Ausgabe 
3.11.1930
 
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er steckt in jedem von. uns selbst, meist recht dicht unter der Oberfläche. Wenn wir diese abtragen, stoßen wir bald auf die Stufe des symbo­lischen Bewußtseins, auf eine Schicht also, in der der Mensch Bild und Wirklichkeit noch ungetrennt in sich trägt, in der die Triebe die eigent­lichen Realitäten sind und die Wünsche, Zauberer und Priester. Mehr­schichtig ist unser Erleben, die rationelle Seite ist wesentlich Fassade und als solche Schmuck oder Schutz für dasjenige, was sich hinter ihr ver­birgt. Bisherige Graphologie zog zwar das Unbemerkte in den Umkreis ihrer Betrachtung, weil der Mensch sich vor allem durch dasjenige charak­terisiert, was er nicht an sich beobachtet, freilich auch durch das,, was er trotz fremden Hinweises nicht bei sich abzustellen vermag. Auf dieser Feststellung des Unbemerkten und des damit nicht Nachahmbaren beruht ja wesentlich die Methode der gerichtlichen Schriftuntersuchung. Die Kleinigkeiten verraten hier eine bestimmte Person und ermöglichen die Ermittlung des Schrifturhebers. Wurde also das Individuelle an Schrif­ten richtigerweise darin gesehen, daß jeder Schreiber in ihrer jeweiligen Zusammensetzung einmalige Abwandlungen der Schulvorlagen auf­weist, so verhinderte doch eine beschränkte Auffassung vom Wesen des menschlichen Charakters die volle Ausnutzung der gewonnenen Beob­achtungen.

Man hielt den menschlichen Charakter in erster Linie für eine mora­lische und intellektuelle Angelegenheit, machte ihn damit vom bewußten, frei beherrschbaren Willen abhängig und verzerrte das Bild des Men­schen durch beschränkende und beschränkte sittliche und verstandesmäßige Forderungen. Der Charakter eines Menschen ist ein außerordentlich komplexes Gebilde. Es ist unmöglich, ihn von seinem Körperbau zu trennen, noch von feiner Konstitution, das heißt von der Summe seiner ererbten Anlagen.

Die Schrift ist ein Niederschlag des ganzen Menschen nicht nur des bewußten und unbewußten Seelenlebens und der intellektuellen oder geistigen Fähigkeiten.

Nicht nur sittliche Wandlungen beeinflussen die Schrift, nicht nur Gemütsbewegungen verändern das Bild, auch Krankheiten geben ihr ein anderes Gesicht und oft genug ein verzerrtes.

Im Schreiben werden Gedanken niedergelegt, in der Art der Nieder­schrift aber schlüpfen die Hintergedanken mit hinein. Wenn schon Freud in seinem bekannten Buche zur Psychologie des Alltagslebens den sympto­matischen Wert der Verschreibung erkannt hat, so erschließt fid)- dem ausgebildeten, graphologischen Beobachter eine ganze Welt von Fehl­handlungen, von verheimlichten Absichten, von berechnetem Vorbehalt, von übertreibenden Lügen, von unehrlichem Verschweigen. Hierfür sind natürlich nicht die Verschreibungen allein maßgeblich, sondern auch eine Reihe anderer Ausdrucksgebärden. Das wahre Gesicht eines Menschen zeigt sich gerade, was seine Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit betrifft, nirgends mit solcher Deutlichkeit wie auf Grund dieser Handschrift. Selbstver­ständlicherweise kann nur langjährige Erfahrung und sehr feine Schulung der Beobachtung so gut wie des Gewissens hier zu eindeutigen Be­stimmungen führen. Der moralische Wert tiefschürfender menschlicher Ein­sicht geht hierbei noch über d§n praktischen der Zuverlässigkeitsfrage für Handel und Wandel hinaus. Neben der Erörterung der Vertrauensfrage sind es vornehmlich zwei menschliche Gruppen, denen gegenüber Schrift­erkenntnis hilfreich und wichtig werden: die Jugendlichen und die seelisch oder charakterologisch Abnormen. Auch diesen Gruppen gilt unsere jahre­lange Bemühung. Gerade bei Kindern, wo noch am meisten zu erreichen ist, empfiehlt sich hier Einsicht für die Lehrer oder für die Erziehungs­berechtigten: die Intensität, womit sie nach diesem neuen Hilfsmittel der Mensch nerkenntnis verlangen, beweist das Bedürfnis, der gute Erfolg die Brauchbarkeit der Methode.

