Ausgabe 
3.11.1930
 
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- Druck und Derlag: Drühl'f ch« UniversitätS-^Vuch. und Steindruckerei, R. Lange, Ti-tz«"-

Derantwortlich: vr. HanS Thyriot.

Sie lachte.

Das hat keine Gefahr!"

Der Knecht trat hinter die dralle Dirne, legte die Arme nm ihren

nachts nach im Traum. Der Meister hatte feine Freude an ihm. Das war im Frühjahr. Der Sammer kam. Augusthitze brütete über dem Darf. Just zag der Neumüller die Schleuse hach, da erschien der Ohrlitz und verkündete:s ist Kriegl Wie haben zuviel .Deutschland, Deutschland über alles gesungen. Das hat uns bei den Ausländern unbeliebt ge­macht. Alleweil kämmen wir in die Pfütsch!" Der Neumüller begab sich zum Bürgermeister und las bart den Mobilmachungsbefehl. Er wußte, was in [einem Militärpaß stand: ahne weitere Nachricht abzuwarten, hatte er sich beim Bezirkskammanda in der Kreisstadt zu stellen. Zwei Wachen später zag er ins Feld. Die Neumüllerin hatte jetzt ganz das Heft in der Hand. Die Kriegszeit kam ihrer Geldgier entgegen. Was sie bei ihren Wucherhändeln zusammenschrappte, verbarg sie in ihrem Weiß- zeugschrank, immer auf der Hut, daß niemand sie belaure. Sie hatte ihre Feinde. Indes sie ein unftätes, friedloses Leben führte, trat die Helene Kampmann aus Bachum über ihre Schwelle. Die hatte ihr der Bürger­meister als Pflegekind geschickt. Es war ein frühreifes Mädchen von vierzehn Jahren, das sich einzuschmeicheln verstand, ws es etwas zu erreichen hoffte. Die Neumüllerin, sonst mißtrauisch gegen jeden, der sich ihr näherte, war für die Bochumerin Feuer und Flamme, schenkte ihr neue Kleider und fütterte sie mit guten Bissen. Derweil schien die Welt

3.

Ueber Nacht hatte sich das Wetter geändert. In heiterer Anmut lag das Talgelände. Klar standen die fernen Berge gegen den lichtblauen Himmel. Durch die saftigen Wiesen strömte der glitzernde Bach. Aus den Getreidefeldern rasselten die Mähmaschinen. Die hatten die reichen Bauern angeschafft, fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen. Die geringen Leute brauchten die Sense.

Aelterväter, deren Kinder und Kindeskinder in der Feldschlacht stan­den, hatten die Nase auf der Erde, taten ihr Mannwerk mit eisernem Fleiß.

Der Melchior Belten, ein rüstiger Siebziger, schnitt fein Korn. Früh um sieben hielt er die erste Rast. Der Mattheis Fink, ein Altersgenosse, kam von seinem Acker herüber, mit dem Nachbar ein bißchen zu schwätzen.

Dies Jahr braucht man kein' Staub wein zu trinken", hob er an. Nee", gab der Belten zurück.

Wann die Frucht nur net stockig wird."

Das glaub ich net."

Dein Korn gefällt mir. Du mußt ein' guten Gefan getan haben.

Mein Weizen steht noch schöner."

Du kannst's gemachen. Ich hab net viel. Ich getrau mir die ganz Arbeit zu fressen."

Der Melchior schneuzte sich und fragte:

Was war dann das geft abend für ein Gelärms bei dir?

Der Mattheis zog die Brauen zusammen. (

Um Uhrer neun ich wollt mich gerab legen klopft s ans Tor. Ich tat mich nneber an unb macht' auf. Da stand ein Mann, rappeldürr und das Gesicht voll Schrumpeln. He sah aus wie einer, der acht Tag ! nir in den Leib gekriegt hat. ,Gu'n Abend!' spricht er. .Seid Ihr ber Mattheis Fink?' .Jawohl', sagt ich, .der bin ich!' .Ihr seid verlesen unb habt bas letzte Brot gebactenf spricht er. .Sterben müssen wir all , sagt ich, ,s fragt sich nur, wann. Ehnber mein Fried aus dem Feld heim- kommt, geb ich das Werk net aus der Hand. Das merkt Euch und etz putzt die Platt!' He sprach dadrauf kein Bibswörtchen mehr. Das Tor fiel zu. Fort war er!"

