Alt und jung war mit Spott und Ernst hinter ihm, bis es zum Löffel griff,

Silber aus Oberammergau.

Von Dr. Johannes Günther.

empfinden. Aber sie sind stolz auf ihr Haar und Bärte, sie trage.« ihr Symbol mit sich herum. Es ist auch nicht bloß Stolz, es ist auch viel Dank dabei, dreihundertjähriger Dank. Und es sind auch nicht bloß Haar und Bärte, es ist auch ihre ganze Erscheinung, ihr Gang vor allem. Sie sind Rollenträger", sie dienen ihren Personen, sietragen Wesen und Worte, wie die alten Mysterienspieler sie getragen haben mögen. Das gibt den Männern ein edles, aufrechtes Selbstbewußtsein, den Frauen eine magdliche Demut. Seinen Leib als begnadetes Kunstwerk anzusehen ein Geschenk, eine Verpflichtung!

So sehe ich mir die auch im Alltagmaskierten" Leute mit ganz besonderen Gedanken an: es ist ein dummes Gerede, das ihnen nachsagt, sielebten" vom Fremdenverkehr es sind fleißige, ordentliche, freung- liche, lebhafte Kleinbauern, Handwerker, Kunstgewerbler, die still und eifrig ihren Hantierungen nachgehen. Kinder, die mir den Weg geigen, die Straße fegen, ihre Spiele fröhlich und derb treiben sind em selb sames Gemisch von Possierlichkeit und Weihe: es ist der Spieltrieb, der Komödiengeist, und andererseits auch das Bewußtsein: ich werde vielleicht einmal Johannes, ich Christus, ich Maria ...

haben.

Da kam die Gotte hinein wie eine junge Morgensonne und wurde von den Mitgevattern Gottwilchen geheißen und zum Tische gezogen und ein

da kam schon wieder die Hebamme mit dem schon emgerouteUen Kinde zog ihm das gestickte Käppchen an mit dem rosenroten Seidenbande, legte das­selbe in das schöne Deckbettlein, steckte ihm das fuße Lull, ms Mäulchen und sagte: Sie begehre niemand zu versäumen und hatte gedacht, sie wolle alles mrechtmachen, man könne dann immer gehen, wann man wolle. Man w ° . y /=>.<. ...< __l- raffte unX <sr. mnr mtrh otn miinnpr.

Auf der Fahrt von München nach Oberammergau wo am Starn­berger See zuerst die schneegekrönten Berge auftauchen wie Lufterschel- nunqen, um sich hernach, wenn Murnau passiert ist als erhabene Wirk- " ' " auf dieser Fahrt prägten sich mir drei Gesichter

Cl. .... .... Frau mit runzligem Antlitz, Nase und Kinn sprangen weck hervor, die blauen Äugen seltsam jung und mach, die Stirn hoch, m ihr großes schneeweißes Kopftuch waren zwei Buchstaben rot emgestickt; als sie aufgestanden war, Hub sie sich hurtig den schweren Rucksack um und faßt den altmodischen Krückschirm. Und das Gesicht eines Jagers, harte, unerbittliche Augen, langer dünner Schnurrbart, enge Stirn. Und das Gesicht eines alten Pfarrers, weißhaarig, müde, leidwiffend, gebückt, karg begnadet. *

wenn junge Weiber mit den Kindern zur Kirche gingen. Sie hatten immer Angst es gehe daheim etwas Krummes, hätten doch nicht Die rechte An­dacht in der Kirche, und auf dem Heimweg pressierten sie zu stark, damit ja nichts versäumt werde, erhitzten sich, und gar manche sei übel krank ge­worden und gar gestorben. (Fortsetzung folgt.)

großer Teller voll Weinwarm vor sie gestellt, und den sollte sie essen, sie hätte wohl noch Zeit, während man das Kind zurechtmache. Das arme Kind wehrte sich mit Händen und Füßen, behauptete, es fjatte gegessen für

*

Seit 300 Jahren ist Passionsspiel in Oberammergau. Dies Ich wollen sie's großartiger, schöner, eindringlicher machen als je. .Schweren Herzens nicht wegen der hohen Kosten ... tue werden wieder kommen ..., aber weil sie sehr am Alten hängen und sich ungern vom Hergebrachten trennen, haben sie sich zu großen Neuerungen schlossen: haben den großen Holzbau, der jahrzehntelang als Zus-hau-- raum diente, abgerissen und dafür einen steinernen gebaut. Sieben * wattige eiserne Bögen tragen das Dach über den Höhe ansteigenden 5200 Sitzplätzen das sind 1000 Platze mehr in den Jahren zuvor. Das Aeußere der siebenteiligen Buhne ist 9« ändert worden: es war früher klassizistisch reich verziert, jetzt ist geradezu spartanische Einfachheit angestrebt und erreicht worden.