Auch beim seelisch Abnormen, in die menschliche Gesellschaft schwer Einfügbaren bietet sich hier die Möglichkeit, den Schwierigkeiten aus den Grund zu gehen und günstigenfalls sie damit zu beheben. Der Mensch ist in feiner Schrift eben nicht nur Schreibregeln unterworfen, sondern über das Individuelle hinausgehend oder unter das Individuelle hinab­steigenden Gesetzmäßigkeiten; der innere Aufbau feines Wesens ist nur gleichsam in seiner Spitze individuell, in feinen Wurzeln und Tiefen aber kollektiven Mächten untertan. Was sich in feiner Konstitution an ererbten Anlagen zusammenfindet, bestimmt ebensosehr sein Geschick, wie feine per­sönlich-sittliche Willensanstrengung oder deren Fehlen. Charakter und Schicksal sind nicht, wie die populäre Psychologie will, Gegenspieler, eher noch ist das Schicksal der Ausdruck dessen in der Zeit, was wir als zeitlosen Querschnitt durch ein Wesen aufgefaßt, Charakter nennen. Jeder Mensch ist ein unbewußter Selbstporträtist, seine schriftliche Aeuherung richtet sich an ein Du und verrät dabei sein Selbst.

Oer Schlund.

Roman von Alfred Bock.

(Fortsetzung.)

Sein Spezial war der Wecklersheinrich, eines geringen Bauern Sol)«. Die Freundschaft hatte ihren besonderen Grund. Nicht weit vom Dorf, wo der Fußpfad nach Oppenrod lief, lag der Pfaffen- mch. Es geschah, daß der junge Schüttler dort einmal badete, in eine Untiefe geriet und ertrunken wäre, wenn ihn fein Schulkamerad, der -wecklersheinrich, nicht herausgeholt und mit vieler Mühe ans Ufer ge= r^cht hätte. Von da ab versäumte der Daniel keine Gelegenheit, seinem Lebensretter sich dankbar zu erweisen. Als dieser später im Dorf ein Uramlädchen eröffnete, stand der Neumüller ihm mit Rat und Tat bei, pachte den Freiersmann für den Freund und hob das Mädchen, das °n Eheleuten Weckler geboren wurde, aus der Taufe. Das Kram- möchei, bekam Zuspruch. Der Wecklersheinrich verdiente ein fchönes °t!i(f Geld. Das genügte ihm nicht, er wollte höher hinaus. Er ver­wüste seine Waren im" großen und ließ dabei soviel durch die Finger Wen, das feine Mittel bald aufgezehrt waren. Der Neumüller sprang L und rettete, was noch zu retten war. Die dicken Bauern äußerten: 'Uer Krämer hat sich in den Hals geschnitten. Er ist unter den Hecken