Der Melchior wiegte den Kopf hin und her.

|Die Heidenleut von Rüddingshaufen treiben alleweil chr Geführt I in der Gegend,s wird einer von denen gewesen sein. Und hat sein' Uz

Dreimal drei ist neun, Schätzet, du bist mein. Dreh dich emal herum, Ich will dir ebbes gebe, Schad dir nix am Lebe, Dreh dich emal herum!"

dem Gehöft des Sandhannes brummte die Dreschmaschine, und Frauen reichten die Gebunde hinauf, schoben sie in die . Russische Gefangene schafften das Geströh fort und b>e ge-

...a, Rnnnmifm unb fnracfr Ich will zwischen dir . aus den Fugen zu gehn. Gewalthaber, verblendet, vom Wahnsiiin ge-

*nbabeinen tieut kein' U.wadem stiftem Ich geh.'Und die Mutter geht peitscht, gaben den Menschen die Losung: Mord! Der Teufel wühlte die

auch!" Der Hannwilm versetzte beklommen:Daß ich neben dem Herz zuckende Erde auf. Tausende und aber Tausende blühender Leben ver-

he? schwätz, traust du mir doch net zu. Ich bitt euch, bleibt!" Die schlang der große Schlund, der Kneg. Der Neumüller war beim Sturm

Anna icküttelte den Kopf Mutter und Tochter verließen die Mühle und von Lüttich, kämpfte in Polen, in den Karpathen und wieder im Westen

n ie eten im Häuschen der Eulerskett Stube und Kammer. Ein halbes Die Nachricht kam, er sei schwer verwundet. Lange tag er im Lazarett.

Jahr darauf hielt die Christine Stebel von Ruttershausen als junge Dienstuntauglich wurde er m bte Heimat entlassen. Frau ihren Einzug im Müllerhaus. Sie hatte brandschwarzes Haar und I dunkle, flackernde Augen. In ihren Gesichtszügen drückte sich ein starkes I Selbstgefühl aus. Sie machte ein groß Wesen von ihrem Tun. Bei leber I Gelegenheit ttangs durch:Ich bin von Leut, die ihr Geld net im Dreck gefunden haben!"Der Gickel steigt ihr", rafaunerten Knechte und Mägde,sie ist arg penkelich!" Im Befehlen tat sie zuviel, im Essen hielt sie das Gesinde knapp. Als ihrem Mann eines Mittags, was sie ihm vorsetzte, widerstand, fuhr's ihr heraus:Wann dir's net schmeckt, spei's aus. Ich kann dir keine Extrawurst braten! Der Vetter Aul­mann stellte dem Hannwilm vor:Du läßt dir den Löffel hinter die Tür werfen und holst ihn wieder herbei. Das ist ein Fehler. Treib der Christine die Hundsmucken aus. Einen jungen Baum kann man noch biegen!" Der Hannwilm antwortete trübselig:Da ist Hopsen und Mcilz verloren. Sie hat die Natur und wird sich net ändern!" Der Altmüller und seine Frau kehrten sich von der Schwiegertochter ab. Die fühlte sich Mutter, hatte einen Mißfall und lag unter großen Schmerzen darnieder. Aus ihrer ßeibensftatt führte sie Stichelreden gegen ihren Mann:Ich bin an der Märtel nicht schuld. Wer weiß, was du dir beim Militär geholt hast!" Der Altmüller starb, kurz danach seine Frau. Auch die Witwe Weckler schied hin. Die Anna wusch und bügelte für die Leute hatte mehr Arbeit, als sie bewältigen konnte. Eine Demütigung für die Müllerin war's, als die Hiobspost kam, daß ihr Vater sich in gewagte Geschäfte eingelassen und sein Vermögen an der Getreidebörse verwispelt hatte. Aller Selbstbeherrschung bar, wankte sie in ihre Kammer, tobte und heulte, daß es durch die Mühle gellte. Der Hann­wilm in feiner Weichmütigkeit sprach ihr Trost zu:Ich bin ein so ge­sinnter Mensch, Christine, wann du anderster wärst, net immer prebeln tatst wollt ich gern verschmerzen, daß ich um dein Elterliches kommen bin!" Scheinbar nahm sie sich seine Vermahnung zu Herzen. Freilich nur ein paar Wochen lang. Sie spintisierte, wie sie erraffen könne, was ihr durch den Zusammenbruch ihres Vaters entgangen war. Sie tauschte gegen geringes Mehl, Eier und Butter ein, die sie an Händler weiter­verkaufte. Geld zu sparen, entließ sie Dienstleute, die sich redlich plagten und auch gut bezahlt sein wollten. Dafür nahm sie Lückenstopser und sicherte sich noch schulpflichtige Kinder, bereit Eltern bei ihr in ber Kreide standen. Sie gab lieber Blut als Geld. Ihr Geiz ließ den Rauch nicht aus dem Zimmer und verwirrte das ganze Haus. Der Hannwilm sah diesem Treiben keineswegs mit gekreuzten Armen zu. Er kämpfte , ., .. ", Q(.

einen erbitterten Kampf. Die Frau zu bändigen, fehlte ihm die Kraft. 1 ~ Mattheis bezweifelte das.

