gegrüßt, Herr Rat!
Swedenborg.
hatte den Kopf verloren. Den übersandte ich ihm am selben Abend mit folgendem Gedicht:
An Hermann Levi
(als er einen Knopf bei mir verlor).
Tief hatte sich ins Gemüt gesenkt Die Stunde, die du mir huldreich geschenkt. Und da du mich — nur zu schnell — verlassen, Schien rings der Tag mir zu verblassen. Da glänzt's im farbenprächtigen Spiele Entgegen mir von der blanken Diele, O Himmel! ein Strahl deiner Wesenheit!
Ach nein, nur ein Knopf von deinem Kleid. Traun, wie das boshafte Lumpen-Objekt Die Großen und die Kleinen neckt. Ehrfürchtig schau ich das Knöpflein an: Behalt' ich's wohl als Talisman, Soll ich's in künftigen Lebenslagen Als Amulett verborgen tragen?
Die Gabe scheint mir wunderbegehrlich, Und doch, ich bin im Grunde zu ehrlich. Schon faßt mich das Gewissen beim Schopf: Du stiehlst dem Meister den vierten Knopf, Bei so bedenklicher Hosenschwankung Droht ihm Verstimmung, vielleicht Erkrankung! Ich lege daher mit feuchtem Blick Das Kleinod in.deine Hände zurück.
Eins weiß ich nun zu jeglicher Frist — Der Knopf verriet's, wer dein Schneider ist!
Hermann Levi dankte sogleich mit einem scherzhaften Briefchen. Am anderen Morgen reiste er ab. Ich hab' ihn nicht mehr wieder gesehen.
Drei Tage nach der verhängnisvollen Nacht um neun Uhr morgens nahm Hermann die Richtung zum Kloster von ***, wo das Totenamt für die verstorbene Gräfin stattsinden sollte. Wenn er auch keine Reue fühlte, so konnte er doch nicht ganz die Stimme des Gewissens ersticken, die ihm immer dasselbe wiederholte: Du bist der Mörder der Greisin. Er hatte nicht den wahren Glauben, war dafür abergläubisch. So glaubte er, daß die tote Gräfin einen schädlichen Einfluß auf sein Leben haben könnte, und darum entschloß er sich , bei ihrem Begräbnis zu erscheinen, um damit von ihr Verzeihung zu erlangen.
Die Kirche war voll. Hermann hatte Mühe, sich durch die Menge Volkes zu drücken. Der Sarg stand auf reichgeschmücktem Katafalk unter einem Baldachin aus Samt. Die Tote lag darin, die Hände über der Brust gekreuzt, im Spitzenhäubchen und weißen Atlaskleid. Um den Sarg standen zunächst: die Diener in schwarzen Fräcken, mit den Wappenbändern auf den Schultern und mit Kerzen in den Händen, dann die nächsten Verwandten in tiefer Trauer: die Kinder, Enkel und Urenkel. Niemand weinte: Tränen wären affektiert gewesen. Die Gräfin war so alt geworden, daß ihr Tod niemanden mehr zu erschüttern vermochte und daß ihre Verwandten schon seit langem auf sie sahen wie auf jemanden, der nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ein junger Bischof hielt die Grabrede. In einfachen und ergreifenden Worten schilderte er das friedliche Hinscheiden der Seligen, deren lange Lebensjahre nur eine stille, demütige Vorbereitung zu einem christlichen Ende waren. „Der Todesengel faßte sie, da sie wachte in Gedanken an das Heil und in Erwartung des mitternächtlichen Bräutigams." Die Leichenfeier wurde mit dem nötigen Ernst und der nötigen Trauer zu Ende geführt. Zuerst traten die Verwandten an den Sarg heran, um von der Verstorbenen Abschied zu
Pique-Dame.
Novelle von Alexander S. Puschkin.
. (Schluß.)
Er ging die Wendeltreppe hinunter und trat ins Schlafzimmer der Gräfin. Die tote Greisin saß da, wie aus Stein; ihr Gesicht drückte tiefe Ruhe aus. Hermann blieb vor ihr stehen, sah sie lange an, als wollte er noch immer die schauerliche Wahrheit nicht glauben; endlich ging er ins Kabinett, tastete hinter der Tapetenwand nach der Tür und begann die dunkle Treppe hinunterzusteigen, von merkwürdigen Gefühlen beunruhigt. lieber diese selbe Treppe — dachte er — stahl sich vielleicht vor sechzig Jahren in dasselbe Schlafzimmer, um dieselbe Stunde, im gestickten Rock, ä l’oiseau royal frisiert, an die Brust den Dreispitz gedrückt, ein junger Glückspilz, dessen Gebeine jetzt schon seit langem im Grabe modern; das Herz seiner Geliebten aber hat erst heute aufgehört zu schlagen ..."
