Wn die Alleinherrschaft in aller Form verschaffen sollte, worauf er dann unzweifelhaft den Schrecken abgebaut hätte.
Dieses Mittel lag auf dem Gebiet der Religionspolitik, m der er fo ganz andere Ideen vertrat als weitaus die meisten seiner Genossen von der Bergpartei. Nach einer Rede, für die er rauschenden Beifall erntete, wurde ein Dekret eingebracht und angenommen, wonach das französische Volk das Dasein eines höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele anerkannte. Zugleich wurde verfügt, daß an den Dekadentagen, die an die Stelle der Sonntage getreten waren, Feste gefeiert werden sollten, die allen möglichen Abstrakten, der Jugend, dem Menschengeschlecht, der Elternliebe, dem Unglück, der Keuschheit, dem Ackerbau usw. zu widmen waren. Diese letzteren Vorschläge waren freilich leer und hohl. Die Kernbestimmungen des Dekrets bedeuteten dagegen sehr viel, daß nämlich der Kultus der Vernunft beseitigt sei und daß nicht jede Art der Betätigung der christlichen Religion in Zukunft zum Tode führen könne. Es ist kein Zweifel, daß Robespierre durch dieses Dekret seine Stellung entschieden befestigt hat. Einen Monat darauf, am 8. Juni 1794, fand mit dem hohlen Pomp der Zeit, nach den Entwürfen des eigentlichen Revolutionsmalers, des Schreckensmannes David, das Fest des höchsten Wesens statt. Robespierre der damals gerade Präsident d-s Konvents war, trat bei dieser Gelegenheit in einer Art von Doppelstellung als Oberpriester und Staatsoberhaupt auf. Er wurde vom Volke stürmisch begrüßt. Dieser Tage stellte zweifellos den Höhepunkt seines Lebens dar.
Und doch hat er die größte Bedeutung für feinen Sturz, nämlich durch das, was der Diktator an ihm versäumte. Dieses Fest bot eine herrliche Gelegenheit, den Schrecken abzubauen. Wie leicht konnte ein derartiger Schritt bei der Feier des höchsten Wesens motiviert werden, ohne daß fein Urheber des „Moderantismus" bezichtigt wurde. Robes- pierre beschritt aber den entgegengesetzten Weg: er mordete in Zukunft noch schneller. Auch mancher von den farblosen Männern der Ebene wurde jetzt geköpft. Aber das war zu viel. Durch diese rasenden Untaten rief der Diktator den Mut der Verzweiflung gegen sich auf. Es entstand eine Art Verschwörung zur eigenen Rettung und zur Vernichtung Robespierres, was dasselbe war. Sein Sturz war nur noch das Werk weniger Tage.
Oie Hosen des Robespierre.
Von Hermann Linden.
An diesem Nachmittag war der Konvent nicht stark besucht; drei Urteile waren nur vorgesehen. Das war zu wenig für die verwöhnten Pariser. Einige Jakobiner lagen auf den Bänken der Galerie, schief die Mützen auf dem Kopf, die Zähne mit Apfelessen beschäftigt; Kokotten, die den Nachmittag nicht besser verbringen konnten, liehen ihre Seidenbeine herunterbaumeln. Dagegen war der Wohlfahrtsausschuß vollzählig versammelt.
„Madame Fifo!" rief der Ausrufer mit schnarrender Stimme. Das war die erste Angeklagte dieses Nachmittages, die Frau eines Pariser Bankiers, die aristokratische Liebesbeziehungen bezichtigt wurde. Als die Türe von draußen geöffnet wurde, senkten die beiden Saalwachen die Bajonetten, als näherte sich ein gefährliches Tier. An den Händen gefesselt wurde die Angeklagte hereingesührt. Sie war nicht mehr ganz jung, dreißig etwa, blaß und ungepflegt, wie eine Gefangene eben nicht anders aussehen kann, doch ging von ihr etwas aus, dem man sich nicht entziehen konnte; ein etwas zerschlissener Zauber, könnte man sagen.
Robespierre und Danton, die links an einem Seitentische saßen und mit der Unterzeichnung von Edikten beschäftigt waren, nahmen von dem Eintritt der Angeklagten keinerlei Notiz.
Der Verhandlungsführer, ein Kerl mit martialischen Gesichtszügen, der in früheren Zeiten Schafzüchter in der Provence gewesen war, es jetzt zu Amt und Würden gebracht, begann schnell und geschäftig die Vorfragen des Verhörs.
„Angelique Fifo?"
„Ja."
„Gattin des Bankiers Fifo?
„Ja."
„Sie haben den Grafen ßagrace beherbergt, obwohl Sie wußten, daß er ein Feind des Volkes ist?"
„Es ist richtig."
