Ausgabe 
7.7.1930
 
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Und so machten sie mit der Wärme ihrer Klagen den Schnee schmelzen, der ohne Matz niederfiel, während sie ihn in einer Sänfte nach Mantua ins Haus des Herrn Luigi Gonzaga trugen. Dort besuchte ihn am selben Albend noch der Herzog von Urbino. Sobald er ihn sah, zeigte er sich getröstet, und der Herzog sagte auf seine schlichte Art:Es darf Euch nicht genügen, soldatischen Ruhm geerntet zu haben, wenn Öhr Euren Ramen jetzt nicht mit Hilfe der Religion erheben wollt!" Er aber verstand, datz diese Worte ihn auf d:e Deichte Hinweisen wollten, und sagte:Ich habe in allen Dingen meine Pflicht getan und werde sie, wenn es not tut, auch in diesem Punkte tun!" Als der Herzog gegangen war, begann er mit mir zu sprechen und verlangte inbrünstig nach seinem Liebling, dem Hauptmann Lucantonio.Wir werden nach ihm schicken", sagte ich, aber er erwiderte:Willst Du, daß so ein Mann die Schlacht ver­läßt, um Kranke zu besuchen?" Dann gedachte er des Grafen von Hansecvndo und sprach:Wäre er doch wenigstens hier, um an meine Stelle zu treten!" Ein paarmal kratzte er sich den Kopf: dann zeigte fein Gesicht den Ausdruck der Ratlosigkeit, er hielt die Finger nn Munde und sagte vor sich hin:Was wird nun?" And oft wiederholte er:Ich habe nie jemanden traurig gemacht!" Ich sprach mit den Aerzten. Dann ging ich zu ihm und sagte:Ich mühte Euren starken Geist unterschätzen, wenn ich Euch jetzt mit malerischen Worten davon überzeugen wollte, daß der Tod der Er- loser vom Schmerz sei und leichter zu bestehen als unsere Angst vor ihm! Aber weil es das höchste Glück ist, alles aus freiem Willen zu tun, so laßt Euch jetzt das zerschmetterte Bein amputieren, und in acht Tagen könnt Öhr Italien, das heute noch eine Sklavin ist, zur Königin machen! ilnb die Lahmheit, die Euch bleiben wird, wird Euch höher auszeichnen, als alle königlichen Orden, die Öhr niemals anlegen wolltet, weil nur Wunden und verstümmelte Glied­maßen Schmuck und Ehrenzeichen wirklicher Soldaten sind!" Macht's gleich," antwortete er. Da traten die Aerzte ein und lobten seinen starken Entschluß und fetzten die Operation auf den Abend an, dann gaben sie ihm eine Medizin ein und begannen ihre Instruments vorzubereiten, ihn die Stunde des Abendessens mutzte er sich heftig erbrechen, dann sagte er zu mir:Der Kaiser hat wahrhaftig Glück: ich muh jetzt auf anderes bedacht sein als auf die Dinge des Lebens 1 Nach diesem Wort faltete er die Hände und gelobte zu beichten. Ws zur festgesetzten Stunde die Aerzte in Bereitschaft eintraten, sagten sie, daß ihn während der Operation acht bis zehn Männer würden festhalten müssen! Er sagte lächelnd:Auch zwanzig würden mich nicht halten könnenI" Dann streckte er sich mit ruhigem Gesicht aus und nahm die Kerze in die Hand, um über sich selber zu leuchten. Öch rannte davon und hielt mir die Ohren zu. Ich hörte, wie er zweimal aufschrie. Dann wurde ich zu ihm gerufen. Ich bin geheilt," sagte er, wandte sich Nach rechts und nach links und tat sehr heiter. Dann ließ er sich den abgenommenen Schenkel mit dem Fuß heranbringen und lachte uns aus, die wir nicht einmal den Anblick von dem ertragen konnten, was er selber soeben erlitten hatte. Schließlich aber kehrte der Schmerz, der ihm durch die Medizin verringert worden war, zwei Stunden vor Tages­anbruch mit aller Wucht zurück; ich hörte ihn eilig an die Zimmer­wand klopfen, fühlte mein Herz durchbohrt und eilte halb bekleidet zu ihm. Da sagte er, daß der Schmerz ihn weniger ärgere als der Gedanke an die Faulenzer und so schwatzte er mit mir, um an sein Anglück nicht zu denken und um seine Lebensgeister zu stärken, die schon vom Hinterhalt des Todes umgeben waren. Als der Morgen anbrach, hatte sein Zustand sich so sehr verschlimmert, daß er nun fein Testament machte. Für Menschen, die ihm gedient hatten, setzte er viele tausend Dukaten in bar und in Gegenständen aus und bestimmte nur vier Goldstücke für sein Begräbnis! Den Herzog von Urbino ernannte er zum Testamentsvollstrecker. Dann beichtete er und sagte beim Anblick des Priesters:Vater, da ich Berufssoldat ioar, habe ich auf soldatische Art gelebt ebenso, wie ich auf geistliche Art gelebt haben würde, wenn ich Euer Kleid getragen hätte, And wenn es nicht unzulässig wäre, so wollte ich jetzt in Gegenwart von aller Welt beichten, denn ich habe niemals etwas begangen, das meiner unwürdig gewesen wäre!" Später bat er mich, schleunigst zu veranlassen, daß seine Gattin Maria ihm sein Söhnchen Cosimo schicke. Ön diesem Augenblick verdoppelte die «ulen spürbare Rähe des Todes die Traurigkeit: seine ganze Diener­schaft strömte herbei und setzte alle Bescheidenheit und alle respekt- Eie Zurückhaltung beiseite und drängte die Offiziere von seinem ^oett und klagte im Schatten ihrer frischen Trauer, daß sie mit dem geliebten Herrn Brot und Dienst und alle Hoffnung verlören! And Mer Zwang den andern seine Augen mit denen der andern zu vergleichen, um seinen tieferen Gram zu beweisen! Der Herzog ?on Urbino aber heuchelte ein fröhliches Gesicht, indem er versuchte, wn glauben zu machen, daß er genesen würde, und er redete zu >ym vom Erfolge des Krieges: die Dinge ständen erstaunlich gut würden noch besser stehen, wenn Giovanni de Medici wieder rasten sein würde. So blieb er im Gespräch bis gegen neun Ahr Ends, zur Stunde der Rachtwache des heiligen Andreas. Da bat l? vnch weil seine Schmerzen maßlos wurden, ihn durch Borlesen wzuschläfern. Er mochte eine Viertelstunde geschlummert haben, ^erwachte und sagte:Ich habe mein Testament gern ach t, nun s-bin ich geheilt und fühle keine Schmerzen mehr! And wenn Ws r~?lierung anhält, werde ich die Truppen des Kaisers sehr i'> bsie man sich schlägt und wie ich mich zu rächen