Am Fuße der Treppe stieß Hermann auf bie Tür, die er mit demselben Schlüssel öffnete, und befand sich in einem langen Korridor, der ihn nach der Straße hinausließ.
V.
In dieser Nacht erschien mir die verstorbene Baronesfe von ®**. Sie war ganz in Weiß und sagte mir: „Seid
gen. Aus der ganzen Welt werden die besten Männer zusammenströmen und ihre Erfahrungen austauschen. Mr. Dunlop wird über die Beziehungen zwischen Energiewirtschaft und Zivilisation sprechen; der berühmte englische Forscher Professor Alfred (Ebbington hat einen Vortrag über einen besonders zukunftsreichen Zweig der Elektrotechnik, die Hochfrequenztechnik, in Aussicht gestellt. Thomas Alva Edison wird auf der Tagung seinen berühmten Glühlampenversuch vorführen und erläutern. Da er jedoch durch sein ehrwürdiges Alter an der Reife nach Deutschland verhindert ist, ist fein Vortrag mit den Vorführungen in Amerika als Sprechfilm ausgenommen worden, der auf der Tagung - abrollen wird.
Deutschland wird selbstverständlich an Bedeutung der Vorträge nicht hinter den Ausländern zurückstehen. Professor Dr. Albert Einstein wird über bie physikalisch« Raum- und Aetherfrage sprechen, Generaldirektor Dr. Oskar Oliven den Gedanken eines europäischen Groh- kraftnetzes behandeln. Schon jetzt schieben wir ja Energie in elektrischen Hochspannungsleitungen unter 220 000 Volt Spannung — in einiger Zeit wird man sie auf 380 000 Volt steigern — zwischen der Schweiz und dem Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet hin und her und beziehen demnächst elektrische Energie unter derselben Spannung aus Oesterreich. Das sind nur Anfänge. Bei der großen Schwierigkeit, Energie, insbeson- bere Elektrizität, zu speichern — bie Speicherfrage ist auch einer ber wichtigsten Derhanblungsgegenstänbe der Tagung — wird man vielleicht einmal dahin kommen, Energie um die halbe Erbe herum zu verschieben, wobei die Länder, die Nacht und damit einen geringen Energiebedarf haben, ihre - überschüfsige Energie an die Länder abgeben, die gerade Tag haben. Gerade diese Frage der Erdteile umspannenden Ener- gieverteilungs- und -Verschiebungsnetze zeigt mehr als alles andere die völkerverbindenden Aufgaben der Weltenergiefragen und wird bei ber großen Abhängigkeit, in bie bie Staaten daburch zwangsläufig voneinander geraten, Kriege vielleicht unmöglicher machen als Kriegsächtungs- unb ähnliche Verträge.
Es wird dafür gesorgt werden, baß ben ausländischen Gästen entsprechend ihrer Bedeutung ber Aufenthalt in Deutschland so angenehm wie möglich gestaltet wird, freilich mit ber durch unsere wirtschaftliche Lage gebotenen Bescheidenheit. Außer ben Anregungen durch die Vorträge wird ihnen Gelegenheit geboten werden, die wichtigsten deutschen Industrieanlagen in Ost und West, Nord und Süd zu sehen und auch die Schönheiten des deutschen Landes kennenzulernen. So wird bie Weltkrafttagung nicht nur bebeutenbe Fortschritte für bas Wohlergehen ber gesamten Menschheit anbahnen, sondern sie wirb auch ben Ruhm deutschen Könnens und deutscher Arbeit durch die Stimmen ber bedeutendsten Wissenschaftler und Techniker in die Welt hinaustragen zur Erhöhung des Ansehens unseres Vaterlandes.
Oie Vervielfachung unserer Kraft.
Was bringt uns bie Wellkrafttagung?
Von Max Fischer.
(Nachdruck verboten!)
