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Geschmack Gellert war schon beeinflußt von der neuen Auffassung der Kunst und des Genies, die sich damals anbahnte. Wie die Entdeckung der griechischen Kunst, so verdanken wir auch die Offenbarung der Schön- hert Homerischer Dichtung Winckelmann, der neben der goldnen Wärme des Griechen die feine Form des Römers frostig und nüchtern fand und durch einen Vergleich der Rausikaa mit Dido die Überlegenheit des Griechischen über das Römische veranschaulichte. Ihm folgten Lessing und Herder, die gegen Klotz die Ursprünglichkeit und Größe Homers Bertei» öigten, und mit der jubelnden Verehrung Les „Vaters der Dichtung", ch, bie der „Sturm und Drang" einstimmte, schnellt die Waagschale Vere Sil/ hoch empor. Rur seine „Georgika", der Gesang vom Landleben, entzückt mit seinem Erdgeruch die Idylliker, die sie immer wieder über- fetjen. G oe th e, der schon als Kind die Aeneis eifrig gelesen hatte und die lateinischen Vergilzitate stets bei der Hand hat, nahm zwar den „himmelreinen und schönen Vergil" gegen die Vergröberung in Vossens Übersetzung in Schutz hat aber sonst kein Verhältnis zu feiner Kunst. ®ie r?.?nnc §umers hat ihn völlig in den Schatten gerückt. Dagegen ist der Romer Schillers Lieblingsdichter gewesen, und seine Übersetzung von Teilen der Aeneis in Stanzen, die den romantischen Charakter der Dichtung gut trifft, war „das letzte, starke und dauernde Bekenntnis eines großen Deutschen zu Vergil", wie Will sagt, während die Gestalten der Aeneis damals m der witzigen Travestie Blumauers zu komischen Karikaturen verzerrt wurden. Die Ästhetiker, ein F. A. Wolf, Hegel u a rechneten streng ab mit der „inneren Leere" und „profaischen Enge" seiner Dichtung. Er galt als ein bloßer Nachahmer der Griechen, und erst heut da man Eigenart und Eigenwert römischer Kunst stärker erkennt, wird man ihm wieder mehr gerecht. Freilich, die höchste Freiheit der Raturgestaltung und die organische Rotwendigkeit der Form, die er in Homer gefunden, wird der deutsche Geist Vergil nie zugestehen.
(Steinerne Maschinen.
Von Dipl.-Jng. Dr. A. Hamm.
Wir sind von der Steinzeit noch gar nicht so iveit entfernt, wie wir metit denken. Zwar ist für uns der Stein längst nicht mehr das einzige Material tote für jene primitiven Urmenschen, die uns die ersten techni- scheu Erzeugnisse und Geräte, Beile, Hammer, Meißel u. a. m. aus Feuerstein, oft sehr sauber geschnitten, hinterlassen haben. Im Gegenteil, wir glauben oft in einem reinen Metallzeitalter zu leben, Aber bas ist eine Selbsttäuschung. Steine und Erden, die ja im wesentlichen eines sind spielen für die Technik noch eine gewaltige und sogar sich erweiternde Rolle. Das ist ja schließlich auch ganz natürlich. Die uns zugängliche feste Erdrinde besteht ganz überwiegend aus solchen Stoffen, während die Schwermetalle, die unserer Zeit das Gepräge zu geben scheinen nur seltene Einsprengsel sind. Bei der Entstehung der Erde haben sie sich in das jetzt noch feurig flüssige Erdinnere zurückgezogen, dessen Hauptbestandteil sie bilden. Uns dagegen hat die Ratur die leichteren Stoffe zuge° wiesen und uns damit kein schlechtes Geschenk gemacht. Denn aus dem Ton, der weite Gebiete der Erdrinde bildet, gewinnen wir das wertvollste Leichtmetall, das Aluminium, dessen Bedeutung für die Technik kaum zu überschätzen ist. Wäre doch ohne es die ganze Fliegerei undenkbar. Aber auch der Ton selbst findet vielfache Anwendung in der Technik und erobert sich sogar neue Anwendungsgebiete, selbst solche, von denen man glaubte, daß sie dem Metall ausschließlich Vorbehalten seien. Er dringt sogar erfolgreich in den Maschinenbau ein, und steinerne Maschinen gibt es bereits in größerer Anzahl. Von solchen Anwendungen soll hier ein wenig die Rede sein.
In zweierlei Formen werden-Erbmassen technisch genützt als Steingut und Stein zeug. Jenes hat vor allem kunstgewerbliche Bedeutung Geschirre und ähnliches werden daraus hergestellt. Für technische Verwendung eignet es sich wenig, es ist sehr porös, die Glasur ist weich und bedeckt sich leicht über und über mit Haarrissen, chemisch ist es gar nicht widerstandsfähig. Dagegen ist das Steinzeug ganz ausgezeichnet verwendbar, eS hat eine Festigkeit, die der des Gußeisens ziemlich gleichkommt, die Glasur ist hart und widerstandsfähig, und chemisch ist eS fast unangreifbar. Gegen die stärksten Säuren ist eS unempfindlich, nur der Flußsäure vermag eS nicht zu widerstehen. DaS ist diejenige Säure, die man auch zum Glasätzen gebraucht, und ebenso wie das chemisch sonst völlig unverletzliche Glas greift sie auch den Ton an, weil sie die in ihm erhaltenen Siliziumbestandteile herauSlöst. Das ist aber auch der einzige schwache Punkt, den baS Steinzeug aufzuweisen hat.
