Ich! gab Hella ihrem Herrn zur Antwort.
Und Samuel Serrahn verstand.
Er kletterte vom Wagen herunter, zog seinen blutbesudelten Mantel aus und legte ihn auf den Rücken seines Pferdes. Damit der Mantel unterwegs nicht heruntersiel, schob er den Ring, in welchen der Aufsatzzügel eingehakt war, durch eines der Knopflöcher. Dann wollte er die Hand erheben und, was er noch niemals Hella angetan hatte, in diesem Augenblick doch tun: der Stute einen Schlag hintend.avf klatschen. Aber dazu reichte die Kraft des Blutenden nicht mehr. N>:c noch zum Wort langte es. Zum: „Galopp, Hella!" Schon sprang de. Fuchs mit einem mächtigen Satz an. „Falsch!" schrie Samuel Serrahn. „Nicht nach Fried- richsmoor! Nach Haus! Umdrehn! Nach Haus!" Das war Frevel. Denn Hella bog bereits aus dem Weg. Sie umkreiste den Wankenden und raste gestreckten Galopps davon, rannte nach Haus. „Hella" — bat Samuel Serrahn ihr seinen Frevel ab und schleppte sich in den Weggraben. Dort hatte er nur noch soviel Kraft, beim Hinfallen zu verhüten, daß sein blutender Kopf nach unten zu liegen kam.
In Bahlenhüschen wollte ein Taglöhner Hella in den Zügel fallen. Sie riß ihn um, daß er die Fäuste hinter ihr ballte und, statt in den Wald zum Holzschlagen zu gehen, nach Hause humpelte. In Göhren lief ein halbes Dutzend Männer zusammen, um Hella, die offenbar scheu geworden und ihren Herrn aus dem Wagen geworfen hatte, anzuhalten. Sie raste in die Menschen hinein, daß sie fluchend auseinanderstoben. In Settin schob man einen Wagen quer über die Straße und brachte sich im letzten Augenblick hinter den Häusern in Sicherheit. Hella sprang über die Deichsel hinweg. Der Schlachterwagen zerschellte an dem klobigen Gutswagen. Hella fiel. Aber ehe die Leute herbeigelaufen kamen, war sie aufgesprungen. Nur noch zwei Deichselstümpfe hinter sich, rannte Hella weiter. Rannte in einer halben Stunde die anderthalb Meilen bis Crivitz zurück. Vor dem Schlachterhause stand Hella, Wieherte, schrie, daß die Menschen aus den Häusern stürzten.
Die Frau des Schlächtermeisters erkannte an dem blutigen Mantel, was geschehen war. Sie spannte Hella vor einen andern Wagen und jagte bald darauf — den Arzt zur Seite — durch Settin, Göhren, Bahlenhüschen, durch den Bahlenhüschener Forst, an der Rebenwiese, der Triangel vorbei über die Kreuzschleuse in den Friedrichsmoorer Forst. Nicht nötig, am Zügel zu rucken, mit der Zunge zu schnalzen. Hella rannte, was ihre Kräfte hergaben. Als man am Wulfshorst vorbei zu der Stelle neben dem Gansacker gekommen war, wo eine Blutlache am Wege schrie: „Hier!" stand Hella ohne Anruf still.
Man fand Samuel Serrahn unter Gebüsch im . Weggraben. Er war noch am Leben. Und der Arzt tat an ihm, was nur er tun konnte.
Oft und oft hat der Crivitzer Doktor dem genesenen Crivitzer Schlächtermeister geschworen: Zehn Minuten später, ein anderer Mensch als ein Arzt — vorbei auf für immer! Verblutet! Rief der Doktor ihn mit solchen Worten an, gedachte Samuel Serrahn ohne Anruf des tückischen Handwerksburschen, dessen man trotz alles Suchens nicht habhaft geworden war, dann trat er — gleichviel wo immer er sich befand, im Stall, im Wald, auf der Landstraße, unter Menschen — zu Hella hin, legte seinen Kopf an ihren Kopf und streichelte sie wie eine Geliebte.
Zwischen Himmel und Erde.
Von Richard Huelsenbeck.
Ich traf gestern Dr. Robert Kleinschmidt, der als Mitglied einer englisch-amerikanischen Expedition versucht hatte, den Mount Everest zu besteigen. Er erzählte mir einige sehr interessante Einzelheiten; er wies auf den religiösen Fanatismus der Tibetaner hin und sagte, es herrsche dort am Fuß des Gaurisankarmassivs eine Feindschaft gegen das Europäer- tum, von dem man sich hier keine Vorstellung machen könne.
