wie Temperatur, schließlich tritt der Dampf aus der Turbine aus und hat dann einen Druck von weniger als einer Atmosphäre und eine entsprechend geringe Temperatur. In diesem Zustande leitet man ihn in einen Kondensator, einen aus zahlreichen Röhren bestehenden Apparat, die von kühlem Wasser umflossen sind und in denen sich der Dampf wieder zu Wasser niederschlägt. Dabei gibt er eine Menge Wärme ab, denn von der zur Verdampfung des Wassers aufgewandten Wärme ist noch der größte Teil in ihm enthalten. Diese Wärmemenge nimmt das Kühl- wasfer auf, und so erwärmt flicht es in den Fluß zurück, aus dem man es vorher entnommen hat. Man kann den Dampf auch ins Freie austreten lassen, so wie es die Lokomotiven tun, aber dann arbeitet er viel ungünstiger, und man gewinnt nicht im kondensierten Dampf das sehr reine, weil destillierte Wasser, das sich io vorzüglich zur Kesfelspeisung eignet. Aus diesen Gründen wird bei ortsfesten Maschinen der Kondensator allgemein verwendet, nur bei Lokomotiven nicht, weil er zu groß und zu schwer ist. Aber trotzdem ist diesem Verfahren eine ungeheure Verschwendung eigen, denn eine riesige Wärmemenge geht mit dem Kühlwasscr in den Fluß. Sie zu gewinnen, sind verschiedene Mittel versucht worden, man hat das warme Wasser zur Heizung, zur Voden- erwärmung und ähnlichen Zwecken zu verwenden gesucht, aber dafür ist nicht immer dann Bedarf, wenn man gerade viel warmes Kühlwasser zur Verfügung hat. Im großen ganzen hat sich die Technik damit abgefunden. Was es aber bedeutet, zeigt die Zahl, die die Ausnutzung der in der Kohle enthaltenen Wärme angibt, die man den thermischen Wirkungsgrad nennt. Bis vor kurzem konnten in einer Dampfkraftanlage nur 12 bis 15 v. H. der Kohlenwärme ausgenutzt werden, d. h. 85 bis 88 v. H. gingen verloren. Durch allerhand Verbesserungen, die uns namentlich die letzten Jahre gebracht haben, ist diese Verlustziffer gedrückt worden, aber mehr als 25 bis höchstens 30 v. H. der Kohlenwärme nützt auch die beste moderne Anlage nicht aus. Daß das Verhältnisse sind, die nach Abhilfe schreien, leuchtet ein, nur fehlten die Mittel dazu.
Hier setzt nun die Leistung des Amerikaners C m m c t ein, der die Quecksilberdampsturbine erfand. Das Metall Quecksilber braucht natürlich eine viel höhere Temperatur zum Verdampfen als Wasser, das bei 100 Grad Celsius siedet, wie wir ja schon daran sehen, daß es Quecksilberthermometer bis zu weit mehr als 100 Grad gibt, wobei doch die Queck- silberfüllung noch nicht verdampfen darf. Der Siedepunkt des Quecksilbers liegt bei 357 Grad Celsius, also fast viermal so hoch wie der des Wassers. Wenn man also Quecksilber verdampft, den Dampf genau so wie Wasferdampf in einer Turbine seine Arbeit verrichten läßt und zuletzt in einen Kondensator leitet, so wird er zwar mit ebenso niedrigem Druck wie Wasferdampf, aber mit einer viel höheren Temperatur in den Kon- denfator eintreten. Denn seine Temperatur kann in der Turbine nicht unter 357 Grad Celsius sinken, weil er beim Erreichen dieses Wertes sich zu Flüssigkeit niederschlagen muß, genau so wie Wasferdampf, der unter 100 Grad Celsius abgekühlt wird. Die Queckfllberflüfsigkeit würde in der Turbine natürlich arg stören, es muß also unbedingt vermieden werden, daß eine solche Kondensation schon dort stattfindet. Wenn man aber den so heißen Quecksilberdampf in einen gewöhnlichen Kondensator leitet, dessen Röhren von Wasser umflossen sind, was geschieht harnt? Dieses Wasser muh ja die ganze Wärme, die der kondensierende Oueck- silberdamvf abgibt, aufnehmcn; dabei erwärmt es sich um ein paar hundert Grad, und das verträgt bekanntlich Wasser nicht ohne zu verdampfen, d. h. im Kondensator entsteht Dampf, der Quecksüberkoydensator ist nichts als ein Kessel. Der dort erzeugte Wasserdampf kann aber natürlich nun noch einmal in einer Turbine Arbeit leisten, in dem Falle wird also die Kühlwassererwärmung nicht nutzlos in den Fluß gejagt, sondern wird vollständig nutzbar gemacht. Da im kondensierenden Dampfe noch der größte Teil der zu seiner Erzeugung ausgewandten Wärme enthalten ist, ist die erzielte Ersparnis tatsächlich ungeheuer. Sie soll bei deut Elektrizitätswerk Hartford bei einer einzigen Maschine von 10 OOO-LVt'-Leistung mehrere tausend Dollar täglich ausmachen.
