Ausgabe 
8.8.1930
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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Freitag, den 8. August

Nummer 61

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Hochsommernacht.

Von Wilhelm Weigand.

Hochsommernacht, Hvchsvmmernachtl Sv plötzlich bin ich aufgewacht... Was hat mich leise angeweht? Ein Atem kommt, ein Atem geht.

Wie flüssig Gold der Springbrunn fällt, in tiefstem Frieden liegt die Welt und breit erqutllt des Mondes Licht... Was webt um mich wie ein Gesicht?

Was schwindet dort? Was kommt und geht? Don fremdem Hauch bin ich umweht, gebannt von unnennbarer Macht--

Hochsvmmernacht, Hochsommernacht!

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Mit dem Feuer spielen...

Aovelle von Georg Hirschfeld.

Die beiden Jungen des Klein-Bauern waren mit der Lehrerstochter allein. In Groh-Damerow wurde die neue Kirche geweiht da waren die Ktein-Damerower alle hinausgezogen, um bas gute Bier und das Fest­essen nicht zu versäumen. Aur die Alten und ein paar Gleichgültige vom Gesinde, die sich einmal ausschlasen wollten, waren zurückgeblieben. 2n dem Häuschen des Kleinbauern aber saßen nur die drei Kinder.

Lotka, die neunjährige Lehrerstochter, hatte eine seltsame Art, die beiden Jungen anzusehen. Sie glich ihrem Vater, ihre braunen polnischen Augen brannten sich ein, und sie lachte plötzlich ohne Ursache mit ihren kleinen Zähnen.

Fritz und Jost, die schmalen Blondköpfe fahen ihr dann verblüfft und etwas mißtrauisch ins Gesicht da lachte Lotka nur noch stärker.

Warum seid ihr eigentlich nicht mitgefahren nach Groh-Damerow? Weil ihr mit mir zusammen sein wollt?"

»Und warum bist du nicht mitgefahren?" fragte Fritz.

»Weil ich lieber mit euch allein bin!"

Die Jungen schwiegen und sahen sich nicht an.

Lotka hatte sich einen Apfel geholt, obwohl es verboten war. Aun sah sie vor ihren Freunden und lieh den roten Ball immer aus einer Hand in die andere gleiten.

Die blauen Augen der Klein-Bauern-Söhne folgten dem flinken Spiel.

»Ich möchte eigentlich wiffen, wer klüger von euch ist; oder seid ihr beide dumm?"

Das können wir dir nicht sagen", meinte Jost mit schwerfälligem Lächeln.

»Du hältst dich wohl für sehr klug?" fragte Fritz gereizt.

»Ich glaube Jost ist viel gescheiter!"

Jetzt warf Fritz seinem jüngeren Bruder einen schnellen Blick zu. Das gute Kindergesicht Josts wurde dunkelrot, aber es hatte einen Ausdruck, als ob er Fritz um Verzeihung bäte. Immerhin, er gab das Lob von Lotka nicht um seine Abendsuppe her.

Jost hat auch mehr Mut als du! Weiht du das, Fritz?"

Mit diesen Worten warf Lotka den Apfel in die Höhe und sing ihn geschickt wieder auf. Beide Brüder waren zusammengefahren und starrten sich an, als ob sie sich zum erstenmal fähen.

»Unsinn", flüsterte Jost,Fritz ist viel stärker als ich."

»Darauf kommt es nicht an."

»Aätz kann fchon melken."

»Eure eine Kuh!"

»Mir haben zwei."

«Ar seid armselige Leute!"

»Aist du etwa eine reiche Bauerntochter? Dein Vater säuft und man pr nicht mehr lange Lehrer fein kann."

... »Mein Vater! Der ist euch allen über! Der spielt Geige - das tst kinri®ll8t^eimann5 Der hat Bücher - davon versteht euer Vater funkelte in Fritzens sonst so stillen Augen!Du bist eine Polnische!" .Und du kannst betteln! Du wirst an untere Tür klopfen, wenn ihr Mausgeworfen werdet! Es heiht ja, euer Haus ist so verschuldet, daß euch kein Stein mehr gehört!"

» -Und deine Mutter?" schrie Fritz.Die sitzt in einem ganz anderen Es! Die hat ja gestohlen in der Stadt!"

Sn» ? 'prang auf. Schon wollte sie den Apfel Fritz ins Gesicht schleudern- b aber besann sie sich, lachte und steckte plötzlich dem verblüfften Jost 6 Aucht in die Hand.

"äu gefällst mir. Fritz ist häßlich!"

Wieder sahen die Brüder sich an.

Gib den Apfel her", tagte Fritz,der gehört mir. Ich kriege einen zur Abendsuppe."

Josts Augen wurden groß und starr:Lotka hat ihn mir gegeben."

Die hat ihn genommen. Die stiehlt wie ihre Mutter."

