Ausgabe 
12.9.1930
 
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Knaben-Strelch. Aus diesem Scherz war nun ein Ernst geworden, der mehr nach eines Dämons verrosteter Hand roch als nach eines Gottes. Aber Ritterlichkeit im Gemüt, schien es mir ganz gerecht, daß ich die schon Herz-Getraute nicht an mich binden durfte, die ich damals, als noch Unbekannte, unverschämt wie mit einem Lasso fing. So sah ich dort, unjung, nicht sehr gesund, wieder entblättert, mutlos, vom ganzen sinn­losen Lebenskrieg arg beschädigt...

Mein Zug schnaufte langsam heran, und ich erhob mich. Da war's denn, daß zum vierten und letzten Male eine Hand meine Schulter traf. Diesmal war's ein Corpsbruder, damals Architekt wie ich, jetzt in der Hauptsache Kaufmann, Leiter einer neuen Baugesellschaft auf genossen­schaftlicher Grundlage, wie sich alsbald offenbarte. Mensch! sagte er, hier sitzest du, dich suchen wir ja gerade, dich wirft uns der Himmel herab, einen Architekten, zuverlässig, wenn möglich kriegsbeschädigt sicherlich bist du beides. Du bekommst ... als er die Summe nannte, lachte ich, als ob ich weinte.

So war es, du, Martin, ja so war es. Glaubhaft nein, und doch wahrhaft. Wie wenn du einen Nagel in die Wand schlagen willst, und auf deinen ersten Hieb fährt er bis an den Kopf hinein. Du nimmst einen neuen Nagel und schlägst ihn schief. Aber du hämmerst ihn gerade und versuchst es wieder allein nach einer Weile will er noch tiefer. Nun gibst du es auf, aber ein Kind entwindet dir den Hammer und schlägt einmal sinnlos froh auf den Nagel. Der sitzt, stahlfest in Stein, in der rechten Tiefe, wie seit immer für immer.

Es sollte so sein."

Der Erzähler schwieg, die Stirn trocknend mit einem Tuch; auch dem Gastfreund war heiß geworden, obwohl die Nachmittagssonne, die draußen glühte, deins der Fenster erreichte. Allein alsbald erschien die aus­geschlafene Hausfrau, selber sonnenrot wie Geranium, und brachte erfri­schende Getränke, kühl und einleuchtend wie der See.

Quer durch das Auswärtige Amt.

Friedensschlüsse, die vergessen wurden.

Von Egon Larsen.

Die Politik verdirbt den Charakter" behauptete vor einem Menschen­alter ein geschickter Berliner Buchhändler, als er für seine neugegründete unpolitische Zeitung Reklame machte. Wäre dieses Sprichwort wahr in keiner Straße Deutschlands liefen mehr Leute mit höllenschwarzem Charakter herum als in der Wilhelmstraße in Berlin! Aber so schlimm kann es kaum fein; die Menschen, die in den Häusern dieser politischen Straße aus- und eingehen, angefangen vom Reichsverkehrsministerium im Süden bis zum Landwirtschaftsministerium int Norden, sind keines­wegs finster dreinblickende oder hämisch grinsende Verschwörer, sondern brave Beamte und fleißige Normalbürger, an denen das Auge nichts Verderbtes erkennen kann. An ungewöhnlichen Dingen gibt es nur die Wache im Vorgarten des Reichspräfidenten-Palais zu. sehen, bestehend aus zwei langsam auf- und abmarschierenden Reichswehrsoldaten, und gelegentlich eines der großen schwarzen Autos mit der Reichsflagge vor dem Auswärtigen Amt, das auf seinen Herrn, den Reichsaußenminister, geduldig wartet.

