Ausgabe 
19.9.1930
 
Einzelbild herunterladen

erfyfne le kdife lle i)ai, LaiNkgi ar. Gin n feiet; »tsftift«

Dingen gegeben ingehch

hin, in h ein (o

GiehenerKmilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Zwanzig Kaisers, Es hieß "ps de;

Jahrgang 1950 Freitag, den V). September Nummer 12

verstand che nicht Dor ihrer nennt, ier peift; nchesmch htnis an sieht bei ien leicht lisch, wir ibsenschen

Um Mitternacht.

Von Eduard M ö r i k e.

Gelassen stieg die Nacht ans Land, Lehnt träumend an der Berge Wand, Ihr Auge sieht die goldne Waage nun Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn; Und kecker rauschen die Quellen hervor. Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr

auch fein r hob et t Meister Lieben;;

Vom Tage

Vom heute gewesenen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,

an, und ch ausge; Bon einer von Kon; llS Aich; auf dem lerbrojien, al worbe; :en zeigte, herrschnng vom Sieg wurde et eben sich

Sie achtet's nicht, sie ist es müd':

Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch, Der flücht'gen Stunden gleichgeschwung'nes Joch. Doch immer behalten die Quellen das Wort, Es singen die Wasser im Schlafe noch fort

Vom Tage

Vom heute gewesenen Tage.

Begegnung mit Hans Carossa.

Von Dr. Paul Appel.

iefien.

r christlich irurf) nach je(en sein )U wissen, schon iw;

geschmei- bliiht um r Kaiserin >iese Fron icholijchen ber haben ls geistige leifet, dnis Ins stand. I ltsam et= Ligsburger Apolitischen litt [eint» lusrechntt, I Reiche» Le Stande Mngemachi I 'Schiller Ilsohn, i® I jft? Ein I sie altern Ier jungen Miet war lelsjäW I 5rau f« Inuen und Kutter et; denn bei Männer^ hatte, «"l nen M' Inn W Mlarl seirr K Uhren, Ivan Ber- |lon sein I erzäM icngefi»)' Ken, übv

Vor geraumer Zeit las Hans C a r o s f a im Frankfurter Sender. Da ich schon länger den Wunsch hatte, ihn zu sehen und zu sprechen, schrieb ich ihm rasch und bat um eine kurze Unterredung. Er sagte mir liebenswürdig zu.

Als ich im Senderaum ankam, hatte die Vorlesung schon begonnen, ober ich konnte in einem Nebenraum, der mit Lautsprecher versehen war, mithüren. Carossa las aus dem Rumänischen Kriegstagebuch und brachte zu Eingang die Geschichte von dem sterbenden Kätzchen. Der Stoff war mir Nicht neu: um so besser konnte ich die Wiedergabe auf­nehmen. Ich hörte eine mitteltiese Stimme, die die Sätze in der gleichen ruhigen und glücklichen Ordnung wiedergab, wie ich es beim Lesen emp­funden hatte. Es war, als mischte sich in die Rückerinnerung Carossas der Wunsch, 1* gelebten Dinge von neuem zu ordnen, um damit zu bezeugen, baß er ihren Inhalt glaubte.

Carossa las nur kurz, nach der Kätzchengeschichte noch Marschnotizen, einsetzend mit dem 1. Dezember 1916, sechs Druckseiten voll wundersamer Bildhaftigkeit, die man immer erwähnen müssen wird, wenn man von spezifischer Schönheit in der neueren Literatur spricht.

Der diensttuende Herr wies mich bann nach bem Senderaum. Carossa war gerade im Gespräch mit zwei Damen und einem Herrn, anscheinend Bekannten, die ihn hergeleitet hatten. Er kam heraus, und gleich nach der Begrüfeung fand ich mich, nur wenig unsicher, in einer Atmosphäre von Offenherzigkeit und Entgegenkommen, das so gar nicht akzentuiert war. Das Neutrale dabei war so wohltuend.

