Ausgabe 
17.10.1930
 
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Unierhaltungsbeilage zum Eichener Anzeiger

Jahrgang 1930 Freitag, den lr. Oktober Nummer 80

Go sollst du sein...

Don Bruno Gersbach.

I.

So sollst du sein:

Wie ein Kind, das jeht weint

And schon wieder lacht, Wenn ein Hampelmann, Greift es am Schnürchen an, Seine Sprünge macht...

So sollst du sein:

Wie ein Kind,

Das aus Tag und Dacht, Sonne, Degen und Wind Sich ein Spielzeug macht!

II.

Was uns nottut? - O, im harten Ringen Mit dem Heer von kleinen Alltagsdingen Offne Augen und geschärfte Klingen. And zur Dacht, wenn mit verbrannten Schwingen Auf die Walstatt müder Abend sinkt, Schlaf ins Herz, das Grauen zu bezwingen And aus Träumen ein befreites Singen In den Tag, der sich aus uns vollbringt, And den Mut zum Wunsch: wenn nichts verbliebe, Dur das eine retten: Liebe, Liebe!

Hella.

Von Hans Franck.

An einem fahlen Februarmorgen des Jahres 1887 fuhr der Schlächter­meister Samuel Serrahn aus Crivitz in Mecklenburg wie tagtäglich mit feinem gelbgestrichenen Einkaufswagen über Land. In der Deichsel des propperen Gefährtes lief Hella. Das war eine siebenjährige Golbfuchs- ftute. Die hatte der Crivitzer Schlächtermeister selber gezogen. Kopf und Fesseln adlig wie bei einem Vollblut. Wäre sie hinten nicht ein ganz klein wenig abgefallen, so wenig, daß nur die gewiegtesten Kenner es gewahrten Hella hätte von allen landwirtschaftlichen Ausstellungen den ersten Preis heimgebracht und sich nicht bei einer mit dem zweiten be­gnügen müssen. Obendrein war sie nicht etwa eine sanfte Schönheit. Sondern klug wie keines der vielen hundert Pferde, die durch den Stall Samuel Serrahns gewechselt ober darin zu eigenem Gebrauch gestanden hatten. Zaum und Zügel für Hella eigentlich eine überflüssige Er­hebung. Ein Wort, ein Schnalzen mit der Zunge, ein Kopfnicken Hella verstand. Ja, oftmals genügte ein Gedanke, daß sie tat, was ihr Herr wollte. So spannte denn auch Samuel Serrahn während der acht- 3er Jahre allmorgentlich selber Hella vor den Wagen. Die andern erbe mochte seinetwegen Geselle ober Lehrling aus dem Stall holen, in den Stall bringen unb versorgen. Hella strängte Samuel Serrahn selber an und ab. Hella striegelte unb roiemerte Samuel Serrahn selber. Hella maß Samuel Serrahn Hafer, Heu und Wasser selber zu. Er würde bas auch bann getan haben, wenn Hella nicht jeden andern, der sich ihr im Stall auf mehr als Meterlänge zu nahen wagte, mit Keile bedroht hätte, auch seine Tochter und seinen Sohn; obwohl sie zu ihm selber fromm tat wie eine Schnucke. Denn Hella war nicht nur ein besseres Pferd als andere Pferde. Hella war ein wissendes Wesen!

Wie ungezählte Tage vordem durchjagte der Schlächtermeister Samuel serrahn auch an dem fahlen Februarmorgen des Jahres 1887 mit Hella ben Bahlenhiischener Forst, trabte an der Rebenwiese, dem Hirschtanz, der Triangel, der Twehle vorüber, querte bei der Kreuzschleuse den Störkanal unb lieh Hella selbst im Friebrichsmoorer Forst nicht zum Schritt abstoppen. Denn er hatte noch eine weite Rundfahrt durch die Dörfer am Rand der Lewitz vor sich.

Als Samuel Serrahn zum Wulsshorst kam, stand ein Handwerks- Arsche in der linken Wagenspur. Der bat mit gezogenem Hut:Bißchen miisahren!" Samuel Serrahn sagte in solchem Fall niemals Nein. Es- war langweilig, Tag für Tag von früh bis spät allein auf dem Bock 3U sitzen. Auch konnte man im Gespräch mit ben Leuten vieles erkunden, was einem später zu Nutzen wurde. Besonders wenn der Mitfahrenbe tem Mecklenburger war, fonbern von weither seines Weges kam. An öicsem Morgen aber schüttelte Samuel Serrahn seinen Kopf, wollte Hella

zurufen:Rechts raus!" das Radgeleife verlassen unb an dem Bettler vorüberjagen. Doch der trat zwischen die beiden Wagenspuren, stellte sich so unmittelbar vor die Deichsel hin, daß er von dem Schlächtermeister Überfahren wäre, wenn Hella nicht, ehe ihr Herr an der Leine ruckte, auf eigenes Geheiß gestanden hätte.Weiter! lieber mich weg!" rief der Handwerksbursche zum Bock hinauf.Füße kaputt. Kann nicht mehr tippeln. Bißchen mitfahren. Bitte." Samuel Serrahn dachte: Peitsche quer durch die Fratze! Dann springt der krächzende Kerl schon belseit. Aber der Crivitzer Schlächtermeister folgte nicht dieser Stimme seines Herzens, sondern dem Anruf seines Verstandes. Der höhnte: Bist -bu ein altes Weib, bas sich vor einem humpelnden Handwerksburschen fürchtet? Er nickte also dem ums Mitfahren Bettelnden Gewähr zu.

