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Verantwortlich: Dr. Hans Thyrivt. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei. Lange, Gieb^
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viel kürzer ist als das Leben euiei «naye, ymuvcu v« .
nicht. Und so sprechen wir auch von unseren unsterblichen Werken, nur weil wir selber so gar sterblich sind und ihre Dauer mit der viel kurzem unserer eigenen Tage messen und es im glücklichsten Falle nicht mn ansehen müssen, wie sie eine Weile noch unterlegt und Misgefut.eri werden, um endlich doch zu vertrocknen."
Alle schwiegen eine Weile. Dann aber bemerkte der Graf, mit dein Ausfüttern könne man wohl auch länger als fünfzig Jahre ausyeW, wen man nur ein Holz nehme, welches ebenso alt sei als die Geige selver. Er habe zur Erhaltung einer hunderundfünfzigjährigen Amati die w seines Schloßturmes abbrechen lassen, denn die Balken des Turmdach» seien urkundlich auch gerade einhunderfünfzig Jahre alt und von W" und Sonne gööttlich ausgetrocknet. — „Das ist nun ein wahrer Edei.ie von einem Holze, dürr wie Stroh, außen ein wenig vom "im angenagt, gleichsam gestempelt, man riecht das «öle Alter schon weitem", so schloß der Graf begeistert und bot dem gefeierten Gaste ein halben Balken von zwanzig Fuß zum Geschenke.
Haydn lehnte dankend ab, und der Freiherr pries im stillen bescheidenen Mann, weil er lieber von dem Gesang der Bauernmao i als von seiner „Schöpfung" gesprochen, die Gräfin, weil er das to" Unsterblichkeit so fein gewendet, und der Graf, weil er seinen ul'l™s baren Balken nicht angenommen hatte.
(Fortsetzung folgt.) ___-
Als Helene aber den unscheinbaren Mann vom Bauernwagen steigen sah glaubte sie, es sei der neue Tierarzt, den man eilends zu dem wut- verdächtigen Hühnerhunde des Freiherrn gerufen hatte, und schickte den Bedienten hinab, daß er den Doktor gleich in den Holzstall führe, wo Hektor eingesperrt lag. Der Bediente aber kam bestürzt zurück und sagte, der Fremde habe sich geweigert, in den Holzstall zu gehen, er sei auch gar nicht der Hundedoktor, sondern Herr von Haydn selber. Nun war auf einmal der „Fürst der Kunst" und die Unsterblichkeit als umgekehrter Adel rein vergessen, die Gräfin begrüßte den Künstler mit Lachen und Entschuldigungen, und im Lachen errötete sie beschämt, was ihr viel chöner stand als jenes erhabene Zurückwerfen des Kopfes und stolze Lockenschütteln, mit welchem sie sonst Gäste zu empfangen pflegte.
Haydn fand die schöne Dame höchst natürlich und liebenswürdig (und das hatte seit langer Zeit kein Mensch gefunden) und plauderte sich rasch ins unbefangenste, anziehendste Gespräch. Er hatte in London gelernt, auch unter vornehmen Leuten sich leicht zu bewegen, hatte dazu aber auch seine bürgerliche deutsche Bescheidenheit heil und ganz wieder über das Meer zurückgebracht und redete so schlicht und fest, daß die Gräfin in denselben Ton eingehen mußt« und gar keinen Platz fand für ihre gezierten Worte und geschnürten Gedanken.
So gingen die beiden am golden verglühenden Frühlingsabend im Schloßgarten auf und ab, und als sie im besten Zuge waren, erschien endlich auch der Freiherr, und Haydn deuchte ihm bald ein alter Bekannter di« Gräfin dagegen war ihm völlig neu; denn sie sprach heute ganz wie anders vernünftige Menschen, blickte und bewegte sich ohne alles tragische Pathos, wenn sie das Wetter und die Gegend pries, und, was das größte Wunder, der alte Haydn schien «in besonderes Gefallen an ihr zu haben, während der Freiherr befürchtet hatte, sie werde ihm das ganze Schloß Strüth verleiden. Infolgedessen gefiel sie denn auch ihm ganz besonders, und er fand ihr griechisches Profil heute griechischer als je zuvor.
Auch der Graf gesellte sich jetzt zu den dreien, und die kleine Gesellschaft ging zum Abendtische auf di« Terrasse des Gartens.
