weithin gerötete Himmel ritz die Zecher in Groß-Damerow von der Wirts- täfel fort. Sie stolperten zu ihrem Wagen, sie peitschten die Gaule heimwärts, das Unglück mutzte unübersehbar sein! Als man endlich naher kam, sah man, dah das ganze Dorf brannte — das ganze blühende ^^Was^nützten die Spritzen aus dem Bezirk? Das Getreide schwirrte glühend durch die Luft, bas Vieh lief in wahnsinniger Angst über die Felder. Da sahen die Bauern, dah nichts mehr zu retten war, und berechneten sich in stoischer Verfassung die Versicherungssummen. Doch der Kleinbauer und sein Weib taten das nicht. Er und sein Weib drangen in die furchtbare Brandstätte ihres Hauses. Da fanden sie auf der Treppe die tote Grohmutter, die sich so weit geschleppt hatte. Die Kinder sanden sie nicht. „ , . _ „ ,.
Fritz, Jost!" brüllte der Vater durch das Fenster hinaus.
Vie hörten ihn nicht die beiden Jungen. Sie tobten über das Feld hin, hinter der verängstigten Kuh her. Da sahen sie plötzlich, daß auch Lotka vor ihnen war. Floh sie vor ihrem Zorn oder wollte sie das Vieh retten? Lotka strauchelte. Sie fiel und konnte sich nicht sofort erheben. Die Brüder stutzten. Doch Fritz warf sich in plötzlicher Wut auf die Lehrers, tochter und griff nach ihrem Kopf und zog sie an ihren Zöpfen hoch, wahrend Jost mit taumelnden Gliedern der Kuh nachlief.----
Gesegnete Not.
Don Gustav Schüler.
Wenn du vor Vot kaum schreiten Und kaum noch sehen kannst: Dann find die großen Zeiten. Zeig' in den Dunkelheiten, Was du an Licht gewannst.
Wenn alles dir genommen, Was leis bas Leben schmückt. Bist du zu mir gekommen, Und tief in dir entglommen Ist, was dich weit entrückt.
Außerirdische Stationen.
Von Dr. Walter Lipps.
Schon für die nächste Zeit ist der Ausstieg der ersten Rakete geplant. Soll diese auch nur Höhenmessungen und der Erprobung neuer Fallschirme dienen, so ist damit doch der erste Schritt in einem technischen Gebiet getan, das uns wie vorher kein anderes die ungeheuersten Möglichkeiten und Umwälzungen für unsere Zukunft ahnen läßt. Gleichgültig, ob die Landung auf fremden Planeten jemals gelingt und die aufgewendete Mühe und die großen Kosten lohnt: es würde sich schon allein dann dieses Problem hundertfach bezahlt machen, wenn es möglich würde, mit einem bemannten Raumschiff die irdische Atmosphäre zu verlassen und nach beliebiger Zeit wieder glücklich auf der Erde zu landen. Prof. O b e r t h gehört zu den Erfindern, die immer die wirtschaftliche Seite ihrer Erfindung streng im Auge haben; und so hält er nicht damit zurück, uns die Möglichkeiten anzudeuten, die sich nach Verwirklichung seines Raumschiff- fahrtsprofekts eröffnen.
Eine Rakete, die von der Erde aufgestiegen und nach Verlassen der Atmosphäre in einer Höhe von vielleicht 1000 Kilometern in ihrer Fahrtrichtung parallel zur Erdoberfläche gestellt ist, wird, nachdem sie eine Geschwindigkeit von 8000 Metern pro Sekunde erreicht hat, keines weiteren Kraftaufwandes zur gleich schnellen Weiterbewegung mehr bedürfen. Sie wird, dem Gravitationsgesetz entsprechend, wie ein kleiner Mond ständig um die Erde kreisen, ohne daß ihr irgendwelche Energie zugeführt werden muß. Damit stellt sie also eine kleine außerirdische Station dar, die infolge ihrer Lage und der dort herrschenden gänzlich anderen physikalischen und chemischen Bedingungen bestimmt weitgehende Schutzmaßnahmen für die Besatzung erfordert, anderseits aber in denkbar bester Weise nicht nur für die Beobachtung, sondern auch für die Regulierung der irdischen Vorgänge geeignet ist. .