Ein solches Elektrizitätswerk besteht demnach aus zwei Teilern von denen einer mit Quecksilberdampf arbeitet und letzten Endes Wasserdampf erzeugt, und einem zweiten, der diefen Wafserdampf weiter arbeiten läßt. Das bringt natürlich eine gewisse Komplikation des Baues mit sich, die aber bedeutungslos ist angesichts der erzielten Vorteile. Cs muß auch darauf Rücksicht genommen werden, daß Quecksilber eine außerordentlich schwere Flüssigkeit ist, die zu heben, große Maschinen erfordert. In Dampfkraftwerken wird gewöhnlich das Speisewaffer, wie es aus dem Kondensator kommt, in' die Kessel hinausgepumpt, der Arbeitsauswand spielt keine große Rolle. Anders, wenn cs sich um Quecksilber handelt; hier würde das Hinauspumpen sehr kostspielig sein. Man muh deshalb die Anordnung umgekehrt wie gewöhnlich treffen, so dah das Quecksilber, nachdem es" im Kondensator wieder zur Flüssigkeit geworden ist, in den Kessel hinab fällt. Auch darf natürlich nichts von der kostbaren Flüssigkeit verloren gehen, — woraus es bei Wasserdampf keineswegs sonderlich ankommt. Auf besondere Dichtigkeit aller Rohrleitungen usw. muß deshalb sehr geachtet werden, auch aus dem Grunde, weil Quecksilber bekanntermaßen sehr giftig ist. Endlich muh man daran denken, dah Quecksilber manche Metalle sehr stark angreist, solche Metalle dürfen daher in der ganzen, vom Quecksilber berührten Anlage nicht vorkommen.
Daß alle diese Gesichtspunkte erfolgreich beachtet worden sind, beweist der gute Erfolg der bestehenden Quecksilberdampfanlage. Schon vor Jahren hatte die Hartford Electric Co. in einem ihrer Werke eine Heine Quecksilberdampfturbine von 2000 Kilowatt Leistung ausgestellt, die sich so gut bewährte, dah nach jahrelanger Erprobung eine größere von 10 000 Kilowatt bestellt wurde. Auch diese läuft jetzt schon hinreichend mnge, um Klarheit darüber zu geben, dah das System vorzüglich ist. sw. Ausführungsmängel haben nichts zu sagen, bei einer so neuartigen ^wage sind sie kaum zu vermeiden. Keine technische Schöpfung ist dem Haupte des Erfinders vollendet entsprungen wie Pallas Athene dem des ->eus, immer hat erst die Erprobung in der Praxis zur Vervollkomm- nmtg und endgültigen Form geführt. Auf dem Wege zur rationellen -wnrmcwirtschaft, zur weitestgehenden Schonung und Ausnutzung unserer
kostbaren Kohlenvorräte bedeutet die Quecksilberdampfturbine einen bedeutenden Schritt vorwärts und. die Hartford Electric Co. hat sich ein großes Verdienst erworben, daß sie den Mut hatte, diesen Versuch zu wagen. Sicher wird ihr Mut und die Genialität des Konstrukteurs auf der Weltkraftkonferenz die verdiente Anerkennung finden; man kann aber daraus auch ganz allgemein die Lehre ziehen, dah vollkommen neuartige und vom Herkömmlichen abweichende Ideen nicht verlacht werden sollen, wie es leider so ost geschieht, sondern daß nur sorgfältigste Untersuchung das Recht gibt, ihnen das Urteil zu sprechen.
Eislsmd.
Roman einer Expedition.
Bon Hellmuth Unger.
Copyright by Carl Schünemann, Bremen.
lFortjegung.!
Fünfundzwanzig Männer in Eisland. Männer, ohne Namen, die ihr? Leben opferten für eine herrliche Idee, für eine große Sache.
Nur fünfundzwanzig!
In der Sundastraße hat vor Wochen der Krakatau Feuer gespien, die Hälfte einer Insel versank im Meer und 36 000 Menschen ertranken, und die Eistwolken des Mont Pelee auf Martinique vernichteten 40 000 in Augenblicken. Denkt an die großen Kriege, die irgendwo immer wieder die Welt erschüttern, an tausend unbekannte Soldaten, die auf fremden Schlachtfeldern verbluteten. Denkt an Orkane in der Südsee, an Hungerepidemien in China und Indien, an Pest- und Cholerazeiten.
Der Mensch im Kampf mit den Elementen ist hilflos, er kommt und vergeht.
Fünfundzwanzig Männer in Eisland. Das ist auch ein Krieg. Nicht wahr?