. Rach diesen Worten entwich sein Geist schon in die ewige bcm re '.er hatte noch nach der letzten Oelung verlangt und nach all des Sakramentes gesagt:Öch will aber nicht unter

beit Rinden und Pflastern sterben!" Da wurde ihm ein Feld- iein und er wurde darauf niedergelegt. And während

U^ummert<> wurde er vom Tobe in Besitz genommen. Sinh nt der Ausgang des großen Giovanni de Medici. Bon n batte er immer Edelmut und höchste Lebendigkeit des Geistes

gezeigt. Seine Freigebigkeit war größer als sein Vermögen. Alke Mühsal ertrug er mit geduldiger Anmut, seinen Zorn wußte er zu beherrschen und seine Worte in Taten umzuwechseln. Er verlangte nach Reichtum aber nur um ihn zu verachten. Tapfere Menschen schätzte er über alles. Wer mit ihm nicht vertraut war, für den war er schwer kennen zu lernen. Während der Schlacht und im Quartier war er immer mitten unter Mannschaften und Osfizieren; in Friedens­zeiten machte er zwischen sich und allen andern gar keinen Anter- schied. Rach Lob und Ruhm war er sehr begierig, obgleich er so tat, als verachte er dies.Kommt mir nach und lauft nicht vor mir her!" Diese seine Worte im Augenblicke der Gefahr verbündete ihm das Herz feinet Leute. Alle seine Vorzüge kamen aus seiner Ratur seine Fehler aus feiner Jugendlichkeit. Ach, wäre es doch Gotteis Wille gewesen, datz er die ihm geschuldeten Tage noch erlebt Hätte, damit jeder feine Herzensgüte so kennengelernt hätte wie ich! Zwistigkeiten unter feinen Mannschaften schlichtete er schnell, denn er führte sie immer durch Liebe! And niemals waffnete er sein Herz mit erlogener Furchtbarkeit! Jeder kann ihn beneiden, niemand ihn nachahmen. Florenz und Rom (Gott wolle, datz ich hier eine Lüge ausspreche!) werden bald empfinden, was sein Derlust für sie bedeutet.

Das Quartett.

Novelle von Wilhelm Heinrich Riehl.

(Fortsetzung.)

Hierüber war es dunkel geworden, und ma nbegab sich ins Musik­zimmer zum Quartett. Zu Ehren des Gastes war eines feiner schönsten Werke aufgelegt. Das Allegro gelang über Erwarten; der Freiherr warf nur dreimal um, weil ihn der Gedanke verfolgte, dah Gräfin Helene heute viel liebenswürdiger fei als jemals in ihrem Leben. Haydn hörte mit bewundernswürdiger Geduld; er zählte nicht zu jenen Tonsetzern, welche gleich Krämpfe kriegen, wenn ihr Noten nicht genau so vorgetragen werden, wie sie sich dieselben im Geiste gesungen haben, und lobte den Eifer der Spieler, sagte ihnen aber auch deutsch heraus, wo gefehlt oder der Sinn vergriffen worden war.

