nie vergessen. .
Für sein Orchester sorgte Hermann Levi wie ein Vater für seine Kinder. Alte und junge Mitglieder erkannten das dankbar an und waren ihm aufs innigste zugetan. Mit Sängern und Sängerinnen stand er auf dem freundlichsten Fuh. Jedermann rühmte feine Unparteilichkeit. Vor allem aber genoß er das volle Vertrauen feines Chefs, des Generalintendanten v. Perfall.
1877 hatte Franz Wüllner feine Entlassung als Hofkapellmeister in München gefordert. Es liegt mir ein Brief Hermann Levis an meinen Vater vor, datiert vom 4. September 1877 aus Alexandersbad. Darin spricht er sich über sein Verhältnis zu Wüllner aus wie folgt: „Alles in allem tut es mir sehr leid, daß ich Wüllner verliere. Daß er sich in seinem Verhältnis zu mir nicht wohl fühlen konnte, da er vor meinem Eintritt erster und alleiniger, nach demselben zweiter Kapellmeister am Theater war, begreife ich sehr wohl. Ich aber hatte niemals Grund, eine Aende- rung zu wünschen. Unser.persönliches Verhältnis war auch immer das beste. Hätte der Intendant mir gefolgt, so wäre Wüllner gehalten worden — es bedurfte dazu nur einer äußeren Anerkennung feiner wirklich großen Verdienste um die Kapelle und die Musikschule. Daß man ihm, wie ich heute in der Allgemeinen Zeitung lese, als einzigen Lohn das Recht gegeben hat, den Titel eines königlichen Professors weiter zu führen, finde ich sehr unrecht. Einen so eminenten Musiker und so durchaus anständigen Menschen werde ich schwerlich zum Kollegen jemals wiederfinden." —
Wenn die Freunde Levis sein feines Empfinden, feine unbedingte Gewissenhaftigkeit fchätzten, so bewunderten sie nicht minder seine hohe Geistesbildung und seine kluge, temperamentvolle Art, sich mit allem, was seinen Jnteressenkreis berührte, auseinanderzusetzen. Die Schrist-
... ... „ . ffifer und Mikmut Glauben und i steiler teilte er wie Schopenhauer in Sternschnuppen, Planeten und Fix,
Es . gab Fortschritte und Rückschritte, Eifer und Mißmui, Lrne 2tls girftern, der sein eigenes Licht spendet und von einer Zeit
Enttäuschung. Und,vermutlich wwd es 'mmer geben^ mir '^r anderen wirkt, galt ihm Goethe. Durch Goethe gelangte er zu
Jetzt bin ich einen Schritt we'kr eit vorgestern, 1t e ^ner inneren Freiheit, die der Meister feinen Lungern verheißt. Seine zum erstenmal gegluckt, etaras festzuhalten, was | I T I Goethe-Bibliothek war eine Sehenswürdigkeit, insbesondere befaß er
Flucht war etwas eine Wecke zu eigen zu haben, was ich sonst nur ^°eche^wiw^ye^war^ ^^Erächtliche Summen opferte. Kant wie einen fernen Goldvogel sliegen,sah. erstenmal den hatte er mit heißem Bemühen studiert, Schopenhauer war sein
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Zähigkeiten die man onst im Wachen nicht da. G(bi mir jch über Lebensdauer oder Werke vergangener Zeiten etwas erfahren . 2ch ^rde mich hüten das zu ergteaSi« e^e m mre a) mir in bcr Literatur G ° e d e k e s Grundriß vollständig.
WÄ Ä Ge- Auch mit Emerson (über den wir unsere Gedanken ausgetauscht
S unh Tink* au befdimuhen 9 3 ' hatten) vermag ich nichts anzusangen. Seitdem ich Schopenhauer kenne,
sanken, Worten und TmteM jch tz • g - wünsche, I den ich als meinen größten Wohltäter verehre, und Kant, kommen mir
Aber das Crlebnw M w geftern uno oeutc. mun^^ j Philosophen dieses Jahrhunderts wie Schwätzer vor. Nur
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werden soll mir gehören und zur Selbstverständlichkeit werden. In 1 als Philosoph ist.
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ßrinnerungen an «Senerelmufitoirettor Hermann Levi. '»<’Ä
Von Alfred Bock. I werke ihn mit wachsender Bewunderung erfüllten. In der mustergültigen
Am 13 Mai sind 30 Jahre verflossen, feit Hermann Levi aus dem Vorführung der Musikdramen Wagners erkannte er fortan seine Lebens- LL»»ÄS’«ÄäSVS t 'Ä ÄM
In die^ Tagen war es daß ich wieder einmal die Briefe zur Hand er sich nicht sehr geneigt; den Allerneusten stand er, wie fast alle alten nahm tüe Hermann Levi an meinen Vater und an mich gerichtet hat. Wagnerianer, ohne Verständnis gegenüber. Wenn man ihm vorhie t. Sie sind um ein Goethesches Wort zu gebrauchen, „der getreue Abdruck I warum er keine neuen Erscheinungen ins Repertoire der Münchener seines Innern" höchst wertvolle Dokumente zur Kenntnis seiner mensch- Hosoper einstellte, sagte er, man solle ihm nur gute nennen, er tenne liehen und künstlerischen Erscheinung. Das Bild des berühmten Diri- I leine. Für Corneliu s dagegen setzte er {eine Kraft ein, auch sur a^ten in all seinen großen und kleinen Zügen sestzuhalten, bleibe I Bruckner, „weil er große schone Themen erfinden könne . Mit Bulow seinem künftigen Biographen überlassen, lediglich als Material zur I teilte er die Vorliebe für das Französische Daher dirigierte er bei dm Lebensbeschreibung wolle man die nachsolgenden Mitteilungen betrachten. I Festspielen in Gotha Boieldieu und führte Gwendollne von £ Sl, snnnnuns »» fltrmam toi 6««ldlet mich 61s in m-in- ,-üh-Ii- $».«»-r «uL®e!”Ä“e,„^^8 SoÄS'"'SlflnrS'Äle? Su&dt ->» nLii.-mVi.-nh-»- m-,<- ein -ft gft* Ä® Ä Ä W ÄÄ
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"ung^ seine musikalische Ausbildung zu vollenden. Im Gewandhaus diri- Frage, warum m Bayreuth einjunger^nochmcht dm gieren
alerte er in Gegenwart des Königs von Sachsen die beiden ersten Satze könne, antwortete er, dem „fehle die Brust für ^en großen eippar
ÄrSnMSt»“ Ä SÄ? S LLiI^ünkL ^ßal^M ^"Klharmonie nach Rotterdam und Karlsruhe sind genugsam bekannt. Bei seinem Abschieds- I Bülow der größte Erfolg als Dirigent beschießen.