Nach vornehmer Leute Art fragte Graf Thürmer den berühmten Ton- fetzer kurz und scharf, welches Werk ihn eben beschäftige. Haydn erwiderte, er ruhe sich aus von der „Schöpfung": das sei eine gar ernste Arbeit qewe en, weil Gott selber die Welt gemacht, aber auch eine gar heitere, weil er sie so schön gemacht habe. Als jedoch die anderen Genaueres von diesem eben vollendeten Werk wissen wollten, hielt er di« Hand ans Ohr und sprach leise: „Hören Sie auf den köstlichen Gesang!" — Es zogen nämlich ein paar Bauernmädchen in der Ferne singend vom Felde heim, und dem Meister leuchtete die helle Freude über diese frische Musik aus den Augen, und als sie verklungen war, sagte er: „Ich glaube wohl auch eine oder die andere schöne Melodie erfunden zu haben; in England aber hörte ich einmal etliche Waisenknaben ein Kinderlied singen, da wurde ich ganz glücklich und traurig zugleich; denn eine so schöne Melodie hatte ich mit aller Kunst doch niemals gemacht, ja es schien mir die schönste, welche ich in meinem ßeben gehört."
Die Gräfin lauerte längst, das Wort zu erhalten, und ihr Bruder begann eben von seinen Geigen, darum pries sie, rasch einfallend, des Meisters bescheidenen Sinn und brachte dann in kühnem Uebergang ih«n vordurchdachten Satz über die irdische Unsterblichkeit und den umgekehr-
lein« Quartette vorgekgen, daß er seine Lust daran haben soll. Und was ist köstlicher, als einem SDtanne endlich einmal dankend die Hand driicken L dürfen der uns — unbekannt und ferne — durch feine Werke feit langen Jahren doch schon so befreundet begleitet hat, em Fremder und doch zugleich der teuerste alte Freund!
Selbst der Graf wurde jetzt angesteckt von der Begeisterung des Frei- Herrn; sie jubelten miteinander so hoch, wie man es nur in Mer M«- glühenden Zeit konnte und heutzutage gar mcht mehr vermag stießen an mit den Gläsern und tranken und geigten die halbe Nacht hindurch. Der Oellack, das verunglückte Allegro und der Rastatter Gesandtenmord wurden ganz vergessen, und die inwendige Musik siegte über die Politik und di« Geigen und löste alle vorbereiteten und unvorbereiteten Dissonanzen zur lauteren Harmonie — sogar irn Geinüte des Kammerdieners, den es anfangs schwer beunruhigt hatte, daß er nächster Tage den Haydn, einen bürgerlichen Musikanten, wie einen Edelmann werde bedienen müssen.
Drittes Kapitel.
Die ganze Woche ward gerüstet auf den Empfang des Gastes. Und da der Herr des Hauses vor lauter Musik nun gar nicht mehr zu haben war und die alte Tante siech und hinfällig, so hatte diese des Grasen Schwester von Neuhaus herüber gebeten, damit dieselbe anordnend und repräsentierend ihren Platz einnehme.
Gräfin Helene Thürmer auf Neuhaus war nach ihrer eigenen Ansicht noch jung, nach der Ansicht ihres Taufscheins war sie sechsunddreißig Jahre alt. Früher blendend schön, fesselte sie noch immer durch stolzen, untadeligen Wuchs, edles Profil und geistvolles Auge, und da Vater Haydn auch in seinen alten Tagen schön« Mädchen gerne sah, so taugte sie diesmal besonders zur Rolle der Wirtin. Dazu verstand sie gar wohl künstlerische Festtage anzuordnen und zu schmücken; denn hatte sie auch niemals etwas Ordentliches gelernt, so bewies sie doch Geschick für alles, trieb alle Künste ein bißchen und waltete mit Geschmack, wohin nur ihre feine Hand rührte. Insbesondere aber schwärmte sie für Musik und ließ oft den ganzen Tag das Klavier nicht kalt werden.
Allein gerade wegen ihrer Musikwut schwankte der Freiherr, ob er seine schöne Nachbarin höchst liebenswürdig ober ganz unausstehlich finden solle. Er hatte in diesem Punkte seine eigenen Erfahrungen gemacht und pflegte zu sagen: „Die unmusikalischen Frauenzimmer ärgern einen, weil sie die Musik nicht verstehen, die musikalischen, weil sie die Musik mißverstehen."
