Ausgabe 
14.11.1930
 
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Jahrgang <930

Johann Kepler.

Von Eduard M ö r i k e.

Gestern, als ich vom nächtlichen Lager den Stern mir in Osten Lang' betrachtete, den dort mit dem rötlichen Licht, Und des Mannes gedachte, der seine Bahnen zu messen, Von dem Gotte gereizt, himmlischer Pflicht sich ergab, Durch beharrlichen Fleiß der Armut grimmigen Stachel Zu versöhnen, umsonst, und zu verachten bemüht:

Mir entbrannte mein Herz von Wehmut bitter; ach! dacht' ich, Wußten die Himmlischen dir, Meister, kein besseres Los?

Wie ein Dichter den Helden sich wählt, wie Homer, von Achilles' Göttlichem Adel gerührt, schön im Gesang ihn erhob. Also wandtest du ganz nach jenem Gestirne die Kräfte, Sein gewaltiger Gang war dir ein ewiges Lied.

Doch, so bewegt sich kein Gott von seinem goldenen Sitze, Holdem Gesänge geneigt, den zu erretten, herab, Dem die höhere Macht die dunklen Tage bestimmt hat, Und euch Sterne berührt nimmer ein Menschengeschick; Ihr geht über dem Haupte des Weisen oder des Toren Euren seligen Weg ewig gelassen dahin!

Harmonie der Wetten.

Zum 300. Todestage Johann Keplers.

Von Dr. Paul Landau.

Der englische Astronom James Jeans hat soeben in einer Vorlesung, die er unter dem TitelDas geheimnisvolle Universum" veröffentlicht, eine Theorie über Entstehung und Bau des Weltalls aufgestellt, in der er an Plato anknüpft und dengroßen Baumeister des Alls" als einen reinen Mathematiker" feiert. So hält die moderne Wissenschaft, wenn sie auch mit Atomen und Elektronen, mit Wellenbewegungen der Materie arbeitet, doch an dem erhabenen Gedanken einer gesetzmäßigen Schöpfung des Kosmos fest, dessen unergründliche Wunder sie nur tiefer begreift als alle Vorgänger, und sie beugt sich in Ehrfurcht vor dem dunklen Drange der Menschheit, Ordnung und Schönheit in diesem ungeheuren Gefüge zu erkennen, von dem unsere Erde nur ein winziges Sandkorn ist. Keiner aber hat dieser ewigen Sehnsucht nach Klarheit, Gleichmaß und Zusam- inenklang der Himmelswelten ergreifenderen und überzeugenderen Aus­druck verliehen als Johann Kepler. Darum feiern wir in ihm, mögen die zeitbedingten Grenzen feiner Erkenntnis, die Unzulänglichkeiten seiner Forschungsmittel noch so groß sein, einen der genialsten Befreier und Entdecker, der den Blick in schwindelnde Fernen und dabei die sichere Festigkeit des Erkennens behielt, denKomponisten der Weltharmonie, der einer uralten Grundidee alles Denkens in urdeutscher Form die tiefste und großartigste Prägung verlieh.

Ein wundersames Traumbild, das seinen Zauber für die suchende Seele nie verloren hat, war der schon aus dem Orient überlieferte, von Pythagoras formulierte Gedanke von derHarmonie der Sphären, der die Wahrnehmung der dem musikalifchen Wohlklang zu Grunde liegenden einfachen Zahlenoerhältniffe kühn auf den Weltbau übertrug und in dieser mystischen Symmetrie den Schlüssel aller kosmischen Rätsel gesunden zu haben glaubte. In Platas Weltbild lebt diese Vorstellung von der Weltharmonie, innig verbunden mit der Lehre von der Welt- feele fort, und die spätere alexandrinische, römische und arabische Astro­nomie halten den Gedanken bei aller Verfeinerung der Messungen und Beobachtungen fest. Einen neuen Anstoß aber erfuhr der Glaube an die rhythmischen Bewegungen des Weltalls, an den musikalisch beseelten Reigentanz der Sterne, erst durch die Großtat des Kopernikus, der, zwar unabhängig von der antiken Denkweise, aber doch durch sie angeregt, nachwies, daß die Erde sich drehe, und damit die pythagoräische Annahme bestätigte, daß unser Stern wegen der wirren Mannigfaltigkeit feiner Er­scheinungen, verglichen mit der verhältnismäßigen Einfachheit und Wohl- vrdnung der Himmelsgestaltungen, nicht würdig fei, die Mittelstellung im Kosmos einzunehmen. Dieser umstürzende Gedankenbau, der eine neue Epoche der Weltgeschichte einleitete, mußte erst durch weitere Beobachtungen und Berechnungen genügend begründet werden, und diese riesige Arbeit unternahm Tycho Brahe, mußte aber die Durchführung und Vollendung einem Größeren überlassen: Kepler,

