Ausgabe 
16.5.1930
 
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Verantwortlich: Dr. Sans Thyriot. - Druck und Verlag: Vrühl'sche Universitäts-Vuch- und Steindruckerei, R. Lange, GiU

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den Leisten des Tales und netzte durch wohlregulierte Auslässe den Tal­grund. Das Land war rot. Und Grün stand darauf. Grün oon einer Farb- krast, wie man sie nicht denken kann. Und Pfirsichbäume und Pappeln. Und wir kamen nach El Paso.

Der Paß" nach Mexiko. Ein« eintönig«, ordentliche, amerikanische Stadt, ihre Ordentlichkeit hat sogar auf das über dem Rio liegende mexi­kanische Juarez abgefärbt. Eisenbahnzüge einer nur zu gut bekannten Art rollen hinein: der erste Teil der Züge bestand aus Personenwagen mit Männern in Khaki an den Fenstern, der zweite aus offenen Loren mit Kanonen darauf, der dritte aus geschlossenen Loren, aus den Schiebe­türen steckten durstig« Pferde die Köpf«. Denn drüben in Mexiko ist Bürgerkrieg, und die Union schützt ihre Grenzen.

Am anderen Tag fahren mir im Riotal nach Norden. Ja, das ist ein Nil! Eine langgestreckte rote Oase mit dem intensivsten Grün der Pflan­zungen und so' breit und schmal, wie das Wasser zugeführt werden kann. Darüber hinaus Wüste, beschlossen von schönen kahlen Bergen mit spa­nischen Heiligennamen. Die Dörfer gesund und stattlich, die kubischen Häuser wie in Aegypten aus Lehm, der an der Sonne steinhart wird, erbaut, die Männer in riesigen Sombreros, die Frauen in bunten Seiden­schals, denn «s ist Sonntag. Auch die Kirche aus Lehm, die Mauern ge­böscht wie die der ägyptischen Steintempel, denn diese für den Steinbau unnötige Böschungsform ist in Aegypten Ueberlieferung aus dem Lehm­bau. Die Pfirfichbäume blühen zartrot, die Pappeln, cottonwood, Baum- wollbaum, geheißen wegen der flockigen Blüten, führen mit zartem Grün den Blick weit hinauf, wo man den Rio nicht mehr sieht, als Begleiter des Flusses. Der graue Baum mit der riesigen Rinde ist der Charakter­baum dieser Wüsten; er steht immer dort, wo offenes Wasser ist. Es ist ohne Frage derselbe Baum, den Hebin aus den Wüsten in Turkestan und den Tarim entlang abgebildet hat. Die Straße, dem Wohlstand und dem Verkehr der dichtbesiedelten Gegend entsprechend, ist in gutem, ja in bestem Stand. Auf der Zementdecke dahingleitend, die Morgensonne im blauen Gezelt über uns und Sonntagsftimmung und die Genugtuung über die Oase nach der Wüstenfahrt in uns es war eine herrliche FahrtI Die Maschine hatte ihre Anstrengung von gestern und vorgestern ver­gessen wie wir.

Aber es kam wieder der Mittag und sein ödes Licht, die Landschaft wurde van Bewohnern leer, die Menschen gingen in die Kühle ihrer fast fensterlosen Häuser, Sandhosen standen wieder am Rande der Wüste auf und wagten sich auch in die Fruchtgelände, wo sie, ungenährt, bald zu- sammenbrachen; di« schönen, farbenfrohen Vögel Amerikas,Redwinged blackbirds" schwarz mit roten Streifen auf den Flügeln, gleich Ehren­legionsbändern auf Fräcken,Bluebirds", Vögel vom herrlichsten schimmernden Blau, suchten den Baumschatten; aber wir Reisenden muh­ten fahren.

Der Abend ist das Herrlichste in der Wüste. Es ist, als ob die Natur durch Kühle der Luft und Entfaltung von Farben um Vergebung bitten wollt« für das, was sie am Tage dem Auge und Gemüt der Reisenden auszuftehen gegeben hat. Den Fluß mit den zarten Farben seiner Vege­tation mußten wir verlassen, denn Terrassen, die er in diesen stofflichen Niederschlägen eines tertiären, einst zwischen den Randbergen stehenden Binnenmeeres ausmodelliert hat, schoben sich heran, und es ging hinaus und hinab durch die trockenen Täler der Zuflüsse der Regenzeit auf nicht ungefährlichen Wegen. Die Hupe tönte unaufhörlich vor den kiesigen Nasen der Krümmungen. Aber die am wolkenlosen Himmel in Gelb und Gold untergehende Sonne zauberte ein Blau und dann ein Violett über die Berge, wie wir es wahrlich niemals gesehen haben. Beete von Veil­chen waren die Berge. Bald aber stieg im Osten über dem tiefen Berg- btau das kalte, leere, bleiche Blau des Schattens herauf, den der Ball der Erde wirft, der kosmische, flachrunde Schatten stieg in dem Maß, in dem im Westen die Sonne unter den Horizont tiefer und tiefer versank, tm Osten hoch und höher, und die Stern« der erlösenden Nacht blinkten herein und immer stärker herein.