Der Handwerksbursche wollte an Samuel Serrahn vorbeigehen, um hinten aufzusteigen.Nein!" rief der Schlächtermeister ihn an.Hier!" und er knöpfte seinem Fahrgast den Knieschlag des Wagensitzes auf. Denn so viele Wanderer Samuel Serrahn von der Landstraße auf« sammelte und durch die meilenweiten Wälder mitfahren ließ alle mußten neben ihm sitzen. Daß einer hinter ihm auf dem Kälberkaften Platz nahm, duldete er um keinen Preis. War der Platz an seiner Seite besetzt, bann war er ben Wegbettlern gegenüber ebenso hartherzig im Abweisen, wie anbernfalls gutmütig im Ja-sagen. Der Hanbwerks- bursche begann von neuem zu bitten:Im Stroh liegen. Schlafen. Müde, sehr müde. Sauber bahinten. Sauberer als manches Herbergsbett." Das stimmte. Jeben abend wurde das Innere des Wagens gewaschen, daß nicht ein Krümel des Tierschmutzes zurückblieb. Jeden Morgen wurde ein frisches Bund Stroh auf feinem Boden ausgebreitet, als ob es Zwei­beiner statt Vierbeiner einzukaufen gelte. Der arme Bursche hat Recht, dachte Samuel Serrahn. Also denn in Gottes Namen hinten! Er rief dem Handwerksburschen zu:Einen Augenblick Geduld!" unb knüpfte ben Knieschlag feines Sitzes roieber zu.

In diesem Augenblick sah Hella nach ihrem Herrn um. Sie bat: Nicht tun. Samuel Serrahn verstand sie. Aber er schüttelte den Kopf und antwortete dem bittenden Blick mit seinen Blicken:Sein Sorge, Hella! Ich passe schon auf!"

Dann öffnete Samuel Serrahn das Vorhängeschloß des Deckelgatters über dem Kälberkasten, klappte den Hinterwagen auf, kommandierte: Hopp!" unb erstaunlich: der müde Handwerksbursche hatte im Nu das Innere des Wagens erklettert. Der Schlächtermeister klappte das Deckel­gatter über seinem Weggenossen zu und schob das Vorhängeschloß sorg­sam wieder durch die Krampe. Der Handwerksbursche kümmerte sich nicht darum. Er schnallte sein blauschwarzes Bündel vom Rücken und streckte alle Viere in das saubere Stroh des Wagens aus. Hatte offenbar nur den einen Wunsch: auszuschlafen, stellte Samuel Serrahn fest und steckte die Schlüssel in das Vorhängeschloß, um den Kälberkaften abzuschließen. Schalt sich aber im nächsten Augenblick: Waschweib! Vieh einschließen ja! Einen Menschen, einen schlafenden Menschen nein! Samuel Serrahn zog also den Schlüssel aus dem Vorhängeschloß, ohne ihn um- gedreht zu haben, steckte ihn in die Tasche, und weiter ging die Fahrt durch den Wald. Immer wieder wollte Hella vom Trab in den Galopp hinüberspringen. Der Schlächtermeister mußte sie zuletzt mit Gewalt zum Trab zurückreißen.Ruhig, Hella!" mahnte er.Beim Galopp kann der da hinten nicht schlafen!" Einmal konnte der Dahinjagende trotz seines erneuten:Waschweib!" der Versuchung nicht widerstehen, nach dem im Stroh Ausgestreckten umzublicken. Doch der offenbar Todmüde lag im Kälberkaften und schlief.

Plötzlich aber neben dem Gansacker, der ehedem freies Feld ge­wesen sein mochte, jetzt aber dicht bewaldet war wie der Wulsshorst plötzlich der Handwerksbursche mußte heimlich seine Finger durch bas Gatter geschoben unb bas unverschlossene Vorhängeschloß aus ber Krampe entfernt haben plötzlich klappte der Deckel des Kälberkastens auf unb ehe Samuel Serrahn sich herumreißen unb bie Peitsche zur Abwehr heben konnte, sauste ein Hammerschlag in seinen Schäbel, baß ihm bie Sinne vergingen.

Als ber Schlächtermeister Samuel Serrahn roieber zu sehen ver­mochte, erkannte er: Wagen noch auf der Stelle, wo der Halunke heim­tückisch zugeschlagen hatte. Geld fort. Ununterbrochen rann das Blut.

Heber sein Gesicht, feinen Hals, seine Gewandung. Was tun? Nach

Crivitz zurückjagen? Ehe er dort ankam, war es aus mit ihm. Nach

Friedrichshagen weiterjagen? War näher. Viel näher. Vielleicht erreichte er es noch lebend. Aber selbst wenn er atmend dort ankam, würde er den Dörflern unter den Händen verbluten. Einen Arzt! Doch wie einen Arzt in den Wald schaffen!

Hella blickte ihren Herrn an.

Ja, einen Arzt! Und Ruhe! Ruhe die einzige Rettung. Und der Arzt! Aber wie einen Arzt wissen lassen: Im Friedrichsmoorer Forst, wenige Meilen hinter dem Wulsshorst, ist ein überfallener Mann am Ver­bluten. Wer soll dem Arzt sagen: Kommen, sonst stirbt der Schlächter­meister Samuel Serrahn!