konzert in der badischen Hauptstadt wirkten Klara S ch u m a n n und Die Zahl seiner Kompositionen ist gering, indessen offenbaren |M Stockhausen mit. In Gegenwart des Komponisten führte er I Klavierkonzert, fein Streichguartett, eine Kantate und mele ftimmung^ Brahms .Halleluja" auf. Devrient tat damals den Ausspruch, I »olle Lieder entschiedenes Talent. „Zu Kapellmeisterkompofitionen , psleg« erst Hermann Levi habe den Karlsruhern den wahren Geist unserer | er jn feiner Bescheidenheit zu sagen, „habe ich weder Zeit noch Neigung, musikalischen Meisterwerke erschlossen. I Wenige Jahre vor seinem Tode beschäftigte Levi die Herausgab!
1870 folgte Levi als Sanitätsmann dem deutschen Heer aus den ber Ggetheschen Novellen. Wir wechselten darüber eine Reihe von w Kriegsschauplatz. In Nancy half er das große Lazarett errichten, das . ßeDf nahm es sehr genau mit seiner Arbeit, dabei war er fein» deutsche und französische Verwundete aufnehmen sollte. Nach einer viel- I ' •€iaenfmniq, sondern wohlgemeinten Ratschlägen zugänglich. « wöchigen aufopfernden Tätigkeit kehrte er nach Deutschland zuruck. | schrieb ihm er möge eine Volksausgabe veranstalten, worauf er ew 1871 erging an Hermann Levi die Aufforderung, in München „Rhein- I eine Volksausgabe möchte ich erst dann bringen, wenn sich «» gold" und „Walküre" einzustudieren und zu dirigieren. Da bte ge- Vedürsnis hierzu herausgestellt hat. Einmal sind die Sachen Kaviar saf planten Aufführungen Richard Wagners Absichten zuwiderllesen, gab I . $'o(f unb bann baffe ich schlechtes Papier und engen Druck. Ich W
Levi einen ablehnenden Bescheid. Der Meister hat ihm diese Delikatesse | ben Verleger im Gegenteil um eine sehr gute Ausgabe, etwa m M Form der neuen Weimarer, ersucht und Thoma gebeten, mir ein Dl- bild zu zeichnen. Mit der Arbeit bilde ich mir ein, einem allgemein Bedürfnis entgegenzukommen, denn selbst gewiegte Goethe-Kenner wi oft nicht anzugeben, wo diese und jene Novelle steht, und» die Geschichten sind nicht nach Gebühr gekannt und geschätzt. Natürlich u»« auch einige kleine Aenderungen und Zusammenziehungen notig, id) aber selbst vor den Augen der Auguren des Goethe-Archivs mit Ehren bestehen." Das Buch ist 1900 unter dem Titel „Gesammelte Erzählung-» und Märchen von Goethe" bei Cotta erschienen.
An einem milden Herbstabend roars, daß Hermann Levi zumi leijW mal bei mir Einkehr hielt. Jch wußte, daß ein schweres Herzleiden Sehen bedrohte, und fand ihn sehr gealtert. Wir nahmen au uns Veranda Platz, den Blick dem Garten zugewandt, in dem noch Astern" Levkoien blühten. Schon begann das Laub sich rot zu färben, uno Wege waren mit welken Blättern bestreut. Ueber der Natur tag « schwermutvolle Stille. Mich befiel ein seltsames Bangen. Lem aber heiter und wohlgemut, es währte nicht lange, so hatte seine gute o meine trüben Gedanken verscheucht. Er dachte nicht an sein nahes und sprach von der Zukunft wie ein Mann, der in der glücklichen js ist, sich fein Geben nach seiner Neigung und seinem vollen -vey.^ gestalten zu können. Er hatte ein spätes Eheglück gefunden, hatte k » Partenkirchen ein Tuskukum gebaut. Wahrlich, ihm war's zu gvmien, - ihm die Parze noch einen langen Lebensfaden spann. Die die in ewigen Händen halten, hatten es anders beschlossen. Ms er 1V abschiedet hatte, blinkte mir etwas vom Boden entgegen. Ich »umi° nieder und sand einen Knopf, auf dem der Name eines bekannten chenek Kleiderkünstlers eingraviert war. Kein Zweifel, Herman


