(Schluß folgt.)
„Für mein letztes Kupfergeld hab' ich mir 'nen Schnaps bestellt ..
endgültig verklungen war, standen wir schon längst allein auf dem Bahn- f‘e'äßir sahen uns nach der Kleinbahn um, die uns nach Sauste, unserem Reiseziel, bringen sollte — und veksielen bei ihrem Anblick in einen Lachkrampf: Solch eine Kreuzung zwischen einem modernen Schnellzug und einer Kindereisenbahn hätten wir nun doch nicht erwartet. Unser Lachen verging uns jedoch sofort, als wir einen Wagen bestiegen und im selben Augenblick mit dem Kopf wider die Decke rannten. Für dreißig Kilometer brauchten wir drei Stunden! Da wir also etwa doppelt so schnell fuhren, als es ein Fußgänger auf Schusters Rappen zu schaffen pflegt, entschlossen wir uns, zeitweise nebenher zu traben, viel weniger aus Spaß als aus dem dringenden Bedürfnis heraus, die Atmosphäre des Wageninnern mit der frischen Winterlust draußen zu vertauschen. Wenn der Zug einen Bach passierte, machte er halt, und die Passagiere versammelten sich bei der Lokomotive, um dem Wassereinholen zuzusehen.
* Likör mit Zitrone und Zucker.
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Wenn ich heute in einen Brief sehe, den ich unter dem ganz frischen Eindruck dieser Tage geschrieben habe! Bauske ist der gastfreleste Ort des alten Kurland. Vor zehn Uhr aufzustehen, 'st hier verpönt. Um wölf Uhr kommt man im Gewerbeverein zum Morgenschnaps zusam-
s ermatteten eonnenjajeins ,roö[f Uhr kommt man im Gewerbeverein zum wiorgen,a)naps zuiam-
kalter Ostwind dicke^ Flocken ms Gesichts trieb. Auf | 3™“ l „^Nachmittag um sechse zum Bürgermeister. Ich dachte am ersten Tag'tatsächlich, wir seien zum Bürgermeister eingeladen und wurde erst im letzten Augenblick darüber aufgeklärt, daß der Bürgermeister eben auch — Schnaps sei. Ein reichsdeutsches Ohr wird es sicher versöhnlicher stimmen, wenn ich sage, daß jeder Schnaps von einem kleinen Imbiß, Sakuska genannt, gefolgt ist, der aus Neunaugen, Dunalachs kaltem Gänsebraten, Rippchen und dergleichen mehr besteht. Zum Schluß kommt dann Bier ... 2lm Freitagabend wurde uns zu Ehren em kleiner Ball arrangiert ... Für den letzten Tag war uns dann noch eine ganz groll- Ueberraschung vorbehalten. Der Arzt des Kreiskrankenhauses hat von unserer Anwesenheit gehört und bittet uns zu sich. Es stellt sich sterau, daß er Jenenser Teutone ist und in seiner Studienzeit mit einemi Sun desbruder von mir, der jetzt in Windhuk weilt, enge Freundschaft geschlossen hatte. „Ja, Mütze und Band hat er mir geschenkt. Aber btt Bolschewiken haben sie mitgenommen. Vielleicht wird die Gießener Alemannenmütze jetzt bei den großen Demonstrationen gegen ixe wlt europäische Zivilisation von irgendeiner Moskowiterin getragen. er uns dann durch seine Räume sllhrte und wir das leerstehende Hau chen betraten, das jetzt seine geburtshilfliche „Klinik darstellt, sagte er. „Sehen Sie, jeder Ort in der Welt kann doch wenigstens einen berühmten Mann sein eigen nennen. Hier ist unser »Prinz Domela, , Sie doch auch dem Namen nach kennen, geboren und groß geworden...
Zum zweitenmal nahm uns die Kleinbahn auf. Nur sahen wir si- jetzt mit anderen Augen an. Das lettische Wappen an den kleinen Wage" reizte zwar auch jetzt noch zum Lachen. Aber an dessen Stelle gehörtes auch eigentlich das Eiserne Kreuz. Denn „der sanfte Heinrich , wi Volksmund heißt, ist wie „der rasende Kurlander oben im Norden wie all die anderen Kleinbahnen bis zum Peipussee und bis aus Insel Oesel nichts anderes als eine deutsche Feldeisenbahn, die ei i manchen braven Soldaten vor den Feind und manchen auch tu das Grab gebracht hat.