Nummer 88

Wie sich in dem jugendlichen Geist dieses Genies das Vermächtnis antiken Schönheits- und Ebenmahglaubens mit dem stolzen Erkenntnis­drang und mystischen Grübeln der deutschen Renaissance vereinte, das ist ein wundersames Symbol, dem gleich, das Goethe in der Vermählung von Faust mit Helena gestaltet. Das naturwissenschaftliche Denken jener Zeit befand sich nach einem Wort Diltheysnoch ganz unter der Vor­herrschaft des Phantasie, die in den Jahrhunderten großer Kunst und Dichtung bestanden hatte". So schuf Kepler aus derselben Fülle der sinn­lichen Anschauung und übersinnlichen Schau der tiefen Verbundenheit mit Natur und Weltall, wie sein Vorfahr Paracelsus, sein Zeitgenosse Jakob Böhme; er ist der größte Vertreter dieses faustischen Ringens und Strebens nach Wahrheit und Schönheit, und der höchste Ausdruck ist seine Lehre von der kosmischen Harmonie, die er am vollständigsten in seinem WerkHarmonices mundi", denZusammenklängen der Welten" 1619 niedergelegt hat. Dieser Schlüssel zur Welterkenntnis ist eine letzten Endes dichterische und visionäre Schöpfung, in der mathe­matisches Denken mit musikalischem Gefühl und ästhetischer Stimmung zu einer tief religiösen Schau des Universums von großartiger Einfachheit und Einheit sich verbindet. Solche Leistung war nur Kepler möglich, von dem Sigmund Günther gesagt hat,daß wohl niemals vor- und nachher kühnster Flug der Phantasie und höchste Virtuosität im Zahlenrechnen in einem Menschen zu so inniger Durchdringung gediehen sei".

Aus der wüsten Zerrissenheit einer von Krieg und Aberglauben zer­rütteten Zeit erwuchs sein Geistesbau der lichten Klarheit und der reinen Form, wie fein Schöpfer aus trübem Dunkel der Not sich emporschwang zu feinem heiteren Sternenglauben. Ein Schwabe war er, mit der liebens­würdigen Aufgeschlossenheit dieses Stammes, feinem begeisterten Feuer, feiner starken Einbildungskraft und Ahnung ausgestattet. Das süddeutsche Element, das sich in der großartigen Barockkunst damals offenbarte, bringt auch das Warme und Heitere in fein sonst so schweres Leben und Werk. Goethe betont in dem Kepler-Abschnitt seinerFarbenlehre" das frohe Erstaunen" darüber,daß der wahre Genius alle Hindernisse überwindet", daßsein glückliches Naturell durchdringt":Die ernstesten Gegenstände behandelt er mit Heiterkeit und ein verwickeltes mühsames Geschäft mit Bequemlichkeit."

Ein neuerer Herausgeber feinerKosmischen Harmonie" fühlt sich durch ihn an den ftammesverwandten Mozart erinnert, und vielleicht ist kein Vergleich glücklicher als der dieses Komponisten einer himmlischen Sphärenmusik mit dem genialsten Tonschöpfer irdischer Harmonien. Aus seiner so allseitigen, zugleich mathematischen wie philosophischen und dichterischen Begabung erwuchs das Gefühl für die Harmonik des Welt­alls, und es tritt bereits in dem Jugendwerk hervor, mit dem sich der 24jährige Grazer Schulmeister die astronomischen Sporen verdiente.

In diesenSchöpfungsgeheimnissen in Welttiefen" versucht er das ganze Reich der Wandelsterne unter einem Baugesetz zu begreifen und die kopernikanische Lehre zu beweisen. Aber dies'ist nur die erste Stufe in seinem ungestümen Drang der Welterklärung. An den Hof des der Astrologie ergebenen Kaiser Rudolf II. nach Prag berufen, bearbeitet er unter Tychos Leitung die Beobachtungen des Planeten Mars und, nach feinem Tode in den Besitz des ganzen Materials gelangt, vollendet er die nach Rudolf genannten astronomischen Tafeln, baut zugleich den Begriff der Weltharmonie immer weiter aus. In seinem astronomischen Hauptwerk, der wie alle seine Werke lateinisch geschriebenenNeuen H i m m e 1 s k u n d e" (1609), die vielleicht die größte Leistung der deut­schen Naturforschung ist und uns jetzt auch in einer deutschen Uebertra- gung durch Max Caspar geschenkt worden ist, stellte er die beiden ersten Keplerschen Gesetze auf und krönte fein Werk durch das dritte Gesetz in seiner Kosmischen Harmonie", das nun ein tief bedeutsames Zahlenverhältnis zwischen den Dimensionen der Planetenbahnen und ihren Umlaufzeiten entdeckte.

Kepler hat die Wissenschaft auf vielen Gebieten bereichert: Er machte die Logarithmen der Rechnungspraxis dienstbar, trat energisch für die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII. ein; er verbesserte das damals eben erfundene Fernrohr und fetzte das Werk Galileis fort; in feinem Trau rn vorn Monde" vereinigte er in einer künstlerisch verklärten Form das ganze damalige Wissen von dem magischen Nachtgeftirn und schuf in seinemLehrbuch der H i m m e l s t u n b e" ein noch heute nicht veraltetes Kompendium; er hat die Lehre vom Sehen gefordert, und gehört zu den Begründern der physiologischen Optik. Aber feine größte Leistung bleibt doch die enthusiastische Offenbarung der Welten- Harmonie. Für den genialen Astronomen und tiefsinnigen Mathematiker, den strengen Rechner und mystischen Seher war das Planetensystem erfüllt von musischen Klängen, harmonischen Zahlen und Formverhält- niffen, und so wurde er der Schöpfer jenes Harmonie-Gedankens, den von ihm Leibniz übernommen hat, um ihn an unsere Klassiker weiterzugeben.

So wirkt seine stolze und beglückende Ansicht des Weltenbaus in der Geistesgeschichte fort, und sie hat heute, vom Größten ins Kleinste gewen­det, noch eine besondere Bedeutung erhalten, indem man in dem Mikro-

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