Ausgabe 
9.5.1930
 
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Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt.Druck und Verlag: Vrühl'sch« UntversitätS-Buch- und Steindruckerei,'^l. Lange, Giebel

Und wer ist dieser merkwürdige Mensch?"

Er heißt Hermann."

Lisaweta Iwanowna sagte nichts, aber ihre Hände und Füße wurden Eis.

den Ton feiner Stimm« vernommen, noch nie von ihm gehört bis diesem Abend. Merkwürdiges Zusammentreffen! An diesem selben Abend beim Ball hatte Tomski er war auf die junge Fürstin Pauline *** böse, weil sie gegen ihre Gewohnheit heute nicht mit ihm kokettierte, und wollte sich damit rächen, daß er ihr seine Gleichgültigkeit zeigte ich sage, an diesem selben Abend hatte Tomski Lisaweta Iwanowna um einen Tanz gebeten und mit ihr dann eine endlos lange Mazurka getanzt. Wäh­rend der ganzen Zeit nun neckte er sie wegen ihrer Leidenschaft zu dem Ingenieur, indem er sie glauben machte, daß er viel mehr wisse, als sie ahnen könnte, und einige von seinen Anspielungen waren in der Tat so richtig angebracht, daß Lisaweta Iwanowna einigemal glaubte, ihr Ge­heimnis wäre ihin bekannt.

Woher wissen Sie das alles?" fragte sie ihn lachend.

Von einem Freunde dieser gewissen Person", antwortete Tomski, einem sehr merkwürdigen Menschen."

Dieser Hermann", fuhr Tomski fort,ist wahrhaftig eine Figur wie aus einem Roman: er hat das Profil Napoleons und die Seele des Mephistopheles. Ich glaube, auf feiner Seele liegen mindestens drei Ver­brechen. Wie Sie bleich geworden sind!"

Mir tut der Kopf weh ... Was sagte Ihnen Hermann ... oder wie Sie ihn nennen?"

Hermann ist sehr unzufrieden mit seinem Freund: er sagt, daß er an dessen Stelle ganz anders vorgegangen wäre ... Ich glaube, daß Hermann selber auf Sie Absichten hat: mindestens hörte er keineswegs gleichgültig die Ergüsse seines verliebten Freundes an."

Und wo hat er mich denn gesehen?"

Möglich in der Kirche oder beim Spazierenfahren. Gott weiß, viel- leicht in'Ihrem Zimmer, während Sie schliefen; von ihm ist ..."

Drei Damen kamen an sie heran und unterbrachen das Gespräch, das so qualvoll die Neugier von Lisaweta Iwanowna erregt hatte.

Die Dame, die von Tomski gewählt wurde, war die Fürstin *** selber. Es gelang ihr, indem sie zusammen einigemal auf- und abgingen, sich mit ihm auszusprechen, denn als Tomski an seinen Platz zurückkehrte, dachte er schon nicht mehr an Hermann und an Lisaweta Iwanowna. Sie versuchte das unterbrochene Gespräch fortzuführen, doch die Mazurka war zu Ende, und die alte Gräfin fuhr bald darauf weg.

Was Tomski gesagt hatte, war im Grunde nicht mehr als so ein Gespräch während einer Mazurka; aber es blieb tief in der Seele der jungen Träumerin haften. Das Porträt, das Tomski von ihm gezeichnet hatte, ähnelte dem, das sie sich von ihm gemacht hatte, und dank auch den neuesten Romanen erschreckte und fesselte es zugleich ihre Einbildungs­kraft. Sie faß da, die nackten Arme gekreuzt, deir mit Blumen geschmück­ten Kopf auf die Brust gesenkt ... Plötzlich ging die Tür auf, und Hermann trat ein ... Sie erbebte.

Wo waren Sie so lange?" fragte sie ihn mit erschrockenem Flüstern.

In, Schlafzimmer bei der alten Gräfin", antwortete Hermann. ,Jch komme eben von ihr. Die Gräfin ist tot."

Mein Gott! was sagen Sie?"

Und es scheint", fuhr Hermann fort,daß ich die Ursache ihres Todes bin!"

Lisaweta Iwanowna sah ihn an, und die Worte Tomskis wurden in ihrer Seele laut: Dieser Mensch hat mindestens drei Verbrechen auf der Seele. Hermann setzte sich ans Fenster neben sie und erzählte.