. m..-lm Makrokosmos I Bei heftigem Schneetreiben kommen wir dann in Sauste an. Ja, aber
kosmos des Atoms dieselben Gketze erkanve dle er im Ma rorosmos I y^n der Ort? Außer dem hölzernen Stationshäuschen ist weit
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erschaut. I tIotte Studentenweisen trotz Morast und nassem Schnee unsere Schritte.
~ “ _ ,. k I Mit der „Brauerei" ist es zwar nichts, denn unser Wegweiser stellt sich,
Als Student auf deutschem Schmfaisvoden. I aU5 der Nähe besehen, als ein mächtiges, verfallenes Gemäuer heraus
„ ., _ , ... ra. r, I das links von unserem Wege liegen bleibt, doch sehen wir nun auch
Von Albert Erich Schmidt, Eietzen. I bQ5 Städtchen unmittelbar vor uns. — Freilich, eine Schwierigkeit hatte
I I es doch noch: Wir mußten unseren ganzen hierher gehörigen lettischen
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1 Pin uaar Dan'kesworte" für uns reichsdeutsche Gäste I Name, wenn irgend möglich, mit einem Schluß-S verziert werden muß, kaaen zu mMen^'Was ichauchühkk.hatte etwa diesen Sinn: Wir drei- um einem lettischen Ohr verständlich werden zu können, ferner, daß em zehn" Studenten und Studentinnen aus dem Reich fragen uns manch- I nachgestelltes „kungs „Herr bedeutet.
mal was unsere fünfhundert Kommilitonen, die sich in diesem Jahre an I $atte unsere Reise bis dahin trotz aller Wechselsälle ihren ursprung- französischen Hochschulen aufhalten, dort eigentlich wollen. Sollten sie die I nd)en heiteren Charakter bewahrt, so wurden wir gleich auf dem ersten
Absicht haben, Kulturgut nach Deutschland zu importieren, weil sie viel- i ^eq den wir im Schutze eines Regenschirmes eingehängt in Sauste
leicht glauben, daß es uns daran mangelt? Uns Deutschen m aller Welt I unternahmen, zu dem Ernst zurückgeführt, den es sich immer gebührt, mangelt es nicht an Kultur; wohl aber fehlt es uns an Brot. Und I bierem Sani)e entgegenzubringen. An dem schäumenden Ufer der Memmel
dieses fehlende Brot finden wir hier im Osten! Dabei müssen wir nicht I tanöen Wir den deutschen Heldenfriedhof. Das erste Grab, dessen Aus
gleich an „Eroberungspolitik" denken, denn dieses Ostland ist weithin fd)ri» roir Iaten barg einen 1902 (!) geborenen Fahneniunker. Wie deutsch. Wir versprechen, nicht müde zu werden, in Deutschland zu ver- I auf ben meisten baltischen Friedhöfen waren auch hier Gefallene des künden, daß dieses teure Land in sieben Jahrhunderten deutsches Blut Weltkrieges, Angehörige der (reichsdeutschen) Eisernen Division und der getrunken hat, das immer wieder vergossen wurde für freieren Lebens- I Baltischen Landeswehr aus den Bolschewikenkämpsen m stetem Wechsel raum, für deutsche Kultur und für eine Zukunft, die uns allen bis heute I nebeneinander gebettet — Volksgemeinschaft in einem höheren Sinn, noch vorenthalten ist.--Ja, und dann tarnen alle „Philister heran
und tränten mit uns auf unser gemeinsames Schicksal, erzählten von ihrer Not und schwärmten mit uns noch lange von stolzer Vergangenheit und mehr noch von des Deutschtums erhoffter Zutunft. —
Der deutsche Pastor zeigte uns die Sehenswürdigkeiten Bauskes: einen Findling, von dem aus Peter der Große die Eroberung des Ordensschlosses geleitet hatte, die Lachs- und Neunaugenftscherei m Mem- * । mel und Muhs und schließlich die auf einem von den beiden Flüssen
Zwei Monate war ich schon in Riga, da entschloß ichmich.mit I 'ftärtfk'Sren^feftf beVlRifterorbens gegen Litauen
