Itttt) der Bruder DeriWW schrieb so noch vieieZ kn Sen Bormkttags- stunden dieses Tages, der in der Mitte der Karwoche lag, während Eie Sonne draußen das junge Grün weckte und lockend antrieb zu jubelnder Auferstehung.
Einen Raum gab es in der Präzeptorei, durch dessen Förster Las Goldlicht der Sonne niemals den Weg fand, durch die der Lag in immer gleicher Helle schien von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. 2n diesem Raum hatte Meister Grünewald seine Arbeitsstätte aufgeschlagen. Selten verlieh er ihn, denn er liebte die Stille Md Einsamkeit, in die er sich mehr denn je eingefponnen hatte seit er an fernem Werk schuf, Las, wie eiM innere Stimme es ihm sagte, die Arbeit seines Lebens, das schönste und reifste Werk seines Schaffens werden sollte.
Auf festem Gestell standen die Tafeln, und die leuchtenden Farben der Gemälde strahlten in ihrem eigenen Licht. In wildem Schmerz krümmte sich der Gekreuzigte am Marterholz, aufgerichtet vor einem dunklen Hrmmel über fahlgrün verschwimmendem Land. Rot prunkten die Mäntel der Jünger...
In sein Werk versunken stand der Meister, die Hände auf dem Rücken verschränkt, vor der Staffelei. Gelungen war alles was sein Auge visionär geschaut hatte. Gewaltige Kraft, Leidenschaftlichkeit der Empfindung und grenzenlose Hingabe an das Geschehen um die geheiligte Gestalt des Christus hatten ihm die Hand geführt, hatten ihn Farben finden lassen, die in einem zauberischen Licht leuchteten, als strahlten sie aus sich selbst. Aber diese Farben waren nicht heiter, und selbst das sinnenfrohe Fanal des Rot trug in der Umgebung, in die es gestellt, den Stempel der Schwermut. Schwermütige Tragik lag- über all den Gestalten, die unter seiner Hand entstanden waren, und auch das Lächeln der Madonna, die ihr Kind aus der Wiege hebt, war ein Lächeln, in dem schon die Ahnung künftiger Schmerzen sich offenbarte.
Lange hafteten die Augen des Meisters an diesem stillen Gesicht der Muttergottes und schweiften dann hinüber zu den musizierenden Engeln auf dem linken Flügel des Altars. Ja, da war wohl ein Hauch von heiterer Innigkeit eingefangen worden, eingefangen aus dem unschuldig-frohen Gesichtchen eines Kindes, das dem Meister eines Morgens begegnet war, just um die Zeit, da er an dieser Tafel malte. Es war ein glücklicher Augenblick gewesen. Doch der glücklichen Augenblicke gab es wenige in seinem Leben, und sie kamen ihm selten von Menschen. Wem das Schicksal eine schwermütige Matur mit auf den Wieg gegeben, der sah mit anderen Augen in die Welt, den drängte es immer wieder aus der heiteren Menge in die Einsamkeit, und so war Meister Grünewald ein verschlossener und eigenbrodlerischer Mensch geworden, einer, der stumm litt und nur durch sein Schaffen sich erlösen und auftun konnte.
An diesem Tage, da vor den Fenstern die Frühlingssonne lockte, und das kommende Auferstehungsfest schon leise seine Jubelbotschaft in die verhaltene Stille der Karwoche läutete, lastete der Trübsinn besonders schwer im Gemüt des Meisters, und die Anruhe in ihm wußte auch den Grund, denn schon seit Wochen trieb sie ihn an, endlich die Arbeit an dem letzten Bildwerk zu beginnen, aus dessen chaotischen Untermalung sich schon ein paar flüchtig hingeworfene Umrißlinien eines gen Himmel fahrenden Christus heraushoben. Die Krönung des Werkes sollte dieses Gemälde werden, das Licht über dem Dunkel, der Triumph Über den Tod, der versöhnende Schluß des tragischen Geschehens auf Golgatha.
„Christus ist auferstanden!" Diese Botschaft des Ostertages sollte lebendig werden in Farbe und Licht, in der Gestalt des Herrn, aber vergeblich rang sein Geist um das innere Erlebnis dieses auferstehen- ven Christus. Ehe ihm das nicht ward, würden seine Hände kraftlos bleiben.