*

In Oberammergau erwartet der Fremde vergebens weltswdbW Luxus. Wegen der vielen Kraftwagen, die jetzt das Dorf zum st . theater hin' durchrasen, hat die Hauptstraße asphaltiert werden mus Aber sonst ist das Dorf ein Dorf geblieben. Keine großen Hotels ' aufgebaut worden. Man wohnt bei den Dörflern ine iuii* darein ihre Ehre fetzen, ihre Häuschen außen und innen ougiu- zu halten und dem Gast einen praktischen Komfort zu bieten.

Jeder gebürtige Oberammergauer muß mitspielen. Es ist seme W gerpflicht sozusagen. Er erzählt mit stolzer Freude von den Spie« zehn, zwanzig Jahren, von den Proben. Ein paar Frauen, o> ) ihrer Mitwirkung fragte, spielen nicht mit.Ich bin zu alt , ij j eine,ich bin nicht aus Oberammergau", sagt die andere, ( bin verheiratet", sagt die dritte. Denn nur Mädchen, "Uv S Oberammergauerinnen, nur Mädchen unter 35 Jahren dürfen y Und man bleibt streng bet dieser Vorschrift. Den Männern ist

lerne Wenn nur die Gotte (Patin) da wäre, die versäumt am längsten, ui/Köttene machen es kürzer und könnten immerhin nachlaufen. Die

Angst nach den Gevatterleuten verbreitete sich durchs ganze Haus.Korn- i i'wEgnne"nicht'm'ehr''schn'ausen. Aber da hals alles nichts,

men iie noch nicht»" hörte man allenthalben; in allen Ecken des Hauses manchen x°g, e» Ut hinter ihm. bis es mm Löffel mist,

schauten ^Gesichter nach ihnen aus, und der Türk bellte «us Le'bes ra e'll 's-ttsam'''-7n" LöfselU dernUren fand noch sein^Plätzchen. Doch als ob er sie herbeirufen wollte. Die Großmutter aber sagte: Ehemals | uno, m;t hem Unn eivaewickelten Kinde, wa

ttt das nicht so gewesen, da wußte man, daß man an solchen Tagen zu rechter Zeit aufzustehen habe und der Herr niemanden warte. Endlich ftürrte der Bub in die Küche mit der Nachricht, die Gotte komme.

Sie kam, schweißbedeckt und beladen wie das NeU)ahrskmdleiN. In

der einen hatte, sie die schwarzen schnüre emes großen, blum n- . nd^j^ billchH war auch ein wunder-

reichen Wartfäckleins, in welchem, >n .s>n fem .welhes Handtuch gewi , 1 Bübchen Die Mutter freute sich des Lobes und sagte: Ich wäre

eine große Züpfe stach, ein Geschenk für d,e auch so gefne mit zur Kirche gekommen und hätte es Gott empfehlen

Hand trug sie ein zweites Säcklern, und in demselben war eine Meldung ck) 1 , o dabei ist, wenn das Kind getauft wird, so

für das Kind, nebst etwelchen Stücken zu °'g°n°m Gebrauch namen ttch helfen, und wenn m°n^-w|r roa5','nan versprochen hat. Zudem ist es schöne weiße Strümpfe; und unter dem einen Arm hatte sie nod) ein 1 unheauem wenn ich noch eine ganze Woche lang nicht vor das

Drucke mit dem Kränzchen und der Spitzenkappe mit den prächtigen jetzt wo man alle Hände voll zu tun hat mit dem Ai>-

schwarzseidenen Haarschnuren. Freudig tonten xtycb i eG o t tro l ch« ( 12(ber bie ©rofjmutter sagte, so weit sei es doch noch nicht, daß

Gott willkommen) entgegen von °Uen Seiten und kaum ha te fu Je , ganzen 2iver me B ' « .- crf{'n arf)t Tagen ihren Kirch- KSSÄSTAANLS nach ihr7n Lasten, und unter der Tür stand die junge Frau und da ging ein neues Grüßen an, bis die Hebamme in die Stube mahnte, sie konnten ja drinnen einander sagen, was der Brauch sei. , h

Und mit handlichen Manieren setzte die Hebamme die Gotte hinter den

Tisch, und die junge Frau kam mit dem Kaffee, wie sehr auch die Gotte

sich weigerte und vorgab, sie hätte schon gehabt. Des -Baiers Schwester täte es nicht, daß sie ungegessen aus dem Hause ginge das schade lungen Mäd­chen gar übel sage sie. Aber sie sei schon alt, und die Jungfrauen (Magde) möchten auch'nicht zu rechter Zeit.auf ..deswegen sei sie so spat- wenn es an ihr allein gelegen hätte, sie wäre längstens da In den Kaffee wurde die dicke Nidel gegossen, und wie sehr die Gotte sich wehrte und sagte, sie liebe es gar nicht, warf ihr doch die Frau em Stuck Zucker in denselben.

