Ausgabe 
16.5.1930
 
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keine Grenze gefetzt. Der berühmte Anton Lang hat in drei Jahrzehnten den Christus gespielt. * '

Das Oberammergauer Spiel ist weltberühmt. 1922 besuchten 320 000 Menschen die Aufführungen. Auch in diesem Jahre werden wenigstens 300 000 Gäste erwartet. Die Reihe der Aufführungen sollte feierlich ein- oeleitet werden. EineGeneralprobe" veranstaltete man sogar vor , Geladenen" und sie kamen alle: die Minister des bayerischen Staates, der Präsident des Landtags und die Landtagsmitglieder, die Gesandten und Generalkonsuln der auherdeutschen Länder, der päpstliche Nuntius, das Domkapitel Münchens, der Präsident der evangelischen Landeskirche, der Landeskoinmandeur der Reichswehr, über 1000 Vertreter deutscher und ausländischer Zeitungen. So wurde aus derGeneralprobe" eigent­lich das, was wir einePremiere" nennen. Man folgte so, leider auch hier, dem Hetztempo und eröffnete vor der Eröffnung.

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In der schlicht-vornehmen Studierstube des Pfarrherrn von Ober­ammergau steht eine große Büste: ein eckiger, willenskrästiger Kopf auf breitem Oberkörper: Joseph Alois Daisenberger gestorben 1883: er hat den schon auf das 15. Jahrhundert zurückgehenden Ober­ammergauer Spieltext von viel überflüssigem Beiwerk, besonders aus dem 18. Jahrhundert, gereinigt, und in dieser Fassung wird heute die Passion gespielt. Aber es ist m. E. hohe Zeit für eine Reformation des Spieltextes. Die guten Leute in Oberammergau, diese wackeren Laien­spieler, die in ihrem Alltag Handwerker, Händler und Bauern sind, haben nach dem Text, wie er jetzt angewandt wird, zu viel und zu um­ständlich zu reden. Kürzung und wesentliche und sprachliche Vereinfachung wäre nötig. Dann könnte auch die Handlung geschlossener und somit dramatischer werden. Dann hätten auch die Zuschauer einen einheit­licheren Eindruck und würden starker von einer natürlichen Gewalt gepackt. Denn jetzt müssen sie vormittags von 8 bis 12 Uhr und nach­mittags von 2 bis 6 Uhr insgesamt also acht Stunden folgen. Auch dafür müßte ein Reformator des Passionsspiels sorgen, daß Christus als Prediger, als Lehrer, als Heiland sich zeigte und die großen christ lichen Grundlehren, vor allem das ewige Gebot der Liebe, des Bruder­tums, eindringlich aussprüche, so daß alle spürten, wofür eigentlich diese sittlichste und gläubigste Heldenpersönlichkeit aller Zeiten gestorben ist. Das könnte die Tausende, die nach Oberammergau reisen, wirksam aufrütteln. Bis jetzt aber beginnt das Oberammergauer Pas­sionsspiel mit dem Einzug in Jerusalem, der Leidensweg Jesu wird ge­zeigt, aber nicht, wofür er litt.

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Am amerikanischen Nil.

Von Josef Ponten.

.. Der Nil ist die große Oase Nordafrikas, eine Flußoase. Er wird ge­nährt von den abessinischeü Gebirgen. Ihm entspricht in Amerika der mto Grande del Norte, gespeist von dem südlichen Felsengebirge. -Seide Stöme find in ihrem Unterlauf ohne Nebenflüsse. Sie unterschei- °en sich dadurch, daß die Fruchtbarkeit der Niloase nicht nur aus dem schwellenden Wasser der Schneeschmelze, sondern auch auf dem mitgeführ- ren und im überschwemmten Lande niedergeschlagenen Schlamm beruht, nrahrend die der Rio-Grande-Landschaft nur dem ziemlich stetigen, durch <wzapsung und Ableitung genutzten Wasser gedankt wird. Im wesentlichen oer sind Nil und Rio ähnlich: beide sind auch in den Trockenzeiten aus- - ^uirde Flüsse in Durstländern. Da die zwei Hauptfaktoren der Frucht- di- Feuchtigkeit und Wärme sind, so ist im allgemeinen die Wüste, Wasser hat (fliehendes Wasser, denn stehendes verdampft zu Satz),

