Ausgabe 
3.10.1930
 
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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

längst verachten gelernt hatte, an den rechten Platz gestellt. Er bildete in dem einsamen Städtchen Johannisburg, nach dem er versetzt wurde, mit unermüdlichem Eifer, unbeugsamer Strenge und stärkster Anspannung aller Kräfte sein Bataillon zu einer vorbildlichen Mustertruppe aus. Und bald durfte er diese Kunst des Lehrens an einem höheren und wichtigeren Platz bewähren. Sein Ruf war so weit bekannt geworden, daß er 1799 zum Kommandanten des Fußjäger-Regiments ernannt wurde. Er führte hier eine vollständige Reform durch, schuf einen geschmeidigen, überall verwendbaren Truppenteil, der, die von Napoleon ausgebildet« Taktik des Schwärmens und Plänkelns, der selbständigen Ausbildung des einzelnen und der einheitlichen Wirkung aller in die preußische Armee brachte. Wenn er auf Offiziere und Mannschaften eine ganz rätselhafte anspor- nende und bezwingende Macht auszuüben vermochte, so lag das in der dämonischen Wucht seines Charakters, in jener gebietenden Kraft des Willens, die ohne Lob und Lächeln doch alle Energien zur höchsten Leistungsfähigkeit spannt und steigert.

Dorcks Jäger hatten in der trüben Seit von 1806 sich fast allein bewährt; bei der Reorganisation des preußischen Heeres wurde daher Yorck zum Inspekteur der leichten Truppen ernannt und entfaltete hier eine höchst einflußreiche, für die ganze Entwicklung des Heeres bedeutsame Tätigkeit. Sein Einfluß im Heere war gewaltig geworden; seine in engsten Formen begonnenen Reuerungen hatten sich allgemein Geltung erobert. Wie hoch der König damals schon seinen Charakter und sein pädagogisches Genie einschätzte, beweist die Tatsache, daß er ihn 1807 zum Erzieher des Kronprinzen ausersehen hatte. In der ausführlich begründeten Ablehnung Yorcks, in der er fein Ideal eines Fürstenerziehers zeichnet, tritt uns zum ersten Mal seine ganze Persönlichkeit in einem ungewollten Selbst­bekenntnis entgegen. Die harmonische Charakterausbildung, die welt­männische Lebensführung sprach er sich ab. Er wußte, daß die Wunden und Brüche eines stürmereichen Lebens nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele zerfurcht hatten, daß er wohl den Willen vieler Tausende sich gefügig machen, als alter Kriegsmann eine Armee zu seinem Instru­mente zwingen und bändigen, aber nicht eine einzelne Menschenpslanze mit der Behutsamkeit des guten Gärtners pflegen könnte. Die Be­drückung feines Volkes, der Uebermut der Eroberer hatten das Chaotische seines Wesens aufgewühlt: er lechzte nach Rache.

Deshalb verließ er nicht wie andere hohe Offiziere das Heer feines Königs, als es mit Napoleon in dm Krieg gegen Rußland ziehen mußte. Nach hartem Gewissenskampf erfüllte er auch den schwersten Befehl seines Herrn, der ihn an die Spitze des preußischen Hilfskorps bei der großen Armee stellte. Nun tritt Yorck aus der Enge des Drills heraus in das Licht der Weltgeschichte. Das Wohl des Höchsten und Größten, was er kennt, seines Volkes scheint in seine Hand gegeben, und seine selbständige, eigenwillige und doch tief demütige Natur findet die erlösende Tat; er verläßt die Fahnen des Erbfeindes und tritt zu den Russen über, die Preußen befreien zu wollen. In furchtbaren Seelenkämpfen hat Yorck geschwankt, bevor er an dem grauen Dezembermorgen 1812 in der Posche- runschen Mühle die Konvention von Tauroggen unterzeichnete. Auch nachher noch, als ihm die Nachricht zukam, er sei abgesetzt und werde vor ein Kriegsgericht gestellt werden, mnschwirrten ihn nächtig« Gespenster des inneren Zwiespalts. Aber die Zukunft gab ihm Recht: seine Tat hatte das erste Feuerzeichen auflohen lassen zur Befreiung, sein Weckruf tausend­fachen Wiederhall gefunden. Statt des Sandhaufens, auf dem er als standrechtlich Erschossener zu enden gefürchtet, ward ihm Ruhm und An» ertennung. Er nahm das eine so ruhig hin, wie er das andere erwartet: vor seinem Gewissen fühlte er sich schuldlos, vor feinem höchsten Richter.

