Ausgabe 
7.4.1930
 
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Verantwortlich: Dr. HanS Thyrivt. Druck und Verlag: Brühl'fche Llniverf itäts-Vuch» und Steindruckerei. R. Lange, Giehen-

fcntb wirkt, erschlaffte Muskeln zur . Regeneration anregt, gestaute Säfte verteilt, aufsaugungsbesördernd und auflösend wirkt. Bei Gelenkerkran- kungen, rheumatischen Leiden, Herzstörungen, Gallenerkrankungen und Frauenleiden ist die Diathermie heute eine der wirksamsten Heilmethoden.

Der letzte Fortschritt ist übrigens die Anwendung diathermischer Ströme an Stelle des Messers bei Operationen, welche erst vor wenigen Monaten von Wiener Aerzten zum erstenmal mit großem Erfolg erprobt worden ist. Jur Beseitigung von Wucherungen, Warzen usw. wurde die sog.Elektrokoagulation" schon seit längerem benutzt.

Noch sind di« Möglichkeiten des elektrischen Heilverfahrens lange nicht ausgeschöpft, sie werden mit dem ungeheuren Aufschwung der Elektro­technik fast in jedem Augenblick neu angeregt und erweitert. Die Erkennt­nis über die elektrischen Eigenschaften der Zellen, welche alsPhysik der Zelle" sich erst im Anfangsstadium befinden, geben neuen Anstoß zur Fortbildung der Anschauungen über die Bedeutung der elektrischen Span­nung für den Organismus; man weiß heute, daß der Körper im ganzen einem galvanischen Element ähnelt, daß er von natürlichenStrömen" ständig durchflossen wird, und daß er unter der Einwirkung der Luft­elektrizität steht, welche selbst aus seelische Stimmungen einen bisher unge­ahnten Einfluß ausübt. Vieles ist noch ungeklärt, manches sicher noch unentdeckt, und wir haben jedenfalls den Höhepunkt derelektrischen Epoche" In der Medizin durchaus noch nicht erreicht.

Du bist gut, Henry! Du bist gut!"

Henry trug den Kranken wieder in die Hütts zurück.

Eisland.

Roman einer Expedition.

Von Hellmuth Unger.

Copyright by Carl Schünemann, Bremen.

tForllegung.)

Glaubst du, der hat sich an den paar Hundekuchen den Appetit verdorben? Verscharrt wird er sie haben."

Brainard hat behauptet, es fehlte auch Rum."

Greely sollte ihm Straffreiheit zusichern."

Auch das noch."

Nur damit wir wissen, vor wem wir uns hüten müssen."

Straffreiheit! Da kennst du die Leute aber schlecht. Wenn es Ge­rechtigkeit gibt..."

Henry, der eben die Hütte verlassen wollte, wandte sich am Ein­gang um.

Es gibt überhaupt keine Gerechtigkeit, wenn ihr das noch nicht wißt."

Wir wollen warten, was Greely sagt."

Ach, der."

Erschießen soll er ihn lassen!" schrie Elison.Es darf keine Gnade geben."

Die Offiziere und der Arzt kamen vom Kriegsrat zurück. 'Nein, ste wußten auch keinen Weg, wie man den Dieb stellen konnte. Und es mußte etwas geschehen, die. Mannschaft zu beruhigen.

Brainards Protokoll wurde verlesen. Wort für Wort. Der Diebstahl war nicht so groß, als sie gefürchtet hatten. Am Rum hatte man sich überhaupt nicht vergriffen, nur an einem Holzfaß voll Schiffszwieback. Es mochten ein paar Pfund fehlen, nicht mehr.

Es war also nicht so schlimm.

Bei der Kontrolle hatte sich zudem herausgestellt, daß der Zwieback schimmlig war und ungenießbar.

Wir haben keinen nennenswerten Verlust, Leute!" sagte Greely. Und es wird nicht wieder vorkommen. Das verspreche ich euch. Sollte sich der Täter freiwillig bei mir meiden, um so besser. Ich werde seinen Namen diesmal nicht verraten. Seid ihr einverstanden?"

Keiner antwortete.

