ien, Sinnbilder einer Schönheit der Seele, wie sie die laute, rasche Welt nicht kennt. Hier oder nirgends breitete der Künstler die unermeßlichen Gefühle aus, die sein stummes Wesen durchwühlten. Wenn je die Leiter menschlicher Empfindungen, Aufstieg und Abstieg eines Herzens im Bilde sichtbar wurde, hier ward es getan, und nur Musik kann diesen Chor beleben. Neunzehn sind Jünglinge, eine scheint weiblich, doch diese eine hat er nicht gemalt, der Kopf allein blickt nieder. Ließ er sie bis zum Schluffe übrig und wurde dann durch die Ungeduld des Papstes gehindert? Oder wagte er nicht, eine zweite nackte Frau neben die Mutter der Menschen zu stellen?
Denn alles, was an dieser Decke ruht oder lebt, erscheint in geheimem Bezug zu diesen ersten Menschen. Als Gott sie im vierten und fünften Bilde schuf, sah er die Schar voraus, die Menge der Gestalten, die Vielfalt der Gefühle, ein Leben, reich an Variationen, wie der Boden der Erde, und so ging es auch dem, der Gott und seine Menschen hier im Nachbilde schuf.
Nur in den dreieckigen Zwickeln, abgetrennt durch breite Rahmen, dort harrt in acht Gruppen ein anderes Geschlecht. Ihnen ist es nicht gegeben, die Schöpfung inmitten zu sehen, Propheten zu hören, Sibyllen zu befragen. Dumpf und schwer, starrend vor sich oder auf wunderliche kleine Dinge, leben sie hier, in Finsternis, Verbannte oder Wartende, ferne von Gott, vom Licht und von der Schönheit. Es ist, als hätte der große Wahn sie ergriffen, als trennten sie die dreieckigen Rahmen von den Gefühlen der Menschen, der Mittler und Gottes, als stammten sie nicht von Eva ab, der nackten Schönheit inmitten der Schöpfung.
Rheingesang.
Don Alberta von Puttkamer.
Der Tag verloht ob einem frohen Lande — Ein Tanz von Sonnenfunken irrt am Strande, An Gipfeln hängt, wie Dosenkränze, Licht. Wie sich die Knospenbäume zärtlich ketten Und in narziffenvolle Wiesen Betten, Die lustig-kraus ein Aebenband umflicht!...
And drunten lacht mein Strom! In Wonneschauern Springt seine Flut an Felsen und an Mauern, And donnert tote in Lenzgetoitterkraft...
Sie leuchtet wie von einst versunknem Dolde — And träumt und fangt und schäumt tote eine holde, unbändig junge, große Leidenschaft...
Sie steigt wie Rausch und wie geheimes Leben Dom Wurzelgrunb empor in alle Reben And wandelt sich und wird ein Quell von Wein. Die Welt ist Lust! Die regen Winde singen. And weit vom Lande her mischt sich ein Klingen Don Glocken und von Bechern lief hinein ...
Wie bunt die Äser und wie reich die Räume! Die zartbeblälterten, die Knvspenbäume, Lichihin wie edle Säulen steigen sie!
Die Welt ist so zu Wonnen hingerissen — ein leiser Laut von Lachen und von Küsten Zieht zu den Sternen auf wie Melodie.
Da ist kein Trauern um Vergangenheiten, Wo stolze Schiffe reich befrachtet gleiten In offne Zukunft und zum Weltenmeer — Wo Jugend arbeitselig regt die Arme, And wo ihr Blut, wie dieser Strom, der warme, In siegendfrohen Wellen stürmt daher.
Ich grüß' dich, der du feurig rasch wie Lieben, Dom dunkeln Quell unendlich hingetrieben, 3n Ozeane stürzt mein stolzer Rhein!
Ich grüße, was da heimlich steigt in Reben, Ich grüß' dich, süßes, allgewaltiges Leben And alle Kraft die strömt und ringt im Sein!
Mr. Hichens gleicht sich aus.
Von Edmund Finke, Wien.
Als William Hichens am letzten Tage feines sechsjährigen Aufenthaltes in den grauen Mauern von Pentonville vor Colonel House stand, der ihm ein paar wohlgemeinte Abschiedsworte auf den Weg in die Freiheit gab, sagte er bedächtig: „Man soll seine Geheimnisse für sich behalten, Colonel, Aber ich glaube nicht, daß meine Lage ganz hoffnungslos ist."