90 000 Kilometer ausgenommen, und nach 145 000 Kilometer muk i»k.. Mitglied in das Heim, ob es will oder nicht. B ,e6ti

Da es sich ja bei dem Heim um kein Krankenhaus handelt so nnh die Besucher verpflichtet, sich zu Fuß, daß heißt mit eigener Kraft bah ZU begeben, wenn sie einberufen werden. Dann geht es ihnen zunäckli so wie auch den Menschen, die in ein Krankenhaus oder ein Erholunas Heun aufgenommen werden: Sie werden zuerst gebadet und gescheut Senkrecht herunterhängende, in der Wagenrichtung fortroanbernbe Siöbren bespritzen fie von oben bis unten mit Wasser, unb es stürzen sich ißnbe- meifter auf fie, bie an langen Stangen umtoufenbe Bürsten etwa wie Parkettbohner haben unb sie grünblich abbürsten. Weiter braucke» sie sich nicht selbst zu bemühen. Ein elektrisches Pferd Zieht fie nun in bie Wagenhalle, unb nun beginnt bie eigentliche Kur, bie etwas grunblicher ist als bei Menschen. Eine Gruppe Heilgehilfen trennen Zu­nächst bie Nerven unb Sehnen wie elektrische Leitungen, Breinsae- stange usw., die ihr Untergestell mit dem Körper, dem Wagenkasten verbinden. Dann kommt ein großer Kran unb hebt ben Wagenkasten bis an die Decke, so daß nur noch die Drehgestelle die elektrischen Wagen haben je zwei Drehgestelle mit je zwei Achsen auf den Schienen stehenbleiben. Der Kran saust nun mit dem Wagenkasten im rechten Winkel zur Einfahrtsrichtung des Wagens über die schon in der Halle befindlichen Wagenkasten hinweg und setzt ihn an einem freien Plak auf bereitstehende Bücke, wo feine Nerven, die elektrischen Einrichtungen seine Lunge, die Druckluftanlage, unb seine Eingeweide, bie ganze Innen­einrichtung, weiter verarztet werben. Das elektrische Pferd hat inzwischen die Drehgestelle etwas weiter in der Einfahrtsrichtung vorgezogen Nun werden auch bie Motoren herausgehoben, unb nach unb nach machen alle Einzelteile rechtsum und bewegen sich in gleichlaufenber Richtung wie die Wagenkasten auf einem befonberen Streifen durch bie 185 Meter lange Halle. Auf dieser Wanderung, die fie zum Teil auf bem laufenben Band zurucklegen, werden sie auf Herz und Nieren geprüft. Die Räder werden genau nachgemessen, und es wird dabei feftgeftellt, ob bie Radreifen durch Abdrehen für weitere 100 000 Kilometer instandgefetzt, oder ob die Rad­reifen erneuert werden müssen. Die ganzen Drehgestelle werden aus­gekocht. Kurz, wenn alle diese schönen Sachen auf ihrer weiteren Wande­rung wieder zusammengesetzt und so auf dem Ausfahrtgleis angelangt sind, bann sind sie wieder wie neu und kerngesund.

Inzwischen hat sich dann auch der Wagenkasten vollkommen erhall. Gewisse Teile, namentlich die druckluftelektrische Steuerung, sind in­zwischen noch durch bie Hände von Fachärzten gegangen, die auf sich durch die ganze Halle längs erstreckenden Bühnen ihres Amtes walten. Sott wird ihre Genesung durch einen unabhängigen Untersuchungsausschuß festgestellt. Erst wenn sie von diesem als gesund erklärt sind, werden sie ihrem Wagenkasten wieder einverleibt, wo bann nochmals eine ein­gehende Nervenprobe ftattfinbet. Fällt diese zur Zufriedenheit aus, so kommt wieder der Kran und hebt den ganzen Wagenkasten auf feine Zwei Drehgestelle. Schnell werden di« Verbindungen zu diesen hergestellt, das elektrische Pferd zieht den Wagen hinaus, und er nimmt feine Arbeit wieder auf. Nur sechs Tage dauert der Aufenthalt im Erholungsheim, Ist jedoch der Wagen hautkrank, muß er also in Gestalt eines neuen Anstriches eine neue Haut bekommen, fo behält man ihn zwölf läge. Diese neue Haut wird ihm nach Abkratzen der alten mit Spritzpistolen aufgespritzt, und zwar ist sie unterhalb der Fenster für alle Wagen wein­rot und darüber bet der dritten Klasse hellgelb, bei der zweiten hellblau. So behandelte Wagen blicken natürlich mit großem Stolz auf ihre weniger glücklichen Genossen herab.