einem Freund, den Waldfriedhof mit den deutschen SÄdatengrabern I molen Von dem noch halbwegs erhaltenen Bergfried aus sieht man aufzusuchen. Wir irrten lange umher. Da sahen wir plötzlich Zwei andere I . , t . öcn wctten litauischen Wald hinüber, aus dem früher Kommilitonen auf einer Düne stehen und photographieren. Als wir sie ! heidnische Feind hervorbrach und die Burg bestürmte. Wir treten tn erreichten, lag der Soldatenfriedhof vor uns: mitten im Tannenwald, I ~ nJeJ.' bur(b ba5 sich die Burgherrin einst in die in grausiger immer drei Gräber zusammen, mit drei gleichen steinernen Lenzen und I Wefe"vorüb'ersprudelnde Mernrnel gestürzt hat, als ihr Gemahl, em mit Efeu bewachsen. Landsturmmann, Kanonier einer Kustenschutzbatterle, l( DQr Ior qetnüen roar. Wir sehen hoch oben im Gemäuer Gefreiter einer Bäckereikolonne, Armierungssoldat und so immer weiter. I schwarzen Kreuze, hinter denen triegsgefangene Litauer eingemauert Dann: „Fünf unbekannte Deutsche"; und schließlich, auf zwei Quadrat- I Allem So zeugt hier alles von einer männlichen Zeit. Aber Wind
Meter Fläche: „Sechsundsünszig deutsche Soldaten — em Massengrab. I 1 ,$Betkr rciL„ bie Wände ein. Und auch die Kriegsgeschichte der
Da fällt der Blick auf ein abseits liegendes Leutnantsgrab und aus Vergangenheit hat ihren Anteil an dem Zerstörungswerk: Hier
zusammengepreßtem Innern ringt es sich los: Nein, umsonst seid ihr | noch Holz von einem Beobachtungsstand erhalten, dort ist em
nicht gefallen! In diesem Augenblick erzählt einer der neu hlnzugekom- I r((.mercr Steinpfeiler von einem Volltreffer umgelegt worden. Vor der
menen Kommilitonen, daß unser Freund K. beim Photographieren des | Westseite sieht man die Gräben, in denen die Russen die Deutschen
Grabes seines Onkels drunten bei Dünaburg von der polnischen Grenz- I i erwarteten, als diese schon längst auf Umwegen in Hauste ein« wache festgenommen worden ist, weil solche „Spionage nicht gestattet I geb^ungen waren. Das sind die Spuren des Weltkrieges!
^Inzwischen Check' man auf jenem verschwiegenen Fleckchen Erde ein Der Pastor bückt sich, hebt eine Sperberfeder aus. und^ steckt sie an Denkmal für die Baltische Landeswehr errichtet. Nach em paar Tagen I feinen Hut. lieber uns kreisen die Dohlen. — 2lls wir schon auf Dem Jtu« war es gesprengt Man überlegte, ob man es nicht in zerstörtem Zustand weg sind, bleibt der Pastor noch einmal stehen und Jagt. zwischen SÄÄÄfÄÄ’lÄ £ teÄ« Ä&TÄfe S&S*,6r4""
1,t- roe'B ia) J * waren, nahm sie auf und erinnere mich, sie noch lange tn der Mantel-
Wenige Tage später — es war im Oktober 1928 — unternahmen I tasche aufbewahrt zu haben.
wir unkren ersten größeren Ausflug aufs Land. Die lange Negenzeit - ‘ ‘
schien endlich einmal von ein paar schönen Tagen unterbrochen zu werden. Um so größer war unsere Ueberraschung, als wir am Morgen der Abreise statt des erwarteten Sonnenscheins eine erste Schneedecke vorfanden und ein kalter Ostwind dicke Flocken ins Gesickst trieb. Aus dem Bahnhof gewannen wir an einem Curonen, der mit demselben Zug nach Deutschland wollte, noch einen Reisegenossen für den erften Teil der Fahrt. Sei es nun die Freude, wieder einmal in einem deutschen O-Zug- roeigen zu sitzen, oder die durch unseren baltischen Kommilitonen erworbene Bekanntschaft mit dem hoch gelobten Äikolaschka Slttolar einschließlich des dazu gehörigen Liedes, das schier achtzehnmal durch Den Speisewagen dröhnte, oder sei es schließlich die uns tief befriedigende Einsicht, daß es auch heute noch v-Zugschafsner gibt, die für eine Fahrkarte 3. Klasse die Benutzung der 2. Klasse erlauben (warum wohl?), es war uns jedenfalls wie ein Schnitt durchs Herz, als wir uns an der lettischen Grenzstation von unserem Kommilitonen und den Herren der deutschen Gesandtschaft in Helsingfors, die wir inzwischen kennengelernt hatten, trennen mußten. Als unser begeisterndes Äbschiedslied