Mit einem „Taucheranzug", der die zum Atmen nötige Luft unter entsprechendem Druck enthält, kann der Mensch aus dem Schiff in das Weltall treten und wird trotz der ungeheuren Geschwindigkeit, mit der das Fahrzeug dahingleitet, sich nicht von ihm entfernen, da auch er mit der gleichen Schnelle um die Erde gravitiert und keine Atmosphäre ihm hierbei Widerstand bietet oder auch nur das Gefühl einer Bewegung aufkommen läßt. Er wird, mit einer kleinen Rückstoßpistol« bewaffnet, Ausflüge unternehmen und wieder zum Schiff zurückkehren können und nach Belieben auch kleine Nebenstationen in gewünschter, sich dann immer gleichbleibender Entfernung vom Mutterschiff erreichen können. Bei all diesen Baulichkeiten bzw. Apparaten, di« aufgestellt werden, gilt kein Gesetz irdischer Stabilität; sie sind dem Gesetz der Schwere nicht unterworfen und können deshalb in den ungeheuersten Dimensionen und den beliebigsten Formen ausgeführt werden.
Eines der einschneidendsten Projekte dieser Art ist die Errichtung eines riesigen Spiegels mit einem Durchmesser von vielleicht 100 Kilometern, der mit der Beobachtungsstation um die Erde kreist. Um nicht für immer an eine bestimmte Bahn gebunden zu sein, kann dieser mit der Station fest verbunden werden, wodurch die Möglichkeit besteht, mit der Bahn des Schiffes auch die des Spiegels zu verlegen, indem man durch Abbrennen entsprechend schwacher Raketen eine relative Bewegung nach der gewünschten Stelle aussührt.
Die für den Bau des Spiegels notwendigen Stoffe müssen mit Der- bindungsschifsen von der Erd« zur Station gebracht werden, und auch die Ablösung der Mannschaften könnte auf diesem Wege erfolgen. Für die
Herstellung eines solchen Spiegels schlägt Professor Oberth Natrium als das geeignetste Material vor. Dieses Leichtmetall ist unter irdischen Verhältnissen weich und muß wegen seiner starken Oxydierbarkeit unter Luftabschluß aufbewahrt werden. Bei der außerhalb der Atmosphäre herrschenden Temperatur ist es aber stahlhart, und infolge Fehlens des Sauerstoffes kann auch keine Oxydierung mehr erfolgen.
Die Fläche des Spiegels kann natürlich nicht aus einem Stück gemacht werden. Am einfachsten wird ein riesiges Netz, ebenfalls aus Natriumdrähten, hergestellt und dann nach Fertigstellung durch Rotation um [eine Achse, also mit Hilfe der Zentrifugalkraft, im Aether ausgespannt. In jedes der Felder kann dann ein Spiegel aus dünngewalztem Blech eingesetzt werden; und dieses Einsetzen wird so bewerkstelligt, daß jeder der Teilspiegel beweglich bleibt und durch eine Zentral« in der Beobachtungsstation in seiner Stellung verändert werden kann.
Die Kosten eines solchen Spiegels mit einem Durchmesser von 100 Kilometern sind auf 3 Milliarden Mark geschätzt, die Bauzeit bei «in- wöchentlichem Verbindungsverkehr mit der Erde aus zirka 15 Jahre. Sind das auch selbst für unsere heutigen Begriffe enorme Summen, so ist der Wert der Leistungen eines solchen Spiegels doch noch viel gewaltiger. Wir sind damit in die Lage gesetzt. Taten zu vollbringen, deren Ausmaß so gigantisch ist, daß menschliche Phantasie kaum ausreicht, sie zu begreifen. Ein solcher Spiegel, im Winkel von 45 Grad zur Sonne gestellt, der in einer Ebene senkrecht zur Erdbahn und vielleicht gerade an der Grenze von Tages- und Nachtseite um die Erde gravitiert, würde für die Erdbewohner eine zweite kleine Sonne bedeuten. Dies« würde nicht nur za anderen Zeiten durch den Himmelsraum schweben und ihre von der Muttersonne empfangenen Strahlen auf die Erd« reflektieren, sondern auch die Intensität der Strahlung könnte um ein Vielfaches der Sonnenstrahlen dadurch gesteigert werden, daß sie durch entsprechende Stellung der Teilspi«g«l auf ein relativ kleines Feld konzentriert wird, lieber Gegenden, die sonst nur kümmerlich mit Licht und Leben spendender Wärme bedacht werden, kann diese Sonne in senkrechter Bahn kreisen und so eine vollständige Veränderung der irdischen Lebensbedingungen schaffen. Ihre Bahn ist nicht für alle Zeiten festgelegt, sondern kann durch vorübergehende Inbetriebsetzung der „Motoren" der Beobachtungsstation verlegt werden, und ihre Strahlung kann schließlich ganz abgestell! werden, indem man sie durch Drehung der Spiegel in das Weltall ablenkt.
