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10.10.1930
 
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(Fortsetzung folgt.)

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sicher genüg auf dem Weg« nach Kairo. Ich dachte an dich, o Hali«« Du hattest mich als kleinen Jungen vor dem toten Mann gerettet. Nu« wollte ich au chetwas retten, ich wußte kaum was und wie. Aber bei Gott ist keine gute Tat verloren. Der Morgenwind machte mich ruhiger, und als ich nach zwei Stunden Schubra erreichte, wußte ich, was ich wollte ich auch etwas retten, ich wußte kaum was und wie. Aber bei Ich war wie ein Reiter des Allmächtigen, der mit der heimlichen Kunde durch das Land fliegt, daß die Hand des Allgerechten den König erschlage,, hatte."

Rames schwieg wie erschöpft. Halim rauchte lebhafter. Dann begn,,,, der Prinz, wie unwillkürlich, mit blitzenden Augen weiterzuerzählen.

Man rief mich in der Morgendämmerung. Ich hatte auf dem Dach des Hauses geschlafen und sah die Sonne aufgehen über der Abbasiyr und der nahen Wüste. Ich dachte, wie lange ich sie noch sehen werbt, denn die Nacht des Verhängnisses war in Schubra ohne ein Zeiche« vorübergegangen. Wir wußten nicht, wann das Schwert fallen und tuen es treffen sollte. Der Tag lag vor mir in blutroter Stille, als man mich rief. Ein Mann war im Garten. Ich fand Rames, von Staub und Schweif bedeckt, so daß ich ihn kaum erkannte. Er grüßte mich, wie er seine« Herrn zu grüßen gezwungen war, und sagte so leise, daß ich es kaum hören konnte: ,Gott ist gerecht! Dein Neffe liegt tot in seinem Bad zu Benha.' Glauben Sie, daß es meiner Seele einen Stoß gab, den ich noch nach Wochen spürte? Aber konnte ich dem Mamelucken trauen? War es eine List Abbas Paschas er war schlau wie ein Asse, um mich zu einem Wort, zu einem Schritt zu verleiten, der mich in seinen ertp* denen Dolch stürzen muhte? Ich sprach: ,Gott tut, was er will!' unb hieß Rames nach Benha zurückreiten, so schnell, als ihn El Doga« tragen könne. Man dürfe nicht wissen, daß ich die Kunde empfange« habe. Dann ging ich nach der Gabeleia, setzte mich unter eine Tamarish und überlegte.

Said Pascha sollte an diesem Morgen von Alexandrien abreisen, i« einer Stunde konnte er an Bord sein. Er war der rechtmäßige Nachfolge; Abbas Paschas. Hatte Rames nicht gelogen, so war bas Land ohne Herrn, wenn Said es verließ. Was Elfy Bey und seine Freunde in diesem Falle zu tun gewillt waren, war nicht schwer zu erraten. Dee kleine Jl Hanri ben Abbas war in Damiette, das war ein Glück. Ab» Elfy und der Ulema waren entschlossene, ehrgeizige Leute und zauderte« nicht, wenn die Gefahr ihnen an die Kehle griff. So weit kannte ich bk Herren, die mein Neffe um sich hatte.

Said muhte um jeden Preis aufgehalten werden und die Gewalt in die Hand nehmen, ehe es andre taten. Ein Telegramm hätte ihn erreich! Aber wie konnte ich es wagen, zu telegraphieren, was ich hoffte, was ich aber selbst nur halb glaubte? Doch es mußte [ein. Ehe ich den Schack« der Tamariske verließ, war meine Depesche geschrieben und auf b« Wege nach dem englischen Telegrapenbureau in Kairo. Dort war e- wenigstens sicher, abgesandt zu werden. ,Das Haus in Kairo, das t» suchst, ist leer. Die Tür steht offen. Tritt ein!' Das mußte er verstehe!« wenn er der Sohn seines Vaters war. Er verstand es.

Später erzählte er mir, daß er, eben im Begriff nach dem Hafen zi reiten, die Depesche noch am Tor des Palastes erhielt. Statt weilen zugehen, setzte er sich, wie ich, im Garten des Ras el Tin unter eint Tamariske und ließ den französischen Dampfer, auf dem für ihn und sein Gefolge Plätze gesichert waren, zum Hafen hinausfahren, und als der Rauch des Schiffes am Horizont verschwunden war, hatte er die Lagt der Dinge begriffen, schickte zum Gouverneur von Alexandrien, erbat sich dreißig Reiter und ritt noch am Abend über Damanur in der Richtung nach Kairo davon. Als er aber nach einem Ritt von hundertundzwanzig Kilometern in früher Morgenstunde durch Benha kam, hörte er, baß Abbas, der Vizekönig, am Abend zuvor mit Elfy Bey und dem Uletim abgereift sei, um nach der Abbasiye zurückzukehren. Die Effendis und Katibs der Stadt waren voll Rühmens, mit welchem Gepränge <5eint Hoheit diesmal gereift fei; er habe sogar die vergoldete ^Staatskuischt benutzt, die seit Mohammed Alis Zeiten hier gestanden habe. Said erschrck Wie konnte er sich das zusammenreimen? War das Telegramm eine Fallt? Hatte er es vielleicht doch mißverstanden? Er blieb mit feinen Reitern den Tag über in Benha, nachdem er den Telegraphisten der Bahn ins Schloß geladen und ohne Federlesens eingesperrt hatte. Hätte er gern» daß Sukki Bey, der Leibarzt, im gleichen Keller, in einem andern MA gefangen lag! Der eine sollte nichts von Abbas, der andre nichts w Said verraten können. So wartete er, bis es Nacht war, und dachte w Dann erst ritt er mit seinen Leuten weiter.