Gab es ein Auferstehen, eine Erlösung aus dem Dunkel, einen Sieg über Schwere und Schwermut? Der Glaube daran wollte ihm nicht kommen, und das war es, was ihm Geist und Hände lähmte. Ehe er diesen Glauben nicht fand, würde er sein Werk nicht vollenden können.
Und so ging dieser Tag hin, wie die Tage und Wochen vor ihm, nutzlos und tot. Den Kopf müde in die Hände gestützt, saß der! Meister oft stundenlang vor dem Entwurf, und kam die Rächt, so fand sie ihn ruhelos und verzweiflungsvoll ringend mit sich und fernem Werk.
, pn dieser Rot, aus der es keinen Weg mehr zu geben schien, fahte er endlich den Entschluß, aufzugeben, was ihm nicht gelingen wollte, und Guido Guersi, seinen Auftraggeber zu bitten, die Dollendung des Altarwerkes in berufenere Hände zu legen.
Es war ein schwerer Schritt, den der Meister tat, und Bitten «wn es ihn an, seinen Ehrgeiz so tief demütigen zu müssen vor einem Enfchen, ihm sagen zu müssen: „Ich kann es nicht, wähle einen anderen.
(. .®8t Präzeptor war ein kluger und gütiger Mann. Er -fah, wie «Ls Mmf<ch und Künstler litt, der vor ihn, stand, und er wußte auch, ^,«ß hier eine Seele vergeblich um den Glauben an das Lichte wnd Leichtmachende rang.
h »Meister, Ihr tut Unrecht an Euch und Eurein Werk, wenn Ihr vrMtig mutlos werdet," sagte er tröstend. „Was Ihr schaffen ui ^tef€r letzten Tafel, ist das größte Mysterium, das ganz töst begreifen wohl kaum einem Sterblichen beschieden
-r “. H feinem Geheimnis nahe kommen will, der darf sich Mr« emfchliehen in dumpfe Räume. Geht hinaus in die freie und r'L<e Matur und spürt dem Öeben und Auferstehen nach, ihm r Praußen jetzt mit Allmacht regt. Erlebt das Licht und Tw!™;fchaut hin, wie Pflanze und Tier sich aus dem Dunkel öaift gewinnt Euch den Glauben zurück, daß des Menschen Gew 'Ä'^fturisEeit nicht so unüberwindbar ist, wie Ihr es meint,
erlew Kit? ^§rz hin an die Botschaft des morgigen Ostertages und lautoL ,rottoaft im Freien, Meister! Wenn Ihr recht hinein-
' lrt lne lebendige Schöpfung, so wird Euch das Wunder
werden, auf das Ihr in engen Mauern vergebens gewartet habt* . Ais die Osterglocken zur Feier riefen, als die Brüder des Klosters m der Krrche das „Christ ist erstanden" sangen, da wanderte Meister Matthias weit draußen, fern den Häusern und Menschen, inmitten der lebendigsten Auferstehungswunder, und die Ratur selbst hielt ihm die Osterpredlgt, die sich einsenkte in sein gläubig geöffnetes Hfrz und seine Augen begnadete, daß sie hinter Pen Dingen die " mächtige Kraft des Geistes schauten, jenes Christusgeistes, der alle Todesfesseln: sprmgte und aufwärtsstieg mit Gewalt, vom Licht w kmrchteuchtet, das von seinen segnend gebreiteten Händen
hinabsloß in die Dunkelheit der Erde.
- Verwandelter kehrte er zurück. Was er geschaut und
"lichst erlebt, nun konnte er es gestalten, und als das fertige Bilch das er wie in einem Fieberrausch gemalt hatte, vor ihm stand, ba war es geworden, wie er es in feiner Vision geschaut hatte: eine gewaltige Verkündung von, Sieg über alle Erdenschwerde. über Grabesnacht und Menschentorheit.
Eisland.
Roman einer Expedition. Von Hellmuth Unger.
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Es meldete sich keiner.
„Fragt auch die Kranken! Auch Elison! Cs gibt keine Ausnahme/ „Was wird mit dem Schuldigen geschehen, Kommandeur?"'
„Das sollt ihr selbst bestimmen, Kameraden."
. „Er wird erschossen!" gröhlte Henry.