Man merkt, dafe Carossa Arzt ist, daß er gewohnt ist, anzuhören und schon mit seinem Blick zu raten und zu unterstützen: freilich: das Jn- sichgekehrtsein des Künstlers gibt er dabei wohl nie ganz auf.

lieber sein Gesicht im besonderen etwas zu sagen, ist nicht leicht. Die Photographien, die ich vorher kannte, hinterließen mir einen zwiespältigen Eindruck. Ich sah wohl das Arbeitssame, Forschende und Grübelnde einer größeren und ernsten Individualität, auch das Schönheitsheiße und Cchänheitsstarke des großen Künstlers, aber das Lächeln, daß diese Cha­rakterteile im Gesicht in Beziehung hielt, erschien mir abgelöst, eigen* wadjtig, mehr von agressiver Ironie Durchdrungen, als daß es der Widerschein eines einfachen Wissens und einer einfachen Hingabe war. Ach kann diese Meinung, die an sich schon sporadisch und jugendlich war, Wjn nicht mehr aufrechterhalten. Das Gesicht, das ich wirklich vor mir Iw), war schön und reich nur von diesem tragischen Wissen her, das ich gezweifelt hatte. Jede Art von Aufbegehren, Selbstbefriedigung und -utasfenglücf der Seele, die sich früher in diesen Zügen gestritten haben Wechten, auch früherer Jubel, früherer Schmerz, all das Unkontrollierte einer Expansion, die einmal nötig war: all dies war zurückgenommen , ® eingeordnet in eine wissende Mütterlichkeit des Ausdrucks. Ja, so m-u ?rt unb männlich der ganze Kopf zvirkt: sein tiefstes Signum ist lutlerlich. Der ältere Goethe, auch Gerhart Hauptmann zeigen einen ^verwandten Habitus, und man könnte schließen, daß bei Künstlern, Art es ist, das Weltbild nicht nur in rauschhafter Eingebung zu nh«? en' s°"dern ordnend in wissenschaftlicher Art zu durchdringen, der Mbognomische Ausdruck von Heller, selbstbeladener Jünglingsart allmäh- w ZU dienendem, in gewissem Sinn mütterlichen Wesen herüberwechselt.

Carossa hatte mir nur eine Viertelstunde zugesagt. Nun bat mich eine der Damen, in deren Haus Carossa Gastfreundschaft genoß, für den Abend in ihr Heim. Bis zum Abendbrot es war noch eine knappe Stunde, konnte ich nun mit Carossa in den dunklen Straßen schlen­dern. Ich sagte ihm, was jeder Jüngere dem Aelteren, den er verehren gelernt hat, sagt. Daß seine Bücher Freunde in Oberhessen hätten, freute ihn. Wir sprachen nichts Spezielles, das das Künstlerische anging. Ich fühlte mich, wie ich mich einem älteren Anverwandten meiner Familie gegenüber fühle und nahm ihn ungewollt zum Beichtiger. Wir gingen zwischen den Menschen hin und her, und er hörte mir zu. Später kaufte er für die Kinderchen seiner Gastgeberin ein paar Süßigkeiten. Ich meinte dabei, wie reich und ungebrochen frisch die Same wirke; da fugte er: ja, die ist noch fromm. Solche Sammelschätze sind ihm auch in seinen Büchern eigen. Hier in dem Fall meinte er: die feine, feste Gestalt, ihr blondes Haar dazu, ihre Gesinnung, das Bewußtsein, sich Grenzen ziehen zu müssen und es zu können, dann ihre Jungmutterart, die die Mädchenart noch transparent durchliefe: das zusammen warfromm".

Am Abend nach Tisch wurde mehr über Literatur gesprochen, und ich hatte Gelegenheit, sein Wesen in lockerer Form zu sehen. Und ich merkte: wie sein Gesicht, trotz der sensiblen Verwandlungen, die sich darin voll­zogen, die Norm von innerem Wissen nie weit verließ, so waren auch seine Aeußerungen gestimmt. Nichts Forciertes, nichts Manisches, das sich mit dem Gesprochenen identifizierte. Er hatte Abstand, und er rechnete nur mit dem Kreatürlichen, das er als Arzt und Künstler kannte. Und an dem Maß, mit dem er das Kreatürliche unaufdringlich beschützte, er­kannte man, wie weitgehend er sich ihm unterworfen hatte.

