Augen waren weit aufgerissen und der schwarze Bart unterm toten- bleichen Gesicht roiiite wie eine verschobene Maske ... „Das ist Morü ... stammelte^e^„daSfEdenM^^^ mit einem Fallschirm aus drei
hundert Meter Höhe noch erschlagen... Sie sind fertig? Zum Fenster 11,10 Ae^sind^'wuhnsinnig, bestimmt wahnsinnig ... oh ..Ein kurzes 1 fieben der Pistole ließ ihn jäh verstummen. Wilms blickte aufmerksam m die Tiefe... weit vorne lag eine breite lichte Flache, hinter der riesige Hangars standen, weiter rechts wogten die Häuser einer Riesenstadt über dem leichten Nebel ... Vor den Hangras standen viele Menschen, die alle ! in die Höhe starrten... Etliche hatten ®[”[er... Mehrere waren uniformiert — in den blanken Knöpfen spiegelte sich das Licht A Sonne... Und jetzt begann das Flugzeug zu sinken. Der Boden der Kabine neigte
^Mit einem Sprung stand Wilms neben dem Fremden und faßte ihn mit riesiger Kraft. „Jetzt..." schrie er und hob ihn halb in die Hohe... , Hinaus mit Ihnen..." Ein kurzes wütendes Handgemenge : em schriller weher Schrei — dann sauste eine dunkle Gestalt in die Tiefe. Sie fiel im Bogen nach rückwärts und wurde immer kleiner... Und dann erschien plötzlich über ihr ein kleiner gelber Fleck und der schwarze Punkt begann 3U Me^Menschengruppe vor dem Hangar hatte sich aufgelöst und kleine Punkte liefen eilig über das Feld... Minuten später tippte das Flugzeug leicht auf den Boden, lief noch eine kurze Strecke, schwankte leicht wie ein müder Vogel und blieb dann stehen...
Ein Mann im grauen Ulster, mit einem dunklen Vollbart und großen glitzernden Brillen erschien am Fenster. Er gestikulierte nut beiden Han- den und schrie erregt und andauernd... erst als der Monteur die Tur aüfschloß, konnte man ihn verstehen... .
Mein Geld," heulte er, „mein Geld hat er genommen und meine Tasche.. Hören Sie? Mein Geld... Ich bin der Oberlehrer Lübecks und verbitte mir derartige Sachen..." Er hörte auch nicht auf zu schreien, als ihm ein Beamter freundlich über die Treppe half und ihm eine Stärkung reichte... Dann lieh man ihn achselzuckend stehen — was zum Kuckuck konnte man mit einem so aufgeregten Menschen anfangen?
Weit drüben, jenseits des Flugplatzes fand die Kriminalpolizei den verwirrten Oberlehrer Georg Lüdecke aus Potsdam. Er leugnete beharrlich, Gerald Wilms zu heißen und als sich jein dunkler Vollbart als echt erwies, ließ man ihn mit einer höflichen Entschuldigung seiner Wege gehen.. Später fand ein findiger Detektiv auf dem Geleise der Straßenbahn einen falschen schwarzen Bart und einige Briefe; aber den Bankdieb Gerald Wilms, der um drei Uhr früh desselben Tags die Bodenkreditbank avsgeraubt hatte, fand er nicht. Ihn und die hunderttausend Mark, die er mit sich führte, hatte die Großstadt verschluckt...
nicht viel Freude an mir, er sah mich böse an. Ich konnte mir gratulieren, daß ich ihm nur als Hotelgast und nicht als Gegner auf einem der verlorenen Schlachtfelder Sibiriens gegenüber stand. Der Gedanke daran machte mich noch fiebriger, ich ging auf mein Zimmer, das mich als eine kahle dumpfe Zelle umfing. Der Modergeruch, den unzählige europäische und chinesische Gäste in den Gardinen und den Teppichen zurückgelassen hatten, wollte durch kein Fensteraufsperren verschwinden. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, krank in einem Hotelbett zu hegen, das von Deutschland zehntausend Kilometer entfernt ist. Manchmal dachte ich, es wäre das Beste, in ein Hospital zu gehen. Aber gab es hier Hospitäler, in die man sich als verwöhnter Europäer hineintrauen konnte? Die grauen, roten und erdbraunen Farben des Zimmers verschoben sich gegeneinander, ich folgte mit dem Auge den Blumenkringeln der Tapete: die Linien entwischten mir immer nach einiger Zeit, obwohl ich sie mit aller Aufmerksamkeit zu halten suchte. Mit der linken Hand entdeckte ich einen Schellenknopf, ich drückte. Nach einiger Zeit horte ich Schritte, der Boy klopfte, ich rief herein.
„Bringen Sie mir bitte etwas zu lesen ..."
