Ausgabe 
17.10.1930
 
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Gao Vaulo und ZRio de Janeiro.

Brasiliens umstrittene Millionenstädte.

Von Antonio B a ch a t e I.

Auf der südlichen Halbkugel beginnt jetzt die warme Jahreszeit, und der brasilianischen Hauptstadt Rio be Janeiro stehen heiße Tage bevor. Rio ist eine Millionenstadt in ben Tropen. Wer fie besucht hat, wirb sie nicht vergessen. In einer unbeschreiblich schönen Bucht liegt Rio auf unb zwischen ben Bergen, von bizarren Gipfeln umrahmt, ein Bade­ort und ein Hafenplatz, ein Geschäftszentrum, eine Spielhölle, ein Para­dies der schönen Frauen ein Mikrokosmos, der die Sinne beschäftigt, unb an dem ganz Brasilien mit inniger Liebe hängt. Welcher Unterschied zu S a o Paulo, der weiter südlich liegenden Kaffeestadt, die nun auch bie Millionengrenze erreicht hat, unb der es bestimmt zu fein scheint, das schöne Rio zu überflügeln. Sao Paulo liegt im Hügelland, über 700 Meter hoch. Das kühlere Klima schuf einen kühleren Menschenschlag, sachlich, nüchtern, fast nordamerikanisch. Wie Chikago ist Sao Paulo eine Stadt des Geschäftes, die sich in beängstigender Geschwindigkeit entwickelt, in einem Jahrzehnt ihre Einwohnerzahl nahezu verdoppelt hat unb in Brasilien fast so unbeliebt ist, wie man an Rio mit heißer Liebe hängt, llnb um diese beiden Städte geht nun in diesen Tagen der brasilianische Bürgerkrieg. Fast das ganze Land ist von der Regierung abgefallen, aber Rio unb Sao Paulo stehen noch zum Präsidenten Washington Luis und seinem Nachfolger Julio Prestes. Ohne diese beiden Mil­lionenstädte zwischen dem Urwald und dem Meer kann die Revolution nicht siegen. Darum muh dort der Entscheidungskampf beginnen.

Der europäische Besucher, der Rio de Janeiro besichtigt, erhält oft ein falsches Bild von dieser Stadt. Auf einem mächtigen Felsbrocken, dem Hügel Providentia, kleben dieVogelnester" des Lumpenproletariats, wie man diese Bevölkerung in Deutschland nennen würde. Es sind Hütten von erschreckender Armseligkeit, schief aneinander geklebt, malerisch unb dennoch furchtbar anzusehen. Dieser Hügel liegt mitten in ber Stadt, unb ringsum erheben sich die Prachtbauten des alten unb des neuen Reichtums. Kein Wunder, daß solche Gegensätze Eindruck machen! Aber sie sind dennoch nicht charakteristisch für Rio de Janeiro, das die Mehr­zahl seiner Elendsguartiere schonungslos ausgerottet hat und heute nur noch wenigeSehenswürdigkeiten" dieser Art besitzt. Alle Großstädte haben ihre Unterwelt, und es ist ein billiges Vergnügen, in Rio gerade diese Baracken für etwas Besonderes zu erklären. Gewiß ist es ängstlich, auch nur am Tage diesen Hügel zu erklimmen unb zwischen Negern, Mischlingen und heruntergekommenen Weißen Studien zu machen, und in ber Nacht ist es zweifellos lebensgefährlich. Aber dasselbe kann man mm alten Hafenviertel in Marseille, von mancher Ecke Neapels, von Spelunken im Londoner Osten sagen von Nordamerikas Millionen­städten ganz zu schweigen.

