Ausgabe 
18.8.1930
 
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Blom!" sagt er,s'ist man gut, daß wir dich haben!" Aber Schisser öder bloß Steuermann, das wird son'n alter Seemann nie!"

Oder glauben Sie, es wären zwei Männer hier an Bord, die einen Pfahlstich schlagen ober ein Boot manövrieren können, falls man ge­zwungen wäre, feine Zuflucht zu ben Rettungsgerätschaften zu nehmen? Arbeiter sinb's, jawohl heute auf ber See, morgen auf bem Lande." Der alte Blom spuckte verächtlich.

Seeleute ...! Gehen Sie lieber ins Museum unb gucken Sie ba nach! Hier an Vorb gidt's nur einen. Nun sollen Sie zusehen, ob sie sich selber ausrechnen können, wer bas ist!"

Blom ftanb auf unb ging seiner Wege. Cr hatte 'einen von seinen bösen Tagen. Er bereute nun gewiß seine Mitteilsamkeit unb grollte mir einen ober zwei Tage lang. Sanft kamen wir ausgezeichnet miteinanber aus.

Jnbem ich eine Menge feiner kleinen zerstreuten Bemerkungen zu­sammenflickte, bekam ich allmählich die Hauptzüge seiner Lebensgeschichte heraus. Die war eigentümlich genug.

Er hatte sein Kinberheim mitten auf Varnhalm, in ber Hochheibe, und da in ber Nähe kam er nach feiner Konfirmation in Dienst. Von den Felbern des Gehöfts hatte er immer irgenbeinen Meereszipfel vor Augen, unb so ging es ihm benn wie fo manchem anderen Bornholmer Bauernburfchen: er sammelte Ausweh hinter Pflug unb Egge, sehnte sich mehr unb mehr in bie Welt hinaus. Er wallte nach Amerika! Von Gelb­sparen für bas Billett konnte keine Rebe fein, ba er feine alten Eltern unterhalten mußte. Aber fobatb bie beiben tot waren, warf er los unb ließ sich vom Strom treiben. Es lag gerade im Hafenstädtchen ein großer englischer Dampfer unb reinigte Kessel; auf ihm ließ er sich als Heizer anheuern.

Seine Absicht war, burchzubrennen, fobatb er Amerika erreichte. Daß man bahin wallte, erschien ihm ganz selbstverständlich.

Der Dampfer sollte aber zunächst nach allen anberen Orten. Ungefähr zwei Jahre verbrachte er in ber Hölle bort unten im Heizraum, und allmählich entdeckte er, daß bie Welt groß ist.

Dann enblich lief man einen amerikanischen Platz an; er brannte von Borb burch unb lieh seine Schiffskiste im Stich, bie er mit ber Zeit sehr lieb gewonnen hatte. Aber stolz war er; er hatte wenn auch auf beschwerlichen Umwegen feine Gratisreife nach Amerika burchgeführt. Dbenbrein waren Leute auf bem fremben Platz, bie ihm babei halfen, sich von Bord zu stehlen, unb ihn an Laub versteckt hielten.

Runners würben biefe Leute genannt, unb sie hatten nicht ben besten Stuf. Aber Blom machte nur gute Erfahrungen mit ihnen, unb er lauschte ohne Vorbehalt ihren phantastischen Geschichten vom Glück, bas brüben im Solblanbe lag unb wartete.

Unbesorgt vertraute er sich unb seine zusammengesparte Heuer ben kundigen Händen dieser Leute an unb erwachte eines Tages hunbert Meilen in See als Heizer in einem fremben Teufelskasten, ber für irgenb einen infernalischen Platz bestimmt war. Die verfluchten Kerls hatten ihn totgetrunken, ihn angemustert unb an Borb gebracht, wäh­rend er seinen Rausch ausschlief; unb sie hatten babei basBlutgelb" einen halbjährigen Vorschuß auf feine Heuer berechnet. Er war nach allen Regeln ber Kunst shanghaieb worben.

Als ber Mann, ber er war, setzte er sich nicht hin unb jammerte, sondern fand sich mit ben Verhältnissen ab. Sobald er konnte, schielte er aus bem Heizraum aufs Deck über unb würbe ein richtiger Seemann. Mit bem Gedanken an ßanb zu gehen, war es vorbei biefen Plan hatte bas Geschick auf feine Art entschieben.

So war er Seemann geworben. Später hatte er seine meiste Zeit da draußen auf ben großen Strichen zugebracht, wo ber Zug geht nach ben Guano-Inseln, Neu-Seelanb unb bem Sübkap herum wo man brei bis vier Monate unterwegs ist, ohne ßanb zu sehen, unb ganze Jahre, ohne Veranlassung zum Gelbausgeben zu haben. Familie hatte er nicht gegrünbet, unb Angehörige hatte er nicht, soweit ich verstand. Es kam vor, daß er wie nun vor kurzem sich einsam fühlte. Aber in ber Regel war er in Perlenlaune unb nahm feine Chance, wo sie sich ihm bot.

