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Siebener ifamilienblötter
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang MO Zreitag, den April Nmnmer27
Lteber ein Stündlein.
Von Paul Heyse.
Dulde, gedulde dich fein! lieber ein Stündlein
Ist deine Kammer voll Sonne.
lieber den First, wo die Glocken hangen, Ist schon lange der Schein gegangen, Ging in Türmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken, Einsam wohnt er, oft erschrocken, Doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein.
Wer in tiefen Gassen gebaut, Hütt' an Hiittlein lehnt sich traut, Glocken haben ihn nie erschüttert, Wetterstrahl ihn nie umzittert, Aber spät sein Morgen graut.
Höh' und Tiefe hat Lust und Leid. Sag ihm ab, dem tätigen Neid: Andrer Gram birgt andre Wonne.
Dulde, gedulde dich fein! lieber ein Stündlein Ist deine Kammer voll Sonne.
„der Streichholz.^
Eine Erinnerung von Max Marschall.
Fünszig Jahre find vergangen und noch steht in meiner Erinnerung unverblaßt die Gestalt meines Mathematiklehrers, genannt „Streichholz". Der einzige Mensch, den ich je gehaßt habe in meinem ganzen Leben, gehaßt mit dem glühenden Haß eines dreizehnjährigen Tertianerherzens. Nicht der Mathematik wegen, die ich allerdings in höchstem Maße verabscheute und mißachtete, und die uns dieser Lehrer noch dazu in einer fürchterlichen Art beizubringen suchte, nein, nicht deswegen haßte ich ihn; dieser Mann hatte mir in einer kalten Unbarmherzigkeit mein Commerserienglück vernichtet.
Vor fünfzig Jahren hatten wir Gymnasiasten es noch erheblich schwerer als die heutige Jugend. Spiel und Sport, Wandern und son- siige Unterbrechung des Unterrichts waren unbekannte Dinge. Eintönig und formelhaft der Lehrplan, viermal in der Woche auch Nachmitlags- unterridjt bis vier oder gar fünf Uhr, viermal täglich den langen Schulweg und bann noch für den Rest des Tages einen Packen Hausaufgaben. Kein Wunder, daß wir Jungens mit allergrößter Sehnsucht den Sommerserien entgegensahen. Vier Wochen Freiheit, zwar auch vergällt durch die damals noch für notwendig gehaltenen Ferienaufgaben, die uns aber erst gegen Ende der Ferien zu drücken begannen. Vier Wochen ohne Aule! Welche Lust und Wonne auch für die unter uns, die nicht mit Men Ettern an die See, ins Gebirge oder in eine der umliegenden Sommerfrischen gingen und zu denen auch ich gehörte.
Es waren ein ober zwei Tage vor Beginn der großen Ferien, unsere lchte Mathematikstunde, die uns „Streichholz" erteilte. Wir hatten ihm diesen Spitznamen gegeben seiner unendlich langen dürren Gestalt wegen. Streichholz erfreute sich einer, nebenbei gesagt, durchaus verdienten iln- behebttjeit, auch bei seinen Kollegen, wie wir Jungens mit sicherem Ge- Nbl merlten. Er war bas Prototyp eines Lehrers, wie er nicht sein soll; ganz bestimmt hätte er aber nicht obendrein noch Mathematik und Algebra lehren dürfen. Niemals habe ich diesen Mann lächeln sehen, non Lachen ganz zu schweigen, niemals ein Scherzwort von ihm gehört; M'. ewig gleichem, steinern unbeweglichen Gesicht und in eintönigster i~c,1c versuchte er uns die den meisten von uns ohnehin am wenigsten mm?"v'sehe Wissenschaft beizubringen. Am allermeisten ärgerte uns teil ■ *'aner*)or‘3e seine geradezu unfaßliche Korrektheit und Sauber- ein >t,in langer bis oben hin zugeknöpfter schwarzer Gehrock war von cin»r Fleckenlosigkeit, die uns Jungens direkt empörte und die das Ziel es Streiches wurde, den wir nun, in der letzten Stunde, zur 2(us= suhrung brachten.
9a ini,9c Don. UNS, darunter auch ich, waren glückliche Besitzer eines (g.,o.P"ltes, mit dem wir winzige Stückchen Kreide auf ben glänzenden n otr unseres „Streichholz" zu schießen uns bemühten. Köstlich amii-
U'ir uns über die Gebärden unseres Lehrers, wenn er, ein weißes r bemerkend, mit größter Sorgfalt sich anstrengte, auch die win- denon ^-ptzr wieder zu entfernen, uno über die erstaunten Blicke, mit "°n er immer neue Fleckchen entdeckte.
Katanm/r^lie mich das Verhängnis. Ich zielte gerade mit meinem puu auf den linken Aerme! unseres „Streichholz", als mich ein
scharfer Blick aus feinen funkelnden Brillengläsern traf. Ich zuckte, schoß aber noch los und traf mit meinem Kreidestückchen die Brille unseres Lehrers; ich war ertappt und Sündenbock für die ganze Klaffe. Streichholz sah mich nur eisig an, sagte: „Du meldet dich nach Schulschluh bei mir!" und beendete ruhig, ohne ein Wort über den Vorfall zu äußern, seine Unterrichtsstunde.