Bei einem Bestand van 1350 Pfleglingen hat bas Heim zur Zeit 80 Aerzte unb 1015 Heilgehilfen, durch deren Hände jährlich 2400 Pfleg­linge laufen. Wie gut fie dort behandelt werden, geht schon daraus her­vor, daß für den sechstägigen Aufenthalt für jeden Besucher des Heims durchschnittlich 4500 Mark aufgewendet werden. Damit fick) die Wagen wahrend ihres Aufenthaltes nicht langweilen, ist natürlich für ihre Be­quemlichkeit in jeder Weife gesorgt. Es steht ihnen eine Rohrpost, eine selbsttätige Fernsprechanlage und eine an die Zeitvermittlunq am Schle­sischen Bahnhof angeschlofsene, also ganz genau arbeitende Uhrenanlage Zur Verfügung. Ihre Pfleger überwachen fie durch Arbeitszeit- und Wächterkontrolluhren; eine Feuermeldeeinrichtung sorgt für ihre Sicherheit.

So wäre noch manches zu erzählen. Eine kleine technische Einzelheit mochte ich noch erwähnen, weil ich sie sonst noch nirgends gesehen habe: Ganz früher machte man bie Inschriften wieRaucher" unbNicht­raucher" usw. mit Schablonen, bann ging man zu Abziehbilbem über, weil bie Schablonen nie fest auflagen unb bie Schrift dadurch unscharf wurde. Jetzt macht man sie wieder mit Schablonen, und zwar mit eisernen, die durch Magnete von unten her fest auf bas zu bemalende Stück gezogen werden. Dann wird die Inschrift in fabelhaft kurzer Zeit einfach mit der Spritzpistole gespritzt.

Ich habe vor 4Q Jahren in einer Eisendahnwerkstätte praktisch ge­arbeitet; damals mußte man um jede Feile, die man brauchte, anstehen, und es war gewissermaßen eine Gnade, wenn man sie bekam. Wie anders ist dies heute geworden! Jedem Arbeiter macht man es so bequem wie möglich und erreicht dadurch nicht nur menschenwürdigere Arbeitsbe­dingungen, sondern auch den fabelhaften Erfolg, daß man einen bodj recht verwickelten elektrischen Eisenbahnwagen in sechs Tagen von Grund aus erneuern und damit die Betriebssicherheit-auf die Höhe bringen kann, die die Deutsche Reichsbahn auszeichnet, lieber ben wirtschaftlichen Erfolg, den eine fo kurze Jnstanbfetzungszeit zur Folge hat, braucht man eigent­lich kein Wort zu verlieren, beim es ist ohne weiteres klar, daß man sehr viel mehr Wagen haben müßte, wenn sie länger wäre. Man hatte bei der Besichtigung den Eindruck, daß das Ausbesserungswerk keiner neu­zeitlichen Fabrik nachsteht, sondern daß noch recht viele Werke allerhand von ihm lernen können; auch bie Wagen selbst, die ich befragte, faßten ihr Urteil über ihr Erholungsheim in die anerkennenden Worte zusam­men:Es ist die höchste Eisenbahn!"

Eisenbahnwagen auf Erholungsurlaub.

Von Max Fischer.

(Nachdruck verboten.)

Eisenbahnwagen sind eigentlich viel vernünftigere Wesen als Men­schen: Sie warten nicht erst ab, bis fie krank sind, sondern fie gehen immer beizeiten auf Erholungsurlaub und fühlen sich dann wieder kräftig genug zu neuen Taten. Ganz besonders trifft dies natürlich für die geistig am höchsten stehenden unter ihnen zu, nämlich für die eteh duschen Wagen der Berliner Stadtschnellbahn der Deutschen Reichs­bahn, also der Stadtbahn, der Ringbahn unb der Vorortbahn. Diese Bahnen sind ja im Laufe der letzten zwei Jahre verstromt worden.

Wie sich nun allerlei Verbände zusammengetan unb sich Erholungs- geschaffen haben, fo haben es auch bie Wagen ber elektrischen Stadtschnellbahn getan. In ber ©rünbungsverfammlung haben fie be­schlossen, nicht nur bie eine gewisse Oberschicht bilbenben Triebwagen, ionbern auch bie zwischen ihnen lausenden motorlosen Beiwagen bei Be­darf in bas Erholungsheim aufzunehmen. Mit den Entwürfen und der Oberleitung des Baues des Heims haben fie den Direktor bei der Reichsbahn, M e f ferfchmidt, unb mit ber baukünftlerifchen Ausge­staltung den Reichsbahnrat Hane beauftragt. Zum Hausvater haben ?p'chbbahnrat Danges ernannt, der sich bei ihnen besonderer Beliebtheit erfreut und in ihrem Auftrage kürzlich bie Berliner Presse empfing. "

3n den Satzungen dieses Heimes steht, daß man einen Anspruch auf Aufnahme tn das Heim hat, wenn man zweieinhalbmal um den Aequator gefahren ist ober auf den Berliner verstromten Strecken 100 000 Kilometer zurückgelegt hat. Ganz artige Wagen werden schon nach