Die Schönheit dieser Stadt, die übrigens nicht mehr lange Metropole bleiben soll, da man eine neue Hauptstadt im Innern des Landes er­richten will, ist schwer zu beschreiben. Von jeder Straße, von jedem Platz sieht man die Berge der Umgegend, denZuckerhut", der ein Wahrzeichen non Rio ist, unb benCorcovado", von dem bie Brasilianer behaupten, daß er der Schauplatz eines religiösen Mysteriums gewesen sei. Von einem Gipfel soll der Teufel dem Heiland die Schönheit der Welt gezeigt haben, um ihn in Versuchung zu führen und unbeschreiblich herrlich liegt bie Welt tatsächlich diesem Berg zu Füßen. Rios Straßen versinken ploßlich in Schluchten, zwängen sich durch Tunnel, führen an einen See mitten in der Stadt, zeigen alle Wunder der Natur vereint, ohne daß man sie auf mühseligen Reisen zusammensuchen muß. Eine Millionen- tabt in solcher Umgebung: das ist Romantik genug, man braucht nicht überlebte Kontraste hinzuzufllgen, sich nicht vor dem Gelben Fieber zu fürchten, das einst Brasiliens Küsten entvölkerte unb heute, von gelegent­lichen Einschleppungen abgesehen, aus Rio vertrieben ist. 4000 Beamte der Sanitätspolizei kriechen in alle Winkel der Stadt, in die Höfe und die Keller der Häuser, um zu verhindern, daß sich im stehenden Wasser Mücken entwickeln, bie bas Fieber verbreiten. Diese Untersuchung der Häuser ist keine Kleinigkeit. Denn der Brasilianer hütet fein Haus wie iiue Festung, und wer nachts in eine dieser häuslichen Burgen ein« bringen wollte, ohne sich vorher durch Händeklatschen und Rufen von der Strafte aus angemeldet zu haben, würde damit bas Schicksal heraus- forbern. Es gibt Dolche, Revolver und Gewehre in Brasilien! Das ist « romantische Rest dieses Landes, in dessen Innern man ohne Massen Moren ist. Nicht weit von Rio beginnen die Urwälder, und je weiter An in den Kontinent einbringt, um so unzivilisierter werden die Ve- Ahner. Aber in Rio selbst herrscht Eleganz. Das kulturelle Vorbild ist Frankreich, die Sitten und die Moden werden aus Paris eingeführt. M ber Prachtstraße der Stadt, der Avenida Rio Braneo, sieht man Wfante Frauen in französischen Toiletten, und auch sonst ist das Bild W europäisch, denn bie Autos jagen sich in dichten Reihen wie auf ben Mlevards, unb am Adenb wird das Auge von der Lichtreklame ge­blendet. Doch in den schönen Villen der Wohnviertel stehen Palmen, und ® -botanischen Garten gibt es eine mächtige Allee von Königspalmen, die «ran erinnern, auf welchem Breitengrad man sich befindet.

Das Schlagwort von Rio de Janeiro istPaciencia", und das be« k! a : Geduld. In allen Ländern der Welt zeichnet sich die Beamtenschaft Mch große Ruhe und Geduld aus, aber in Brasilien wird diese bureau- Nchsche Eigenschaft durch Liebenswürdigkeit gemildert; wer in einem Ezimwer warten muß, Stunden, Tage oder Wochen, kann sich im Ab- m e°n halben Stunden immer wieder an einer freundlich gereichten »Ile Kaffee erfreuen. Paciencia ist auch die Losung der übrigen Be- Min von Rio, sogar der Geschäftsleute, wenn es ihnen auch nicht ?. »gt, soviel Geduld wie die Beamten zu entwickeln. Aber Paciencia L ?,n Zauberwort in Sao Paulo. Dort wird gebaut, niedergerissen, (Lp gebaut, dort gehören die Geschäfte den Nordamerikanern, den Hub r? äen Deutschen, wenn auch in der Bevölkerung Italiener link fretOnuPt frühere Bewohner der Mittelmeerländer in der Ueberzähl itann , 0 Paulo herrscht Betriebsamkeit, Machtwille, Ausdehnungs-

Diese Stadt, die mitten in den größten Kasfeeplantagen der Welt

siegt, hat es verstanden, bisher dem ganzen Land ihren Willen aufzu» drücken, und die Revolution richtet sich nicht zuletzt auch gegen die Hege­monie von Sao Paulo. Dort liegt das wirtschaftliche Schwergewicht des Landes, der Kaffeehandel, und bie Präsidenten von Sao Paulo haben bisher die größte Aussicht gehabt, Präsidenten von Brasilien zu werden. Die schwere Kaffeekrise hat die Machtstellung der Kaffeeherren unter­graben. In der letzten Zeit ist sogar der Häuserbau ins Stocken geraten. Wandert man durch die Stadt, so empfindet man sie zwangsläufig als ein unfertiges Gebilde. Sao Paulo ist sprunghaft entstanden und nicht nach einem einheitlichen Plan errichtet worden. Architektonisch erinnert der Ort an alle Stile der zivilisierten Welt. Die Italiener haben Häuser gebaut, wie man sie in Rom und Neapel sieht, die Gebäude der Deutschen könnten in Berlin oder Hamburg stehen, die Spanier haben bie Eigenart ihrer Halbinsel beibehalten, unb die Nordamerikaner bauen Wolkenkratzer wie in Neuyork oder Boston. Auch sonst ist es in Sao Paulo, das eine starke deutsche Kolonie besitzt, nicht gelungen, die Bevölkerung zu einem einheitlichen Typ, zum Brasilianer, zusammenzuschmelzen. Die Einwanderer behalten die Fühlung mit ihrer ursprünglichen Heimat, und sogar die zweite Generation sühlt sich dem Ursprungsland noch ver­bunden.