groß geworden, hat geglaubt, er könnt die Welt bannen. Alleweil pfM er auf dem letzten Loch. Das kommt devon, wann sie ein Hochseicher mit der Wurst nach der Speckfeit wirft!" Dem Wecklersheinrich war der Aufenthalt im Dorf verleidet. Er zog mit Weid und Kind nach West­falen, wo er zuerst bei der Firma Peter Harkort in Wetter an der Ruhr, darauf in der Gußstahlsabrik zu Bochum Arbeit fand. Hier schaffte er sechs Jahre und starb dann plötzlich, ohne bettlägerig ge­wesen zu fein. Die Witwe Weckler, die in Dürftigkeit zurückgeblieben war, wandte sich an ihres Mannes Freund, den Daniel Schüttler, und rief dessen Hilfe an. Er schrieb ihr, sie solle kommen, solle ihr Bestes tun, f'ch auf der Neumühle nützlich zu machen. Sie traf denn auch mit ihrer Tochter in der Heimat ein, war der Frau Schüttler als Näherin und Flickerin dienlich. Zwischen der elfjährigen Wecklersanna und dem gleichaltrigen Sohn der Müllersleute, dem Hannwilm, stellte sich erst nach und nach ein gutes Einvernehmen her. Die Kleine hatte in West­falen mancherlei angenommen, was dem hessischen Bauernjungen miß­fiel. Insbesondere verdroß ihn das Platt, das sie zuweilen sprach. Sie war nicht übelnehmisch und immer vergnügt. Fragte sie den Knatternden: Männeke, wat heww ik di dann tan?", ranzte er sie an:Halt dein Maul, ich kann das polische Zeug net hörenl" Er lauschte aber mit ge­spannter Aufmerksamkeit, wenn sie von Bochum erzählte, von den Zechen, den Hochöfen und den Gußstahlwerken, von den Riefenschloten, aus denen abends die Flammen schlugen. Einmal im Herbst das hatte sich unverwischbar ihrem Gedächtnis eingeprägt fagte die Mutter in Bochum:Heut ist Schützenfest, wir machen mit!" Sie gingen aus den Festplatz. Die Schützen hatten einen König und eine Königin gewählt. Die saßen, von ihrem Hofstaat umgeben, auf einem mit blauer und weißer Seide überzogenen Thron. Es waren Schaubuden da und Karusselle. Zauberer zeigten ihre Künste. Einer zog aus dem Aermel einen Vogelbauer. Darin hüpfte ein Hänfling herum, der wunderschön sang. Der Hannwilm meinte, das bedeute nicht viel. Er hatte bei der letzten Kirmes einen Mann gesehen, der Feuer fraß und ein Messer verschluckte. So ein Schützenfest mochte ja ganz pläsierlich sein. Wenn aber die Kirmesburschen mit Musik durchs Dorf ritten, wenn man sich an Blechkuchen bumbsatt essen konnte, das war doch viel fchöner. All­mählich paßte sich die Wecklersanna der Umgebung wieder an, mit der sie sieben Jahre nicht mehr in Berührung gekommen war. Im Gegen­satz zum Hannwilm, der in der Schule die Unterrichtsgegenstände nur langsam erfaßte, nahm seine Kameradin alles rasch in sich auf. Bei einer Prüfung gefragt, ob sie von Martin Luther außer beffen Katechis­mus noch etwas wisse, trug sie frei vor, wie der Reformator mit einem gewaltigen Mut durch den Wall seiner Feinde, die ihm ans Leben wollten, hindurchgezogen war, wie er zu Worms vor Kaiser und Reichs­tag unerschrocken seine Lehre bekannte. Die kleine Rednerin glühte wie ein Oeschen. Die Buben und Mädchen, der Hannwilm vornan, sperrten Maul und Ohren auf. Nachdem sie eingesegnet war, blieb die Wecklers­anna in der Mühle und griff im Haus tüchtig mit zu. Der Daniel Schüttler gedachte feinen Sohn auf eine höhere Schule zu fchicken, damit er das Einjährigenzeugnis erlange. Der Plan wurde zu Wasser. Der Neumüller war nach überstandener Grippe leidend.Ich bin wurm­stichig worden!" waberte er.Dessentwegen mag ich mein Jung net entbehren!" Der Hannwilm, der gar keine Lust verspürte, noch ein­mal die Schulbank zu drücken, bewährte sich als Müllerbursch. Die Wecklersanna kam in die Blüte ihrer Jahre. Des Gemeinderechners Aeltester hatte ein Auge auf sie. Eines Nachts stellte er feine Leiter an ihr Kammerfenster, stieg hinaus und pochte. Da er abblitzte, ließ er, sich zu rächen, die Leiter stehen. Die Anna wurde deshalb viel ge­neckt, niemand redete ihr Schlimmes nach. Es wurde gemummelt, der Hannwilm sei ihr Schatz. Daß des wohlhabenden Neumüllers Sohn die Anna in ihrer Armut heiraten würde, glaubte man nicht. Die jungen Leute hatten sich gern. Die größte Freiheit war ihnen gewährt, aber sie mißbrauchten sie nicht. Der Hannwilm wurde Soldat. In der Aus­bildungszeit hatte er unter den Beschimpfungen, ja unter den Tätlich­keiten eines Unteroffiziers zu leiden. Darüber beklagte er sich bitter in einem langen Brief, nicht, wie man hätte erwarten sollen, bei feinem Vater oder feiner Mutter, sondern bei feiner Kameradin, der Wecklers­anna. Die antwortete ihm, war eine so verständige Trösterin, daß er der schlechten Behandlung, der Beulen und braunen Flecken vergaß und sich vornahm, gleichmütig zu ertragen, was ihm als Rekrut auferlegt war. Von nun an schrieb er der Anna regelmäßig, und sie schrieb ihm wieder. Als er den Militärrock auszog und in die Heimat zurückkehrte, fand er den Vater kurzatmig und unnatürlich aufgeschwemmt. Den Kranken quälten Herzschmerzen und Schwindel. Zweimal in der Woche hielt der Doktorwagen vor der Mühle. Der Sanitätsrat erklärte:Schütt­ler, alle Mittel, die ich Ihnen verordne, helfen nichts, wenn Sie sich keine Ruhe gönnen. Ueberanftrengungen, Aufregungen sind Gift für Sie. Sie können alt werden bei Ihrem Leiden, aber Sie müssen sich schonen, sonst steh ich für nichts. Ich kann Ihnen nur raten, machen Sie Schicht! Ihr Sohn ist jetzt wieder da, geben Sie ihm das Geschäft!" Die Worte wirkten. Der Daniel Schüttler baute für sich und feine Frau ein Auszugshäuschen und fetzte den Hannwilm als feinen Nach­folger in der Neumühle ein. Die Eltern wünschten den Sohn gut ver­heiratet zu sehen. Je eher, je lieber. Sie fragten den Vetter Aulmann. Ohne sich lang zu besinnen, antwortete der:Ich weiß euch für euern Hannwilm ein Mädchen. In Ruttershausen. Sie schreibt sich Siebet. Der Vater hat viel Eigentumsfeld und ist ein Mann in seinen vier Ecken!" Der Vetter kannte die Familie seit langem, war bereit, Vor­verhandlungen zu führen, allenfalls auch mit dem Hannwilm zur Be­schauung zu fahren. Dem Altmüller und seiner Frau leuchtete der Vor­schlag ein. Der Hannwilm sträubte sich. Es eile ihm mit dem Heiraten nicht, er könne noch warten. Seine Eltern wußten, daß sein Herz an der Wecklersanna hing. Für das Wörtlein Liebe war in ihrem Kalender kein Platz, das galt ihnen als albern, als lächerlich. Sie hatten bis dahin mit ihrem Sohn im besten Frieden gelebt, nun war des Zungen­kampfes kein Ende. Bei solchem Rabastern bekam der Altmüller einen Anfall, daß man meinte, sein Stündlein habe geschlagen. Die Wecklers-