Lange wollte es die Gotte nicht zulasten, haß'hretewegen die Zupfe ang - . - offenbaren

hauen würde, indessen mußte sie sich ein tüchtiges Stuck liegen lassen . < . ö ' und essen. Käse wollte sie lange nicht, es hätte dessen gar mcht notig, sagte > eim ü ~

sie Sie werde meinen, es sei nur halbmagern, und deshalb schätze sie ihn nicht, sagte die Frau, und die Gotte mußte sich ergeben. Aber Kuchtt wollte sie durchaus nicht, die wüßte sie gar nicht wohin tun, sagte sie. Sie glaube nur, sie seien nicht sauber, und werde an bessere gewohnt fern, erhielt sie endlich zur Antwort. Was sollte sie anders machen als Kuchtt essen?

Während dem Nötigen aller Art hatte sie angemessen in kleinen Schlucken bas erste Kachel! ausgetrunten, und nun erhob sich ein eigentlicher Streit.

Die Gotte kehrte das Kachelt um, wollte gar keinen Platz mehr haben für I $ie Oberammergauer sind belebt und geheiligt von ihrem stos- ernere Guttaten und sagte: Man solle sie doch in Ruhe lassen, sonst muhte I ffonsspiel. Einsachlicher" Beobachter, ein Kritiker mag iljre langen ie sich noch verschwören. Da sagte die Frau, es sei ihr doch so leid daß sie I $aare jhre Bärte, mit denen sie sich zeigen, als kitschig, als aufdringlich hn so schlecht finde, sie hätte doch der Hebamme dringlichst empfohlen, ihn f"h %1rh f,p irnM" ,hr

o gut als möglich zu machen, sie vermöchte sich dessen wahrhaftig nichts, laß er so schlecht sei, daß ihn niemand trinken möge, und an der Nidel sollte es doch auch nicht fehlen, sie hätte dieselbe abgenommen, wie sie es sonst nicht alle Tage im. Brauch hätte. Was sollte die arme Gotte anders machen, als noch ein Kachelt sich einschenken lassen?

Ungeduldig war schon lange die Hebamme herumgetrippelt, und endlich bändigte sie das Wort nicht länger, sondern sagte:Wenn ich dir etwas Helsen kann, so sage es nur, ich habe wohl Zeit dazu!"He, pressiere doch nicht'" sagte die Frau. Die arme Gotte aber, die rauchte wie ein Dampf­kessel, verstand den Wink, versorgte den heißen Kaffee fo schnell als mög­lich und sagte zwischen den Absätzen, zu denen der glühende Trank sie zwang:Ich wäre schon lange zuweg, wenn ich nicht mehr hatte nehmen müssen, als ich hinunterbringen kann, aber ich komme letzt.

Sie stund auf, packte die Säcklein aus, übergab Züpfe, Kleidung, Ein- bund ein blanker Neutaler, eingewickett in den schön gemalten Sauf» iprud) und machte manche Entschuldigung, daß alles nicht bester sei. Darein aber redete die Hausmutter mit manchem Ausruf, wie das keine Art und Gattung hätte, sich so zu verköstigen, wie man es fast nicht nehmen dürfte, und wenn man das gewußt hätte, so hatte man sie gar nicht ansprechen dürfen. . , .

Nun ging auch das Mädchen an fein Werk, verbe,standet von der Heb­amme und der Hausfrau, und wendete das Möglichste an, eine schone Gotte zu sein von Schuh und Strümpfen an bis hinaus zum Kränzchen aus der kostbaren Spitzenkappe. Die Sache ging umständlich zu, trotz der Un­geduld der Hebamme, und immer war der Gotte die Sache nicht gut genug und bald dies, bald das nicht am rechten Ort. Da kam die Großmutter herein und sagte:Ich muß doch auch kommen und sehen, wie schon unsere Gotte sei." Nebenbei ließ sie fallen, daß es schon das zweite Zeichen ge­läutet habe und beide Götten! draußen in der äußeren Stube seien.

Draußen saßen allerdings die zwei männlichen Paten, ein alter und ein junger, den neumodischen Kaffee, den sie alle Tage haben konnten, verschmähend, hinter dem dampfenden Weinwarm, dieser altertümlichen, aber guten Bernersuppe, bestehend aus Wein, geröstetem Brot, Eiern, Zucker, Zimt und Safran, diesem ebenso altertümlichen Gewürze, das an einem Kindstaufeschmaus in der Suppe, im Voresten, im süßen Tee Vor­kommen muß. Sie ließen es sich wohlschmecken, und der alte Götti, den man Vetter nannte, hatte allerlei Späße mit dem Kindbettimann und sagte ihm, daß sie ihm heute nicht schonen wollten, und dem Weinwarm an gönne er es ihnen, daran sei nichts gespart, man merke, daß er seinen zwölsmäßigen Sack letzten Dienstag dem Boten mit nach Bern gegeben, um ihm Safran zu bringen. Als sie nicht wußten, was der Vetter damit meine, Ker: Letzthin habe sein Nachbar Ktzidbetti haben müssen; da habe er

Boten einen großen Sack mitgegeben und sechs Kreuzer mit dem

Auftrage, er solle ihm doch in diesem Sacke für sechs Kreuzer von dem gelben Pulver bringen, ein Mäh oder anderthalbes, von dem man an den Kindstaufen in allem haben müsse, seine Weiber wollten es einmal so