Es ist viel darüber gestritten worden, ob Yorck nicht doch einer geheimen Direktive folgte, als er fein Korps von den Franzosen trennte. Daß die Politik Hardenbergs auf diplomatischen Schleichwegen dem gleichen Ziel zustrebte, ist gewiß. Jedenfalls fehlten in dem unendlich verwickelten Gang der Verhältnisse deutliche Anweisungen und Yorck trug am Ende doch die voll« Verantwortung, für die er mit feinem Kopf «instehen mußte. Dann kamen die Tag« der Erhebung Ostpreußens, die Gründung der Landwehr. Auch da hat Yorck feinen gewichtigen Anteil an allem genommen, nachher in den Kriegen auf den Schlachtfeldern von Wartenburg und Möckern, von Montmirail und Laon. Auch als Feld­herr war er der Mann der genauen Vorbereitung, der langsamen lieber« legung, der sorgfältigen Berechnung aller Möglichkeiten, der Vermeidung aller Wagnifse, aber wenn er einmal seinen Plan fertig hatte, ging er mit eiserner Konsequenz vor, wie Blücher von ihm sagte:Der Yorck ist «in giftiger Kerl, aber wenn er einmal angebissen hak, läßt er nicht locker." Neben denDraufgängern" undPhantasten", wie er Blücher und Gneisenau sarkastisch nannte, stand er als der besonnen« Praktiker. Und in Zeiten der Gefahr ist der zuverlässige Realist nicht minder wichtig als der Mann des genialen Wurfs. Ms ein getreuer Helfer hat Yorck das Werk der Befreiung vollenden helfen, das er als erster begonnen. Auf feinen fleckenlosen Schild konnte er Huttens stolzen Wahlspruch schreiben: Ich hab's gewagt mit Sinnen."

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Jahrgang (930

Sreitag, den 3. Oktober

Nummer 76

Herbst.

Von Theodor Fontane.

Schon mischt sich Rot in der Blätter Grün, Reseden und Astern sind im Verblühn, Die Trauben geschnitten, der Hafer gemäht Der Herbst ist da, das Jahr wird spät.

Und doch (ob Herbst auch) die Sonne glüht Weg drum mit der Schwermut aus deinem Gemüt! Banne di« Sorge, genieße, was frommt. Eh' Stille, Schnee und Winter kommt.

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alles.' )«r beult Lust der kmn gehl im Buche > blättern iben, nach ach Kaire n mußte, rftig, und neben sich nden. Bit i er hallt m Pasch« .s fürchtet ) fast ver>1 iber Früh 5 bleiben.

lerlen und icht. Denn e sich bas as Mutter chakals $n eit zurüch Idie Nacht In Mantel Ibiger hal- Ize'Bemm »ednehmen len ich auf jite. Seine lamer und Ras machte Rr wie bas Ballung.

gelte! Sie Rrfchnitien, Iber; es Ist Beben. Das Boni Pa"' er deine« B wenn du Mir lieben Hch Türken Her grasten Hes wiffen> Hauten dich Hute deines Maliw säst Menes Mr Wes Ps°'; WeprM Mi aus der Hr Stirne. Walles. Er W das sfst Wjchied ein.

Vorck.

Zu seinem 100. Todestage.

Von Dr. Georg Kuhn.

