Ausgabe 
14.7.1930
 
Einzelbild herunterladen

Montag, den 14-Juli

zchrgangM«

dort, wo wir die ©mibe der Liebe

Giese"

Und

Ein

wanderte man manche Straße und waren die Menschen wie Gespenster, aneinander vorüber es war wie

Bis

Und

Mit

vor dir selbst ein Graun dich überschleicht das Geheimnis deiner Einzigkeit deinem dumpfen Frieden dich entzweit.

wieder: siehst du einen Daum, ein Laub, Sandkorn, einen luftgen Sonnenstaub,

war keine Heimat. Heimat ist nur erfahren.

Vielleicht ließ es sich suchen. So kehrte in manche Stadt ein. Aber da glitten wie Tote mit starrer Maske in dem Haus.

Ergreift dich's plötzlich wie ein brennend Weh, Daß rings das All dich ewig fremd umsteh, Daß niemals du der Lösung näher bist Der alten Frage: was das ist, was ist; Und vor des Daseins rätselvollem Schmerz Krampft sich zusammen dein verschüchtert Herz.

!h« raun (en. (ätl rrtietum en K« in St«

les

ten NO nen 'Jli

Wetträtsel.

Von Paul H e y s e.

Manchmal, wenn jäh dein eigen Angesicht Aus klarer Spiegelfläche zu dir spricht, Dünkt dir's, du sähst, was dir so wohlbekannt. In dunkle Hieroglyphen umgewandt.

Du fragst dich, wem dies fremde Bildnis gleicht,

Nummer 5$

-che-Z iur, daß I; .elmanner. >te rittem

oll zuH UM»

o 'ffürmiü mitgebtch d. Jetzt e ertrage trt h wieder b tschlagen.

e geftanber; für [ein» Garnts»

SietzenerMmilienblimer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

ebrcre 6?

)ein BrB )n besnG

ücht M leg um jer melto mbern *

Auf den Landstraßen war es wohl das gleiche. Gott zum Gruß, brummten sie, dann waren sie vorbei. Manchmal tippelte man mit einem ein paar Tage zusammen, aber dann war man einander überdrüssig: Fahr wohl, Kamerad! So ging es. Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Man besaß ja nichts. Eine Flasche Schnaps vielleicht ja. War sie leer: fort damit in den Straßengraben! Vielleicht winkte eine Magd am Gar­tenzaun. Dann gab es Brot und Schinken und am nächsten Morgen: Abschied. Fort in den Straßengraben. Allmählich wanderte alles, was der alte Landstreicher besaß, in den Straßengraben. Die Straßengräber aller Herren Länder waren voll von Erinnerungen an ihn und hätten ihm manches plaudern können, wäre er wieder vorbeigekommen. Aber er kam nicht wieder vorbei. Er ging in die Ferne, immer weiter, und konnte sein Herz an nichts hängen. Das mochte verdorrt fein in dem düsteren Haus.

Einmal geschah ihm etwas Wunderbares. Als er auf einer Wiese aus dem Schlaf erwachte und die Augen ausschlug, sah er über seinem Antlitz groß den Kelch einer Glockenblume in blauer Demut schweben. Vielleicht, dachte er, daß diese mich lieben, Blumen, Tiere, Wald, Gräser? Und er weinte. Als aber das Wasser in den offnen Seen seiner Augen aus der Tiefe des Herzens emporstieg zum erstenmal vielleicht in feinem zerbrochenen Leben, da tarn ein Wind und ergriff die Blüte, daß sie sich abwandte von ihm. Da sprang er auf und ging.

Ja, wir sind Fremdlinge auf Erden!

Nirgendwoher war seine Heimat und nirgendwohin fein Ziel. Die Menschen waren wider ihn und die Natur war wider ihn. Die Tiere flohen, betrat er ihr Bereich, und der Wald sah ihn aus unsichtbaren Augen an. Und sein einziger Besitz war die Sehnsucht in die ungeheure Weite der Horizonte, wo es vielleicht doch einmal ein Ziel geben mochte.

