker A n t h e m t u s aus Trolles eine sonderbareMaschine" in seinem Hause an, lediglich, um seinen Nachbar, den Redner Zeno, mit dem er in Feindschaft lebte, zu ärgern. Im Keller seines Hauses errichtete er meh- rere große Dampfkessel, von denen versteckte Röhren oder Lederschläuche bis in die Balken und Decken des Nachbarhauses geleitet wurden. Wurde nun Dampf entwickelt, so entstand im Hause des Zeno eine heftige Er­schütterung, so daß alle Bewohner von Schrecken erfüllt und die Götter anrufend auf die Straße stürzten. Anthemius aber neckte sie mit der Frage, was sie von demErdbeben" dächten.

n "rdo da Vinci, der natürlich die Aeolipile und den Püste- rich (Dampstlaser) kannte, stellte bereits Versuch« über Verdampsting an, um eine Regel darüber aufzustellen, um wieviel das Wasser wächst, sich m Dampf verwandelt". Er skizziert auch um 1495 ein s snpsgeschutz, das erErzdonnerer" nennt, und mit dem er, wie er sagt, eure Kugel von 1 Talent Gewicht auf eine Entfernung von 6 Sta- konen. Andere Skizzen, die um 1500 entstanden sind, Qnn er '7nia6e 3U einer Kolbendampfmaschine erkennen, wie sie erst rund Jahre spater Denis Papin praktisch ausgeführt hat. Leonardo ist der deshalb ebenso wenig als der Erfinder der Dampfmaschine anzu- sehen wie Salomon de Caus, der 1615 einen sehr einfachen Apparat

Fragen wir nach den frühesten Spuren des Wissens um die Dampf- kraft, so gelangen wir in die Antike. Wir kennen die pneumatischen Svie- lereien der antiken Physiker. Wie mögen sie darauf gekommen sein? Ja w,e kommt Überhaupt eine Erfindung zustande? James Watt, so heißt t?'als Knabe beobachtet, wie der Dampf eines Teekessels den Deckel hob. Das soll ihn auf den Gedanken gebracht haben, eine Dampf- zu bauen Etwas ganz Aehnliches wird von seinem Vorgänger, dem Marquis o Worcester, erzählt. Nun, das ist eine Legende, wie sie sich oft um bedeutende Männer, um große Erfindungen oder Taten gesponnen haben. Es steht damit ebenso wie mit dem berühmten Apfel ^r Newton auf die Nase fiel und ihn zum Nachdenken über das Gravitationsgesetz anregte. Aber solche anekdotische Versinnbildlichung erfinderischer Intuition birgt einen richtigen Kern: aus der Beobachtung unscheinbarer Vorgänge des Alltagslebens kann der erfinderische Kopf der immer die Fragewarum?" parat hat, Anregung schöpfen. Die Dampfapparate der klassischen Antike sind sicherlich auf derartige Beob- achtungen zuruckzuführen, und die Anekdote von Watt könnte ebenso gut a.uf PH > l o n von Byzanz passen. Dieser entwarf um 230 vor Ehr. u. a ein Raucherbecken mit Dampfgebläse und Automaten mit Dampfpfeifen. Das antike Dampfgebläse, Aeolipila genannt, ist eine mit feiner Oeff- nung Ersehene Metallkugel, die mit Wasser gefüllt und ins Feuer gelegt wird. Dann entweicht der Dampf zischend aus dem Loch. Heron von Alexandria (um 200 nach Ehr.) hat in seinem Aeolsball dieses Prinzip schon zur Konstruktion einer kleinen Dampfturbine angewendet, indem er die Metallkugel drehbar aufhängte und den Dampf 'durch zwei um­gebogene Röhrchen entweichen lieh. Durch Rückstoßwirkung geriet dann die Kugel in Drehung. Und wenn anno 1629 der Ingenieur Giovanni Brau c a den Dampfstrahl aus einemPüsterich" zum Antrieb einer kleinen Stampfe auf ein Schaufelrad wirken läßt, so ist er eigentlich ge­gen Heron noch um keinen Schritt weiter gekommen nur daß seine Vorrichtung Energie -.....-1* «'-«--* - " - - - -- -

PrädikatMaschine" bei Branca nichts.

Seltsame Stunde ans See.

Von Werner Schulz- Oliva.

Das Meer ist Unendlichkeit geworden. Von Morgen zu Abend geht «s, und wieder von Abend zu Morgen. Nun sind wir eine eigene kleine Elt zwischen den Welten, treibendes Schicksal im Wellenwandern des Ozeans.