Greely hatte die Erregung wieder gemeistert und wenigstens Tätlich­keiten verhindert.

Aber während des ganzen Tages, auch als die Jäger vom Krabben­fang zurückgekommen waren, meldete sich niemand. Am Abend ließ Greely das Holzfaß aus dem Depot schaffen und den verdorbenen Inhalt aufs Eis schütten.

So konnte das verschimmelte Backwerk die anderen Nahrungsmittel nicht verderben.

Christiansen sah es zuerst. Ein paar Augenblicke stand er da, mit offenen Augen und wollte nicht glauben, was er sah. Einen ganzen Stapel Brot. Er zischte es Korporal Sator zu. Gardiner aber hatte ein feines Gehör.

Was gibt es draußen?"

Verschimmelten Zwieback, wenn du es wissen willst."

Wie Wölfe stürzten sich die Leute über den ekelhaften Fraß. Jeder raffte, soviel er nur erreichen konnte und schleppte es davon, um es un­behelligt hinterzuschlingen. Die trockene Zunge konnte die moderigen Brocken kaum lösen. Und Ekel würgte in der Kehle.

Nur der arme Elison kam zu spät. Ehe er sich aus dem Schlafsack auswickeln konnte und das Freie erreichte, war der Stapel verschwun­den. Wie ein verwundetes Tier kroch er heran und mußte sich auf die «och gesunde Hand stützen.

Gebt mir auch! Gebt mir auch!"

Nur noch ein paar Brocken sand er, die er auflas. Vor Monaten hätte man sie keinem Hunde vorgeworfen.

Henry stand kauend in der Nähe und beobachtete ihn. Hatte er Mit­leid mit dem hilflosen Kameraden? Er richtete ihn auf und schob ihm von seinen Stücken in den Mund.

Da, Kamerad!"

,Henry!"

Und diesmal war es der dankbare Blick des Tieres, der dem Ge­fährten galt.

Der große Winterschlaf kommt schleichend über die Natur. Niemand könnte sagen, wann der Herbst endete, und der Winter begann. Nur das Eis wird immer dicker und in der scharfen Kälte sind die Wasser­löcher auf dem See rasch zugefroren. Die Hälfte der Mannschaft ist fast stündlich beschäftigt, sie offen zu halten.

Man kann auch Eis und Schnee im Kessel schmelzen, aber Schnee be­kommt einen faden Geschmack wie Regen, der zu lange in einer Tonne steht. Süßwasser aus dem See ist das einzige, das sie bisher noch nicht zu entbehren brauchten.

Nun ist es schon Wochen her, daß der Koch vom Dienst mit seinen Gehilfen im tiefen Dunkel die Hütte verläßt, um Wasser herbeizuschleppen. Es ist tiefe Nacht über Eisland. Vor Tagen, nicht wahr, lag noch ein schmaler Streifen von Licht hingekauert am südlichen Himmel, aber er wird immer schmaler und erlischt schließlich ganz. Das ist etwa an dem Tage, den man in der Heimat als Wintersanfang bezeichnet.

Grenzenlos ist bas Dunkel, wie ein schwarzer Würfel, der auf allen lastet.

Wir werden uns aus dieser Finsternis niemals wieder heraus­finden, sagen die einen. Das sind die Wehleidigen, die Pessimisten. Wenn es wieder hell werden sollte in Eisland, bann wird man unsere arm­seligen erfrorenen Körper finden. Und mir werden nicht einmal mehr Oie Kraft haben, uns gegenseitig das Grab zu schaufeln.

Das Schlimmste ist Überstanden, sagen hofsnungsfroh die anderen. Steinschwer sank die Nacht über uns. Morgen, übermorgen, in Wochen wird sie Flügel bekommen. Wir atmen dem Frühling entgegen.

Das einzige Licht, das sie immer noch sehn, kommt vom Lagerfeuer in der Hütte, das nie ausgeht. Da fehlt es niemals an Leuten, die es wach halten. Draußen kracht das Eis in der Harschheit des Winters und der warme Atem gefriert am Munde.

Niemand verläßt jetzt mehr die Hütte, wenn es nicht fein muß im Dienste für alle.

