Ausgabe 
16.5.1930
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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Jahrgang M0 Freitag, den lb.Mai Nummer 38

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Rauling leben-

Gäste.

Von Hans Franck.

Die Gäste sind im Morgengrau gegangen.

Das Haus verbirgt mir hinter grellem Wachen sein müdes Antlitz. Der Garten schläft. Ein Lachen, das taumeltoll im Birnbaum sich verfangen, schlägt wimmernd seine Falterflügel wund.

War es mein Fuß, der hier im Tanz gesprungen? Und der am lautsten Lied auf Lied gesungen, indessen wir uns drehten, warst du's, Mund?

Hab ich soweit aus mir mich fortgespielt, daß ich als Märchen heute mir erzähle, was gestern ich in heißen Händen hielt?

Droht, Herz, noch immer dir dasWäg und Wähle!"?

Nein, nein! Schon betet unverwirrt mein Will«, inbrünstiger denn je:Kehr wieder, Stille!"

Oie schwarze Spinne.

Erzählung von Jeremias G o t t h e l f.

Ueber die Berge hob sich die Sonne, leuchtete in klarer Majestät in ein freundliches, aber enges Tal und weckte zu fröhlichem Leben die Ge­schöpfe, die geschaffen sind, an der Sonne ihres Lebens sich zu freuen. Aus vergoldetem Waldessaume schmetterte die Amsel ihr Morgenlied, zwischen funkelnden Blumen in perlendem Grase tönte der sehnsüchtigen Wachtel eintönend Minnelied, über dunklen Tannen tanzten brünstige Krähen ihren Hochzeitreigen oder krächzten zärtliche Wiegenlieder über die dorndichten Bettchen ihrer ungefiederten Jungen.

In der Mitte der sonnenreichen Halde hatte die Natur einen frucht­baren, beschirmten Boden eingegraben; mitten drin stand stattlich und blank ein schönes Haus, eingefaßt von einem prächtigen Baumgarten, in welchem noch einige Hochäpfelbäume prangten in ihrem späten Blumen­kleide; halb stund das vom Hausbrunnen bewässerte üppige Gras noch, halb war es bereits dem Futtergange zugewandert. Um das Haus lag ein sanntäglicher Glanz, den man mit einigen Besenstrichen, angebracht Sams­tag abends zwischen Tag und Nacht, nicht zu erzeugen vermag, der ein Zeugnis ist des köstlichen Erbgutes angestammter Reinlichkeit, die alle Tage gepflegt werden muß, der Familienehre gleich, welcher eine einzige unbewachte Stunde Flecken bringen kann, die, Blutflecken gleich, unaus­löschlich bleiben von Geschlecht zu Geschlecht, jeder Tünche spottend.

Nicht umsonst glänzte die durch Gottes Hand erbaute Erde und das von Menschenhänden erbaute Haus im reinsten Schmucke; über beide erglänzte heute ein Stern am blauen Himmel, ein hoher Feiertag. Es war der Tag, an welchem der Sohn wieder zum Vater gegangen war, Mm Zeugnis, daß die Leiter noch am Himmel stehe, auf welcher Engel aus- und niedersteigen und die Seele des Menschen, wenn sie dem Leibe sich entwindet und ihr Heil und Augenmerk beim Vater droben war und nicht hier auf Erden; es war der Tag, an welchem die ganze Pflanzen­welt dem Himmel entgegenwächst und blüht in voller Ueppigkeit, dem -Nenschen ein alle Jahre neu werdendes Sinnbild feiner eigenen Bestim­mung. Wunderbar klang es über die Hügel her, man wußte nicht, woher das Klingen kam, es tönte wie von allen Seiten; es kam von den Kirchen her draußen in den weiten Tälern; von dort her kündeten die Glocken, daß die Tempel Gottes sich öffnen allen, deren Herzen offen feien der dimmte ihres Gottes.

Ein reges Leben bewegte sich um das schöne Haus. In des Brun- nens Nähe wurden mit besonderer Sorgfalt Pferde gestriegelt, stattliche {"Utter, umgaukelt von lustigen Füllen; im breiten Brunnentroge stillten vchaglich blickende Kühe ihren Durst, und zweimal mußte der Bube Besen und schaufel nehmen, weil er die Spuren ihrer Behaglichkeit nicht sauber

N weggeräumt. Herzhaft wuschen am Brunnen mit einem handlichen bUlchsetzen stämmige Mägde ihre rotbrächten Gesichter, die Haare in (fmt- über den Ohren zusammengedreht, trugen mit eilfertiger fidt i $®affer durch die geöffnete Tür, und in mächtigen Stößen hob hm,«r Unö hoch in die blaue Lust empor aus kurzem Schornsteine die °unkle Rauchsäule.

ba« un& gebeugt ging an einem Hakenstock der Großvater um ftroirf!«?»**'. fab schweigend dem Treiben der Knechte und Mägde zu, toillpn 6 ^l,cr Pserd, wehrte dort einer Kuh ihren schwerfälligen Mut- dort r mt dem Stecken dem unachtsamen Buben noch hier und "gessene Strohhalme und nahm dazu fleißig aus der langen

Weste tiefer Taschen das Feuerzeug, um seine Pfeife, an der er des Morgens trotz ihres schweren Atems so wohl lebte, wieder anzuzünden.