Als ich bei ihm antrat, kam er auch da nicht auf meine Missetat zu sprechen. Ihm war meine Abneigung gegen die Mathematik und meine i Ignoranz in diesem Fache natürlich bekannt, und seine Rache für mein ! 'Attentat auf feinen Gehrock bestand darin, daß ich, da ich ja ohnehin ! nicht verreiste und auch er in Berlin blieb, während der Ferien an jedem ! Morgen achteinhalb Uhr in feiner' Wohnung antreten sollte zu einer 'Mathematik-Nachhilfestunde und Beaufsichtigung meiner Ferienaufgaben. Eine teuflische Rache und eine ungeheuerliche Strafe für mich armen Missetäter. Ich konnte natürlich, da er mit keinem Wort der Ursache dieser Maßregel gedachte, auch meinen Eltern nichts davon berichten und Streichholz galt diesen noch als Wohltäter.
Mein Martyrium begann, auch nicht eine Karenzzeit schenkte Streichholz mir, vom ersten Ferientage an mußte ich, statt wie meine in Berlin gebliebenen Kameraden wenigstens den Reiz des „Nichtaufstehenmüssens" zu genießen, früh aus dem Bett, in Sommerhitze den weiten Weg vom Schönhauser Tor bis zum Neuen Tor wandern, dort ein bis zwei Stunden, während mein „Streichholz" behaglich frühstückte, über mathematischen Problemen schwitzen und meine Arbeiten unter seiner Aufsicht machen, um bann, noch mit einer Hausaufgabe für den nächsten Tag belastet, wieder nach Haus zu marschieren, mit dem entsetzlichen Gefühl, auch noch einen großen Teil des Nachmittags zu verlieren und bei der Arbeit fitzen zu müssen, anstatt mit meinen Freunden umherzustrolchen und die Freiheit zu genießen.
Ein Haß gegen diesen Verderber meiner Ferienfreuden begann in meinem Herzen zu glimmen, ein Haß, der mit jedem Tag und schließlich zur hell lodernden Flamme wuchs. Die Hälfte der Ferien war herum; Tag für Tag mußte ich meinen Leidensweg antreten. Tag für Tag diesem Mann gegenüber sitzen, der, ohne jemals ein ermahnendes ober persönliches Wort an mich zu richten, starr und steinern feine „Rache", wie ich es nannte, an mir vollzog. Mordgedanken begannen in meinem Knabenhirn auszusteigen. Ich verglich meinen Peiniger mit (Segler und mich mit Wilhelm Teil. Warum konnte ich mich unb bie Tertia nicht von „Streichholz" befreien, ihn töten, wie Tell ben (Segler, warum würbe uns Tell als Held und Retter, nicht als Meuchelmörder bargestellt, konnte nicht auch ich ein Wilhelm Teil fein unb biefen Tyrannen beseitigen?!
Ich verbrachte viel Zeit, bie große Klinge meines Taschenmessers an einer Bordschwelle scharf unb spitz zu schleifen; an jebem Tag, ber meine Qual verlängerte unb meinen Haß wachsen ließ, nannte ich mich selbst einen Feigling, ber nicht ben Mut zu einer Tat aufbringen konnte. Ieben Tag klappte ich mein geschliffenes Messer auf, ehe ich ben ßeibensroeg antrat unb klappte es doch wieder zu, ehe ich an ber Wohnung meines Bedrückers klingelte und von ber Wirtin, bei ber er als Junggeselle wohnte, teilnahmsvoll in bas Zimmer geführt würbe.
Endlich loderte ber Haß zur Flamme auf. Ich schwor mir zu: heut geschieht es, heute mach ich ein Ende. Ich ließ mein Messer geöffnet in der Tasche, als ich eintrat, fühlte es auch in ber ganzen Zeit des Unterrichts. Mein Herz klopfte zum Zerspringen, aber zur 'Ausführung meiner Mord- und Rachepläne war ich wohl doch nicht „Tell" genug ... Da klopfte es an die Tür. Die Wirtin kam herein mit einem Tablett, auf dem eine dampfende Kanne, ein Teller mit Kuchen unb zwei Taffen standen Ich bemerkte erst jetzt, baß ber Frühstückstisch besser als sonst gedeckt und mit einem Blumenstrauß geschmückt war.
Die Wirtin, eine freundlich unb gütig blirfenbe alte Dame, stellte bas Tablett auf den Tisch und sagte! „Nun, Herr Doktor, heut an Ihrem Geburtstag kann der Junge wohl auch «ine Tasse Schokolade unb ein Stück Kuchen bekommen, eine kleine Freude wollen wir ihm in ben Ferien auch mal machen, nicht wahr, Herr Doktor?"
Sie reichte mir eine Tasse voll beimpfender Schokolade zu. Ich sah aus ben Lehrer, der. ohne zu antworten, mit seinem unbeweglichen Gesicht dabeistand. Der Schweiß trat auf meine Stirn. Ich faßte in bie Tasche, um mein Taschentuch herauszuholen; babei zog ich das Taschenmesser mit heraus, welches auf den Teppich fiel, ohne baß ich cs in meiner Verwirrung bemerkte.
Da sank der Blick ber alten Dame auf das an ber Erde liegende geöffnete, spitz unb scharf aussehende Messer. Sie hob es auf, sah es an, blickte auf „Streichholz" und bann auf mich mit einem eigenartigen Ausdruck, floppte das Messer zu und steckte es mir wortlos in bie Tasche. Ich wurde glühend rot, zitterte an allen Gliedern unb brach plötzlich mit haltlosem Schluchzen zusammen. Die Tasse entfiel meinen Händen unb zerbrach, die Schokolade floß über den Teppich unb ich stand an den Tisch gelehnt, die Hände vor dem Gesicht in fassungslosem Weinen.