Diese Eigenschaften bedingen nun auch die Anwendung. Vor allem erweist sich Steinzeug für die chemische Industrie als nützlich. Säuren, Laugen und andere aggressive Stoffe lassen sich in eisernen Behältern «mm ausbewahreck. Die Rohrleitungen, durch die sie befördert werden, die Pumpen, die sie befördern, würden in kürzester Zeit unbrauchbar fein, ganj abgesehen davon, daß das aufgelöste Elfen oder Kupfer die Flüssigkeiten ja selbst betunreinigen würde. So muh beispielsweise die Schwefelsäure, die zur Füllung von Akkumulatoren dient, bis auf die letzte Spur frei von Eisen sein, weil sonst der Akkumulator schnell zu Grunde gehen wurde — eine Warnung für alle Besitzer von Radio-Akkumulatoren, beim Rachfüllen nie gewöhnliche Schwefelsäure zu verwenden, sondern immer nur Akkumulatorensäure! Man wird daher die Schwefelsäure bei wrer Herstellung noch nicht einmal in Rohrleitungen aus rostfreiem Stahl fordern, der heute wegen feiner hohen chemischen Widerstandsfähigkeit tchon häufig in der chemischen Industrie verwendet wird, sondern nur em vollständig eisenfreies und unangreifbares Material verwenden. Das ist eben das Steinzeug.
Aber es greift auch auf andern Gebieten um sich, so z. B. in der e-testrotechnik. Hier dient es ost als Isolierkörper und verdrängt da fei« nen alteren und vornehmeren Bruder, das Porzellan. Natürlich nicht bei kleinen Stücken, etwa bei den Jsoliereiern bei Rundsunkantennen, Der um so mehr bei ganz großen Stücken- Die stark zunehmende Aus- eynung der 100000-Volt°Leitungen in Deutschland hat zur Folge, daß nit- Transformatoren und Schalter aufg:stellt werden, die Isolatoren ergroßten Formates erhalten. BiS vor einigen Jahren kam dafür aus
schließlich Porzellan in Frage, obwohl man sich feinet Menge bewußt toar. Neuerdings ist eS den Verfechtern des Steinzeugs gelungen, ihr Material durch ausgiebiges Brennen und gutes Glasieren so zu vervoll- kommnen, daß es an Isolierfähigkeit den Wettbewerb mit dem Porzellan aushalten konnte. Da die großen Isolatoren sich aber auS Steinzeua schneller, besser und billiger Herstellen lassen, bevorzugt man sie heute. 3n ihrer roilich-braunen Farbe sind sie vom Porzellan leicht zu unter- scheiden, das meist weiß oder auch braun und grün gefärbt ist.
<■ ?ei der Herstellung aller solchen Stücke nutzt man natürlich weidlich 6te Wertvolle Eigenschaft auS, die der Ton hat, seine Plastizität, die Ei- genschast, sich im rohen Zustande durch Zug, Druck ober Drehung in jede beliebige Form bringen zu lassen und sie auch beizubehalten. Uralte Handwerkskunst lebt von neuem auf, das Töpferhandwerk ist ja, wie die Gräberfunde zeigen, das älteste aller Handwerke, und fo wie vor Jahrtausen- den in Ton gearbeitet wurde, geschieht eS auch noch heute. Die Dreh- lwelbeist noch immer daS Haupiwerkzeug, und wenn der Töpfer in Ur, ^02 Jähre vor Christi Geburt, sie noch mit der Hand an treiben mußte unb keinen Elektromotor zur Verfügung hacke, so machte daS schließlich keinen wesentlichen Unterschied. Aber der Ton wird nicht nur geformt ober gebreht, sondern auch gegossen, unb bas hat man zu Ur in Mesopotamien sicherlich noch nicht gemacht. Dazu muß er mit soviel Wasser angemacht werben, baß er sahnig-flüssig wird. Auch sind dazu noch besondere VerflufsigungSmittel notwenbig, wie Soba, Wasserglas, Humus- faure afto jSo kann man z. B. Säureflaschen und Krüge Herstellen. Die Art uno Weise ist ganz originell. Die Gußform besteht aus Gips. In diese Form wird der verflüssigte Ton, Schlicker genannt, eingegoffen, solange bis ber Gips eine genugenb große Menge davon angezogen bat. Dann toirb ber Ueberschuß durch Umstülpen ber Form entleert, die Masse getrocknet unb nach Entfernen beS Gipses weiter dehanbelt. Natürlich geht das nur bei dünnwandigen Stücken. Braucht man aber eine Wand, die em paar Zentimeter stark ist, so muß man anders vorgehen. Dann setzt man in die äußere Gipsform eine innere ein, einen sog. Kern, unb zwischen beide wird dann der Schlicker gegossen. Dann dauert es freilich ziemlich lange, bis die Masse getrocknet ist und zuerst der Kern, später auch die äußere Form entfernt werden kann.