In dieses langgestreckte, in altpreußisch-strengem Stil gebaute Haus des AA., wie es in der Amtssprache abgekürzt wird, führt uns eine merk­würdige Mission. Eigentlich ist es nur ein Gerücht; hie und da taucht es auf, aber niemand weiß etwas Näheres darüber: die winzig kleine Repu­blik San Marino, ein Miniaturstaat mitten in Italien, in der Gegend von Ravenna, soll bei dem Friedensschluß von Versailles einfach ver­gessen worden sein, übergangen im Streit der Großmächte am grünen Tisch. Wir müßten also heute noch im Kriegszustand mit San Marino leben! Ist dieses Gerücht wahr? Im ersten Stock geht es an den Türen vorbei, hinter denen der Reichsaußenminister seines Amtes waltet. Er ist der oberste Chef des Auswärtigen Amtes und doch ist er nicht der Mann, der die ganze ungeheure Maschinerie seines Ministeriums zu handhaben hat. Er ist nur das politische, sozusagen theoretische Haupt des ÄA., und ihm zur Seite steht derpraktische" Mann am Steuer, der Staatssekretär. Bis nach Stresemanns Tod war es Herr von Schubert, jetzt bekleidet das jüngste Mitglied der Politikersamilie von Bülow dieses Amt: er ist der Techniker, der Fachmann, der den Apparat des Auswärtigen Amtes nach den Weisungen und im Einvernehmen mit dem Minister bedient und die Räder der einzelnen Abteilungen ineinander greifen läßt. Da ist die Abteilung I,Personalien": hier werden die Angelegenheiten jener Männer behandelt, die das Deutsche Reich im Aus­land vertreten als Gesandte, Botschafter, Konsuln, Attaches, Gesandt­schaftssekretäre. Hier werden die Beamten für den Innendienst des AA. bestimmt; und hier werden die Verbindungen mit den ausländischen Diplomaten, die ihre Länder in Deutschland repräsentieren, gepflegt. Die Abteilungen II, III und IV sind reinregionale" Stellen; die ganze Welt ist unter sie aufgeteilt, die Fäden aus der ganzen Welk laufen bei ihnen zusammen Meldungen der deutschen diplomatischen Vertreter, Zei­tungen der fremden Länder, Berichte deutscher Blätter über auswärtige Angelegenheiten; und alle zwischen Deutschland und anderen Staaten schwebenden Angelegenheiten werden hier behandelt, den einzelnen Refe­renten vorgelegt, von ihnen begutachtet und, wenn nötig, dem Minister vorgetragen. Da häufen sich zum Beispiel die Akten über den letzten deutsch-polnischen Grenzzwischenfall in Abteilung IV, die Osteuropa, Skandinavien und OstMen bearbeitet; die politische Lage in Bolivien wird in Abteilung III: Großbritannien und Irland, Domi­nions, U.S.A., naher Orient, Mittel- und Südamerika, eifrig verfolgt; und die Abteilung II, die West- und Südosteuropa behandelt/ ist gerade dabei, sich mit irgendeinem Fall in Jugoslawien zu befassen.

Die Nummer V trägt die Rechtsabteilung, die alle juristischen und völkerrechtlichen Angelegenheiten behandelt und eng mit dem im ehe­maligen Kaiserschloß untergebrachtenInstitut für vergleichende Rechts­wissenschaft" ziisammenarbeitet, dessen Leiter der Münchner Dr. Rhein- strom ist. Nummer VI ist die Kulturabteilung; sie untersteht dem

bekannten und beliebten Gesandten F r e y t a g, zuletzt deutscher diplo­matischer Vertreter in Bukarest. Hier kümmert man sich um die kultu­relle Existenz der Ausländsdeutschen, um die Propaganda deutscher Kultur im Ausland aus Kongressen, Ausstellungen, wissenschaftlichen Veranstal­tungen, und nicht zuletzt um die Probleme der deutschen Auswanderer. Abteilung W befaßt sich mit Dingen des internationalen Wirtschafts- und Handelslebens, mit Finanzfragen, Zoll- und Reparationsproblemen, soweit sie nicht das Gebiet des Finanzministeriums betreffen. Abteilung P ist ausschließlich für die Presse da; jeden Mittag pünktlich um 12.15 Uhr findet hier die Pressekonferenz statt, in der die Reichsregierung den in- und ausländischen Journalisten die neuesten politischen Meldungen ansagt, die wenige Stunden später schon in den Abendblättern zu lesen sind. Die Presseabteilung sucht angelegentlich alle Wünsche der Zeitungen nach Aufklärung in politischen Fragen zu befriedigen; sie ist vielleicht die wichtigste Brücke der deutschen Regierung zu den großen Massen des Jn- und Auslandes, zur gesamten Welt. Sie verfügt auch über ein geradezu sagenhaft reichhaltiges Archiv aller politischen Dinge, die in den letzten sechzig Jahren durch die Spalten der Blätter gegangen sind; hier waltet Archivar Zeeck, der Mann, der täglich ein paar Hundert Zeitungen lesen muß und das Gelesene in einem ganz märchenhaften Gedächtnis aufzubewahren versteht...

Der Wahrheit zuliebe wollen wir gestehen, daß wir auf unserem Rundgang quer durch das Auswärtige Amt nach einer Abteilung gesucht haben, deren Existenz wir nach Lektüre abenteuerlicher Sensationsromane, nach romantischen Schilderungen in den Kinos und geheimnisvollen An­deutungen bestimmt vermuteten: wir suchten den Geheimdienst, kurz gesagt die Spionageabteilung. Es soll ja politische, militärische und wirt­schaftliche Spione geben, dunkle Existenzen, die mit falschen Pässen und Bärten in fremden Staaten herumschleichen... Nun, wir haben nichts derartiges gefunden, denn die Regierungskuriere, die täglich ober ein= bis dreimal wöchentlich mit Aktenmappen zu den deutschen Diplomaten nach Paris, Rom, London und Moskau fahren, sind wohl nicht mit diesen dunklen Gesellen zu vergleichen. Zudem klagt man im ÄA. noch darüber, daß die Reichsbahngesellschaft diesen Kurieren nicht einmal freie Fahrt gewährt, sondern vom Amt Barbezahlung verlangt; eine etwas um­ständliche Liquidation des Staates von einer Hosentasche in die andere.