„Ich hatte", sagte der Forscher, „in der Nähe der heiligen Stadt Lhasa einen Diener gemietet, der mir anfänglich sehr zutraulich und willig, später sehr verdächtig vorkam. Ich beobachtete ihn mißtrauisch, konnte ihn aber nicht entlassen, da eine solche Wandlung bei der allgemeinen Spannung als offener Feindseligkeitsakt ausgelegt worden wäre. Der Mann hieß Pa, er war von mittlerer Größe und hatte wirres schwarzes Haar, das ihm in einer für europäische Gemüter schreckenerregender Weise über die Stirn in die Augen fiel. Pa war bekleidet mit einem alten Uakfell, in dem es von Ungeziefer wimmelte; täglich rieb er sich Gesicht, Hände und Oberkörper mit ranziger Butter ab. Die Beine wusch er nie, so daß sie mit Schmutzborken bedeckt, ein Bild des Elends und des Ekels darboten. Pa verrichtete täglich religiöse Uebungen, aber so heimlich, daß seine Abwesenheit allein uns daran erinnerte, was vor sich ging. Pa hatte großes Interesse für die Erzeugnisse europäisch-amerikanischer Technik; er betrachtete lange und staunend die Kompasse, Sextanten, Höhenmesser, die photographischen Apparate und, nicht zu vergessen, die Autos. Einmal erwischten wir ihn, wie er die Haube eines Motors entfernt hatte und in Andacht versunken die Zylinder anglotzte, die ihm wie Arme und Beine eines fremden Gottes vorgekommen sein mögen. Aber das Pa auch hassen konnte, begriffen wir, als wir, aufgeschreckt durch ein spechtartig klopfendes Geräusch, einen im Lager wohlbekannten Mann Mr. Fleetwoods Spiegelreflexkamera zerhacken sahen.
Sie können sich vorstellen, daß es nicht angenehm war, sich von einem mit so verschiedenen Eigenschaften ausgestatteten Diener bis in die kleinsten Einzelheiten des täglichen Lebens beobachten zu lassen. Wie oft bin ich nachts, wenn ich auf meinem Zeltbett lag, urplötzlich aufgewacht, erschreckt, in Schweiß gebadet; ich glaubte, eine Fratze zu sehen. Das Gesicht, das sich über mich beugte. Ich vermutete diesen Menschen zwischen den Falten meiner Kleider, hinter jeder Kiste. Wenn er dann wirklich eintrat, um in jener unterwürfigen Weise, die aus Achtung und Verachtung gemischt ist und nur von Asiaten geübt werden kann, meine Sachen ordnete, mir den Kaffee reichte oder eine Zigarre in Brand steckte, wurde ich von kühler Ruhe erfüllt. Die Strapazen der Reise hatten meine Nerven angegriffen; ich wußte es, ohne etwas dagegen tun zu können. Im Gegenteil: die größte Belastung unseres seelischen und körperlichen Menschen stand noch vor uns. Seit Wochen war der Horizont ausgefüllt
von der Kulisse der Berge, an denen wir unsere Fähigkeiten erproben wollten.
Genaue Beobachtung Pas hatte die Ueberzeugung in mir wachsen lassen, daß er seine ganze Abneigung gegen uns zurückhielt, bis sich ihm eines Tages eine Gelegenheit bieten würde, die das Risiko, gegen so mächtig und gefährlich ausgestattete Europäer vorzugehen, auch lohnend erscheinen ließ. Man muhte auf der Hut sein. Sooft ich mit Mr. Fleetwood oder mit Lange, dem Leiter der Unternehmung sprach, bekam ich schallendes Gelächter oder Vorwürfe zu hören, sie besagten, ich hätte mich damals, als Pa die Kamera zerschlug, nicht gegen seine Bestrafung und Entlassung sträuben sollen. Lange war ein gewiegter Asienkenner; aber in Tibet befand er sich zum erstenmal. Da er den Charakter dieser Halbwilden nicht so wie ich beurteilen konnte und da er keine Vorstellung von ihrem tiefgewurzelten religiösen Fanatismus besaß, konnte ich ihm seine Vorwürfe nicht Übelnehmen.
Wir lebten seit einigen Wochen auf den Vorhöhen des Mount Everest, denen die leider so elend zugrunde gegangene Expedition Roh den Namen „Weißes Plateau" gegeben hat, weil sich hier einige salzseeartige Gebilde befinden, die in der Dämmerung wie Silber leuchten. Unsere nächstliegende Aufgabe bestand in der Errichtung von Proviantstationen, auf die wir uns bei der Besteigung des Gipfels stützen wollten. Zu gleicher Zeit aber wollten wir einige Eingeborene als Bergsteiger ausbilden; sie sollten Fleetwood, Lange und mich beim letzten Angriff auf die Mount-Everest-Höhe, so weit es ging, begleiten und uns unsere Aus- rüstungs- und Ersatzstücke nachtragen.
Wir hielten eine eingehende Musterung unter den Leuten ab und sonderten alle aus, die wegen ihrer körperlichen Beschaffenheit von vornherein nicht in Frage kamen. Vollkommene Schwindelfreiheit war natürlich unerläßliche Bedingung. Alle Eigenschaften mußten erprobt und mühsam nachgewiesen werden, da wir uns selbstverständlich auf die Behauptungen der Tibetaner nicht ohne weiteres verlassen konnten; zumal, wenn man bedenkt, daß bei solchen Unternehmungen ein Fehltritt genügt, die ganze Gesellschaft ins Verderben zu stürzen. Merkwürdigerweise blieb trotz meines inneren Widerstandes als kräftigster und geschicktester Anwärter mein Deiner Pa übrig; mit großem Redeschwall erklärte er, er würde uns ewig dankbar sein, wenn wir ihn mitnähmen.
Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß die Tibetaner den Mount Everest als Gottheit verehren und eine Besteigung dieses Berges als schwere Sünde betrachten. Infolge des Einflusses von Mr. Lange hatten mir aber — trotz meiner Einwände — beschlossen, auf die religiösen Widerstände der Eingeborenen nicht einzugehen, indem wir der Ansicht waren, daß die Tibetaner in gemeinsamer Gefahr keine Dummheiten machen würden. Das war falsch, wie sich sogleich Herausstellen wird.
Wir waren schon sechs Stunden gestiegen; die Proviantstation Nr. 2 lag senkrecht unter uns, vielleicht fünfhundert Meter tiefer, so dah man sie mit einem geschickten Steinwurf hätte treffen können. Es war eine Art letzter Vorübung, die wir abhielten; wir gedachten bis zur Proviantstation Nr. 1 zu klettern; das bedeutete weitere dreistündige Anstrengung, eingeschlossen die gefahrvolle Umkletterung des „Einhornfelsen". Die Platzverteilung hatte sich im Verlaufe des Aufstieges folgendermaßen fast von selbst geregelt: zuerst ging Lange, dann kam Pa, der einen schweren Sauerstoffapparat trug, dann ich, dann Fleetwood. Wir vier waren durch ein Seil verbunden. Hinter Fleetwood trotteten sehr ermüdet zwei tibetanische Gehilfen, die ebenfalls unter sich geseilt waren.
Als wir das Einhorn, eine zackig aus dem Massiv herausragende Granitspitze, umkletterten, mußten wir die SeilUng zwischen Lange, Pa, Fleetwood und mir lösen. Lange band sich an Fleetwood und ich mußte mich Pa anvertrauen, der seinen Apparat bett nachfolgenden Dienern überließ. Wir waren übereingekommen, diese Leute, die offensichtlich der Anstrengung nicht mehr gewachsen waren, vor der Einhornspitze in einer Talmulde zurückzulassen.
Es gibt am Einhorn eine sehr gefährliche Stelle, wo man tatsächlich zwischen Himmel und Erde schwebt und ganz auf die Kraft des Begleiters angewiesen ist; da immer nur einer sich auf einer festen Felsstufe befinden kann. Ich sagte Ihnen, daß meine Nerven nicht mehr ganz auf der Höhe waren; nur hierdurch kann ich mir mein Ausgleiten erklären; es war, als hätte mir jemand einen Schlag gegen die Beine versetzt. Ich glitt auf dem Geröll aus und im nächsten Augenblick hing ich über der unendlichen Tiefe. Man kann schwer schildern, von welchen Gedanken man in solcher Lage erfüllt ist. Wahrscheinlich ist man von gar nichts erfüllt. Man hat nicht einmal Angst; es ist so, als wäre man schon einen Schritt über das Leben selbst hinausgegangen. Man ist an dem Dasein, das man schon halb fortgeworfen zu haben glaubt, nicht mehr interessiert. In meinem Fall kam aber etwas hinzu, was meine Aufmerksamkeit aufs höchste erregte. Ich suhlte, wie Pa sich mit dem Seil zu tun machte, jedoch nicht so wie einer, der versucht, Gestürzte emporzuziehen, sondern als wolle er das Seil durchschneiden. In meiner Angst rief ich aus vollem Hals, ich schrie hoch und gellend, so laut, daß ich hoffte, Lange und Fleetwood würden es hören. Nichtsdestoweniger wurde die Tätigkeit an meinem Seil fortgesetzt und ich fürchtete, jeden Augenblick abzustürzen. Pa, dachte ich, glaubt nun endlich den Augenblick gefunden zu haben, wo er sich an einem verhaßten Vertreter der Zivilisation rächen kann. Das Seil zitterte. So muß einem Verurteilten zumute fein, der unter dem Fallbeil liegt und das Herabsausen des Beiles erwartet. Ich erwartete das Ende, ja ich wünschte es herbei. Ich sehnte mich nach Ruhe; es war mir, als hatte ich schon ein Menschenalter am Strick gebaumelt.
Wie das geendet hat? Nun, daß es nicht schlecht geendet hat, sehen Sie ja. Ich bin fest von der. verbrecherischen Absicht Pas überzeugt gewesen und bin es noch heute, obwohl das Seil bei genauer Untersuchung keine Veränderungen aufwies. Es ist möglich, daß die Umkehr Fleetwoods, der meinen Schrei hörte, den Tibetaner gehindert hat. Möglich btew auch, daß ihn selbst im letzten Moment der Mut zu so ungeheuerliche Tat verließ. Genug, ich wurde gerettet. Ich habe bann Pa unter eine Vorwand entlassen; es haben sich für unsere Expedition daraus manche - lei Nachteile ergeben; aber es ist hier nicht der Ort, dies zu erzähl Ich werde später darauf zurückkommen."
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