Der Direktor des Gefängnisses sah Hichens kopfschüttelnd nach. Was sollte ein Mann beginnen, der sechs Jahre wegen Straßenraubs gesessen hatte? Nachdenklich blätterte er den gewichtigen Aki durch, der vor wenigen Minuten durch eine letzte Eintragung zum endgültigen Abschluß gebracht worden war.
Hichens hatte an einem nebeligen Novembertage in der City einen Kassenboten mit vorgehaltener Pistole in ein Haustor gedrängt und den zu Tode erschrockenen Mann durch die altmodische Formel „Geld oder Leben!" gezwungen, sich seiner Ledertasche und der Botenmütze zu entledigen, worauf er ihn trotz des erwiesenen Entgegenkommens durch einen wohgezielten Kinnhaken knock out geschlagen hatte. An dem Fall war nichts Besonderes. Die geraubten fünftausend Pfund waren gelegentlich der Verhaftung Hichens nicht zustande gebracht worden. Er behauptete, sie verpraßt und verspielt zu haben. Möglich, doch bei der phlegmatischen Charakteranlage Hichens' eigentlich unwahrscheinlich. Nun, Colonel House wußte, daß New Scotland Iard seinen Schützling nicht sobald aus den Augen verlieren werde.
In London angelangt, war Hichens' erster Weg, noch bevor er sich a[3 entlassener Sträfling in der Polizeiwachfftube des Rayons, in dem er zu wohnen beabsichtigte, meldete, zu Caston & Garfield. Diese Anwaltsfirma genoß in gewissen Kreisen, besonders bei der Konkurrenz und am Themse Embankement, dem New Scotland Darb seine Rückseite zugekehrt nicht den Ruf einwandfreier Geschäftsgebarung. Dort aber, wo jene Dinge gedreht werden, die weder bei hellem Sonnenschein, noch im Rampenlicht Old Bayleys betrachtet werden wollen, wußte man, daß „die Beute" nirgends bester angelegt werden konnte als bei Caston & Garfield. Sie zahlten zwar nur eineinhalb bis zwei Prozent, das andere ging aufs Unkostenkonto, dafür aber war man sicher, daß nach verbüßter Strafe das Konto abgeschlossen bereit lag.
Aber, so dachte Hichens bei sich, er würde sich hüten, das Geld zu beheben. Hundert Pfund fürs erste, um sich einzurichten, das andere würde er nach Bedarf an Deckadressen senden lassen. Das war es, was er mit Mr. Garfield rasch besprechen wollte, bevor er seine Ankunft in London „amtlich" bekanntgab.
Als Hichens aus dem hohen, alten Geschäftshaus in Hampftead trat, beruhigt, da er sich mit den hundert Pfund in seiner Tasche reich und frei wie der Herzog von Westminster fühlte, erhob sich im Innern des Hauses, das er eben verlassen hatte, ein wüstes Geschrei, untermischt mit schrillen Angstrufen, die wenig Gutes verhießen. Ganz instinktiv setzten Hichens' Beine sich in rascheste Bewegung. Ehe er jedoch um die Ecke der Hendonstreet gebogen war, befand er sich inmitten einer Meute wild- schreiender Menschen. Zwei rohe Konstablerfäuste griffen nach ihm und der schöne Traum von Reichtum und Freiheit war zu Ende, ehe er noch recht begonnen hatte. Alles was Hichens dem aufgeregten Tosen der gegen ihn anbrandenden Menschenwoge entnehmen konnte, war, daß im Stiegengang des ersten Stockwerks jenes Hauses eine alte Dame niedergeschlagen worden sei, von einem Kerl, welcher mit ihm, ausgerechnet mit ihm, identisch sein müsse, die hundert Pfund geraubt habe, die sie an Halbjahrszinsen bei einer Bank erhoben hatte. Eine arme alte Frau, hier in diesem anständigen Viertel! Man denke nur! Der Teufel solle den verdammten Räuber holen! Uebrigens die Polizei habe ihn ja schon gefaßt! Die alte Frau, gestützt auf zwei fette, biedere Kerle, die einen Heidenspektakel vollführten, trat aus dem Tore.
„Ist er’s, Ma'am?" fragte der Schutzmann auf Hhchens weisend.
„So wahr mir Gott helfe, das ist er! Gewiß! Oh, meine hundert Pfund!"