Ich hatte mich übers (Belänber gelehnt unb starrte hinab auf bas offene Zwischenbeck. Die Beute von ber bienftfreien Mannschaft ver­sammelten sich nach unb nach ba unten unb ließen sich auf Buke Nummer eins nieber. Sie hatten sich die Haare mit Wasser gekämmt und waren in Morgenschuhen, bie halbe Erinnerungen bargen; ber Zimmermann rauchte aus einer richtigen langen Pfeise mit gebrehtem Horn unb Quasten.

Wer heute an ßanb wäre!" sagte einer.

Ja, wer zu Hause wäre!" sagte ber Zimmermann.Bei Muttern und den Gören."

Es fällt Stille über sie alle bei seinen Worten, einen Augenblick verstummt ihr sorgloses Geplauder. Oben auf dem Achterdeck setzt bas Grammophon bes brüten Assistenten ein mitSweet bream", unb alle Liehen. Jakobsen hat heute Nacht vorn Back bas Weiberschiff bie Kimmung entlang fahren sehen in einem Nebel von aufgelösten Haaren und hellem Weiß unb es ist Sonntag auf See.

Blom kommt vorbeigeschlenbert unb fragt, ob ich etwas dagegen Mo, in seine kleine Kabuse zu schauen. Er nimmt aus feiner Kiste ^...Photographie einer Italienerin hervor.Sehen Sie, das ist mein Mädchen. Ich habe sie auf ber letzten Reise kennengelernt in Savona 7" feines Porzellan was? Wenn man sich nun ein bißchen Gelb 8U|ammenge{egelt hat, bann geht man ja wohl eines schönen Tages ?n t-and unb verheiratet sich; bas Familienleben ist doch bas einzige, as Bestaub hat. Aber tun Sie mir den Gefallen, unb erzählen Sie

®l?nberen "'Gis bavon." Er schlug fummenb bie Kiste zu.

Bloms Zukünftige war eine ganz gewöhnliche schwarze Italienerin; ["?. Einzige ausfällige bei ihr war, baß sie mir bekannt vorkam. Ich itariit, n,tV*5' "ber für ben Rest bes Tages zerbrach ich mir ben Kopf ruber, wo in aller Well ich sie wohl gesehen habe. In Savona war !}?vnie. gewesen, unb von einer zufälligen Aehnlichkeit konnte nicht die 06 'Ein, bavon war ich überzeugt.

Als ich am Abend zum ersten Maschinisten kam, zu dem gewohnten Abendgrog unb Plauberstündchen, würbe bas Rätsel gelöst. Da ftanb die Dame ja nett unb hübsch auf feinem Schreibtisch, nur hier in Kabinett. Auf meine Frage erklärte er, baß fei feine Dame, bie er in Savona kennengelernt habe unb außerorbentlich schätze ein in jeber Beziehung sympathisches Mäbchen, mit bem er sich möglicherweise eines Tages verheiraten werbe.

Für Blom sollte es übrigens keine Rolle spielen, ob bie Sache sich so ober so verhielte. Wir liefen Dienstag in Kronstadt ein, löschten bie Kohlenlabung unb fuhren bann bie Newa hinauf nach Beningrab, um Holz zu laben. Unb hier enblich war Bloms Gratisüberfahrt nach ber Neuen Welt zu Ende unb er konnte an ßanb gehen, ohne Gefahr zu laufen, shanghaieb unb roieber an Borb gebracht zu werben.

Wir lagen in bem äußeren Hafen bei Elevator unb nahmen bie Holzlabung an Borb; verfaulte Prahme tarnen mit ihr tief aus bem Innern Rußlanbs. Eines Tages, währenb ber Mittagspause, fiel von einem ber Prahme ein Kinb über Borb; Blom sah es oben vom Back aus unb warf sich sofort über bie Schiffsseite hinunter. Das Wasser war sehr trübe, unb vielleicht hat ihn ber Strom erfaßt. Wir fanden ihn nach langem Suchen unter einem ber Prahme mit bem Kinbe in ben Armen.

Ich war mit babei, ihm bie letzten Handreichungen zu leisten, und bas war eine fonberbare Arbeit. Ueberall an feinem nackten Körper waren große, farbige Tätowierungen: Ein Herz in Flammen, ein lockiges Weib mit roten flippen, ein Bursch unb ein Mädchen Wange an Wange. Schöne Stunden in Hamburg unb Rotterbam unb Hüll, durch einen fingerfertigen Alfons verewigt. Mitten auf ber Brust hatte er brei Symbole: Anker, Kreuz unb Herz ineinanbergefdjlungen. Eine tuschblaue Kette lief von hier aus über seine Schulter, bann ben Rücken hinab unb verschwcmb unter seinem Sitz. Die Kette entlang ftanb in Englisch tätowiert: If you want more chain, pull on! Ach, er hatte für saftige Seemannswitze keine Verwenbung mehr.