Der Mann sah mich starr und ungläubig an. Er kam mit dem Kursbuch und der Harbiner Zeitung zurück. Ich schob das Kursbuch zurück und begann, so gut das mein Zustand erlaubte, In der Zeitung zu lesen. Die erste fette Ueberschrist, die mir auffiel, hieß: „Brücke über den Sungari in höchster Gefahr, zusammenzustürzen. Zuge mutzen Schritt fahren."
Ich dachte natürlich sofort daran, mit welch auffälliger Langsamkeit wir die Brücke passiert hatten. Also das war der Grund. In den Pfeilern hatten sich, wie die Zeitung meldete, schon seit längerer Zett Risse bemerkbar gemacht. Die chinesischen Behörden wurden sofort unttr- richtet, aber es geschah nichts. Ich muhte lachen, als ich das las. W>e hatten die Leute auf die einfältige Idee kommen können, mit einer solchen Entdeckung die chinesischen Behörden zu beglücken ...? Diese Herren, die sich nun als die uneingeschränkten Machthaber der Stadt fühlten, taten erstens aus Prinzip nichts, weil das gegen den Grund ihrer Weltanschauung verstieß. Und bann dachten sie nicht daran, etwas zu unternehmen, weil die ostchinesische Bahn zur größeren Halste in den Händen der Russen war, die sie haßten.
Run passierte mir etwas Seltsames. Die Grenze zwischen dem Tisch, dem Stuhl und dem Fenster verschwamm, ich sah den Boy wieder in der Ecke stehen, schweigsam dienstbereit, aber doch mit einer gespannten Aus- ! merksamkeit, die etwas erwarten ließ. Ich fragte ihn, ob er etwas wünsche, aber er antwortete nicht, sondern lachte geheimnisvoll. Dann sagte er unaufgefordert:
„Ich will Ihnen etwas im Vertrauen sagen, die Brücke über den Sungari wird heute nacht zusammenbrechen
Aber warum denn um Gotteswillen ... das ist ja furchtbar .. .so viele Menschenleben in Gefahr ... man muß sie reparieren ... die Behörden ..." „Die Behörden, Herr, sind sich einig, daß die Brücke zu- sammenbrechen muß ... Politik, verstehen Sie ...? Er lachte laut.
Sie Situation wurde nun für mich immer schwieriger. Es war mir, als ob ich ein doppeltes Wesen wäre. Die eine Halste meines Sems sprach mit dem Hotelboy, die andere erlebte noch einmal genau das Gleiche, was gJtern gewesen war. Das Leben wurde einfach um einen Tag zurückgedreht, nicht eine Wendung, eine Farbe fehlte an dem Dasein wie ich es gestern gelebt hatte. Ich stand mit Fumagalli nn Korridor des Zuges, der nach dem Durchbrausen der Mfmdichurlschen Ebene bei der Sungaribrücke angelangt war und nun plötzlich Schritt vor Schritt ging. Während ich mit dem Boy sprach, hörte ich die Stimme 5U™2ai®alhS'. die Ursache ist eine Brücke ..." In einem italienisch gefärbtem Englisch.
Ich lebte zwei Möglichkeiten nebeneinander. Der Boy stand noch da er grinste, rückte mir näher, feine Art war von einer freundlichen Aufdringlichkeit, die der Europäer in diesen Ländern Untergebenen nicht gestattet. Fumagalli zeigte die gleiche angenommene Englanderruhe die sich wesentlich von seinem wirklichen süditalienischen Wesen unterschied. Ich war mir der erlebten Situationen fo bewußt, daß ich bieten Unten schied zwischen dem, was sein sollte und dem, was wirklich war, deutlich empfand. Dieser Fumagalli war wirklich ein merkwürdiger Kerl.
Es geschah nun Folgendes. Die Konturen des Hotelboys wurden schwächer, seine Stimme rückte in größere Fernen, bis sie ganz ver- chwand. Das Bewußtsein des Hotelzimmers wurde leichter, unbedeutender, verwob sich ganz mit der Gegenwart des Korridors, so als wenn ! das eine auf das andere gepaßt worden wäre. Fumagalli der Direktor I der italienischen Handelskammer aüs Schanghai stand vollkommen plastisch vor mir, ich konnte ihn greifen, ich sah die kleinen weißen Haarzipfel über feinen Ohren, so wie sie mir aufgefallen waren.
Aber bann traten mir in bie Nacht ein, von ber der Hotelboy gesprochen hatte. Es war nicht mehr gestern, es war heute. Der Zug hielt mit einem ängstlichen Ruck in der Mitte der Brücke, die russischen Schaffner liefen von ber Maschine her auf bem glitschigen Eisen neben bem Zug entlang. Wir rissen bie Fenster auf, fühlten einen eiftgeni SW- hauch, bann ein Brausen, bas näher und näher kam und uns schließ bonnernb umschloß. Ein hundertstimmiger Schrei erscholl; Fumagalli
I sagte scharf: „Die Brücke..."