Lisaweta Iwanowna hörte ihm entsetzt zu. So waren also diese leiden­schaftlichen Briefe, diese flammenden Bitten, dieses sreche, unbeirrbare Nachsetzen alles das war nicht Liebe. Geld danach dürstete seine Seele. Aber sie konnte feinen Durst nicht löschen und ihn glücklich machen. Das arme Gefellschastsfräulein war ja nicht mehr als die Helfershelserin des Verbrechers, des Mörders ihrer alten Wohltäterin ... Bitter weinte sie jetzt in später, quälender Reue. Hermann sah sie schweigend an; mich sein iserz war schwer: aber nicht die Tränen des armen Mädchen, nicht die Schönheit ihres Schmerzes rührten die grausame Seele des I>mg- lings. Er empfand keine Gewissensbisse beim Gedanken an den To» der Greisin. Rur eines erschütterte ihn: der unwiederbringliche Verlust des Geheimnisses, von dem er Reichtum erwartet hatte.

Sie sind ein Ungeheuer", sagte endlich Lisaweta Iwanowna.

Ich wollte ja nicht ihren Tod", antwortete Hermann.Die Pistole war nicht geladen."

Beide schwiegen. e

Der Morgen war da. Lisaweta Iwanowna löschte die flackernde sw aus. Bleiches Licht erhellte ihr Zimmer. Sie rieb ihre verweinten Augen und hob sie zu Hermann: er saß am Fensterbrett, mit gefalteten Hanocn und düsterer Stirn. In dieser Haltung erinnerte er wunderbar an em Porträt von Napoleon. Diese Aehnlichkeit erschütterte Lisaweta Jwanown noch mehr. , ...

Wie wollen Sie aus dem Hause kommen?" sagte endlich Lqawem Iwanowna.Ich habe daran gedacht, Sie über die geheime Stiege z führen; aber bann muffen wir am Schlafzimmer vorbei, und davor fuw ich mich." , c,

Sagen Sie mir nur, wie ich diese geheime Treppe finde! Ja) ge? bann allein."

Lisaweta Iwanowna stand auf, nahm aus der Kommode einen Schlüssel, händigte ihn Hermann ein und gab ihm eine genaue Anweiim»- Hermann drückte ihre eiskalte, nicht widerstrebende Hand, küßte Lqaw Iwanowna auf die Stirn und verließ das Zimmer.

(Schluß folgt.) ___

treppe hinauf. In feinem Herzen fühlte er etwas wie Gewissensbisse, doch das ging gleich wieder vorbei. Er ward zu Stein.

Wie alte Leute im allgemeinen, litt die Gräfin an Schlaflosigkeit. Nachdem sie die Kleider abgelegt, setzte sie sich zum Fenster in den Lehn­sessel ä la Voltaire und entließ die Kammerjungsern. Diese nahmen die Kerzen mit. Das Zimmer war wiederum nur von der Lampe beim Heiligenschrein erleuchtet. Die Gräfin faß da, gelb im Gesicht, mit ihren herab hängenden Lippen bebend, sich nach links und rechts wiegend. In ihren trüben Augen spiegelte sich wieder das vollkommene Fehlen des Gedankens; wer sie fo sah, hätte meinen können, dieses Hin- und Her­wiegen des schrecklichen Weibes komme nicht aus befielt Willen, sondern sei die Wirkung eines verborgenen Mechanismus.

Plötzlich veränderte sich dieses Totengesicht. Die Lippen hörten auf zu beben; die Augen lebten auf; vor der Gräfin stand ein fremder Mann.

Haben Sie keine Angst, um Gottes willen, haben Sie keine Angst!" sprach er mit verhaltener und ruhiger Stimme.Ich will Ihnen nichts Böses antun; ich bin gekommen. Sie um eine Gnade anzuflehen."

Die Gräfin sah ihn schweigend an und verstand ihn, wie es schien, nicht. Hermann nahm an, daß sie taub fei, und wiederholte feine Worte, indem er sich dicht an ihr Ohr neigte. Die Gräfin schwieg weiter.

Es steht in Ihrer Macht, mir das Glück meines Lebens zu schaffen, und es wird Sie nichts kosten. Ich weiß, daß Sie drei Karten der Reihe nach erraten können."

Hermann hielt an sich. Die Gräfin, schien es, begriff, was man von ihr wollte. Es schien auch, daß sie nach den Worten suchte, um zu antworten.

Es war nur ein Spaß", sprach sie endlich.Ich schwöre cs Ihnen. Es war nur ein Spaß."