Er starb als Seemann unb kam als Seemann ins Grab. Die Grabrebe über ihn sprach ein schwedischer Pfarrer in deutscher Sprache unb wir versenkten ihn in russische Erbe. Wir veranstal­teten eine kleine Sammlung unb legten zwei Palmenkränze mit signierten Seibenbänbern in Rot unb Weiß auf fein Grab. Lange sollte er sich aber nicht bamit schmücken: bie Bänber würben von Freubenmäbchen gestohlen, sobald wir weggegangen waren.

21 m Abenb besuchten wir eine Seemannskneipe, um feine Heimfahrt zu begießen. Währenb wir bort sahen unb auf bie Lampe goffen und darüber schwätzten, was für ein brillanter Kamerad Blom gewesen, tanzten oben auf der kleinen Bühne zwei Chansonetten unb trugen bie Seibenbänber als Schärpen.Leb' wohl, bu guter Kamerabl" ftanb ihnen auf ben Leib geschrieben mit golbenen Buchstaben auf Danedrogs Farben.

Es wirkte gar nicht als Profanation, fonbern eher als Willkommen­gruß. Blom war ein bißchen vorausgegangen nach Fablow GreenI

Mathilde Möhring.

Roman von Theobor Fontane.

(Fortsetzung.)

Jott, Frau Leutnant, wie soll es gewesen [ein. Sehr fein war es. Rechnungsrat Schultze war auch ba."

Mit ihr?"

Nein, ohne."

Na, bas könnt ich mir benken. Er nimmt es nicht fo genau, die Rätin aber, die hält auf sich wie alle Frauen. Unb wer war benn noch ba?"

Ja, bie Namens weiß ich nicht, Frau^ Leutnant, bloß eine Braut war noch ba, bie sie Fräulein Vella nannten, unb alle sehr drum rum, weil sie sehr hübsch war. Schultze fand es auch. Unb was benken Sie wohl, was sie meiner Ulrike jejeben hat, bie war nämlich auch mit da unb mußte runterleuchten."

Ja, wer will bas sagen, Damen geben boch nie Trinkgelb."

Ja, bie gab aber, einen Taler hat se ihr fpenbiert."

Ach, Unsinn."

Nee, Frau Leutnant, es is so, Ulrike hat mir alles erzählt und wird boch nicht mehr jefagt haben, wo sie mit mir teilen mußte. Das heißt, müssen war es eigentlich nid). Das Fräulein also sagte: ,Hans, gib mir mal das Portemonnaie', unb bann nahm sie's raus unb sagte: ,Wir berechnen uns morgen'. Unb es is nur schabe, bah es Schultze nid) mehr hörte, ober vielleicht war es auch fang jut. Er war schon vorher janz weg, unb es war besser, bah er allein jetommen war."

Unb wie war benn bie Braut, was hatte sie an?"

Sie hatte ihr braunes Merino an mit lila Einsatz."

Unb war wohl eine große Zärtlichkeit, wie? Solche wie Fräulein Thilbe, roenns ba mal kommt, bie sinb immer sehr zärtlich."

Rich baß ich sagen könnte, Frau Leutnant. Ich habe nichts jesehen, und bie Wohnung is so, bah man eigentlich alles sehen muß. Alles offen wie aufs Tempelhofer Feld unb kein Vorhang unb keine Schirme. Und Lichter waren überall zu finden. Thilbe war auch immer bloß um bie Schüsseln herum unb präsentierte, wenn Ulrike nicht ba war, und Herr Hugo, was ber Bräutjam is, ber ftanb immer fo ba, unb als ein älterer Herr, aber noch nicht so ältlich wie Schultze, bas Brautpaar leben ließ, ba sah er so verflixt aus, als wenn er nid) fo recht zufrieben märe."

Kann ich mir benken."

Ober eigentlich bloß, als ob er jar nicht fo recht mit babei wäre unb wäre janz wo anbers. Vielleicht is bas noch fo von feiner Krank­heit, denn «in bißchen spack sieht er noch aus. Oder vielleicht is es auch nid) ganz richtig mit ihm?"

Das ist es, Runtschen. Es ist nicht ganz richtig mit ihm. Und wenn Sie gehen, nehmen Sie sich bas Steinpflaster mit, das noch neben dem Baum liegt, aber sehen Sie sich vor damit."