„Beruhigen Sie sich, Frau, wir werden die Sache schon in Ordnung bringen. Können Sie mit auf die Wachfftube kommen? Ja, sehr gut! Vorwärts, Mann! Was Sie zu sagen haben, können Sie dem Wachtmeister erzählen."
Hichens hatte den Mund aufgetan wie ein Fisch, der aufs Trockene geraten ist. Er erkannte das Gefahrvolle seiner Lage. Aber durfte er denn reden, sich verantworten, oder gar erzählen, daß er in dem Hause gewesen war, um sich bei Caston & Garfield Geld, das von jenem längst vergangenen Straßenraubs stammte, abzuholen? Und genau hundert Pfund! Es war ausgeschlossen, die Anwälte zu verraten.
Uebrigens hätte ihn dieser Verrat sein bei den Anwälten erliegendes Vermögen gekostet, das die Polizei auf jeden Fall sofort beschlagnahmt hätte. Woher sollte es denn stammen, als von dem verdammten Straßenraub, für den er sechs Jahre in Pentonville gesessen hatte. Aber sitzen und obendrein das Geld verlieren? Alles eines dummen Zufalls wegen. By Jove, das war zuviel des Bösen. Hichens versuchte, die hundert Pfund durch ein Kanalgitter zu estamotieren. Es mißlang und seine Position stand jetzt um fünfhundert Prozent schlechter, als vordem. Wer würde ihm noch glauben? Die Männer des Gesetzes keinesfalls. Stumm, mit einem verbissenen Zug um den Mund bot er dem Schutzmann die Hände zur Fesselung dar.
Die Untersuchung gegen den wegen Raubes rückfälligen William Hichens verlief für den Angeklagten hoffnungslos. Wohl übernahm Mr. Garfield die Verteidigung und es wurde sogar einwandfrei feftgeftettt, daß Hichens wirklich im Bureau der Rechtsanwälte anwesend gewesen war. Da aber einerseits diese Anwaltsfirma einen schlechten Ruf genoß und sich hinter ihrem Berufsgeheimnis verschanzte, als Mr. Garfield erklären sollte, wozu Hichens ihn aufgesucht habe, andererseits dieser Besuch den Raub durchaus nicht ausschloß und Hichens wegen des gleichen Deliktes vorbestraft war, gestaltete sich die Angelegenheit für ihn äußerst bedenklich. Dazu kam der Versuch, hundert Pfund auf der Straße wegzuwerfen.
Geradezu tragisch aber wurde die Sachlage erst, als Mr. Garfield dis Nachricht brachte, daß die alte Frau infolge der erlittenen Aufregungen gestorben war, was den Vertreter der Anklage bewog, diese von Raub auf Raubmord auszudehnen.
„Hichens", sagte Mr. Garfield, als er den Häftling im Zentralgefäng- nis besuchte, ernst und bedrückt, „ich kann Ihnen nicht verhehlen, es geht um Ihren Hals!"
„Sie sollten das Hehlen besser verstehen, Mr. Garfield!"
„Lassen Sie das, Hichenss Es ist nicht an der Zeit, zu spaßen. R habe mit Caston noch einmal die Angelegenheit von allen Seiten durchgesprochen. Auf uns brauchen Sie keine Rücksicht zu nehmen. Wir werden uns zu helfen wissen. Aber für Sie heißt es, so merkwürdig das klingen mag, ebenso merkwürdig vielleicht wie mein „Verhehlen", es heißt für Sie, Hichens: Geld ober Leben! Entweder Sie opfern die bei uns hchtorleM fünftausend Pfund, ober aber Sie werben eines schönen Tages im Morgengrauen mit einer Schlinge um ben Hals auf der verdammten FallM stehen, durch die man hinüber in die trübselige Ewigkeit rutscht."
Hichens knirschte vor Zorn mit ben Zähnen. „Nichts, nichts werde wi sagen, Mr. Garfield, Sie vergessen, daß ich unschuldig bin. Ich soll ein«-’ dummen Zufalls wegen mein Geld verlieren. Schauen Sie lieber, bapJ" Polizei ben Richtigen erwischt unb lassen Sie mich mit Ihren Phantastereien in Ruhe. Dafür bezahle ich Sie nicht." , _
„Lieber Hichens, finb denn diese fünftausend Pfund wirklich Ihr ' Vergessen Sie doch nicht." .., r
„Mein Geld, mein Geld", schrie Hichens taut, ohne auf den ®nr zu achten, der teilnahmslos an der Türe lehnte. Leiser fügte er Hinz ■
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