Ausgabe 
19.5.1930
 
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(Fortsetzung folgt.)

Leber. Als die erledigt waren in bedächtigem Zugreifen, kam in Schusseln hoch aufgeschichtet das Rindfleisch, grünes und dürres, jedem nach Be­lieben, kamen dürre Bohnen und Kannenbirenschnitze, breiter Speck dazu und prächtige Rückenstücke von dreizentnerigen Schweinen, so schon rot und weiß und saftig. Das folgte sich langsam alles, und wenn ein neuer Gast kam, so wurde von der Suppe her alles wieder ausgetragen, und jeder muhte da anfangen, wo die anderen auch, keinem wurde ein ein­ziges Gericht geschenkt. Zwischendurch schenkte Benz, der Kindbettimann, aus den schönen, weißen Flaschen, welche eine Maß enthielten und mit Wappen und Sprüchen reich geziert waren, fleißig ein. Wohin seine Arme nicht reichen mochten, trug er anderen das Schenkamt auf, nötigte ernstlich zum Trinken, mahnte sehr oft:Machet doch aus, er ist dafür da, daß man ihn trfnttl" Und wenn die Hebamme eine Schüssel hineintrug, so brachte er ihr sein Glas, und andere brachten die ihren ihr auch, so daß,

Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. Druck und Verlag: Drühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Giebe»-

. ' s ... menn wenn sie allemal gehörig hätte Bescheid tun wollen, es in der Küche

begann es zu wiegen in ibrei11 Ärmi( Brust, begehren sagte endlich die Gotte, die ledigen Bursche hätten heutzutage

lauter es schrie, daß Blatter stoben von ihrem Maieri an » andere Sachen im Kopf als das Heiraten, und die meisten ver-

Auf die er Prust ward-cs ihr g sh . 0 bag Kind in möchten es nicht einmal mehr. He, sagte Hans Uli, das dunke ihn nichts

Atemfa sen. Je hoher ihre! Brust sich hob um 9 19 anderes. Solche Schlärpi, wie heutzutage die meisten Mädchen seien, geben

ihren Armen, undiehoheu es flog, um ,o lauter l^rw gar teure Flauen, die meisten meinten ja, um eine brave Frau zu wer-

es schne, um so gewaltiger 1 b: Wußte nicht mehr, den, hätte man nichts nötig als ein blauseidenes Tüchlein um den Kopf,

prasselten ordentlich an den Wanden, und d^ ^E^^swogen, und die Hündschli im Sommer und gestickte Pantöffeli im Winter. Wenn einem

^°j*e Vnit ihr ür ^cr Luft herum. Endlich sagte der Pfarrer die Kühe fehlten , im Stalle, so sei man freilich übel geschlagen, aber

Kirchetanzte mit ihr m oer ^uzr y J foUte eg ach man könne doch andern; wenn man aber eine Frau habe, die einem um

'-'mlXid-Xob 'ii? mm Spott ^werden sollte für Kind'und Kindeskinder; Haus und Hof bringe, so sei esaustubaket, die müsse man behalten. Es sei

entscheiden, ob siezum Spott we o 1 i Pfarrer geben, den einem daher nützlicher, man sinne anderen Sachen nach als dem Heu

letzt mußte sie das Tust, abheben das w ®em (affe Hffltäbct)en Mädchen sein.

Namen 'hm ms rechte Ohr flust i £f°ete n(li m c5 sah sie nichtJa, ja, du hast ganz recht", sagte der ältere Gotti, ein kleines un. »n&Ä» ÄdrtmiSrfem Äuge tauch e die Hand ins Wasser, netzte scheinbares Männchen in geringen Kleidern den man aber sehr in Ehren s 'Kindes Stirne und taufte kein Mädeli, kein hielt und ihm Vetter sagte, denn er hatte keine Kinder, wohl aber einen

des plötzlich ^schweigenden Kindes tlrne umi l T ( utL bezahlten Hof und hunderttausend Schweizerfranken am Zins, ,a, du

Babeli, sondern emen Hans Uli, einen eyruq n wi i - ^st recht", sagte der,mit dem Weibervolk ist gar nichts mehr. Ich will

Da war s der Gotte als ob g ub aus einem nicht sagen, daß nicht hie und da noch eine ist, die einem Hause wohl

ab dem Herzen fielen, sondern Sonne Mond und Sterne, und aus emem b(e fjnb bünn gejät. Sie haben nur Rarrenwerk und Hosfart

feurigen Ofen sie jemand trage in er" kühles Bad, aber die g z P mg i ,^i Qn mie Pfauen, ziehen auf wie sturme Storche, und

durch bebten ihr die Glieder und wollten nicht wieder stille e . | roenn etn® ejnen halben Tag arbeiten soll, so hat sie drei Tage lang