Der Mensch ist im Sinne ber Technik eine Kraftmaschine, aber leider eine sehr unwirtschaftlich arbeitende; ist doch die menschliche Nahrung ein sehr teuerer Brennstoff, dessen Energie in unserem Körper in Bewegungsenergie und in Warme umgewandelt wird. Nur 1ho Pferdestärke kann der Mensch auf die Dauer leisten. Diese Energie ist viel zu gering, als baß mit ihr unser heutiger Kulturzustand hätte erreicht werden können; er gestattet nur eine Lebensführung, wie sie die alten Deutschen hatten, und wie sie heute noch kennzeichnend für bie freien Negerstämme in Afrika ist.
Seitdem der Mensch gelernt hat, bie Energievorräte ber Erde in seinen Dienst zu stellen, hat er die jedem Einzelnen zur Verfügung stehende (Energiemenge dauernd erhöht und ist heute für jeden Deutschen auf eine zusätzliche, ihm dauernd zur Verfügung stehende Energie von l1/3 Pferdestärken, also etwa 1 Kilowatt, angelangt. Er hat somit feine Energie, wenn man feine eigene mit hinzurechnet, auf das Vierzehnfache gesteigert. Nur dieser Umstand gestattet die Ernährung und Erhaltung einer so großen Zahl von Menschen, wie sie heute in den Kulturstaaten auf engem Raume zusammenwohnen.
Die dauernde Vermehrung der Menschen und das Streben, das Leben für jeden einzelnen angenehmer zu gestalten, erfordert daher dringend die Bereitstellung und Verteilung immer größerer Energiemengen, und zwar natürlich nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Erde. So ist denn auch diese Frage eine Frag« von überstaatlicher Bedeutung, eine der wenigen Fragen, die, wie Oskar v. Miller kürzlich bei einem Presseempfang ausführte, alle Völker dadurch verbindet, daß er sie zu gemeinsamem Handeln zwingt. Der Engländer Mr. D. N. D u n l o p hat aus diesem Gedanken heraus einen Völkerbund ber Energiewirtschaft gegründet, der für das Wohlergehen der Menschheit eine erheblich größere Bedeutung hat als ber politische Völkerbund. Dieser Völkerbund hat seine erste Tagung im Jahre 1924 in London abgehalten. Seitdem haben nur Teiltagungen stattgefunden, so 1926 in Basel über Wasserkraftnutzung und Binnenschiffahrt, 1928 in London über Brenn st offr agen, ferner im Mai 1929 in Barcelona über Wasferkrafterschließung und im Oktober desselben Jahres in Tokio über die Entwicklung der (Energiequellen.
Vom 16. bis 25. Juni 1930 wird nun in Berlin die zweite Volltagung stattsinden. Sie wird sich hauptsächlich mit den Fragen der (Energie« Verteilung und -Verwendung befassen. Eine Verbesserung kann hierin grundsätzlich durch neue Energieverwendungsarten, zweckmäßige Ausnutzung der Energieerzeugungsanlagen und der Verteilungsnetze, durch Energiespeicherung, durch vorteilhaftes Zusammenwirken verschiedener Erzeugungsanlagen, durch Großanlagen und Großverteilungsnetze, durch Verringerung der Baukosten, durch Aufklärung und zweckmäßige Tarife mw. erreicht werden. 300 der bedeutendsten deutschen Fachmänner haben v:e Vorbereitungsarbeit für die Tagung geleistet. Von den 400 angemel- beten Beiträgen aus aller Welt werden auf der Tagung selbst lediglich die wichtigsten Ergebnisse durch Generalberichterftatter vorgetragen und vllden bie Grundlage für die Erörterung. Damit jeder Teilnehmer ben Vortragen bequem folgen kann, wird jeder Vortrag gleichzeitig durch befonbere Sprachenübertragungsanlage deutsch, englisch und sran- zostsch gehalten.
Ehrenprotektor der zweiten Weltkrafttagung ist Reichspräsident "’n"enburg, Ehrenpräsident Exzellenz Geheimer Baurat Dr. Jng. ^renholber Oskar v. Miller, der Schöpfer des Deutschen Museums . °er ersten elektrischen Energieübertragung von Lauffen am Neckar frfvn ffi>Q,nEÖtü a. M., die damals seinen Namen in der ganzen techni- (C,™11 und darüber hinaus bekanntgemacht hat. Vorsitzender ist der wldirektor des Siemenskonzerns Dr.-Jng. ehrenhalber C. K ö 11 -