Da gibt es keinen Spaß", antwortete Hermann sehr ernst.Denken Sie an Tschaplitzki, dem sie geholfen haben zu gewinnen!"

Die Gräfin wurde sichtlich erregt. Ihre Gesichtszüge drückten heftige Gemütsbewegung aus; doch fiel sie gleich wieder in ihre frühere Ge­fühllosigkeit.

Können Sie mir", fuhr Hermann fort,die drei wahren Karten nennen?"

Die Gräfin schwieg. Hermann fuhr fort:

Für wen wollen Sie Ihr Geheimnis bewahren? Für Ihre Enkel? Die sind ohnedies reich; sie kennen auch nicht den Wert des Geldes. Ihre drei Karten helfen einem Berfchwender nichts. Wer fein väterliches Erbe nicht zu erhalten versteht, der stirbt als Bettler trotz aller möglichen Hilfe dämonischer Kräfte. Ich bin kein Berfchwender; ich kenne den Wert des Geldes. Ihre drei Karten werden für mich nicht verloren jein..."

Er hielt an und wartete zitternd auf ihre Antwort. Sie schwieg. Her­mann fiel auf die Knie.

Wenn jemals", rief er,Ihr Herz das Gefühl der Liebe gekannt hat, wenn Sie noch_ etwas von deren Entzückungen im Gedächtnis bewahrt haben, wenn Sie einmal gelächelt haben beim Schreien eines neuge­borenen Sohnes, wenn je ein menschliches Gefühl Ihr Herz in der Brust schlagen machte so flehe ich Sie bei den Gefühlen der Gattin an, der Geliebten, der Mutter, bei allem, was heilig ist im Leben, schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab, eröffnen Sie mir ihr Geheimnis! Was kann es Ihnen noch nützen? ... Es ist möglich, daß es mit einer furchtbaren Sünde verbunden ist, mit dem Verlust der ewigen Seligkeit, mit höl­lischer Strafe ... Denken Sie Sie sind alt, Sie können nicht mehr lange leben ich bin bereit, Ihre Sünde auf mich zu nehmen. Sagen Sie mir nur das Geheimnis! Denken Sie daran, daß das Glück eines Menschen in Ihren Händen ist; daß nicht nur ich, sondern auch meine Kinder, Enkel und Urenkel Ihr Andenken segnen und Sie zu den Heiligen zählen werden..."

Die Greisin antwortete mit keiner Silbe.

Hermann stand auf.

Sitte Hexe", sagte er mit jufammengebifienen Zähnen,ich werde dich zwiilgen zu reden."

Damit zog er eine Pistole aus der Tasche. Beim Anblick der Pistole aab die Gräfin zum zweitenmal das Zeichen eines heftigen Gefühls. Sie bewegte ihren Kopf und erhob die Hand, als ob sie sich vor dem Schuß schützen wollte ... Dann fiel sie zurück und blieb bewegungslos.

Seien Sie nicht kindisch", sagte Hermann, indem er ihre Hand nahm. ,Lch frage Sie zum letztenmal wollen Sie mir ihre drei Karten nennen? Ja oder nein?"

Die Gräfin antwortete nicht. Hermann sah, daß sie tot mar.

IV.

Lisaweta Iwanowna faß in ihrem Zimmer, noch im Ballkleid«, in tiefe Gedanken versunken. Zu Hause angekommen, schickte sie gleich das Mädchen fort, das, verschlafen, wie es war, ihr noch beim Ausziehen be­hilflich fein wollte, sagte, daß sie sich allein ausziehen wolle, und ging, am ganzen Körper zitternd, zu sich hinaus, in der Hoffnung, dort Her­mann zu finden, und doch wünschend, daß er nicht dort fein möchte. Mit dem ersten Blicke vergewisserte sie sich seiner Nichtanwefenheit und dankte dem Schicksal für das Hindernis, das das Rendezvous unmöglich gemacht hatte.

Sie fetzte sich angekleidet, wie sie war, nieder und begann in Ge­danken alle die Umstände durchzugehen, die sie in fo kurzer Zeit fo weit gebracht hatten. Es waren noch nicht drei Wochen vergangen, daß sie den jungen Menschen das erstemal vom Fenster aus gesehen hatte und schon war es ihm gelungen, von ihr eine nächtliche Zusammenkunft zu erlangen. Sie wußte feinen Namen nur darum, weil einige feiner Briese unterschrieben waren, sie hatte noch nie mit ihm gesprochen, noch nicht

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