Dadurch wuchs ihnen Lust und Mut, und das Adagio gelang noch viel besser; der Freiherr kam nur einmal aus dem Takte und versuchte dann an vier verkehrten Stellen wieder einzusetzen, schreckte aber nach den ersten falschen Noten immer wieder zurück, wodurch eine etwas befrem­dend dramatische Bewegung in den Gang der Harmonie kam. Doch das tat nichts; das Adagio war nicht umzubringen, und alle wurden gepackt von der tiefen und reinen Empsindung der wie in überirdischen Klängen dahinschwebenden Weisen.

Die Gräfin fragte den Meister, ob er sich nicht etwas ganz Besonderes gedacht habe bei der hohen und doch so süßen Lyrik dieses Satzes.

Haydn erwiderte, er denke sich freilich etwas Besonderes bei jedem seiner Tonstücke, mute aber keinem Menschen zu, das Gleiche wieder zu denken, sondern sei zufrieden, wenn die Hörer nur empfänden, was er empfunden habe. Und so vergesse er denn auch oft wieder, welche beson­dere Gedankenkette ihn zu einem Musiksatze geführt. Vorhin freilich sei es ihm fast gewesen, als klänge das in Liebe beseligende Walten einer edeln Frauengestalt aus den Tönen jenes Adagios, das er vor zwanzig Jahren gedichtet, heute wieder an sein altes Herz. Irre er sich dabei, so sei die holde Gegenwart der Gräfin wohl gar schuld, daß er nun meine, er müsse durch dieses besondere Gedankenbild damals zu dem Adagio gekommen sein.

Der Freiherr staunte bei diesen Worten, der Graf war befriedigt, die Gräfin entzückt.

Und so wuchs die Freude er glücklichen Menschen, un man geigte ein Quartett ums andere und trank ein Glas edeln Weines ums andere, und obgleich sich Haydn anfangs geweigert hatte, auch einmal zur Geige zu greifen, so konnte er doch nicht widerstehen, als ihm die Gräfin selbst das Instrument gar anmutig darreichte, und spielte in einem Menuett die zweite Stimme, und der Freiherr wußte gar nicht, wie er's der schönen Helene danken solle.

Zum Schlüsse aber brachten die beiden Männer noch eine Streitfrage in Quartettsachen vor den Richterstuhl des Vaters des deutschen Quartetts. Der Freiherr hatte, wann an den gewöhnlichen Montagen auf Schloß Strüth gespielt wurde, allezeit nur einen firnen Rheinwein auftragen lassen, denn er behauptete, die Kunst sei Erbauung; der Graf dagegen, welcher nicht bloß in seinen Geigen ein Feinschmecker war, bewirtete Donnerstags auf Neuhaus mit Champagner; denn er behauptete, die Kunst sei Genuß. Haydn sollte nun bestimmen, welcher Wein für ein rechtes Musterquartett passe.

Er sprach nach kurzem Besinnen, man müsse Hier scharf unterscheiden. Beim Quartett tauge der Champagner nicht, sondern der firne Rhein­wein; denn die Kunst sei Erbauung: nach dem Quartett aber habe auch ein Glas Champagner sein Recht; kenn in der Kunst werde die Er- baung selber zum Genuß.

Und nachdem dieser menschenfreundliche Schiedsrichterspruch für Strüth und Neuhaus feierlich und mit allgemeinem Beifall angenommen worden war, geleitete der glückselige Wirt seine Gäste zur wohlverdienten Ruhe.

Am folgenden Morgen schrieb Gräfin Helene unter anderem in ihr Tagebuch: Haydn auch in der Konversation ein Meister der Kunst, zwei scheinbar fremdartige Themen kontrapunktisch zu verbinden: Erschaffung der Welt und singende Bauernmädchen; Unsterblichkeit und alte Geigen, Rheinwein und Erbauung, Champagner und Genuß; Adagio in A=Sur und---" hier folgten drei verschämte Gedankenstriche.

Der Freiherr fand im Laufe des Tages zufällig dieses Blatt, und die Gedankenstriche machten ihm viele Gedanken. Er fühlte sich getroffen von der Wahrheit des Satzes: Haydn ein Meister der Kunst, zwei scheinbar fremdartige Themen kontrapunktisch zu verbinden, freilich in ganz besonderem Sinne; denn es kam ihm vor, als seien er und Helene diese beiden fremdartigen Themen, welche der alte Hexenmeister ganz unter