Pfui! Das tollst du nicht sagen."

Soll ich nicht?"

Jetzt waren sie aneinander. Doch Lotka warf sich dazwischen. Kratzend und beißend trennte sie die Brüder. Wit glühender Miene rief sie:Laßt das! Wenn ihr euch prügelt, lauf ich davon! Dann seid ihr ganz allein!"

Das wirkte. Zerzaust und mit blutigen Schrammen standen Fritz und Jost sich gegenüber. Es war ihr erster Kampf gewesen. Scham und Wut standen auf ihren bleichen Zügen. So blickten sie auf das kleine Mädchen, das ihren Bruderbund gesprengt hatte.

Setzt euch!" befahl Lotka.

Sie gehorchten. Ihr Jungenstvlz war zum ersten Male gebrochen.

Die Augen des Mädchens irrten schimmernd von einem zum anderen: Wir wollen etwas spielen! Liebel Kennt ihr das?"

Als Fritz und Jost gleichzeitig .Nein' antworteten, lachte Lotka ganz toll auf.

Das glaube ich! Ihr seid ja beide so dumm!"

Sie saßen wie gelähmt und starrten Lotka an. Sah sie nicht plötzlich wie ihre Mutter aus?

Also ihr leid langweilig. Wir muffen etwas spielen, sonst laufe ich euch davon!"

Aur nicht weglaufen!" Jost faltete die Hände bei dieser Bitte-

Fritz runzelte die Stirn und blickte wie gebannt auf Lotka.

Feuer spielen! Das ist schön."

Singend klang es von Lotkas Lippen. Es glänzte schon wie ein feuriger Widerschein in ihren Augen.

Das dürfen wir nicht. Das ist streng verboten."

Warum?"

Weil es gefährlich ist. Das ganze Haus kann abbrennen."

Ihr feid doch versichert."

Davon weih ich nichts. Aber nebenan sind Reimanns Scheunen. Da liegt das Stroh bis ins Dach gepackt."

Wenn das mal brennte! Denkt doch wie schön!"

Das Schulhaus ist weit weg. Euch schadet es nichts."

Wir müffen Feuer spielen. Wenn ihr das nicht tut, seid ihr beide feige."

Vater und Mutter haben extra noch einmal vom Wagen herunter­gerufen, als sie abfuhren

Unsinn! wir nehmen uns ja in Acht!"

Oben fchläft Großmutter!"

Die hat nichts anderes mehr zu tun! Jetzt nehmen wir die alte Kiste - da ist Papier und Lumpen drin - hier ist der Eimer und die Gießkanne, damit wir gleich löschen können - und wer holt Feuerzeug? Will doch mal sehen wer Wut hat! Der erste, der Feuerzeug holt, kriegt einen Kuß von mir."

Sie lachte gellend, als Fritz und Jost zugleich liefen und sich um die Zündholzschachtel balgten. Aun kam ein wilder, rätselhafter Eifer über die drei. Mit Jauchzen wurde alles überstürzt. Plötzlich flieg eine lange rote Flamme aus der Kiste empor.

Bravo! Bravo! schrie Lotka.

Was tust du? Dein Zopf brennt!"

Macht nichts!"

Sie wühlte in dem feurigen Kram. Schon flatterten brennende Fetzen in der Stube umher.

Aun löschen, löschen!" rief Lotka jubelnd und doch ängstlich.

Sie schleppten Waffer, sie goffen, doch die Stube war von beißendem Qualm erfüllt, und als sie vom Brunnen zurückkamen brannten die Gardinen.

Jesus, das Muttergottesbild!"

Wie grauenhaft! Das brannte zuerst. Ein großer Zorn schien aus den Augen der Maria zu leuchten. Die Kinder verloren den Kopf. Fritz riß an den brennenden Gardinen, Jost warf sich, wie er war, auf die furcht- bare Kiste. Lotka aber stieß ein Fenster auf und schrie, halb lachend noch, tote sie im Spiel geschrien:LöschenI Löschen!"

Aus dem Dachfenster zeterte und wimmerte die Großmutter. Sie war gelähmt und fah sich verloren. Wer holte sie? Trotzdem fchrie sie:Dta Kuh die Kuh!" Doch auch die Kuh holte niemand. Erst als das Dach in Flammen stand und die Funken in Reimanns Scheune flogen, regte es sich im Dors. Heiser bellte die Kirchturmglocke. Verstörte Gestalten mit Wasserlübeln und Leitern liefen - sinnlofe Rettungsversuche. Die Knechte, die nicht in Groh-Darnerow waren, bemühten sich um die Feuerspritze. Aber man wußte es seit dem Sommer - sie ging nicht mehr.

Dazu der Herbststurm, der von den Stoppelfeldern herüberfegte! Schauer­liche Lust am Zerstören, ein Strafgericht- Man betete, man läutete, und der