Pfarrer predigte recht schon und emdringlich,eigentlich da ^^^er Kopfweh und liegt vier Tage im Bett, ehe sie wieder bei ihr selber ist. Menschen nichts anderes sein solle als eine Himmelfahrt, ab rz cy l um mejne Alte buhlte, da war es noch anders, da mußte man

Andacht brachte es die Gottc- nicht, und als mand^Prediist kam, ch im Kummer sein, man kriege statt einer braven Hausmutter hatte sie schon den Text vergessen. Sie mochte gar nicht warten vis ,ie ^ausnarr ober gnr einen Hausteufel."

ihre geheime Angst offenbaren konnte-und>den 'ihres bl t)e< @ötti uti", sagte die Gotte, die schon lange reden wollte, aber

sichtes. Viel Lachen gab es, und manchen Witz mußte sie Y j nj(bt ba-.u gekommen war,es würde einen meinen, es seien nur zu

Neugierde, und wie sich die.Weiber davor f'^ten u b sie doch allen ^ntenDa33euite0neEr°Xen$auaerr'nt^ter gewesen. Du kennst sie nur nicht und ihren Mädchen anhangten, wahrend sie den Buben nnhts t . I achtert der Mädchen nicht mehr, wie es so einem alten Manne auch

Schöne Haberacker, niedliche Flachsplatze herrliches Gedeihen auf anfte!)t; aber es gibt sie noch immer so gut als zur Zeit, wo deine Wiese und Acker zogen aber bald die Aufmerksamkeit auf sich und se eiten 1 noch jung gewesen ist. Ich will mich nicht rühmen, aber mein Vater die Gemüter. Sie sanden manchen Grund, langsam zu gehen, stille zu . { : manchmal gesagt, wenn ich so sortfahre, so tue ich noch die

stehen, und doch hatte die schöne, steigende Malensonne allen warm ge- ^uttee |e[ig durch, und die ist doch eine berühmte Frau gewesen. So

macht, als sie heimkamen, und ein Glas kühlen Weins tat ledermann frf)n)erc Schweine wie voriges Jahr hat mein Vater noch nie auf den

wohl, wie sehr man sich auch dagegen sträubte. Dann setzte man stcy i 5jtartt geführt. Der Metzger hat ihm manchmal gesagt: er mochte das

vor das Haus, während in der Küche die Hande emsig sich rührten, bcu I Meitschi sehen, welches die gemästet habe. Aber über die heutigen Buben Feuer gewaltig prasselte. Die Hebamme glühte wie einer der Drei au man zu klagen; was um der lieben Welt willen ist bann mit biesen? dem feurigen Ofen. Schon vor elf rief man zum ®>>°u, aber nur die ^ubaken, im Wirtshaus sitzen, die weißen Hüte auf ber Seite tragen und Diensten, speiste sie vorweg unb zwar reichlich, aber man war doch froh, l bie n auffnerren wie Stadttore, allen Kegelten, allen Schießeien, wenn sie, die Knechte namentlich einem aus dem Wege kamen allen schlechten Meitschene nachstreichen, das können sie; aber wenn einer

Etwas langsam floß den vor dem Hause Sitzenden das Gespräch doch ejne me((en obet eincn Acker fahren soll, so ist er fertig, unb wenn versiegte es nicht; vor dem Essen stören die Gedanken des Magens die e|n Pz^kholz in die Finger nimmt, so tut er dumm rote ein Herr Gedanken der Seele, indessen laßt man nicht gerne diesen 'uneren Zustand °ber qar wie ein Schreiber. Ich habe mich schon manchmal hoch ver- innewerden, sondern bemäntelt ihn mit langsamen Worten über gleich- r ., roo((e teinen Mann, oder ich wisse bann für gewiß, rote ich mit

gültige Gegenstände. Schon stand die Sonne ubermi Mittag, als die Heb- | faf)ren tönne, und wenn schon hie und da noch einer ein Bauer amme mit flammendem Gesicht, aber immer noch blanker Schurze unter aLibt L ^ man noch lange nicht, was er für ein Mann wird ber Tür erschien unb die allen willkommene Nachricht brachte, daß man I aDa ('acbten bfe ggtzeren gar sehr, trieben dem Mädchen das Blut ins essen könnte, wenn alle da wären. Aber die meisten der Geladenen fehlten @efid)t unb ba5 Gespött mit ihm: Wie lange es wohl meine, daß man noch, unb bie schon früher nach ihnen gesandten Boten brachten wie die | , &. mrobe nehmen müsse, bis man für gewiß wisse, was er für