Darüber ist er alt geworden, der Landstreicher und die Weit« muß doch wohl einmal ein Ende haben! Wo soll man denn sonst hin? Aber sie hatte kein Ende. Ach, Wandern.

Ja, wandern! Zurück aus versunkener Ferne kehren die Augen des Alien, sammeln langsam sich wieder auf die Nähe der Sträucher, Gräser, Bäume. Er hebt den zottigen Schädel, stößt wieder sein trockenes Bellen aus, steht mühsam, gestützt auf feinen Knüppel, auf. Vorwärts, nirgend­wohin! Linken Fuß voran, rechten Fuß voran! Marsch! In die Welt!

Aber da überfällt ihn ein leises Zittern, übrigens ist auch di« offne Sohle umgeklappt und bleibt im Gestrüpp hängen, so daß er den Fuß nicht heben kann, so schwach fühlt er sich mit einemmal und der Wald beginnt nun, um ihn zu kreisen, sein ganzer Körper dreht sich in wildem

dem Winter, als er sich während einer in offener Feldscheune verbrachten Nacht diesen Husten geholt hatte. Aber das war nicht schlimm eine kleine Erkältung wohl. Manchmal wurde das Brennen so stark, dann ging es ganz nach innen, ganz tief. Am liebsten sah er dann niemand, Traurigkeit überfiel ihn, er wußte nicht recht worüber, und mied die Dörfer. Heute war es eben besonders schlimm er mochte niemand begegnen, darum zog er sich zurück in die Einöde. Da störte ihn keiner.

Tiere tun so, wenn sie sterben wollen, ein angeschossenes oder krankes Reh flieht so ins Dickicht, wo niemand «s findet. Tiere und alte Land­fahrer. Vielleicht will der alte Landstreicher sterben. Aber davon weiß er nichts. Er ist nur ein wenig traurig und zum Träumen aufgelegt.

Vielleicht ist es gut, einmal so zu träumen. Nicht von dem, was kommen mag man glaubt wohl nicht mehr recht daran, daß noch etwas kommt. Man trabt so weiter, jeder seine Straße: linken Fuß voran, rechten Fuß voran, ein alter Veteran des Lebens. Aber eines Tages möchte man wohl wissen, wie man gerade an diese Stelle gekom­men ist. Diesen Traum noch einmal träumen ist alles Leben nicht nur Traum?

Der alte Landstreicher hat seine Erinnerungen, in denen er zuweilen kramt. Was tun, wenn man einen langen Weg getan hat und kein Ziel vor sich?

Ja kein Ziel vor sich. Und man kommt auch nirgendwo her. O doch. Aus einem düsteren alten Haus, strengen und fremden Zimmern, in deren kühler Dämmerung braune Schränke steif an den Wänden stehen, alter Hausrat erstorben schweigt. Von einem Vater, von dem man nur eben wußte, daß er der Vater war, sonst nichts. Und eine Mutter war da nicht. Vielleicht wäre alles anders geworden, wenn eine Mutter da gewesen wäre, denkt der alte Landstreicher, ober ein Bruder, «ine Schwe­ster, aber es war eben nichts da. Nur ein Bild, von dem man ihm sagte, es stelle seine Mutter dar; aber sie war doch nicht da. Tot vielleicht, vielleicht verschollen er erfuhr es nie.

Nirgendwo kommt man her! !Denn dieses Haus, das man bald lieh,

annes, M b im M m batftil efer M eger M artette U us, als il iber Musik Z n! Unbill s noch «g :en .reidH glaubte :jl ieiche ni- nten im« 'anbtentw anders.

:S soll J Siege, 4

>er Sieg iit ert tnetw e Weit tz| Friedens i nach Gtfjiil nicht, tat| imisch fün Sonapartil rate dM mufitalijM n Noten. I

doch niPl Arbeit. L en Meick« lcher ich fti lernte. M mit wech shören! 1 ito. Aber s schrieb e ich !i° « aube, mtiil ndige Mris! >ie Gebäck r Friederi je immeifii rden her«

Bildnis eines alten Landstreichers.