UeberaU haben wir offene Türen und liebenswürdige Führung gefun­den bis wir schließlich im Referat für romanische Länder, Abteilung II, landeten. Hier konnte man uns die Frage des vergessenen Frie­densschlusses mit San Marino sicher beantworten. Der Refe­rent holt den dicken Band mit der AufschriftVersailler Vertrag" aus dem Regal, und wir lesen die lange Reihe der vertragsschließenden Mächte durch, die dem einen Partner Deutschland gegenüber standen: die Ver­einigten Staaten von Amerika, das Britische Reich, Frankreich, Italien, Japan, Belgien, Bolivien, Brasilien, China, Cuba, Ecuador, Griechen­land, Guatemala, Haiti, Hedschas, Honduras, Liberia, Nicaragua, Panama, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Jugoslawien, Siam, Tschechoslowakei, Uruguay--alle, alle waren sie bei der Verteilung der fetten Beute

vertreten, nur San Marino fehlte. Auch die Republik Andorra und das Fürstentum Monaco ist nicht verzeichnet. Aber wir finden bald eine Antwort: San Marino hat nämlich, trotzdem es mitten in Italien liegt, den Krieg an Deutschland gar nicht erklärt! Also brauchte es ihn auch nicht durch einen Friedensschluß zu beenden. Aber etwas Wahres ist doch an diesem Gerücht gewesen: San Marino hat tatsächlich im Laus der Geschichte einmal zu wenig Frieden geschlossen und zwar nach dem großen deutschen Krieg von 1866, den Italien samt San Marino aus Preußens Seite gegen Oesterreich-Ungarn und Bayern mitmachte! Aus dem Friedenskongreß in Nikolsburg war San Marino nicht vertreten. Man hatte es einfach vergessen... Es ergibt sich also die groteske Tatsache, daß die Republik San Marino bis zur Auflösung der Donau­monarchie mit diesem Staate im Kriegszustände lebte, und daß dieser Kriegszustand heute noch, also seit über 65 Jahren, zwischen San Marin« und Bayern besteht! Uebrigens ist dies nicht der einzige damals ver­gessene Friedensschluß: auch das Fürstentum Liechtenstein, das ans Seiten Süddeutschlands gegen Preußen stand, war in Nikolsburg nicht vertreten, so daß heute noch der Kriegszustand zwischen Liechtenstein und Preußen besteht... Nun, man macht Gott, sei Dank von diesen merk­würdigen Zuständen keinen Gebrauch es ist jedenfalls nicht vorgekom­men, daß ein Preuße in Liechtenstein oder ein Bayer in San Marino in letzter Zeit als Angehöriger einer feindlichen Nation interniert wurde.

Der Referent weiß uns recht hübsche Geschichten über unserenFeind' San Marino zu erzählen. Ein seltsamer Zufall will es, daß beideFeind­staaten" als Landesfarbe Weißblau haben! San Marino, wie die meiften kleinen Staaten wirtschaftlich unrentabel, hat eine Menge Schulden bet Italien. Und jedesmal, wenn Italien wenigstens die Zinsen einkassieren will, jammern die Marinesen, daß sie nicht einen Lire besäßen. Aber ho würden gern zahlen, wenn man ihnen noch etwas Zeit ließe: dem wollten sie nämlich ein altes Palais in ein Spielkasino umwandeln! Um alljährlich beginnt das gleiche Theater: die Tapezierer rücken im Palms von San Marino ein und beginnen, die verwitterten Wände hochherr­schaftlich herzurichten. Angesichts solcher energischer Vorbereitungen flehen die italienischen Behörden, mit aufgehobenen Händen, man möge M die Äpenninenhalbinsel vor der Unmoral einer Spielhölle verschonen! W die Marinesen beteuern wieder, daß sie anders ihre Zinsen nicht zaM könnten. Worauf Italien bann seufzend erklärt: Na, dann laßt es eben sein, was soll man da machen... Das geht nun schon jahrelang so. Um in diesem kuriosen San Marino besteht das außerordentlich merkwürdige Gesetz, daß der als Justizminister sungierendeOberste Richter" ein Ausländer sein müsse, um unabhängig von den Interessen dieser 13W Einwohner, unabhängig von Cliquen, freundschaftlichen und feindliche Beziehungen richten und urteilen zu können. San Marino ist das emM Land mit der verfassungsmäßigen Bestimmung, daß einem Auslande ein Staatsamt übertragen werden muß. Natürlich wird immer «> Italiener aus der Umgegend Justizminister; theoretisch kann es aber ।au ein Deutscher werden, wenn auch keinfeindlicher" Bayer... Die «P'5

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