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Verantwortlich: Dr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche UniversitätS-Vuch-. und Steindruckerei. Lange, Gießen.
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um Rat. Ein Kalb, das von Dasselfliegen arg zerstochen war, eine Kuh, die den Wampes hatte, behandelte er mit Erfolg. Ein Hauptspaß für die Dorfjugend war, als er des Bürgermeisters Dobermannpinscher, der auf den Hinterbeinen lahmte, in warmem Salzwasser baden ließ, wogegen der Patient sich aufs heftigste sträubte. Die Krankheitserscheinungen verschwanden, der Pinscher sprang wieder fröhlich umher. Der Ruf des jungen Viehdoktors verbreitete sich über das Dorf hinaus. Eines Tages sprach er zur Christine: „Der Tierarzt Hofmann in Mendorf möchte sich zur Ruhe setzen. Wenn ich fertig bin, gedenk ich seine Praxis zu übernehmen. Die Sache ist sicher. Du und ich, wir zwei sind von Leut. Ich bild mir ein, du bist die rechte Frau für mich. Willst du?" „Ja", antwortete sie mit pochender Brust, „ich will!" Sie betrachtete sich mit Fug als verlobt. Der Kritzlershermann ging, fein Studium zu beenden, nach München. Ein Jahr verstrich, bis er die Heimat wiedersah. Er hatte sich völlig verändert. Den Gedanken an die Landpraxis hatte er aufgegeben. Die große Stadt, behauptete er, bot ihm für seine Tätigkeit ein lohnenderes Feld. Er gedachte sich in München niederzulassen. Er war steif gegen die Christine wie ein Brett. Von Verspruch und Heirat war keine Rede mehr. Sie warf ihm seinen Wankelmut vor. Er sagte gelassen: „Ich will mich nicht besser machen, als ich bin. Ich tu, was ich tun muh! Er nahm seinen Wohnsitz in der bayrischen Hauptstadt und ließ nichts mehr von sich hören. Vergrämt und verbittert lebte sie hin. Sie mußte das Gespött der Kameradinnen ertragen. Immer hatte sie Funken im Hals, stritt sich mit Knechten und Mägden herum, auch mit dem Bauer. Der war nicht von Sanftheim und schrie: „Zanketsen, 's ist die höchste Zeit, daß du ein' Mann kriegst, der dir die Leber schleimt!" Weil sie partu aus dem Haus wollte, griff sie mit beiden Händen zu, als der Hannwilm Schüttler um sie freite, zumal sie in eine Familie heiratete, wo der Kessel über dem Herd hing. Der junge Neumüller — das merkte sie bald — war ein Hannebambel, der Gottes Wasser über Gottes Land laufen ließ. Begehrte er wirklich einmal auf, spürte man, es war kein Schrot dahinter. Die Schwiegereltern saßen im Auszugshäuschen und kümmerten sich um alles. Das reizte die Sohnsfrau auf. Sie fuhr wie der Sturmwind dazwischen und verstand es, sich in Respekt zu setzen. Der Bankrott des Vaters gab ihr eine heilsame Lehre, sie überwachte in der Mühle den Geschäftsbetrieb. Die Einnahmen dünkten sie zu gering, die Ausgaben zu groß. Wie war's beim Handel? Wer nicht zu rupfen verstand, der wurde gerupft. Was man kriegen konnte, muhte man nehmen. Sie machte sich ihren Plan und führte ihn durch. Sparsamkeit galt ihr als oberste Satzung. Wo Sparsamkeit waltete, wuchs der Speck an den Balken. Was eine wirtschaftliche Frau für ihn bedeutete, ging dem Neumnller nicht ein Er tat, wie wenn er beiseiiegeschoben fei, muckte und fing das Gerenn zur Wecklersanna an. Die Geburt des Bankerts jagte der Neumüllerm Schrecken ein. Der Hannwilm, ganz unter dem Einfluß feiner Fuppel, würde dem Bub ein Kapital verschreiben. Der Neumüllerin Sache war s, sich gegen den drohenden Verlust zu schützen. Der Krieg brach aus Von der Arbeit fort wurden die Männer zu den Waffen gerufen. Die Weibs- teute meinten sich die Augen rot. Nie Neumüllerin machte dem Hannwilm den Abschied nicht schwer. Aus dem Himmelsbrief, den ihm der alte Boller schenkte, stand: „Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Wer diesen Bries bei sich führt, wird nicht gefangen, noch durch des Feindes Geschah verletzt. So wahr als Christus gestorben und gen Himmel gefahren ist!" Der Neumüller mußte wohl an die geheimnisvoll wirkende