In früheren Jahren verband ihn nämlich eine langgenährte, tiefe und gegenseitige Neigung mit jener vornehmen Dame, welche als Erato im Musikzimmer hing, mit ihrem rechten Taufnamen aber eigentlich auf gut wienerisch Babett hieß. Sie hätten sich gerne geheiratet, allein aus Fami- lieninterefsen mußte Babette den Rittmeister von Gretenstein nehmen. Das war der bitterste Schmerz gewesen, welchen den Freiherr in seinem friedlichen Dasein jemals erlebt hatte, und der auch nach Jahren noch oft genug insgeheim an seinem Herzen nagte. Babette aber hatte so wenig musikalisches Gehör, daß sie nicht einmal die falschen Töne empfand, welche ihr Geliebter zeitweilig seiner Bratsche entlockte. Trotzdem ließ sie sich ihm zuliebe als Erato malen, quälte sich ihm zuliebe in die Musik hinein und (ernte Klavier, oder vielmehr sie lernte am Klavier, daß sie mit bestem Willen kein Klavier lernen könne. Dies war dem Freiherr ein großer Kummer; doch als der größere Kummer kam und Erato einen anderen heiratete, ward ihm jener erste Kummer wieder zum Tröste; denn er meinte, es stehe sehr in Frage, ob eine Ehe zwischen einem so musikbedürftigen Manne und einer so musikarmen Frau dauernd hätte ' glücklich werden können.
Ganz im Gegensätze nun war Gräfin Helene durch und durch musikalisch. Wenn der Freiherr Quartett bei ihrem Bruder spielte, so saß sie allemal als die andächtigste Hörerin im Hintergründe; sie jubelte mit dem Allegro, schwärmte mit dem Adagio, scherzte mit dem Menuett und redete wie ein Buch über die Schönheit des Gehörten. Der Freiherr aber behauptete, die Gräfin treibe nur Tendenzmusik. So lange er als mit Babetten verlobt gegolten, habe sie nur italienische Arien gesungen und Tänze gespielt, als Babette aber einen anderen geheiratet, da sei die Gräfin auf einmal klassisch geworden in ihrem Geschmack und bet den Quartetten aufgetaucht. Ihr Bruder liebe das Quartett um der Geigen willen, sie aber scheine es um des Geigers willen zu lieben. Und zwar sei diese Leidenschaft fürs Quartett merklich gewachsen, seit Helene das sünfunddreihigste Lebensjahr erreicht; wenn das fo fortgehe und sie tedigerweise ins vierzigste eintrete, bann fange sie wohl gar noch selber zu geigen an. Bei einem Frauenzimmer, wie bei einer guten Musik, dürfe man niemals die Absicht merken. Babette fei ein ganz natürliches Mädchen gewesen, aber ohne alle Musik; Helene sei eine rechte Kokette, aber ganz von Musik erfüllt. Uebrigens wisse man doch nicht, was das Schlimmere fei. Denn Babette fei mit aller Natur niemals musikalisch geworden, während Helene durch das unausgesetzte reinigende Bad des Ouartett- fhtbiums doch am Ende noch ein leidlich natürliches Frauenzimmer werden könne.
Auf den 18. Mai wurde Haydn erwartet. Weil aber alles so gar genau und schön zum Empfange vorbereitet worden war, so ging nun alles gerade ganz verkehrt. Und dies war das beste.
Der Freiher fuhr zur nächsten Stadt, um mit eigenen Pferden den gefeierten Gast abzuholen; allein er verfehlte ihn; und so kam dieser ganz allein auf einem einspännigen Bauernwägelein. Die Gräfin hatte sich's gar fein ausgedacht, wie sie den Tondichter als einen „Fürsten der Kunst" begrüßen und bann einige paffende Worte einftreuen wolle über „irdische Unsterblichkeit", welche gleichsam ein umgekehrter Adel sei, indem sie dem Namen im voraus für eine unabsehbare Zukunft Rang und Glanz verbrief«, wie der wirkliche gute Adel hinterdrein aus einer unabsehbaren Vergangenheit herauf.
ten Adelsbrief.
Haydn, dessen linkes Ohr solchergestalt auf die Geigen und dessen rechtes auf die Unsterblichkeit hören mußte, fiel den beiden miteinander gewandt in die Rede. — „Mit der irdischen Unsterblichkeit, gnädige Gräfin, ist es gerade wie mit den alten Geigen, verehrter Herr Gras. Man sagt, eine Geige altert nicht, sie wird mit den Jahren immer besser und ist unsterblich (wenn sie nicht verbrennt aber zerschlagen wird). Allein das ist nicht ganz richtig. Hundert Jahre lang wächst eine gute Geige und wird immer edler im Ton und hält sich wohl auch noch weitere fünfzig Jahre auf der Höh«; bann aber wirb bas Holz schwächer, der Ton trockener, es geht ans Nachbessern, man unterlegt, futtert un» stärkt die Decke, und eine geschickte Hand vermag die unsterbliche Geige noch weiteve fünfzig Jahre in der Fülle ihrer Klangkraft zu erhalten. Nun aber ist es auch aus und vorbei. Die gefütterte Geige nimmt noch fünfzig Jahre in Ehren ab; tritt sie bann ins brüte Jahrhundert, so ist merkwürdige alte Schachtel geworden. Nur weil unser Leben p ;er ist als das Leben einer Geige, glauben wir, die Geige allere
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