Tat man. nun auf irgendeine Weise einen Tonkörper hergestellt, so muß er zunächst getrocknet werden, denn auch ber festeste Ton enthält noch ziemlich viel Wasser. Dabei zieht er sich zusammen, er „schwindet" unb wirb hornartig fest, kann aber jederzeit in Wasser wieder zu seiner vorigen Beschaffenheit gebracht werben. Dieser Trocknungsschwund ist nicht von allzu großer Bedeutung. Der getrocknete Tonkörper muß aber alsdann, um seine volle Festigkeit und chemische Beständigkeit zu erhalten, gebrannt werden, grabe wie bie weiche Porzellanmasse erst im Brennofen ihre Harte unb ihren beinahe metallischen Klang erhält. Beim Brennen sinbet nun ber eigentliche stärkste Schwunb statt, und das muß vorher sorgfältig berücksichtigt werden. Denn wenn man z. B. eine Säure- pumpe aus mehreren einzelnen Stücken zufammenfetzt, so würden sie ja fertig georannt, gar nicht zusammen passen, hätte man bei der Formung den spater auftretenden Schwund nicht sorgfältig in Rechnung gestellt. ®aS ist der große Nachteil gegenüber Metall, baS Beim Gießen nicht schwinbet und nach dem Guß sich durch Drehen, Hobeln und Fräsen leicht bearbeiten laßt. Das ist bei Steinzeug nun keineswegs der Fall. Indessen hat man, nachdem bie Technik in neuerer Zeit äußerst harte Schleif- mittel entwickelt hat, gelernt, bas Steinzeug durch Schleifen fertig zu bearbeiten. Man kann dadurch sogar Präzistonsherstellung bis auf Bruchteile eines Millimeters erzielen und so mit dem eigentlichen Maschinenbau in Wettbewerb treten. Im Brennofen hat bas Steinzeug auch eine Glasur erhalten, bie ihm ein/ schönes rötlich-braunes Aussehen verleiht: im Fertigstellungsprozeß wirb sie bann noch auf Hochglanz poliert.
ileberbentt man sich bas geschilderte Herstellungsverfahren noch einmal, so ist nichts darunter, was nicht schon bei Herstellung urzeitlicher Töpfereien angetoenbet worben wäre, vom Schleifen auf genaue Paßform allenfalls abgesehen. So vollkommen war biefe Technik schon vor 5000 Jahren Wer heute in einer großen chemischen Fabrik ganze Batterien rotlich-brauner Säurepumpen aufgefahren sieht, der ahnt schwerlich, daß
5ieu CBeift>tete einer Technik sieht, die sich durch die ganze uns bekannte Menschheitsgeschichte unverändert gehalten hat. Heraklits beS Dunklen Wort: „Alles fließt" wirb hier zuschanben.
Dunkle Blätter.
Aus dem Taschenbuch eines deutschen Ingenieurs.
Von Max E y t h.
lFortjetzung.)
Gegen Mitternacht des folgenden Tages tarn Said, mein Bruder, mit seinen dreißig Reitern ebenfalls aus Benha. Ich versteckte sie, fo gut es ging, in den Ställen und Schuppen des Landguts. Wir wußten, daß wir um unsre Köpfe spielten, denn es war sicher, daß der Vizekönig durch Kairo gefahren war. Ich hatte ein paar zuverlässige Fellachin dorthin geschickt. Sie berichteten, daß er mit großem Gefolge über die Esbekieh nach dem Bab et Nasir gezogen und gegen neun Uhr fränkischer Zeit in der Abbasiye angekommen sei. Zweifelnd berieten wir uns die ganze Nacht; die Fürstin, meine Mutter, wachte mit uns. Sie allein war ruhig. .Weshalkst, sprach sie, ,hat der Mameluck Rames die Augen geschlossen? Er ist tot.' Aber Hunderte hatten ihn durch Kairo fahren sehen; und er habe ihnen herablassender als gewöhnlich zugenickt, versicherten die Fellachin." Halim schwieg, und nun begann Raines wieder, tonlos in sich hinein- prechend, wie wenn er einen Traum erzählte:
„Bei Gott, dem Allbarmherzigen, es war eine Fahrt! Ich war um zehn Uhr morgens wieder in Benha eingetroffen. Nur e i n Pferd in der ganzen Wett konnte dies tun: El Dogan! Niemand hatte nach den Ställen gesehen: so konnte ich unbeachtet wieder hineinschlüpfen. Aber es war die höchste Zeit. Zehn Minuten später suchte man nach mir: man rief die zwölf Leibmamelucken des Paschas zufammen. Zwei waren spurlos ver» schwanden: Hassan und Hussein. Nach ihnen wurde nicht gejucht; niemand