Kraft des Schutzbriefs glauben, denn er trug ihn beständig im Feld auf der Brust. Mit dem Steckschuß war er heimgekehrt. Daß bei seiner Pflege nichts verabsäumt wurde, darauf achtete die Neumüllerin gewissenhaft. Der Sanitätsrat drückte sich ihr gegenüber nicht klar aus. Das war des Doktors Art. Seinen Worten nach konnte es mit dem Neumüller rasch zu Ende gehen, er konnte auch noch zehn Jahre leben. Der Hannwilm wollte mit seiner Frau Friede machen. Es war keine Heimduckserei von ihm, davon war sie überzeugt, doch wäre die Verföhnung, wie sie gesinnt war, Komödie gewesen. Wenn alle Stricke brachen, Komödie spielte sie nicht. Er hatte als Ehemann seine Scham und seine Ehre fortgeworfen, das verzieh sie ihm nimmermehr. Den Fall gesetzt, der Neumüller starb, behielt sie das Geschäft. Arbeiten mußte sie. Der Müßiggang würde sie aufzehren wie Rost das Eisen. Kinder waren ihr versagt. Man setzte sie in die Welt, meinte der Ohrlitz, und sie nssen einem die Knöpfe von den Kleidern. Man schaffte für sie, damit sie faulenzen konnten. Eltern, die auf den Dank der Kinder rechneten, waren geuzt. Der Ohrlitz sprach aus eigner Erfahrung. Er lag mit seinen Söhnen in Prozeß. Und doch machte die Kinderlosigkeit eine Frau auf die Lange leidmütig. Die Neumüllerin hatte das schmerzhaft erfahren. Nun hatte der Krieg die Helene Kampmann aus Bochum ins Haus geschneit. Ein herzengütden Mädchen. Und gar anhänglich. So was um sich zu haben tat wohl. Seit vielen Jahren gefchah's, daß sie ein geruhlich Stündchen mit der Helene Kampmann verlebte. Die war aus einem schrecklichen Elend ins Dorf gekommen. Der Vater hatte die Auszehrung, ging aber noch in die Fabrik. Die Mutier saß mit ihren Kindern in einem sticksigen Gekriech, wohin kein Sonnenstrahl fiel. Schrieb man an die Kampmanns ein Wort, gaben sie ihre Tochter her. Und die Helene blieb gern auf dem Land. Das sagte sie oft. Die Neumüllerin, der das Geschäft mit seinen Schlichen und Kniffen den krummen Weg bezeichnete, der das Geld an die Rippen gewachsen war, empfand, von einem neuen Gefühl bewegt, die Nähe des Stadtmädchens wie Mutterglück.
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Gen Norden, ein halbes Stündchen vom Dorf entfernt, lag als Gemeindebesitz der Nonnenwald, ein gemischter Bestand von Buchen und Fichten, hie und da waren Birken eingesprengt. Um die braunen und silbergrauen Stämme spielte in zitternden Lichtern das Sonnengold. In dem weiten Gehölz wehte trotz aller Frühe kein erfrischender Hauch. Aus dem Grund, auf dem Steinklee und Weiderich sproßten, stieg ein herber Geruch empor.
Arme Frauen mit ^erarbeiteten Händen waren dabei, Lesholz zu ] sammeln. Das ging jetzt schneller oonstatten wie vor dem Krieg. Fran- | zösische Gefangene, die im Wald das Gestrüpp aushieben, Bäume niederlegten und Schwellen fetzten, warfen manchen Knüppel beiseite. Die ; Sammlerinnen kamen nun nicht in Versuchung, Aeste und Jungwuchs zu brechen.
Nachdem sie ihr Holz gelesen und gebunden hatten, traten die Frauen zusammen, eh sie sich auf den Heimweg begaben, noch einen Schwatz zu halten.
„Mein Jung ist feit drei Jahren im Feld. Dem fcheppen Bender seiner ist reklamiert. Dadefür kommt der Feldwebel alle Sonntag und holt sich Butter und Eier."
„No und mein Mann? Den hab ich dasitzen mit seinem zerschossenen Bein. Sie geben ihm den Monat dreißig Mark. Und neben uns der Klos Selzer ist mit einem Streisschuß durchgewitscht. He spricht, he könnt den Arm net mehr recht bewegen. Und tut seine Arbeit, daß es nur so spellert. Und kriegt den Monat neunzig Mark. Das geht doch net mit rechten Dingen zu!"
„Wer gut schmiert, der gut fährt! Wann ich Geld in die Kipp stecken könnt, ich wollt schon desür sorgen, daß mein Mann heimkäm."
„’s gibt aber auch noch brave Menschen. Da ist der Hammelamm im Engelsgäßchen. Dem haben sie die Frucht beschlagnahmen wollen. Und da hat er gesagt: ,Jch schenk sie euch!' Und hat sich freiwillig ins Feld gemeld't!"