In feiner Kümmernis überkam ihn ein Verlangen die Wecklersanna I . tüQ,in>s bedr Deubel war, der mich holen wollt", rief er, die 3» sprechen. Der Weg zur Jugendfreundin war nicht weit. Sie nahm oorn)ölbenb ^ür aUe Fäll hab ich khm Heimgeleucht'!"

ihn freundlich auf. Du er seinem Herzen Luft gemacht hatte, ward ihm | Hundert Klafter weiter auf einer Gewann des Speckmichel hatten

leichter. Zerrissene Fäden spannen sich wieder an. Die alte Liebe wurde I f : v@ned)t aU5 Mb ach unb die Magd aus Oppenrod ihren Herrn in der

wach unb fragte nicht, ob fich's schickte. Es war ein harter wüster £mKnea)t aus zuoaaj unu a

Winter. Wenn ber Hannwilm zur Wecklersanna ging, war ihm kein I > > , , , , Dreck am Stecken", sagte ber Knecht,und freut sich,

Wind zu kalt. Eines Tages trügens die Waschmauler von Ohr zu I roa"n'eil"em andern ein Wagen voll Heu umfällt. Wird he emal gefaßt, Ohr:Die Wecklersanna hat ein Mehstack gehoben unb bte Klei ist /bi qut befür, er schreibt bem Gendarm unb zeigt die Nachbars- bei sie gefahren!" Von ihrer Hauswirtin betreut, brachte sie ein Bub- P °ir 9UI uc,ur' 1 ;

chen zur Welt. Jedermann wußte, wer der Vater war. Die Neu- I ,mt ... net am Sonntag die Milch zu wässern", gab die Müllerin, als sie von der Geburt des Kindes erfuhrriefmitflammew $ W Unwillen Ausdruck.Dabebei kann er zuckersüß sein." den Augen:Die Schnippel sollt man mit Kolben lausen! Unb plötzlich 1 ^athrinche nehm dich in acht!" scherzte der Knecht. .

in sich zusammensinkend setzte sie hinzu:Was wird der Hannwilm für I ".. 9 . ein Geldspiel zu dem Bankert schleppen!" Der Neumüller ließ eine Kuh besonders füttern und gab dem Kind die Milch. Als es so weit war, daß es feste Nahrung zu sich nahm, brachte er ihm Speck und Fleisch. , , , .

Er war rein oernättert in den Bud. Der schoß in die Hohe. Wie feine I unu Mutter offenbarte er in der Schule einen hellen Verstand. Aus eignem I Antrieb bot er sich nach seiner Konfirmation dem Schmied Möckel als I Lehrbursch an. Dieser bedang sich eine vierwöchige Probezeit aus. Als I die abgelaufen war, sprach er:Karl, ich will dich behalten! Den Blas- I balg kannst du schon ziehen, fürcht'st dich auch vor den Funken net. Für I ein paar Penning müssen wir Schmied' viel Spektakel machen. Ader I s ist ehrlich verdient. Du schlägst leicht aus dem Eisen, merk ich. Tut I -^i

nix. Jugend will getobt sein. Daß du mich recht verstehst: draußen! 1 Mädchen Hier in der Werkstatt heißt's, die Gusch gehalten. Da hast du die Zang. I 2?oinmel.. Trlebm«! 7m Glana Der Wicge-

Allo!" Der Karl war tüchtig in seinem Handwerk und (ernte gut füllten Sacke. Der, Maschinist hielt bas Triebwerk im wang. E u>i u

schweißen., Salier einen Gaul, dachte -r ans Beschlagen^ hamnwrte | meister mattete seme^A ntes.^ &ute Frühstück. In der

Stube sah man auf langem, schmalem Tisch Schinken, Schwartemagen, -umüller bie Schleuse hoch, ba erschien ber Ohrtttz und | Hanbkäse Butter unb »rot . ®@e?aJa/nen Sber Ä e ?ieb n

* Einer, ein baumlanger Kerl mit schwarzbraunem Schnauzbart sagte, an ein Gespräch antnüpfenb, bas er mit dem Sandhannes gehabt.

Großfürsten müssen kaputt gehn!" s

Ihr seid daheim an die Knut gewöhnt! rief der Bauer und richtet sich hoch auf.Wir hatten uns' Freiheit und wußten sie begraben.

Nicht laut genug konnte man die Schandglocke lauten, tote ® Landmann im Krieg zu Boden gedrückt und seiner Rechte beraubt wo den war. Wenn man ihn so weiter tujomerte, futterte er das Vieh nu mehr und ließ die Aecker ungezackert. in

Zwei Stabtjungen, die ihre Rucksäcke übergehangt hatten,.tratenm die Stube und fragten, ob sie etwas Butter Haden konnten. Was das verlangt werde, wällten sie gern bezahlen. . wjt

Hier gibts nix zu Hamstern!" beschied sie die Saurin.Was haben, brauchen wir für unsi Leut!"

(Fortsetzung folgt.) ___-