„Antworten Sie nicht so monoton! Spuren von Reue wären angebrachter! Uebrigens" — der Sprechende wandte sich zu den beiden immer noch unbeteiligt bleibenden, schreibenden Häuptern — „die Angeklagte hat Personalien, Tat..." Er stockte. Schwieg. Danton hatte etwas Parfümartiges im Raum gerochen. Da gewahrte er die Frau mit den gefesselten Händen.
„Sagten Sie etwas, Sötain?"
„Das ist Angelique Fifo", erwiderte der Ankläger behend, „Gattin des Bankiers Fifo. Sie hat den Grafen ßagrace verborgen. Tat und Personalien sind eingestanden. Ich lasse sofort das Urteil schreiben." „Sachte, sagte" — wehrte Danton ab — „noch ist das nicht so einfach, wie es dir erscheint, mon eher." Ein langer Blick des Revolutionärs fiel auf die dreißigjährige Frau. Die stand da, gleichgültig und müde gegen das, was ihr widerfuhr; sie trug noch die Hausrobe, in der man sie drei Tage vorher morgens aus ihren Räumen geholt, purpurrote, zerknitterte Seide. An den Schultern waren die Tragbänder zerrissen und Danton, der zeitlebens nicht nur eines, sondern zwei Augen auf die Frauen geworfen hatte, sah, daß die Schultern der Angeklagten von ungewöhnlich schöner Wölbung waren. Die Frau spürte den Blick des Mannes. Sie streckte sich. Eine evahafte Regung schüttete ihr einen Tropfen Hoffnung ins Herz, wobei sie vergaß, daß sie auf einem Platze stand, auf dem es keine Hoffnungen geben darf.
Und wieder wurden dieselben Fragen an sie gestellt; diesmal aber »on einer musikalischeren Stimme, von einer Stimme, die Menschen, Tiere und Steine bezaubert hatte.
„Angelique Fifo heißen Sie, Madame?"
„Sa. Monsieur Danton* erwiderte We Frau rascher und lebhafter als zuvor.
„Gattin des Bankiers Fifo?"
„Ja, Monsieur Danton."
„Sie sind angeklagt, den Grafen ßagrace beschützt zu haben? Peinlich, peinlich, sehr peinlich, Madame. Wußten Sie das nicht, daß ßagrace ein Mitglied des Wohlfahrtsausschusses erstochen hat und feit acht Tagen überall gesucht wird in Paris?"
„Sch wußte das", sagte die Frau und senkte den Kopf.
„Peinlich, peinlich, peinlich" — murmelte der Revolutionär — „Sie sind noch sehr jung und Sie sind auch sehr hübsch. Aber auf solchen Dingen steht der Tod. Unsere Gesetze sind lakonisch."
„Ich konnte nicht anders", sagte die Angeklagte und warf den Kops empor, „er war doch mein Gatte."
,,31)r Gatte?" rief Danton überrascht, „ich denke Fifo?"
„Mein erster Gatte. Der Bankier ist mein zweiter."
„Ah, das verändert die Tatsachen ja ganz kolossal!"
„Seit wann sind sentimentale Motive Entschuldigungen für Staatsverbrechen?" jagte da- die eiskalte Stimme Robespierres, der soeben seine Unterschriften beendigt und die letzten Worte mit angehört hatte.
„Sn Frankreich ist die ßiebe immer als größtes Ideal gehegt worden. Alle Traditionen mögen wir stürzen, nur diese nicht!" lenkte Danton entschlossen ein.
„Du wirst immer ein Schürzennarr bleiben, Danton — und das Vaterland wird darunter leiden!"
In diesem Augenblick hob Robespierre sein ßorgnon, um die Angeklagte genauer zu betrachten. Ehe Danton dieser Anzüglichkeit eine Er- widerung geben konnte, verschlug ihm die seltsame Veränderung in Robespierres Gesicht die Rede. Dieses Gesicht sah zwar niemals aus, als rolle Blut unter seiner Haut, gelb und papieren sah es immer aus, wie Pergament; jetzt aber schien es ßeichenblässe zu überziehen.
Dantons Blick flog von Robespierre zu der Angeklagten. Und hier sah er das zweite, leichenblasse Gesicht.
Und nun kamen einige Reden, die der Umgebung nicht ganz verständlich waren.
„Bürgerin", hörte man die kalte, spitze Stimme des Diktators, „erheben Sie Anspruch auf eine Revision Ihres Prozesses? Soweit es mir bekannt ist, haben Sie Ihre Tat gestanden und auf Befchützung eines Royalisten steht unvermeidlich der Tod. Und ganz besonders in Ihrem Spezialjalle, wo es sich um den Mörder eines unserer Freunde handelt. Eine solche Revision hätte gar keinen Zweck und daß die Motive, die Danton zu Ihrer Verteidigung einwarf, bei Ihnen vollkommen außer Betracht kommen, das — das wissen Sie doch selbst sehr genau, nicht wahr, Bürgerin Fifo?"