Yorck von Wartenberg lebt in der preußischen Geschichte fort als das Symbol des ehernen Willens, des stolzen Pflichtbewusstseins, das Kant m feinemkategorischen Imperativ" gefordert hat. Er war der harte Zuchtmeister des Heeres, der erste Verkünder der Morgenröte, die nach langer Nacht dem Pveußenvolke wieder leuchten sollte Ein eiserner e.^nen Zeit! Kein heller glücklicher Feuerkopf wie der Efirschall Vorwärts, dem dir Gemüter freudig zujubelten, kein vom Schlachtentod verklärter Heros rote Scharnhorst und kein genialer Refor- mator wie Gneisenau. Düster und hart rote die traurige Zeit der Unter« brurfung ein Sohn der Not und des Zornes, der alle milderen Seiten eines Wesens gewaltsam ertötet zu haben schien, um nur seiner Pflicht, einer Rache, feinem Schicksal zu leben. So wuchs er über sein Mensch- uches hinaus zu einem geschlossenen Ausdruck brr Bitterkeit, die sich in bem geknechteten Volke aufgehäuft, der drängenden Sehnsucht nach Be- freiung. Wer ein Sinnbild gestalten wollte, in dem die Seele des preußi- schen Volkes lebte vor seiner Befreiung, bei seiner Erhebung, der müßte em Monument Yorcks errichten, eine riefenhaste Rolandsfigur, starr, eckig wehrhaft gegürtet, in den festen Zügen den Ausdruck finsterer Entschlossen­heit, die Hand den Schwertgriff umklammernd, den Kopf emporgehoben in wachsamer Selbstzucht, aber in den Augen das Funkeln einer heißen Kampfbegier. Eine Dämmerungsgestalt, umwittert von Kälte und Dunkel von Sturm und Wetter, der auch der Glanz des Sieges und Glücks keinen Strahlenkranz flechten kann, nur eine fchmerzensvolle stolz« Dornenkrone.

Arndt hat in feinenWanderungen und Wandelungen" die Erschei­nung Yorcks am besten geschildert:Ein Mann hohen Wuchses auf Jl'Jtammi9en Deinen, die fest und grab rote in einem ehernen Standbilde standen, der Leib stark, doch mehr mager, ein Kopf mit Icbarfen ausblitzenden Augen, die Stirn gerunzelt rote gehacktes Eisen, m eiserner Mann, rauh rote die rauhen Küsten seines hinterpommerschen Strandes. Das rastlos wechselnde Mienenspiel seines in stark markierten unten gemeißelten Gesichts verriet die innere Erregung, die beständige warung, so daß die schroffe Gemessenheit seines Benehmens unheimlich tl « n ">ie eine Ruhe vor dem Sturm. Aus seinen kalten grauen Augen Wfen stechende Blitze, die jeden, der mit einem bösen Gewissen vor ihm stand, erzittern ließen. Die tiefe senkrechte Doppelfalte auf der hohen otirn über der Adlernase zeigte gleichsam in einem deutlichen Mal die Malen und Konflikte, die in diesem Kopfe getobt. Außen eisige Zurück­haltung, innen ein glühender Strom der Empfindung. Es hat lange Siebtiuert, ehe dieser Vulkan vergletscherte, ehe aus dem jungen, heiß- wutgen Abenteurer dereiserne Yorck" wurde, seines Königs getreuster Untertan, der Knecht seines Dienstes und seiner Pflicht.

Dem glücklosen Manne ist nach feinem Tode das Glück beschieden ^wesen, einen Biographen zu finden, wie ihn kein anderer Held der agreiungsfriege besitzt. In Droysens Meisterwerk, das ein Volksbuch geworben ist, lebt Yorcks reine durch keinen weicheren Zug gemilderte :. unlichkeit fort. Aus den bunten Wirren eines Abenteurerromans führt «in Wille in steiler felsiger Bahn empor zur Höh«. Sein aufbrausend U«s, in seiner Soldatenehre leicht verletztes Naturell hatte ihn schon mit u Jahren aus der normalen Karriere des preußischen Offiziers geschleu- ?*" war ;n bie Dienste der holländisch-ostindischen Kompanie getreten, ^item meuternden Gesindel mit der Pistole in der Hand Mannes- «W beigebracht, in zwei Seeschlachten mitgekämpft, am Kap und auf j sich als Mann und Soldat bewiesen. Aber den angesehenen und Haag beliebten Kapitän zog eine tief wurzelnde Heimatsliebe wieder u»fln.n ^cn Dienst des Vaterlandes. Mit rührender Zähigkeit bat er nahm« jn5 preußische Heer; erst unter Friedrich Wilhelm II. ,. "E er sein Patent als Kapitän bei einem der neu ausgebildeten Füse- «toataiHone, die alsleichte Infanterie" dem schwerfälligen Körper der !. rr«n Linienregimenter gegenübergestellt wurden. Der Zufall hatte den weguchen Soldaten, der die alte Parademarsch-Taktik im Kolonialkrieg