Auf reingefegter Vank vor dem Hause neben der Tür saß die Groß­mutter, schönes Brot schneidend in eine mächtige Kachel, dünn und in eben rechter Gröhe jeden Bissen, nicht unachtsam wie Köchinnen oder Stubenmägde, die manchmal Stücke machen, an denen ein Walfisch er­sticken müßte. Wohlgenährte, stolze Hühner und schöne Tauben stritten sich um die Brosamen zu ihren Füßen, und wenn ein schüchternes Täubchen zu kurz kam, fo warf ihm die Großmutter ein Stücklein eigens zu, es , tröstend mit freundlichen Worten über den Unverstand und den Ungestüm der anderen.

Drinnen in der weiten, reinen Küche knisterte ein mächtiges Feuer von Tannenholz, in weiter Pfanne knallten Kaffeebohnen, die eine statt­liche Frau mit hölzerner Kelle durcheinander rührte, nebenbei knarrte die Kaffeemühle zwischen den Knien einer frischgewaschenen Magd; unter der offenen Stubentür aber stund, den offenen Kasseesack noch in der Hand, eine schöne, etwas blasse Frau und sagte:Du, Hebamme, röste mir den Kaffee heute nicht so schwarz, sie könnten sonst meinen, ich hätte das Pulver sparen mögen. Des Göttis (Paten) Frau ist gar grausam miß- treu und legt einem alles zuungunsten aus. Es kömmt heute auf ein halb Pfund mehr oder weniger nicht an. Vergiß auch ja nicht, das Wein­warm zu rechter Zeit bereit zu halten! Der Großvater würde meinen, es wäre nicht Kindstaufe, wenn man den Gevatterleuten nicht ein Wein- warrn auffteüen würde, ehe sie zur Kirche gehen. Spare nichts daran, hörst du! Dort in der Schüssel auf der Kachelbank ist Safran und Zimt, der Zucker ist hier auf dem Tische, und nimm Wein, daß es dich dünkt, es sei wenigstens halb zu viel; an einer Kindstaufe braucht man nie Kummer zu haben, daß sich die Sache nicht brauche."

Man hört, es soll heute die Kindtaufe gehalten werden im Hause, und die Hebamme versieht das Amt der Köchin ebenso geschickt als früher das Amt der Wehmutter; aber sputen muß sie sich, wenn sie zu rechter Zeit fertig werden und am einfachen Herde alles kochen soll, was die Sitte erfordert.

Aus dem Keller kam mit einem mächtigen Stück Käse in der Hand ein stämmiger Mann, nahm von der blanken Kachelbank den ersten besten Teller, legte den Käse darauf und wollte ihn in die Stube auf den Tisch tragen von braunem Nußbaumholz.Aber Benz, aber Benz", rief die schöne, blasse Frau,wie würden sie lachen, wenn wir keinen besseren Teller hätten an der Kindstaufe!" Und zum glänzenden Schrank aus Kirschbaumholz, Buffert genannt, ging sie, wo hinter Glasfenstern des Hauses Zierden prangten. Dort nahm sie einen schönen Teller, blau ge­rändert, in der Mitte einen großen Blumenstrauß, der umgeben war von finnigen Sprüchen, zum Beispiel:

O Mensch, faß in Gedanken: Drei Batzen gilt das Pfund Anken.

* Gott gibt dem Menschen Gnad, Ich aber wohn' im Maad.

*

In der Hölle, da ist es heiß. Und der Hasner schafft mit Fleiß.

*

Die Kuh, die frißt das Gras; Der Mensch, der muß ins Grab.

*

Neben den Käse stellte sie die mächtigen Züpse, das eigentümliche Berner Backwerk, geflochten wie die Zöpfe der Weiber, schön braun und gelb, aus dem feinsten Mehl, Eiern und Butter gebacken, groß wie ein Jähriges und fast ebenso schwer; und oben und unten pflanzte sie noch zwei Teller. Hochaufgetürmt lagen auf denselben die appetitlichen Küch­lein, Halbküchlein auf dem einen, Eierküchlein auf dem anderen. Heiße, dicke Nidel stund in schön geblümten Hafen zugedeckt auf dem Ofen, und in der breibeinigen glänzenden Kanne mit gelbem Deckel kochte der Kaffee. So harrte auf die erwarteten Gevatterleute ein Frühstück, wie es Fürsten selten haben und keine Bauern auf der Welt als die Berner. Tausende von Engländern rennen durch die Schweiz, aber weder einem der abge­jagten Lords noch einer der fteifbeinigten Ladies ist je ein solches Früh­stück geworden.

Wenn sie nur bald kämen, es wäre alles bereit", seufzte die Heb­amme.Es geht jedenfalls eine gute Zeit, bis alles fertig ist und ein jedes feine Sache gehabt hat, und der Pfarrer ist grausam pünktlich und gibt scharfe Verweise, wenn man nicht da ist zu rechter Zeit."Der Groß­vater erlaubt auch nie, das Wägeli zu nehmen", sagte die junge Frau. Er hat den Glauben, daß ein Kind, welches man nicht zur Taufe trage, sondern führe, träge werde und sein Lebtag seine Beine nie recht brauchen