Auch in Schubra gab mir der Tag genug zu denken", fuhr Hall" fort, nachdem wir schweigend wieder ein Täßchen Kaffee geschlürft Ham" Nachmittags sandte der Schech von Kalinb, der mir ergeben war, ew> Läufer mit der Nachricht, der Vizekönig mit großen, Gefolge I* soeben von Benha und sei, wie man höre, auf dem Wege nach der W siye. Um fünf Uhr etwa muhte er auf der Straße nach Kairo du " Schubra kommen. So hatte mich also Rames belogen! Ein echter MU luck! .Schlangen sind sie alle', dachte ich bei mir und bereitete mich 03' den Vizekönig, wie es Sitte war, am Palasttor zu begrüßen, »enn nicht eintreten wollte. Ehe ich jedoch meine Staatskleidung angelegt W ' wurden mir zwei Mamelucken Abbas Paschas gemeldet, die dem M vorausgeritten waren. Sie hatten den Auftrag, mir zu sagen, daß « Hoheit, mein Nesse, mich grüßen lasse, aber nicht wünsche, g<lt03 werden. Er habe Elle, die Abbasiye noch bei guter Stunde zu errew' da er etwas unpäßlich sei. Ich lieh die Burschen zu mir bringen, eine war Rames. Diese Frechheit! Und während der andre seine Ao>|W.. ausrichtete, stand dieser mit gesenktem Kopf und geschlossenen a » hinter ihm. Dies war nicht natürlich. War es ein Zeichen? Was |o« bedeuten?

Fluche nicht, o Rames", mahnte Halim.Gott verdammt, tuen er will. Erzähle!"

Und schöne Pferde", fuhr der Tscherkesse fort.Nach wenigen Wochen wurden Hassan und Hussein Pfeifenträger und erste Kammerdiener. Es waren wortarme Leute, finster und still, wenn sie mit uns zusammen­saßen, still und geschäftig um den Pascha. Wir andern haßten sie. Sie schienen sich nicht darum zu kümmern. Es hieß, des Paschas Agent habe nach einem Probemonat für jeden hundert Börsen verlangt und erhalten und habe das Paar selbst geschenkt bekommen. Soll ich erzählen?"

Erzähle, was du gesehen hast", sagte Halim,nicht was man dir vorschwatzte!"

Nach kurzer Zeit waren die zwei in höchster Gunst. Es hieß, der Astrologe, der alte Soliman el Habeschi, habe für sie in den Sternen gelesen und dem Pascha seine Weisheit mitgeteilt. Seitdem wachten sie in feinen Vorzimmern bei Nacht und versuchten seine Speisen, ehe er ah. Er schenkte ihnen Pferde und goldgestickte Gewänder und Geld wie keinem von uns. Bei unfern fortwährenden Wanderungen von der Abba­siye nach Benha, von Benha nach dem Bahr el Beda und wieder zurück nach der Abbasiye hatten sie für alles zu sorgen, was er brauchte, und ihn bei guter Laune zu erhalten, wenn er nicht im Harim war. Das war keine kleine Aufgabe, aber es gelang ihnen, wie es noch niemand gelun­gen war. Wie wir andern schimpften!