Die Eisen brachen weg wie Streichhölzer, Stahlsplitter Pfiffen uns um die Ohren. Ich sah, wie bie Brücke in ber Mitte zusammenknickte m>o bie Stahlmassen bes Zuges sich in ber Tiefe häuften. Ich griff mit ! Hand nach unten, als hätte ich mich stützen können, das Bodenioie kreischte unter mir auf. . *
। Ich lag zehn Tage fiebernd im Hotelzimmer. Als ich.wieder geu : war, machte ich einen Spaziergang zur Sungaribrücke. Sie stand ycu l 1 der morgendlichen Sonne. Ein Zug fuhr unendlich langsam in die erj - I Stahlbogen hinein.
Brücke über dem Sungari.
Von Richard Huelfenbeck.
Ich stand mit Herrn Fumagalli, dem auf Engländer zurechtgestutzten Direktor der italienischen Handelskammer aus Schanghai, im Korridor bes Zuges, ber uns in schneller und anberthaldtägiger Fahrt von Man- dschuria gebracht hatte, als die Lichter einer großen Stadt sichtbar wurden. Wir merkten es zuerst nicht, aber dann fiel es auf: ber Zug, der eben noch in einer für chinesische Verhältnisse ungestümen Hast durch das Land gebraust war, ging Schritt. Er setzte, wenn man bei einer so wuchtig bewegten Eisenlast das sagen darf, Fuß vor Fuß.
„Aha ... die Ursache ist eine Brücke ..." Jagte Fumagalli. Der erste nebeltropfende Pfeiler ber großen Sungaribrücke schob sich ganz langsam heran, bas Gitterwerk ber Bogen und stählernen Querleisten schloß unseren Blick ein und gab ihn weiter, so bah wir jebe Setunbe auf einem anderen Aussichtsturm zu stehen schienen. Unten sahen wir die dumpf klatschende, brausende und murmelnde Wassermasse des Flusses, ber von seinen Ufern zurückschäumte und die hohen Pfeiler mit einer Wolke von Gischt umgab. In der Ferne war alles blauschwarz, aufgehellt nur hier und da von irisierenden schwankenden Lichtpunkten, die manchmal vollkommen verschwanden und erst nach einer Anzahl von | Sekunden wieder auftauchten. Aber dann, nach einer kleinen Biegung sah man nur zur Linken bas Lichtermeer ber Stadt ... tpir müssen uns um unser Gepäck kümmern ..." Der Zug ging immer noch Schritt, so langsam wie ich noch nie im Zuge gefahren zu sein glaubte. Die Eisenträger unter uns gaben einen metallenen knarrenden Ton von sich, man horchte auf — aber nun mischte sich ein schnellerer heller Ton hinein. Wir hatten den gewöhnlichen Schienenweg wieder erreicht. Die Halle bes Bahnhofs stoppte uns mit einem kreischenden Ruck.
Das Hotel Modern in Harbin ist eine Karawanserei mit einem Kino, einem großen stuckbeladenen Speisesaak und einem Foyer. Hier gibt es Sessel, in denen man sich ausruhen könnte, wäre nicht bas ewige Schrillen bes Telephons und bie erregende Vielheit ber fremben Sprachen, hinter benen man brein horchen mutz. Irgend etwas ist immer entzwei, diesmal ist es ber Fahrstuhl, von bem nur bas leere Gerüst bastelst. Der Manager bes Speisesaales ist ein beutschsprechenber Tscheche, offenbar ein Mann, ber früher ben tschechischen Legionen des Weltkrieges angehörte und nun hier einen Posten gefunden hat. Das Essen ist autzergewöhnlich gut, viel besser als die unpersönliche, mit Palmen- roebeln und bronzierten Spiegeln ausgestattete Modernität des Hauses. Dieser Zwiespalt wirkt hemmend und macht traurig. Während man ißt, glaubt man bie bumpfe Lust zu schlucken, bie aus ben primitiven un= gelüfteten Zimmern biefes Hotels strömt.
Ich hatte mir im Zuge eine Erkältung geholt, ich hatte elf Nächte ben Staub ber Ebenen Sibiriens und ber Manbschurei inhaliert unb mich auf den schwankenden Betten unter dünnen Decken gegen bas Herausgeworfenwerden gewehrt. Nun hatte ich's, ich fühlte, wie ich fieberte. Der tschechische Manager, besten rötliches Haar in einem merkwürdigen Gegensatz zu scharf blickenden blauen Augen stand, erlebte
U nicht trüge wiedc Geisti ftimn Male mälei bart soviel Jährt Anre; fter. : nobi Sc geht 16. J( uns Q schnitt arbeit, werde seiner Schult hervor gedach der S erfinbi rot. € ihnen beschäs bindet Frau primit die Vc des C bringt werde der ja an bet tiefe $ der V nen £ de re selbst befand stellun van d Meiste Meiste der S< Durfte ner, al aller Stamr Theatl erbte testen Erben Theat- stehen. Nische daß bi Teile, durch benutz! zeigt'i teranfl Leben ter n! Gewai Gewäi die M Mode aus b stücken