Die Produktionssucht unserer Zeit erscheint ihm erzwungen. Er könne nicht verstehen, daß man so rasch und in überraschenden Quantitäten schreibe. Er gab dem täglichen Leben das Prae: wenn man Arzt ist, Hut man nicht soviel Zeit übrig. Ab geriegelt, selbst gegen radikalste Er­scheinungen, war er aber gar nicht. Deutlich suchte er das Beständige dabei heraus.

Von sich selber meinte er: wenn Sie mich doch auch einmal recht durchschimpsen wollten! Mir erschien diese Aeußerung von einer starken Hintergründigkeit. Ich wußte ja, daß man ihn teilweise sehr verehrt, und meinte nun zu erkennen, daß er sich wehrte, menschlich und künst­lerisch zu exemplarisch rund genommen zu werden. Eindeutige Verehrung, vielleicht noch stark enthusiastisch gegeben, beweist ja, daß der Verehrer von dem dämonischen Kampf um innere Existenz zu wenig Wissen hat. Carossas Kämpfen und Schaffen kann überhaupt, trotz größter Achtung seiner Leistung, leicht zu niedrig angesetzt werden, weil er sich grundsätz­lich von vielen Künstlern unterscheidet. Er bedient sich als Künstler kaum der bedrohlichen Elemente seiner Psyche, geschweige, daß er ihnen zur Verarbeitung in ihr pathologisches Reich folgt. Täte er's, so wäre ein stoffliches Plus vorhanden, ähnlich wie bei Franz Werfel ober Karl Hofer etwa. Das ist aber nicht seine Art: der Arzt, der Wissenschaftler und der Erzieher in ihm schützen ihn vor ängstlicher oder schwelgerischer Ambition. So sieht er denn die menschliche Feindschaft dieses Untergrün­digen, und weil er es als existent anerkennt, läfet er es abfließen. Das gibt seinen Büchern die kategorische Beschränkung, aber mit dem Zusatz, daß das Kategorische durchdrungen ist mit Vertrauen.

Auch in dem Bruchstück aus einem weltlichen Mysterium (Der alte Taschenspieler",Kunstwort", Januar 1930) ist diese Mischung von Eigen- imperativ und Vertrauen gegeben. Carossa las es uns vor, mit derselben Zurückhaltung wie im Radio, und in der Stimme wieder mit dem gleichen heimlichen Drang zur Reinigung und Rechtfertigung vor sich selbst. Wer aber dächte, daß sich dabei ein Berbrängungsmoment nach bem Dünn­blütigen ober gar Asketischen hin eingeschlichen hätte, ber irrt. Die Sprache biefer Verse ist voll, blumig, ruhig unb finnenb in einem, ber Rhythmus fast voll von einer Ueberluft an Wandlung.

Nach der Vorlesung verabschiedete ich mich.

Wollte ich eben, wo ich mir die drei Stunden Zusammenseins ver­gegenwärtigt habe, einen Strich unter Carossas künstlerische Existenz ziehen, so könnte ich ihm im ersten Drang einen verlöndlichten Goethe nennen. Doch ein solcher Vergleich und Aphorismus ist zu knapp und daher unrichtig. Es gibt keinen Goethe redivivus. Aber eines ist ihnen ähnlich gegeben: sie erziehen sich selbst in vorbildlichem Maß. Und sie müssen es.

Der 28jährige Carossa hat geschrieben:

Nicht in ödesten Gründen

' Bist du allein.

Schau nur ins Graue hinein.

Bald wird sich ein Blick an dem deinen entzünden.

Und der 52jährige schreibt heute:

Ja, du strebst in dem Sinn, dem ich einzig huldige, Daß aus Täuschungen endlich ein Wahres entspringt.