Was die Zuschauer sehen und hören, ist doch eigentlich bis jetzt nur das eben weltberühmte und darum zu den unbedingt fehenswllrdigen Sensationen gehörige Faktum, daß hier ganz einfache Leute ein großes, buntlebendiges Spiel wirkungsvoll durchhalten und sich hiermit nun schon jahrhundertelang behaupten. Und in der Tat: es ist über die Maßen erstaunlich, was diese Laien leisten. Der heiligen Geschichte z. B. sindLebende Bilder" aus dem alten Testament eingeschaltet, und diese Bilder sind mit unerhörter Formkrast und taktvollem Schönheitssinn gestellt. Ein in Vorzügen und Nachteilen typischer Laienspieler ist der Darsteller des Judas, Guido Mayr: in herrlich-kindlicher Spielfreude stellt er den Judas dar, wie er sich an seinem listigen Geschäft freut, wie er sich in Eitelkeit bläht, um dann in der Stimmung umzuschlagen und nun furchtbare Zerknirschung zu spielen. Hier müßte ein guter Laien- spielsührer einsetzen, müßte das wilde Rankwerk beschneiden und die vor­handene Anlage wahrhaft nützen. Auch gerade diesem Judas ist viel zu viel Sprachtext aufgebürdet. Wenig Sprechtext hat zu ihrem großen Glück Anni Rutz, die Darstellerin der Maria. Sie kann nun all ihre übrigens taktvoll gehaltene Kraft in die Darstellung des Wesens der Maria leiten. Sie erfüllt auch von vornherein diese Gestalt was beim Laienspiel fast das Wichtigste ist. Wenn sie von Jesus in Bethanien weinend und doch unbewußten Glückes voll Abschied nimmt, wenn sie unter dem Kreuz steht und unverwandt zu ihrem Sohne aufblickt, so prägt sich dies ganz ein! Dies ist eine lebendige Predigt der Mutter­liebe und der Muttergröße! Der diesjährige Christnsdarsteller, auf den man wohl sehr gespannt war Alois Lang enttäuscht nicht, weil es ihm gnschauspielerischen" Fähigkeiten fehlte (solche Bedenken dürf­ten hier erst in zweiter Linie in Betracht kommen), aber er hatte nicht den ewigen und ewig ergreifenden Christus-Gehalt. Hie und da zeigte er Ansätze zu menschlicher Erfassung. Diese aber wurden immer wieder durch konventionelle Weichlichkeit oder durch inhaltlose Trockenheit ge­stört. Die Aufführung im ganzen bleibt als Laienleistung imposant. Nicht zuletzt durch die musikalischen Werte des Chors, für dessen Leistung Man Anton Sattler und Wilhelm Friesenegger danken muß.

Oberammergau" nimmt man, wenn man Aufgabe und Leistungs- uiöglichkeit bedenkt, nicht so sehr als Erlebnis, nein: mehr als Sehnsucht mit nach Hause.

wider alles Laienerwarten sehr fruchtbar. Eine Schwärmerei hat der Wüstenreisende für den Oasenflnh; sie braucht nicht begründet zu werden. Rach tage- und wochenlangem Anblick von braunen, gelben und roten Sanden oder grauen Krautsteppen erfrischt der bloße Anblick von flie­ßendem Wasser das Gemüt, man wird es nachfühlen.

Wir kamen an den Rio Grande del Norte nach langer Kraftwagen- fahrt durch die Steppen von Texas bei dem ordentlichen Städtchen Del Rio und gingen über ihn ins Mexikanische hinüber in ein malerisches Nest, wo mir scharfgewürzte mexikanische Fleischgerichte in Teig- ooer Blätterumhüllungen aßen und wieder einmal Wein tranken. Dunkle Männer unter riesigen Filzhüten gingen an der offenen Schenke vor­über. Es war Frühnacht, und wir hörten vom Fluß mehr denn wir sahen, als wir über die Holzbrücke ins Amerikanische zurückgingen. Dann muhten wir von neuem in Steppen, Prärien und Wüsten hinein, wir kreuzten trockene bunte Canontäler und auch das nasse des Nebenflusses des Rio Grande, das des Rio Pecos. Ihn überschritt nach Westen, heißt es, ein­stens niemals der Bison auf seinen Jahreszügen durch die Prärien als das heilige Tier der Indianer noch nicht der furchtbaren Dämonie des Schießgewehres der Weißen erlegen war.

Wir kamen in phantastische Landschaften des Trockenklimas, bunt von Farbe und abenteuerlich von Form. Die meist schwarzen und fast immer harten Stoffe eines späten Vulkanismus lagen über den Hellen Sanden und Mergeln eines Binnenmeervermächtnisses. Sonnenauf- und -Unter­gänge überfärbten das farbenreiche Land. Aber an den grellen Mittagen und ersten Nachmittagsstunden mit einförmigem und ertötenden Licht war das Steuern für den Fahrer eine nur Halde Lust, die zur Augenqual wurde, wenn die Westfahrt genau in die gleißende Sonne hineinging. Man schützte sich mit grünem Stirnschirm aus Zelluloid und gelben Augen­gläsern; aber es kam wohl vor, daß gehalten werden mußte und der Fahrer um zehn Minuten Ruhe bat, das Gesicht in den dunklen Wagen gekehrt, sofort in einen kurzen erregten Schlaf fiel.