Wir haben aufgehört, die Tage zu zählen, wir sind ohne Beziehungen zu dem Rhythmus der Menschen, die hinter diesem Meer find. Alles Laute ist von uns abgefallen, alles Gehegte unserer Stunden ist uns fremd ge­worden. Wir können es uns nicht mehr vorstellen, daß es Menschen gibt, die Nerven haben. Wir haben keine Nerven mehr. Wir haben das irgend- l9IC vergessen, wie wir vergessen haben, ob gestern ein Dienstag oder etn Mittwoch oder ein Freitag war. Wir denken auch nicht darüber nach. Wir nehmen auch nicht den Kalender und rechnen daran herum Es genügt uns, daß die Sonne scheint, diese glückliche Sonne über blauem Meer. Cs genügt uns, daß der Himmel weit ist und blau wie das Meer Niemand könnte sagen, ob der Himmel sich im Meer spiegele oder das Meer im Himmel. Alle Grenzen sind gelöscht. Die Zeit steht still oder ist gestorben. Immer könnten wir so in die Zeitlosigkeit hineinträumen Wir mögen nicht daran denken, daß einmal ein Tag kommen wird an dem dies alles nicht mehr um uns ist, das Meer, der Himmel die Zeit­losigkeit, diese blaue glückliche Einsamkeit zwischen den Welten

. Als wir ausstanden, schien die Sonne auf dem Wasser zu schwimmen wie ein großer brennender Ball. Nun ist sie hoch über uns. Wir haben ihren Weg nicht gesehen, wir liegen in Deckstühlen und verlieren uns weit über uns hinaus. Wir möchten lesen, aber die Bücher werden nichts­sagend oder^erschernen uns fremd. Wir möchten Briefe schreiben, aber wir haben >zurcht, daß unsere stillen, guten Gedanken scheu würden vor der harten Form, die das Wort ihnen gibt.

Das Schiff hat ein ruhiges weiches Wiegen, in das wir hinemträu- men wie Kinder, die in den Schlaf wollen. Es ist eigentlich feine Se­nkung, dieses Wiegen, wenn man darauf achten würde Mre es sicher fort. So sanft und ohne Wirklichkeit ist es.

SBir liegen in den Deckstühlen: das taten wir gestern und werden es morgen wieder tun. Es ist nichts vorhanden, was uns daraus vertreiben wurde Manchmal springen draußen im Meer die Delphine. Dann sprüht das Wasser silbern um ihren Leib. In langer Reihe ziehen sie mit uns Sorglos ,st ihr immer gleiches Spiel. Als wir sie zum erstenmal sahen, sind wir an die Reeling gesprungen und haben die Ferngläser gezückt *2* lrMe T s^u vertraute Weggenossen. Das Erregende ihres ersten Anblicks ff vergessen in der großen Friedlichkeit unserer Fahrt.

GAllschas.tszrmmer ist die Gramola angestellt worden. Nun kom­men d-e Klange über das Deck geflattert und schwenken wie kleine bunte Fahnen m das Meer hinaus.Wenn der weiße Flieder"... Aber die Snlle des JRceres ift ftarfer als das Lied. Und wir träumen weiter.

Auf dem Bootsdeck ist ein Planschbecken gezimmert worden. Ein festes Holzgerust mit Segeltuch ausgelegt. Unaufhörlich wird frisches Wasser hineingepumpt. Wir baden zwei-, drei-, viermal nacheinander. Ganz salzig sind wir allmählich davon geworden. Mit dem Pumpenschlauch machen wir Dusche, spielen Feuerwehr und treiben allerlei Unfug" Wir x r v m. unsren Jahren zurückgeschvaubt worden auch ohne Steinach ^dstnd w,e losgelassene Kinder, denen die Aufficht fehlt. Irgend jemand spielt Klabautermann und wird getaucht. Nachher liegen wir wieder in

Usmb J,'rbr. zwffchen Schlaf und Wachsein in jenem Dämmern beispiellosen 2ßot)[&efinbens. Wenn das Signal zum Lunch kommt fühlt man sich in der Ruhe gestört und möchte liegenbleiben. Aber schließlich geht man doch zum Essen. Schon weil die anderen es auch tun. Die tun es aber auch nur wieder der anderen wegen. So bleibt man im Kreis

Hm und wieder fahrt die Taillenfurcht in ein paar allzu Bedenkliche. Dann muß gearbeitet werden, um die schlanke Linie zu halten ober wie­derherzustellen. Das Schuffleboard kommt zu seinem Recht. Oder das Jninumcrjen.