„3a."
Copyright by Carl Schünemann, Bremen.
(Fortsetzung.)
Bender und Henry hielten wieder alle in Erregung. Ja. Sie wollten Unfrieden und Haß und lachten höhnisch, wenn Greely jäh aufflackernden Streit zu beschwichtigen versuchte. Wenn die anderen zu stumpf geworden wovon sich jeden Diebstahl gefallen zu lassen, sie würden sich wehren.
Und wehe, wenn sie den Täter entdeckten!
Jens Edvard belauerte Henry mit starrem Blick.
„Wie willst du ihn denn finden?"
„Das ist Greelys Sache, nicht meine."
„Sollst lieber dein Maul halten, Jens! Du weißt wahrscheinlich mehr über den Speck als andere. Hetze!" ’
Niemand hätte dem kleinen, ruhigen Eskimo Jens Edvard, den sie alle gern mochten, solche Schnelligkeit und solchen Mut zugetraut mit dem er sich über Bender stürzte, diesen Riesen. Wie ein Raubtier sprang er ihm gegen die Brust und krallte ihm die Finger um den Hals „ J-Senben taumelte röchelnd zu Boden, daß er beinahe das Feuer unter sich erstickte. Und seine geröteten Augäpfel traten groß aus den Höhlen.
Rice stand sprungbereit, um dem Eskimo zu helfen, aber als er sah Prügel $enbCr unterta0' i^te er sich wieder. Dem gönnte er die
Jens ächzte vor Erregung.
„Willst du das noch einmal sagen?"
Bender machte nur eine zaghafte Geste mit den Händen.
_ Da gab ihm Edvard die Kehle frei und ging an seinen Platz zurück. Er lächelte siegessicher, aber er wußte, daß er fortan einen Todfeind hatte, vor dem er sich hüten mußte.
Die Hetzerei unter den anderen ging weiter.
„Vielleicht will Greely gar nicht wissen, wer der Dieb ist? Was meint ihr? Vielleicht kennt er ihn und will ihn nicht verraten, damit wir ihn nicht lynchen."
Greely mußte jeden Mann einzeln fragen, ob er sich des Diebstahls schuldig bekenne.
„Nein!"
„Nein." » >
„Nein."
„Schade um die Kugel."
„Prügelt ihn lieber tot!"
„Aber wir müssen doch erst wissen, wer es ist."
„Nennt mir den Namen, Leute!'"
Sie schwiegen alle.
„Ihr seid Narren, wenn ihr ihn schützt!"
*
Sergeant Rice und Jens Edvard, diese beiden tapferen Kameraden, waren aufgebrochen, um Grönland zu erreichen.
Greely hatte die Mannschaft vor dem Zeltlager versammelt, um mit ihr seinen Rettungsplan zu besprechen und die letzten Anordnungen zu geben. Wie er es darstellte, schien die Lage der Expedition noch nicht verzweifelt zu fein. Elison und Lockwood waren die beiden einzigen, die nicht marschieren konnten. Sie sollten auf Schlitten gebettet mitgenommen werden. War der Kanal zwischen Camp Clay und Grönland noch nicht aufgebrochen, dann konnte man in sechs bis acht Tagesmärschen Etah erreichen. Die trostlose Zeit des Wartens war vorbei. Drüben würden ihnen Jens und Rice entgegenkommen und die Verbindung mit den Eskimos bereits hergeftellt haben.
Um die Mannschaft nach Möglichkeit für den Aufbruch zu kräftigen, gab Brainard in Greelys Auftrag doppelte Rationen aus, und zum ersten Male feit Monaten -fühlte sich jeder gesättigt.
Acht Tage nach dem Abmarsch der beiden Kameraden sollte das Lager von Camp Clay abgebrochen werden. Am fünften Tage kehrten Jens und Rice völlig unerwartet und entmutigt zurück.
Unter größten Strapazen waren sie im Schneesturm bis zum Smith- Sound vorgedrungen. Die große Eistrift nach Süden hatte aber unter dem Antrieb des Sturmes schon vorzeitig begonnen und der Kanal war nicht zu überschreiten.
Damit war gleichzeitig die letzte Hoffnung auf Rettung zerstört, der Weg nach Grönland unterbrochen. Die Verteilung der erhöhten Rationen