Doch das Licht war nicht allein die Mittagsqual. Um Mittag erhebt sich, wie meist in heißen, trockenen Ländern, der Wind. Die durch Boden­strahlung erhitzte Luft steigt auf und rührt sich durcheinander. Sand­hosen stehen in der Wüste auf, im sonnenklaren, weiten, grenzenlosen Lande ziehen sie wirbelnd ihre Straße, und es ist oftmals nicht durch Langsamer- oder Schnellerfahren zu vermeiden, daß der Wagen in den in seinem Gang nicht berechenbaren Wirbel hineingerät. Dann wird es einen Augenblick kühl, der Sand reibt auf Haubenblech und Scheibe, knirscht auch bald zwischen den Zähnen und wird aus den Augenwinkeln gerieben. Früher, als die Lackfarbe der Wagen noch nicht aufgebrannt wurde, ereignete es sich, daß Krafwagen aus einem solchen Sturm, durch das Sandgebläse nackt gemacht, in der reinen Aluminum- ober Blechfarbe des Aufbaus herauskamen.

Immer sieht man in der Stunde der hohen Sonn« die gelben Sand­hofen durch die Landschaft tanzen, und öfter erblickt man auch Sand­stürme, breite, dunkle, gewitterbahnähnliche Gebilde, wie sie Über die blauen, fernen Randgebirge herauf- und fernabziehen. Ziehen sie nicht fernab und fürchtet man ihr Herüberkommen, so sucht man wohl einen Unterstand. Aber wo finden? Meilen um Meilen liegen die Siedlungen, man fährt wohl zehn, auch zwanzig Meilen nach der Karte, auf der ein Ort" eingetragen ist, und findet vielleicht eine einsame Benzinstation.

Einmal stieg die dunkle Sandwand gerade vor uns auf, der nächste Ort vor uns, ob auch weit entfernt, war näher als der nächste hinter uns. In jedem Fall würden wir in den Sandsturm hineingeraten also hindurch! Die Temperatur fiel. Die Sonne verschwand. Die Luft wurde undurchsichtig. Die Nähe verhüllte sich tief. Und bann kam der Sturm. Er überschüttete uns mit Sand. Es war so unsichtig vor den Augen, daß ich nur wenige Meter über den Kühler hinausschauen konnte und aufs Geratewohl und auf gut Glück fuhr. Es war mir unbekannt, baß in diesem Amerika, in dem der Wind im Durchschnitt und allgemeinen die doppelte Stärke des Windes in Europa hat, Kraftwagen vom Sturm wohl aus dbr Bahn gehoben, fortgeschleudert und auch zertrümmert wer­den. Aber dieser Sturm war nur schwach... Die Wand war bald durch­fahren, die Sonne erschien wieder, eine rote Scheibe in der Sandluft, die Atmosphäre beruhigte sich, Sand und Sturm waren hinter uns.

Fenster auf! Denn diese waren alle geschlossen worden, um mit hoh- . lern Wageninnern dem Wind keinen Hebepunkt zu bieten. Der Schweiß zog Bäche über die sandbedeckten Stirnen. Das Innere des Wagens war so mit Sand bedeckt, daß, als über einem unbeobachteten Loch der Wagen einen Hopser machte, eine Wolke von Sand auf den Polstern aufrauchte. Mund, Augen, Ohren voll Sand. Die Uhren in den Taschen hatte ein- gedrungener Sand zum Stehen gebracht. Die photographischen Apparate in ihren Kasten, die Kleider in den Koffern, wie sich nachher heraus- stellte in allem war Sand.

Und die Fußbremse versagte. Der mehlfeine Sand war auch in das Bremsgestänge eingedrungen und hatte die Schmierbüchsen verstopft. Da hieß es mit dem Oel freigebig sein.

Man wird mir die Genugtuung glauben, die wir empfanden, als wir an eine Flußoase kamen. Kamen? Aber der Verkehr wurde, eines Streckenbaues wegen, für eine Meile durch die Wüste umgeleitet. Bald saßen wir in den Sandschanzen fest. Erster Gang und Vollgas doch die Maschine gab einige erbärmliche Töne von sich, die Hinterräder dreh­ten sich im Leeren im Sand. Noch einmal der Versuch, und wieder, das Getriebe fang sich hoch der Wagen stand. Hinaus und mit den Händen den Rädern Bahn gegraben. Der Sand war heiß von der Rei­bung der Räder in ihm umsonst. Vor uns steckte ein Omnibus in der Wehe, und hinter uns war bald eine Kolonne von anderen Wagen auf­gefahren. Und alle Maschinen fangen. Und alle Hände gruben.

Wir sind erst losgekommen, als wir dornige Trockengewächse der Halb- steppe herausrissen und sie in die tiefen Spuren von den Rädern stopften. Vor uns wackelte der Omnibus durch die Hügel der Hartgewächse. Schließ­lich brachte die brave Maschine uns hinaus auf das Harte der Straße.

Die Oase! Oase ist eines der kostbarsten Worte der Menfchen. Da war der Rio abgeleitet, in breiten Kanälen floß das starke Wasser entlang