Auch die tiefste Nacht geht vorbei. Nicht wahr? Und heute ist Weih­nacht. Greely hat es gesagt und er weiß es vom Kalender.

Die dritte Weihnacht im Eisland.

Vor zwei Jahren hatten sie noch kleine Geschenk« in Fülle. Es gab Frohsinn und Freude. Damals spielte Henry noch aus seiner Harmonika. Die Hunde werden droben, wenn sie noch leben in Grinnelland, das Leder des Zugwerks zerfetzen, um etwas zum Zerkauen zu haben. Damals gab es noch Briefe und Grüße aus der Heimat im voraus geschrieben, um zum Christfest die Verbindung mit der Heimat vorzutäufchen. Wißt ihr noch, Kameraden?

Im vergangenen Jahr waren wir schon arm, aber wir hatten wenig­stens die große Hoffnung auf den Frühling und die Rückkehr desGlo­bus". Habt ihr je solch Fest erlebt, wie dieses? Die zu Hause wissen nicht einmal, ob wir noch leben. Wahrscheinlich haben sie längst die Hoffnung aufgegeben. Ob sie unserer noch gedenken werden?

Sergeant Rice ist viele Jahre in Kanada gewesen. Er kennt diesen Nordlandwinter. Damals war er auf Pelztierfang aus, ehe er Soldat wurde. Sergeant Rice spricht wenig von seinen Erlebnissen, soweit sie der Vergangenheit angehören. Aber heute ist ihm die Zunge gelöst.

Er muß erzählen. Und die andern, die lieber dahindösen, als ihr Hirn nach kleinen Geschichten zu durchsuchen, hören gern zu.

Damals war ich mit ein paar Deutschen zusammen", erzählt er. Waren das seltsame Leute! Wir hatten Fleisch und Schnaps in Fülle und eine sichere Hütte. Heute ist Weihnacht, sagte einer von ihnen. So, Weihnacht? Es mochte stimmen, obwohl wir damals nicht nach dem Kalender lebten.

Und am Abend hatten sie auf einmal einen kleinen Baum in unserer Höhle. Einen Tannenbaum. Daran steckten sie kleine Lichte und brannten sie an. Es war feierlich, kann ich euch sagen. Seltsame Menschen, nicht wahr?"

Lichte an einem Baum?"

Wie ich euch sage."

Wozu?"

Sie kannten es so aus ihrer Heimat."

Habt ihr sowas schon gehört?"

Sie hatten wohl einen besonderen Glauben dabei. Das Licht ist durch den Heiland wieder in die Welt gekommen."

Daß ihr damals Kerzen verschwenden konntet!" sagte Brainard ernsthaft.Da müßt ihr wohl sehr reiche Leute gewesen sein."

Hier könnten wir lange suchen, wenn wir einen Tannenbaum finden wollten."

Grüne Tannenbäume! Wißt ihr noch wie Grün aussieht, Kame­raden? Es ist eine ganz sanfte Farbe und die Augen schmerzen nicht wie bei Weiß."

Vielleicht war es das auch, Israel, weshalb sie das Bäumchen in die Hütte trugen. In England suchen sie sich Mistelzweige. Und dann fangen sie. Die ganze Nacht. Es war seltsam, könnt es mir glauben. Lieder, Die wir bei uns nicht kennen. Wie Kinder waren diese beiden Männer. Und zwei Tage vorher hatten sie einen Grizzly mit dem Jagd­messer niedergestochen.

Singen können wir auch."

Henry warf sich auf. Oh, er fühlte sich endlich einmal wieder satt und kräftig. Greely hatte nicht nur gesagt, daß heute Weihnacht war, er hatte auch gesorgt, daß alle satt wurden. Es gab Suppe mit Speck und Rauchfleisch und für jeden einen Becher voll Rum. Herrlich war das.

Kein Wort des Neids und Zanks an diesem Tage. Nur Hossnungr- freude bei allen.

Für die Harmonika hätten wir noch Platz gehabt," meinte Henry, nun kann ich nicht mal aufspielen. Es geht vielleicht aber auch ss.

(Fortsetzung folgt.)

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