Bis zum Feste en Nutz min Schaaban hatte man gewöhnlich in der Abbasiye gewohnt. Aber es wurde zu heih in der Wüste, und zu Benha, in dem neuen Schloß am Nil, waren herrliche Bäder eingerichtet. Der Pascha befahl, zwei Tage vor dem Fest, dorthin zu übersiedeln. Das Gefolge war nicht groß: der Kriegsminister Elfy Bey, der, seit man an den heimlichen Plänen arbeitete, ihn stets begleitete, der Ulema, welcher feine Gebete leitete, der Astrologe Soliman el Habeschi und ein Dutzend Mamelucken, das war alles. Wir hatten uns rasch in Benha eingerichtet, aber einen schlechten Tag gehabt. Der Chamsin wehte und trieb und blies die Sandwolken über den Nil, daß es im Palast nicht auszuhalten war. Abbas war wie ein gereiztes Tier, wenn der Chamsin wehte. Er war fett geworden, und die heiße Luft nahm ihm den Atem. Wir wagten kaum, ihm nahe zu kommen. Selbst nach Hassan hatte er mit einer ungeladenen Pistole geworfen und dabei einer marmornen Astarte aus Neapel den Kopf abgeschlagen. Der Mameluck mußte die Pistole aufheben und sie laden. Er war nicht weit von seinem letzten Augenblick, als er sie dem Vizekönig überreichte, der schweigend fortfuhr, damit zu spielen; doch Abbas war dem seinen näher. Der Astrolog hing den Kopf und sah traurig drein, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Sein langer Bart berührte fast den Boden, und auf feiner Stirn stand der Angstschweiß. Ich glaube, er wußte, was kommen mußte, obgleich man in jener Nacht keine Sterne sehen konnte. Die Lust war voll Staub.

Vierzehn Tage später sollte ein Rennen in Alexandrien abgehalten werden. Man sagte nachher, der Schluß dieses Festes wäre das Signal des großen Mordens geworden. Sechs Pferde aus dem Gestüt von Benha sollten mitlaufen, und in aller Morgenfrühe, nach der Nacht des Ver­hängnisses, solange es noch kühl war, sollten sie dem Pascha vorgeführt werden. So kams, daß ich schon zwei Stunden vor Sonnenaufgang im Marstall war, um nach den Tieren zu sehen, sie striegeln und abreiben zu lassen. Damals war El Dogan sieben Jahre alt und die Freude meiner Seele. Ich hatte ihn seit zwei Monaten nicht gesehen, so daß er vor Lust wieherte, als ich ihn begrüßte, ,9a, mein Dogan', sagte ich zu ihm, ,dn sollst mitlaufen und alle andern hinter dir lassen. So will ich dich ans Ziel bringen oder den Hals brechen.' Und wie er nickte, sehe ich über seinen Kopf weg nach der Stalltür. Da stand der Astrolog, ohne Turban, den Bari über der Schulter, und keuchte: ,Der Pascha! Der Pascha! Allah ist gerecht. Der Pascha liegt im Bad keinen Laut, Rames! der Pascha schwimmt in seinem Blut!'

Gott ist der Allverzeihende! Ein freudiger Schreck fuhr mir durch alle Glieder. Wie der Wind flog ich die Treppen hinauf ich kannte den Bau in allen Winkeln auf den Zehen. Es war noch tiefe Nacht; kaum dämmerte der Morgen in den Gängen. Im Vorsaal des Badezimmers brannte eine hängende Lampe, mit rotem Flor verhüllt. Die Purpur­teppiche vor der Tür hingen lose herab. Ich schlug sie auf. Wenn es mein Tod gewesen wäre, ich konnte es nicht lassen. Ein roter Lichtstreif fiel auf das Marmorbecken. Das Wasser war schwarzrot gestreift. Ein nackter Arm hing über den vorderen Rand der steinernen Schale; auf dem hinteren lag der Kopf: ein Auge auf der rechten Wange, der Mund bis an das linke Ohr geschlitzt, ein Stich im Hals. Das Gesicht war einer Teufelsmaske ähnlicher als einem Menschenantlitz, aber voller Leben. Der Schnitt machte, daß es zu lachen schien: eine fette, blutige Fratze. Alles ringsumher war todesstill. Ich sehe noch, wenn ich die Augen schließe, die bleiche Larve, die mich aus der Badewanne anstarrte, das Dunkel der reichgeschmückten Kammer mit ihrem Stalaktitendom, den roten Streifen Licht, der von außen in die schwüle Stille fiel. Er war tot, Allah sei gepriesen, fteintot; aber der Afrit wollte seine Wohnung noch nicht ver­lassen; der regte sich noch in ihm.

Da hörte ich ein Geräusch im Borsaal, leise Stimmen, die sich riefen. Ich wandte mich und flog die Treppen hinunter in meinen Statt. Ich wußte kaum, was ich tat, aber während ich El Dogan sattelte, kam mir die Ruhe wieder. Ich führte das Pferd durch die Hintertür des Marstalls ins Freie und am Zügel den Fußpfad am Nil entlang. Dort, am Ufer, faß ein kleines Männchen ohne Turban. Es war der Astrologe, zitternd wie Espenlaub.

Mas machst du hier, Soliman ben Aschraf?' fragte ich ihn.

,Weißt du es nicht?' fragte er. ,Sie haben Sukki Bey, den Leibarzt, eingesperrt und werden mich ermorden. Sie suchen mich, um mich zu töten. Alle, die wissen, daß er tot ist, müssen sterben. Es ist aus mit uns.'

,Mit mir noch lange nicht!' rief ich, schwang mich auf den Falken und ließ ihn laufen, laufen, wie er noch nie zuvor gelaufen war. Ich war