Von Siemar Moering.

Mittag. In strahlenden Bündeln stürzt der Sommersonne Glanz durch rauschendes Laubgewirr, rieselt in goldenen Bächen an grauen Buchen- flämmen herab, tanzt in flammenden Flecken über der Moose bräun­liches Grün, gläsern läutet das Gras in der dämmernden Hitze, eine Wachse erscheint gleitend auf überwachsenem Stein, hebt den zierlichen Scpf ins quellende Licht und verschwindet huschend in verworrenem Brombeergestrüpp. Gelb und rot wiegen sich langstielige Blumen, deren Kelche, sehnsüchtig geöffnete Lippen, summend Bienen berühren, pelz- beftaubt wieder lassen, irgendwo singt ein kleiner Vogel im Rankenwerk steigender Säulen, Farren rollt sich zu zauberischem Ornament, blau- schwarz stehen ein paar Tannen in schweigender Schwermut.

Einöde nennen sie den Wald.

Gebüsch rauscht auf, unter stampfendem Schritt bricht dürres Geäst, in den auseinanbergebogenen Zweigen der Haselsträucher am Rande der winzigen Lichtung erscheint ein Gesicht, menfdjenfern in seiner zerzausten Wildheit, tiergleich fast, von Strähnen grauen Haares die Stirn über­wuchert, ein schmutzig-zottiger Bart umrahmt das Sinn, aufmerksam spähen die kleinen Äugen umher.

Pan, der den heimlichen Winkel besucht?

Da teilt sich auch das untere Gebüsch, dem Erdboden näher, und nun sicht man: ein Mensch, ein Landstreicher, alter Mann in zerrissenem Rock, zerfransten Hosen, zu weit für die mageren Hüften, der eine Stiefel an

Spitze klaffend offen wie ein hungriges zahnlofes Maul. Ein schlosser Beutel hängt an der linken Seite der Gestalt, mit der rechten Hand stützt ff sich auf einen knotigen Knüppel, einen trockenen Ast, aufgelesen im Forst.

Nicht Pan nicht Tier: Mensch! Und summend zerstieben Bienen, erschrocken taumelt ein Falter duft betäubt über schwankenden Blüten w>on, nicht ruft der kleine Vogel mehr er flatterte wohl zu fernerem «um nur leis« noch läutet das Gras, blauschwarz ragen di« Tannen 'n schweigender Schwermut.

Ser Alte seufzt Verstummen, Erschrecken, und nun sieht ihn die dblle an, aus unsichtbaren Augen voll tiefer Feindschaft: der Mensch ^nat ihren Kreis fremd!

Sr hustet vor sich hin. Es ist ein kurzer, trockener Husten wie das Were Bellen eines alten Hundes. Dabei fällt ein wenig Speichel rot ins «Ws: Blut. Dann humpelt er zu dem Stein, auf den er schweigend sich wuen lätzt, stützt beide Hände ineinandergefaltet auf den Knüppel, das «nn darauf, und starrt so in die reglose Dunkelheit der Tannen wie in m dusteres Tor, hinter dem eine ferne Landschaft des Gebens sich offen- «-w ihm sichtbar und uns unbekannt, weit hinter allem, das uns J) >st und Gestalt hat schweigt, murmelt manchmal nur einen Fetzen die struppige Wildnis seines Barts.

Qn VUn kann man ihn genau betrachten. Aber es ist nichts Besonderes zu sehen: ein Landstreicher, Wegeläufer wie viele zwischen Nord und dj."i'"''d West, Staub und Siemen. Er hat so eingefallene Wangen und _ jX" fenn«n zuweilen sehr groß auf aus ihrer gewohnten Winzigkeit Nur t» W cr krank. Aber davon will der Alte nichts wissen. Er spürt

10 ein trockenes Brennen in der Brust o seit Monaten schon, seit

rau sich te ) wenigster' nein innere' m ©aalte