„Gest' hat mir mein Christian geschrieben, sein Wachtmeister hat sich umgebracht. Und er hat ein’ Bries hinterlassen. Da steht drin, er häit's net mehr mit ansehen können, wie von oben bis herunter gestohlen und betrogen wird."
„Wo ist dann etz einer, der net mit dem Aermel am Zuchthaus streift?"
„Ei du liebes Gottche, was soll das geben!
„Mein Christian hat noch mehr geschrieben. Sie lagen im Biwak und ’s tat vom Himmel trätschen. Und da nahm der Hauptmann den Leut die Zeltbahnen ab und baut babemit für seine Pferb' ein’ Stall. Unb da lagen bie armen Menschen bie ganz Nacht unb waren fabennaß und schlapperten vor Kält."
„Daß bie Soldaten kein' Schambitter haben unb sich so was gefallen lassen!"
„'s ist fürchterlich, aber man muß boch den Glauben haben, baß es roieber emal besser wirb."
„Und mer’s net glaubt, läßt's bleiben!"
„Wann man das all hört, wundert man sich, daß man noch net vom Verstand kommen ist." m . r
, Bei der Trommershäusern am Bach ist s schon so weit. Mein Heu- hipperche', spricht sie, ,ist net totgeschossen. Der ist schon als Bub auf die Bäum gestiegen. Der ist gewiß brauß von einem Baurn gestürzt!
„Uni’ Herrgott hat ben Krieg geschickt, etz soll er uns helfen."
„Der Krepanski, ber Schießbubenrnann, spricht: ,'s batt nix, baß um wider Sonn' und Himmel reden. Wir liegen an Ketten und müssen sie Zerreißend"
„Ich sag', ber Karren ist in ben Dreck gefahren und zieht ihn keiner mehr heraus!" .
„Wir müssen's ausfressen, was die andern eingebrockt haben.
„Man wird so lang kuranzt, bis einem die Gall überläuft!"
Im Dorf läutete es sieben. Die Frauen nahmen ihre Holzlasten und trugen sie auf dem Kopf mit gestrafftem Rücken heim.
5.
Sonntagmorgen. Der Heichemersjakob, ber ben Glöcknersdienst versah, hatte jetzt leichte Arbeit. Die alte, große Glocke mit ber langatmigen lateinischen Inschrift war, ohne bah man viel Aushebens bauon machte, zum Einschmelzen sortgeschasst worben. Die kleinere jüngeren Gusses war verblieben. Ihr hartes, bünnes Stimmchen rief zur Kirche, einem nüchternen Bau, ber zu ben heimeligen Fachwerkhäusern ringsum in schreienbem Gegensatz stand. Nur vierzig ober fünfzig Manner uns Frauen waren's, bie im Gotteshaus eine Stunbe stiller Sammlung luv ten. Der Pfarrer amtierte achtzehn Jahre im Dorf. Er führte von der Kanzel herunter eine beutliche Sprache gegen bie Gewinnsucht tm Krieg unb gegen ben Tanz ums golbene Kalb. In seinen Prebigten kehrte die Wenbungen roieber: „Der Krieg hat einen höheren Sinn. Uns ist auf erlegt, bürd) viele Demütigungen zu gehn. So wenig ein Kinb an sein« Eltern irre werben darf, wenn es von ihnen gezüchtigt wird, so wenig bürfen wir, bie wir von ber Kriegsfurie gegeißelt werben, an Gotte unendlicher Güte zweifeln!" Solche Worte fanben bei ber Mehrzahl ° Dörfler keinen Wiberhall. Was hatten sie getan, baß ber Herrgott V mit Zwangsgesetzen verfolgte? Sie gaben Geld für fromme Zwecke, uns ber Herrgott ließ es geschehen, baß ihre Angehörigen braunen tueoer gemetzelt würben. Sah man über bie Gemarkung hinaus, ging s anoei« nicht besser. Das war ein kleiner Trost. Aber boch ein schlechter W Derlei Lebensarten liefen um. Der Kirchenbefuch nahm sichtlich ab. ,
Von Feiertagsstille war wenig zu merken. Bis zum Miiiagbm herrschte auf ben Höfen und Felbern geschäftiges Treiben. |
Auch bie Wecklersanna, ber bie (Eulersfett in ihrem Häuschen oum Stube unb Kammer noch einen Waschraum überlassen hatte, wußte um Behagen des Sonntags nichts mehr. Die Arbeit begann ihr über ■o Kopf zu wachsen. Nicht nur, baß sie für bie Leute zu waschen uno s bügeln hatte, ihr lag noch ob, bie eingelieferten Stücke zu flicken. uns» stopfen. Jnbes ihre Nabel bem Faben ben Weg bahnte, flogen ihre vo banken in bie Mühle.
(Fortsetzung folgt.) ____