Sao Paulo ist kein schöner Ort. Aber man spürt, daß seine Bevölke­rung unternehmenden Geist besitzt. Von dort wandern die Abenteurer in das Land, um nach Diamanten, nach Petroleumguellen, nach Mineral­schätzen zu suchen. Auf den Straßen und in den Kaffeehäusern dieser neuen Millionenstadt kann man alles kaufen: große Ländereien, Kaffee­plantagen, Zuckerplantagen, Petroleumguellen. Und wie es bei einem so lebhaften Handel im halbkolonialen Gebiet nun einmal ist: man kann auch entsprechend betrogen werden. Es ist in dieser Kaffeestadt viel von dem Geist der spanischen und portugiesischen Eroberer lebendig geblieben, die einst durch ganz Südamerika Raubzüge unternahmen, aber auch ge­willt waren, Kulturarbeit zu leisten. Die Oase in dieser Steinwüste ist die Villenstadt Hygienopolis, wo die reichen Handelsherren und Grundbe­sitzer ihren Wohnsitz ausgeschlagen haben. In diesem Ort, der an Süd­italien erinnert, läßt es sich leben. Und wenn man es in Sao Paulo überhaupt nicht mehr aushält: in zwölf Stunden führt der Schnellzug aus dem Hochland hinunter nach Rio, der schönsten Stadt der Wett.

Dunkle Blätter.

Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs.

Von Max E y t ft.

(Fortsetzung.)

Allahu!

Mit dem Gefühl, für heute genug erlebt unb gehört zu haben, ließ ich ben Vorhang meines Zeltes fallen und suchte bei Streichholzbeleuch­tung in dem aufgerissenen Kaffer nach Papierlaterne, Drahtstift unb Bindfaden, Dinge, bie ich auf allen meinen Kreuz- unb Querfahrten mit« zuführen gelernt hatte. Der Drahtstift wurde kunstgerecht durch bie Lein­wand des Zeltbachs gesteckt, Bindfaden unb Laterne daran befestigt, und bald erstrahlte bas Innere meiner Behausung in bem milden, dem sehr milden Licht einer Kerze, welches durch das geölte unb teilweise bemalte Papier desFanns" drang und wie in einer gotischen Kirche da und dort einen grünen ober roten Streifen auf das Chaos warf, das mich umgab. Noch wenigen Minuten jedoch hatte alles leidliche Form unb Gestalt angenommen und sah fogar wohnlich aus für ägyptische Begriffe. Luxuriös stand das frischgemachte Bett auf der Binsenmatte, die ich Halim verdankte, der Kaffer bildete einen vortrefflichen Salon-,- und Waschtisch, der Rest der Reisesäcke und Kamelstaschen lag aufgeschichtet im Hintergründe, und der Glanzpunkt der Einrichtung, der Schaukelstuhl, lud zu üppigem Lebensgenuß ein. Ein leises Summen entlang dem Zelt­dachs mahnte mich allerdings an die Möglichkeit kommender Leiden, und ich begann über einen Plan nachzudenken, wie ich mein Moskitonetz befestigen und ordnungsgemäß aufhängen könnte. Weitere Drahtstifte durchbohrten das Zeltdach. Aber es gelang nicht sofort. Wenn das Netz an einem Ende glücklich befestigt war, kam es am andern, wie von Geisterhänden bewegt, graziös wieder herunter, und die kleinen Teufel, die es umschwärmten, um sich beizeiten auf der richtigen Seite des ver­haßten Gewebes zu befinden, schienen laut und vergnügt zu zischen. Doch Ungeduld half nicht weiter. Ich wußte, daß meine Seelenruhe für die nächsten sechs Stunden an diesem Netze hing, zog meinen Rock aus und begann die Arbeit von neuem.

Während ich, nicht ohne Lebensgefahr auf dem Schaukelstuhl stehend, neue Befestigungspunkte über meinem Kopf konstruierte, fühlte ich, daß der Zettoorhang sich bewegte, unb hörte ein schweres, stöhnendesUff!" hinter mir. Es klang düster, gespenstisch, fast nicht menschlich. Der harte, heiße Tag und die grusliche Geschichte von Abbas hatten meinen sonst nicht leicht erregbaren Nerven vielleicht über Gebühr zu gesetzt. Oder war es die Sumpffieberluft, an ber es in Kaffr-Schech nicht fehlte? Es rieselte mir kalt ben Rücken herauf, während ein heißer Lufthauch über meine feuchte Stirne zog.

Uff!!" stöhnte es wieder, tiefer, herzbeklemmender als zuvor.

Ich sprang mit einem kühnen Satz vom Schaukelstuhl, auf die Gefahr hin, auf der Nase zu landen. Ein langes Gespenst stand im Zelt, in einen weißen Kaftan gehüllt, der auf dem Boden schleifte, und keuchte zum drittenmalUff!"

Aber es war nicht mehr gefährlich; es war Raines Bey.Basch- mahandi", begann er mit schmerzlicher Heftigkeit flüsternd,hast du Wein mitgebracht? Ich verdurste."

Wie bas Tirolerdeutsch kennt das Arabische keinSie". Wenn Rames Französisch mit mir sprach, lieft er es an Höflichkeit nicht fehlen. Sooft ihn aber etwas tief bewegte, fiel er hilflos in die Landessprache zurück, in der wir uns selbstverständlich duzten.

Wein, o Bey?" antwortete ich erleichtert und ebenfalls flüsternd, denn es war nicht nötig, das Lager zu alarmieren, wenn es sich hierum handelte.Wein stichst du? Bist du ein Gläubiger, o Rames?"