Aber dann ist wieder die große Müdigkeit des Meeres, die eigentlich gar keine Müdigkeit ist. Und man träumt sich wieder in die Unendlichkeit hmaus. Vielleicht streicht weit hinten am Himmelsrand die schwache Sil­houette eines fremden Schiffes. Kam es entgegen, hat es gleichen Weg? Niemand weiß das. Aber es ist eine kleine eigene Welt wie wir, die dort über die Raume treibt. Schicksal wie wir, weitab von den vielen Men­schen m Städten und Landern. Unsere Gedanken gehen langsam mit dem fremden Schiff von dem wir nichts wissen. Und dann sind wir wieder «6At erltfn# ®ulten 'nit Palmen und weißen Häusern oder in Sternen« nachten unter dunklem Himmel.

. ®m Pagel, der sich in den Ozean verflog, fand unser Schiff Nun AE. er auf Deck und ruft einen müden, klagenden Ruf. Er hat alle Furcht verloren Man sieht, wie er atmet. Wir sind irn Kreis darum niemand geht naher, um ihn nicht aufzujagen. Das ganze Deck ist feinet- i>sen Bootsmann, der nach hinten will lassen wir nicht durch Nun wird der kleine verflogene Bursche bei uns bleiben bis er hinter dem Dunst des Horizonts Land weiß, das wir nicht erkennen er"mohnt^ CrnS ooranfliegen zu Blumen und Blüten, zwischen denen »n®Jer tst über den Himmel gewandert. Der Tag stirbt in nahes »urttel. Feme schmale rosa Streifen schmalen am Himmelsrand. In amu klarem durchsichtigen Pastell. Strich bei Strich. Nun löst sich bas Roia x ° kleine gehauchte Wolke schwimmt mit Rosen- fege(n aus bem Jbenb hervor, das Blau bes Meeres wirb still und bat große Sanftheit^ In wiegenben Wellentälern ist ber Widerschein der oerghmmenben Sonne. -wioericyem öer

,, Mit tiefen schwarzen Schatten streicht die Nacht aus dem Kreis ber

Schlag di? Stimde W* Schiffsuhr mit kleinern hellem i

Ste®, W Ser ^nd ist wie eine stille blaffe @onM über^uns I

Die Wellen vorne am Bug haben eine gleichmäßige Melodie, die jedes j

Denken dämpft. Die Sterne blühen immer tiefer und voller. Wenn man hn* "och lange nach. Das ist sehr seltsam. Man

ein Matrose feine Mundharmonika vorgeholt Ann geht sein unbebeutenbes Lieb in die Nacht und füllt sie mit erre- genbem Älang. ^>er Schein ber Bordlichter läuft neben uns in starren unk^greiflichen Verzerrungen durch die Wellen. '

x, W^me steigt vom Wasser auf und wird zu weichem Wind Sanft^it unsere Stirne streicht. Warum sagt jetzt niemand ein lau^s Wort. Warum wird die Stunde jetzt zu unerhörter Feierlichkeit» Das Matrosenlied unten verrinnt ins Weite. Wir sind sehr klein vor ^Endlichkeit und begreifen es ohne Furcht, unsere Erkenntnis nimmt uns die Wesenhaftigkeit. Wir fließen aus dem Chaos unserer menschlichen Verwirrung m die große ewige Ordnung aller Dinge. Und wissen, daß dies so sein muß. Eine fremde unirdische Erfüllung geht durch die Stunde W,r begreifen, daß wir ein Nichts sind und weniger als das wir Men- Ao"' ober ww empfinden, daß großes geheimnisvolles Leben um uns ist und seltsam ,n uns strömt. Das Erlebnis der Unendlichkeit steht auf Urewig rinnt die Zeit durch die feierliche Nacht. 1 ''

-Aus den Kuchertagen der Dampfmaschine.

Von Carl Graf von Klin ck o wstr oem.

K930 können wir das 300jährige Jubiläum des ersten ^ntents auf eine Dampfmaschine feiern. Das klingt sehr befremdlich Überbauvt Dampfmaschine, so lernt man (wenn man es

überhaupt lernt), beginnt doch erst mit James Watt ober allenfalls mit xtn Davib Ramsey tatsächlich am 21. Ja-

1~30 ixis englische Patent Nr. 50 für eine Vorrichtung, umWasser burch Feuer aus tiefen Bergwerken zu heben". Mit biefen wenigen Mosten ist aber auch alles erschöpft, was wir van biefer Erfinbung F,rr ?ien englischen Patente haben keine Beschreibungen Das Patent bleibt uns daher eben|o rätselhaft wie eine Bemerkung in 1^9 hD Bergpredigers Johann MatthesiusBergpostille" von V ns gelegentlich davon spricht, daß manWasser mit Feuer heben i^r^t "lelleicht Herr Ramsey einfach diese Worte von Matthesius zum Patent angemeldet?