Knechte im Evangelium allerlei Bescheid, mit dem Unterschied jeboch daß ro£be

eigentlich alle kommen wollten, nur letzt noch nicht, ber eine hatte Wert- I eo unter Sachen unb Scherz nahm man viel Fleisch zu sich, vergaß leute, der andere Leute bestellt, und ber dritte muhte noch wohin aber I b^ Kannenbirenschnitze nicht, bis endlich der ältere Götti jagte: warten solle man nicht auf sie, sondern nur furfahren in der Sache. Rang I bünfte ihn, man sollte einstweilen genug haben unb etwas vom Tische

war man bald, dieser Mahnung zu folgen denn wenn man allen^warten bie Beine würden unter dem Tische ganz steif, und eine Pfeife

müßte, sagte man, so könne das gehen, bis der Mond käme, nebenbei ^»ede nie be[fer( a(g wenn man zuvor Fleisch gegessen hatte Diestr Ra freilich brummte die Hebamme: es sei doch nichts Dümmeres als em |oi- 1 b, Beifall wie auch die Kindbettileute einredeten: man solle doch nicht ches Wartenlassen, im Herzen wäre doch jeher gerne ba, und zwar ie ^^m Tische weg; wenn man einmal bauen sei, so bringe man die Menschen eher je lieber, aber es solle es niemanb merken. So müsse man die Muhe | b ftabe doch nicht Kummer, Base!" sagte der Vetter,wenn

haben, alles wieder an die Wärme zu stellen, wiße nie, ob man genug }etroag @ut3eg auf ben Tisch stellst, so hast du mit geringer Muhe uns habe, und werbe nie fertig. I roiebcr habet, unb wenn wir uns ein wenig strecken, so geht es um jo

Aber war schon ber Rat wegen den Abwesenden schnell ge- mit bem Essen."

faßt, so war man doch mit den Anwesenden noch Nicht fertig, ste Männer machten nun die Runde in den Ställen, taten einen Blick hatte bedenkliche Mühe, sie in die Stube, sie zum Sitzen 3 bringen, benn I . b{e sgübnc ob noffj altes Heu vorhanden sei, rühmten das schone keiner wollte der erste sein, bei diesem nicht, bei lenem ^k. Als endlich I & unb t^QUten }n die Bäume hinauf, wie groß der Segen wohl fern alle saßen, kam die Suppe auf den Tisch, eine schone Fleischsuppe, m t w« »no IGaui

Safran gefärbt.und gewürzt und mit dem schonen weißen Brot, da^ die I ^gker einem ber noch blühenden Bäume machte der Vetter halt und Großmutter eingeschnitten so dick gesättigt, daß von derBrühe wenig . beften abzusitzen und ein Pfeifchen an­sichtbar war. Run entblößten sich alle Häupter, die Hande falteten sich, I l ' . . . b b roenn bje Weiber wieder etwas Gutes

und lange unb feierlich betete jedes für sich zu dem Geber jeber guten ^'Set bätten fo fei man nahe bei ber Hand. Salb gesellte sich di- Gabe. Dann erst griff nian langsam zum blechernen Löffel, wischte ben- 1 (Sotk jbnen bie mit anderen Weibern den Garten und die Pslanz- selben am schönen, fernen Tischtuch aus und ließ sich an die Suppe, unb beleben hatte Der Gotte kamen die anberen Weiber nach, und eine mancher Wunsch würbe laut: wenn man alle Tage eine solche hatte, so I Pl | ber'a)nberen ließ sich nieder ins Gras, vorsichtig die schönen Ki tel begehrte man nichts anderes. Als man mit der Suppe fertig war, wischte dagegen ihre Unterröcke mit dem hellen roten

iX fchMttsichstin'Wab'und sah'zu° SLToSfen aTLfrun: Rande der Gefahr au'ssetzend, ein Andenken zu erhalten vom grünen brühe ausgetragen wurden, Voressen^von^^^Hirn,^_?.0NSchaffleisch,^^aure | $aum, um ben bie gan3e Gesellschaft sich lagerte, stand oberhalb des Hauses am sanften Anfang der Halde. Zuerst ins Auge fiel das j-YM, neue Haus; über dasselbe weg konnten die Blicke schweifen an ben 1 fettigen Talesranb, über manchen, schönen, reichen Hof und weiierin über grüne Hügel und dunkle Täler weg. ,

Du hast du ein stattliches Haus, und alles ist gut angegeben ,R' 5 ber Vetter,jetzt könnt ihr auch sein darin und habt Platz für aues, i konnte nie begreifen, wie man sich in einem so schlechten Hause so u « ' 1 leiben kann, wenn man Gelb unb Holz genug zum Bauen hat, »ie u zum Exernpel."Vexier' nicht, Vetter!" sagte der Großvater, mQ]t beibem nichts zu rühmen; bann ist das Bauen eine wüste Sache, weiß wohl, wie man anfängt, aber nie, wie man aufhört, unb manoj ist einem noch bies im Wege ober bas, an jebem Orte etwas andere..