Angelique Fifo sah Robespierre steif und fassungslos an. Ihre Augen glitten über feine schwarzen Sammethosen hin und der Diktator, der die Beine übereinandergeschlagen dasaß, rückte etwas nervös auf feinem Stuhle hin und her, als er diesen Blick gewahrte.
„Fifo ... Fifo ... Fifo ..." murmelte Danton ständig vor sich hin. „Wo habe ich den Namen nur gelesen —?" Und er fing an, unter feinen Papieren hin und her zu kramen.
Endlich sagte die Frau mit einem tiefen Atemzug: „Sie ... Sie sind der junge Advokat von damals? ..." und die Hände angstvoll geballt ans Kinn haltend: „Oh, oh, oh!"
Danton fragte: „Sag, Robespierre, kennt ihr euch? Scheinbar, wie?' Die fünf Finger der rechten Hand des tugendhaften Fanatikers griffen in feine Halskrause und nestelten verlegen daran herum. Darauf sagte er (aut: „Die Vermutung, die mein Freund Danton soeben hier laut werden ließ, ist richtig. Als ich vor einigen Jahren hierher nach Paris kam, führte mich ein Bekannter ein im Haufe der Gräfin ßagrace. Ilm die Sitten des Adels damals bereits zu studieren, willigte ich ein; jedoch fand ich in dem Haufe der Gräfin ein solches lockeres Treiben, dem Schilderung ich mir erlasse, daß ich es bald wieder verließ. Der Gro war damals überhaupt nicht in Frankreich und die Gräfin hatte mit anderen Kavalieren fo viel zu tun, daß ich" — ein höhnischer Seitenblick zu Danton — „heute wohl behaupten kann, daß die Liebe der Gräfin nicht allzu groß gewesen fein muß. Nicht wahr, Madame Mw — er verbeugte sich mit einer ironischen Galanterie — „die Bürgerin i|t nie sehr wählerisch gewesen in ihrem Leben?"
Madame Fifo antwortete kein Wort. Sie sah immer nur diefen dünnen, mageren Menschen an, der da oben mit böse lächelnden äugen auf dem Richterstuhle sah: sie dachte wohl einen Augenblick daran, M Leuten hier allen zu erzählen, w i e Robespierre damals ihr Haus m- laffen hatte; doch gab sie es auf, denn wer — außer Danton vielleicht-y hätte es gewagt, über jemanden zu lachen, der die Macht über Leven und Tod besaß?" .
Robespierre aber saß mit erregt spielenden Fingern oben an leine Tisch, die kalten Mörderaugen auf jene Frau gerichtet, der einzigen, der er sich jemals in seinem Leben genähert hatte und die ihn au I eine furchtbar lächerliche Wtzise zum Teufel gejagt hatte; er aber »u sie jetzt zu einem anderen Teufel jagen. Und noch einmal zogen Ereignisse von damals an ihm vorüber, während die Federn " Schreiber das Todesurteil kratzten. .. Q „i
Ein Bekannter hatte ihn, als er noch nicht dieser zugeknöpfte ö geroejen war, mit in das Haus der Gräfin geschleift. Er trug Pa ' > schlicht wie er war, die langen Beinkleider der Sansculotten, die p tatens. Die Gräsin kokettierte sehr stark mit ihm, da man ihn einen i begabten Menschen nannte; schließlich verlockte sie ihn dazu, sich / Schlasgemächer zu begeben, forderte ihn auf, sich einstweilen S kleiden, sie täme nach. Man beobachtete ihn durch das Sd)luyeuo), Schlafpulver, das die Gräfin ihm in einem Weinglas zugefuyi f wirkte rajch, er schlief ein, man stahl ihm die Hose. Als er aut i war es Morgen; er fand sich allein, besann sich, wurde finster v klingelte, befahl seine Kleider und da vermißte man feine H r- ganzen Hause war sie nirgends zu sinden. Die Gräsin war ausg i / Man bot ihm andere an. Aber es waren natürlich nur SUuej
diesem der da Paris dieserhi die Ge treu w bestieg nach H Ausstei glaubte hat ihn nur bei Wirkliä Anblick
„Sa - „we
„Ge „FH ist der hat! Ri Franke, imstand Frau -
„Gei Tischpla schluckt
Da worden weiterer Ansehen sucht ni zwei Tc
Sie Robespi ton sie noch bei dem Koi
Ein sprach u wollen, i ein Mäd ihr ®efi willen. 1 fei auch stäher b mitunter mit Schi so was Sanz Ha
Hugo Ibilbc g.; sich über
,Es ij wenn m möchte st leben gli unb rnor
In di er viellei lein eig« eine hetz ihm feste cr sich si °l'-sgerüf Meide wissen u