Die Wirkungen eines solchen Spiegelapparates auf den Ablauf des irdischen Lebens wären von entscheidender Bedeutung. Da ist an erster Stelle an die Aufschließung unendlichen neuen Landes für die menschliche Besiedlung zu denken. Haben wir doch mit so einem Spiegel nichts Geringeres in die Hand bekommen, als die Möglichkeit, für ein bestimmtes Gebiet das Klima selbst zu bestimmen, die Durchschnittstemperatur um ein bedeutendes zu steigern, durch wechselnde Bestrahlungen die Richtung des Windes zu ändern oder beliebige Luftströmungen zu erzeugen, Gewitterbildungen zu verhindern oder Regen in Wüstengegenden, so ost wir wollen, bervorzurfen und sie dadurch in fruchtbares Land zu verwandeln. Mit anderen Worten: es erfüllt sich endlich der Traum, der schon lange die Gedanken der Menschen beschäftigt: wir sind Herr über das Wetter geworden Und nicht nur über das Wetter, sondern in gewissem Sinne auch über Tag und Nacht. Wir haben da noch eine kleine Reserve-Sonne, die wir aufgehen lassen können, wenn die große Sonne am Horizont verschwindet. Und warum sollen wir uns das nicht für die Beleuchtung einer großen Stadt nutzbar machen, wenigstens zur Verlängerung der kurzen Wintertage oder in den ersten Stunden der Nacht. Es genügt ein optisches oder elektrisches Signal zur Beobachtungsstation im Weltenraum, um di« Abdrehung der Spiegel zu veranlassen, die die Stadt wieder in das Dunkel der Nacht versinken läßt.
Wir haben in Aegypten Sonnenkraftmaschinen stehen, in denen die Wärme der Sonnenstrahlen durch Spiegel auf kleine Flächen konzentriert und dort zur Heizung von Dampfkesseln verwendet wird. Welch ungeheures Energiewerk sind wir zu errichten in der Lage, wo wir nur immer wollen, wenn wir durch ein paar unserer Teilspiegel die Kraft der Sonne
nach dort konzentrieren. . ..
Und wer will schließlich noch Krieg führen gegen eine Macht, W imstande ist, die Wärmestrahlen der Sonne aufs Hundertfache zu m stärken und die mit diesem gewaltigen Brennspiegel die Erde bedrG Da sind im Zeitraum von Minuten Städte in Brand gelegt, Munitionsfabriken gesprengt, marschierende Heere vernichtet, und es gibt ton« Schutz gegen diese Waffe, die in 1000 Kilometer Höhe über der W schwebt. Die Nation, die als erste einen solchen Spiegel zur AusstelM bringt, ist Herr der Erde; und niemand wird es wagen, ihr diese v“ schäft streitig zu machen.
Es kommt noch dazu, daß eine solche Station nicht nur wegen ihre Lage, sondern gerade auch wegen der dort herrschenden phym°ui°t Bedingungen zu einer Beobachtung der Erde und aller anderen ) melskörper besonders geeignet ist. Ist man doch dort, wo keine " tätsschwierigkeiten bestehen, zur Aufstellung beliebig großer Fern", in der Lag«. Und während man bei irdischen Fernrohren eine W « fache Vergrößerung nicht überschreiten kann, weil durch die LiW streuung der Atmosphäre und die als Flimmern bekannte Erschein s das Bild sonst unscharf wird, sind außerhalb der Atmosphäre keine M zen gesetzt. Man kann dort ohne weiteres ein Spiegelteleskop nermei das eine vielleicht 1000 000fache Vergrößerung zeigt und das Dienste der irdischen Luft- und Wasserschiffahrt, bet der Leitung von ditionen, mit denen die Station in drahtloser Verbindung steht, vielem anderen von großem Nutzen sein wird. der
Die letzten Jahrzehnte haben vor allem auf technischem ® 1 Menschheit ungeheure Fortschritt« gebracht; und wir haben sau ™ {j|I, druck, als ob die nächsten Jahre hierin ein noch rascheres ^en n schlagen wollten. Aber vielleicht kommt auch einmal di« Zeu, w» .„. Interessen des menschlichen Daseins im Mittelpunkt der Gedanken! und wir wollen hoffen, daß es auch dann ein Siegeszug jem wi , mit gleichem Schwung von Erfolg zu Erfolg führt.