Faltet die Hände und betet, daß ihr vor ähnlichem Schicksal b» wahrt bleibt.
$
Wenn Not und Unheil über die Menschen kommen, gelten Vorteil« und Rangunterschiede nicht mehr. Jeder einzelne hat um sein armseliges Leben zu kämpfen. Die Stärksten bleiben, indem sie die anderen vernichten, aber sie zögern i h r eigenes Ende nur länger hinaus.
Das ist alles.
Ihr werdet sagen: ein Soldat bleibt Soldat und hat bis zum letzten Augenblick zu gehorchen! Nein. In der Not wird der Selbsterhaltungs« trieb stärker als alles und beherrscht die Gefühle. Es ist die einzige Moral, die In der Natur gllt. Alle Tiere handeln danach. Niemand hat es sie gelehrt.
Der dritte Winter in Eisland machte aus der Mannschaft vom Fort Congcr eine Rotte armer verrohter Menschen. Heimliche Feinschaft flackerte auf, im Augenblick, als jeder weiß, daß er dem Tod nicht mehr entgehen kann.
Gebt den Menschen Hoffnung und sie werden sich besinnen, sie werden das letzte versuchen, ein Unglück zu überwinden, ja sie werden sich opfern für andere, aber Mutlosigkeit macht sie feig und erbärmlich.
Eine Niederung auf der Pim-Insel bot Greely und feinen Leuten Schutz vor dem nahenden Winter. Im Windschutz einer Hügelkette wurde, dicht an einem Süßwassertümpel aus Steinen eine Hütte errichtet. In der alle zusammen Unterkunft fanden. Greely wollte sie ständig unter Kontrolle haben, denn er mußte neue Revolten befürchten. Der niedere Raum bot nur unwirtlichen Aufenthalt, aber er hielt die Wärme gut, die vom Lagerfeuer und den Körpern ausstrahlte. Vor Sturm und Kälte war die Mannschaft einigermaßen geschützt, nicht aber vor Hunger, der sie schon seit Monaten geschwächt hatte. Durch einen Schneekorridor war das Lebensmitteldepot von der Hütte aus zu erreichen. Sergeant Brainard hatte es zu verwalten. Aber die Vorräte reichten bei größter Sparsamkeit höchstens einige Monate und der Frühling war noch weit, ehe Greely versuchen konnte, mit den lieberlebenden Grönland zu erreichen.
Mutlosigkeit machte die meisten unfähig zu jeder Arbeit im Dienst der Gemeinschaft. Und Elison, der arme Teufel, war längst nicht mehr der einzige, der krank darniederlag.
Da hockten sie, kauerten oder lagen in ihren Schlafsäcken aus Pelz, stumpf geworden, gleichgültig. Ließen sich von Dr. Pavy behandeln, von den gesunden Kameraden pflegen und füttern. Wenn Greely ihnen Mut machte, lächelten sie mit verzerrten Gesichtern und wußten, dah sie belogen wurden. Wozu arbeiten, wozu schaffen? Es änderte sich doch nichts mehr. Wie Tiere dösten sie dahin und wurden nur rege, wenn die Zeit der Mahlzeiten herankam. Dann krochen sie näher ans Feuer, dicht aneinandergedrängt, daß die übrigen Gefährten kaum noch Platz finden konnten. Und die waren es doch, die überhaupt noch für sie sorgten. Sie sammelten Moos und Flechten, die in der Suppe mit verkocht wurden, holten Wasser und sammelten Treibholz. Jens Edvard, Sergeant Rice und Christiansen, manchmal auch Lockwood gingen täglich auf Jagd. Manchmal kamen sie mit Beute heim, einem Schneehuhn, einem halbverhungerten Fuchs. Doch was bedeutete das auf so viele verteilt!
Einmal gab es ein aufregendes Erlebnis. Jens hatte auf einem Marsch ein Walroß entdeckt und harpuniert. Keuchend kam er zum Lager und suchte Helfer, das kostbare Wild zu bergen. Eine herrliche Uebcrraschung für alle. Warmes, frisches, fettes Fleisch! Das bedeutete Vorrat für Wachen.
„Holt cs! Ja, holt es!"
Leutnant Kislingbury lchric den Jägern nach, ohne feinen Schlafsack zu verlassen und lachte wie ein Irrer. Gell und pausenlos.
„Speck in der Suppe! Ja."
Das harpunierte Tier war unterdes versackt und hatte Eisen und Fangleine mit in die Tiefe gerissen. So ging es verloren.
Aber die Freßgier war erweckt und keiner wollte sich an diesem Tag mit der ichalcn Suppe begnügen.
Korporal Elison heulte wie ein Wolf und schrie wirre Wortfctzen durcheinander, die niemand verstand. 'Aus seinen Bclnstümpen kroch er


