Schüler verschwenden und durfte es ji< .J. ’ • geachteter
Deutscher nicht einmal richtig bezahl! >n<rde,,. .
In Gesellschaft behandelte man ihn neu- a>tc sr;: frebeniayngen Jungen, als er vor dreizehn Jahren Paris erobert hatte, mit unglaublicher Arroganz und Hoffärtigkeit.
Er hatte es schon längst ausgegeben, Besuche zu machen und neue Bekanntschaften zu suchen. Es war doch alles umsonst. Die Leute bestellten ihn auf den und den Tag; und wenn er gespielt hatte, machte inan ihm Koinplimente — und dann war es aus.
Fronleichnam bekam er vom Concert Spirituel, dem ersten Orchester von Paris, Auftrag, eine Sinfonie zu schreiben. Freude stand ihm hell im Gesicht, als er mit dieser Botschaft nach Hause kam zur Mutter, die krank lag. Ihre Augen leuchteten auf, als sie ihren Sohn so neu von schwellender Hoffnung emporgetragen sah.
Er mußte die Arbeit rasch beginnen, denn die Tage bis zum Konzert waren kurz beinessen. Die nahe gerückte Aussicht, sich in weiterem Kreis offenbaren zu können, spornte ihn an und gab ihm Wärme der Begeisterung für seine Arbeit, daß sie sich in sprühender Farbe und klarer Sinnlichkeit leuchtend erfüllte.
Zwei Tage vor Fronleichnam schrieb er die leisten Takte. Er spielte fein Werk beim pfälzischen Gesandten, Graf Suckingen, seinem Freunde Raaff auf dem Klavier vor — beide fanden es gut. Am Vorabend des Konzerts war die Probe. Lahoussaye, der erste ^Geiger, dirigierte. Mozart war aufgebracht Über Unpünktlichkeit und Schlamperei des Spiels. Als er, nachdem sie die Sinfonie zweimal in schlimmster Weise heruntergehudelt hatten, noch eine Wiederholung verlangte, ward ihm nur kurze Antwort und Entschuldigung: man habe dazu keine Zeit.
Wut erfaßte ihn und straffte feine Gestalt, die, obwohl klein und schlank, von der Straft ungesättigten Lebensrausches sprühte. Er wollte etwas entgegnen, doch er bezwang sich. Dann wünschte er guten Abend und begab sich nach Hause.
Unzufriedenheit und Zorn sprangen ihn aus starrender Dunkelheit an. Plane wohlausgedachter Vergeltung kürzten seinen Weg.
Die Mutter lag in hohem Fieber, als er heimkam. Er schickte Monsieur Heina weg und hielt Wache an ihrem Lager die halbe Nacht, brachte ihr kühlende Linderung, bis sie einschlief.
Am anderen Morgen erklärte er, daß er nicht zum Konzert gehen werden und blieb den ganzen Tag in den gedrückten Wänden des Zimmers. Aber da es am Abend fchön wurde und Monsieur Heina für ihn bei der Mutter blieb, ging er doch auf die Straße.
Die Sonne versank, alle Gipfel der Stadt mit einem Meer von warmer leuchtender Farbigkeit überschüttend. Lange violette Schatten krochen begierig an die Fassaden der Häuser und Paläste, wuchsen in den Straßen und nahmen von allem Besiß, was tot und lebend war in dieser Stadt. Die schwingende Ruhe der schweren blauen Sommernacht gab Mozart neuen Mut. Als er unter dem Dunkel der Bäume die Boulevards durchschritt, war er entschlossen, wenn sie wieder so schlecht spielten, ins Orchester zu gehen, Lahonssay die Geige aus der Hand zu nehmen und selbst zu dirigieren.
Das Herz klopfte ihm bis zum Hals, als er den lichterstrahlenden Saal betrat, in dem die feinste Gesellschaft von Paris in prunkenden Toiletten sich zusammengefunden hatte. Sein Freund, der Sänger 3t an ff stand vorn groß und breit an eine Säule gelehnt. Mozart grüßte mit zerstreutem Handwink und stellte sich zu ihm.
Dann begann das Konzert mit seiner Sinfonie. Gleich im ersten Satz riß die wohiberechnete steil aufspringende Passage das Publikum zu unmittelbarem Beifall hin. Mitten im Spiel brach der Ansturm los. Mozart dachte an die Probe und wiegte leise verwundert den Kopf.
Am Schluß warf sich Beifall in breiter Welle durch den Saal, stürmte fort ohne Ende wie eine aufgepeitschte See. Jubel hing in dem Raum, als Mozart in das Orchester trat und sich mit gestraffter Geste verneigte.
Dann wurde es allmählich ruhig. Das Stimmen der Instrumente tötete langsam die Erregung des Saals, und neue Erwartung tat sich auf. Mozart wartete das Ende nicht mehr ab; er verabschiedete sich von 3taaf, ging ins Palais Royal, feine Freude über den Erfolg aufschwingen zu lassen. Er wußte, daß seine Sinfonie gut sei, und gab nicht viel auf den Beifall von Paris. Aber die Anerkennung der Menge schuf Freude in ihm, gab seinem Schassen Sinn und seinem Geist Ansporn zu neuem Werk. Seine einzige Sehnsucht war jetzt, eine Oper zu schreiben. Denn er wußte, daß etwas in ihm um das Drama warb. Am Abend noch schrieb er seinem Vater nach Salzburg, daß er jetzt länger hierzubleiben wünsche, um den Leuten zu zeigen, daß er ebensoviel könne wie Livio Piceini — wenn er auch nur ein Deutscher sei.
Am nächsten Tag sagte ihm der Arzt beim Weggehen plötzlich unvermittelt, es sei wohl möglich, daß seine Shutter die Nacht nicht mehr überlebe. ,
Bestürzung überfiel ihn, daß er fortlief, einen Geistlichen zu suchen. Monsieur Heina brachte noch am selben Abend die schmächtige Gestalt eines deutschen Kaplans, der der Fronten die letzte Oelung gab. Dann sank sie drei Tage in Bewußtlosigkeit, lag bleich und leblos. Eine große Angst kam über Mozart und zerknirschte ihn.
Am dritten Tag gegen Abend war sie tot.
Schmerz riß blutend sein Herz auf, daß er alles vergaß. Er weinte laut Dann legte lindernd die Nacht sich um ihn. Er zündete zwei Kerzen an und schrieb an den Freund seines Vaters, der diesen schonend vorbereiten sollte auf Gottes unabänderlichen Beschluß.
Die große schweigende Ruhe, die in den Schatten der Zweige vor dem Fenster lag und der milde Schein der Sterne über ihnen hüllten ihn in Schauer der Ewigkeit und gaben ihm Trost. Groß und dunkel tat sich Zukunft vor ihm auf. Irdischen Lebens Vergänglichkeit ward Ihm überzeugend klar, und Sinn und Wert menschlichen Seins senkte sich tief in fein Herz, bis er wußte, daß dies erste und letzte Weisheit für das Leben eines Mannes bleiben müsse: etwas zu fein und etwas zu können.
Und der Glaube an sein Werk stieg groß und leuchtend auf in der Stille der Stacht.
Der entschleierte Fakir.
Von Dr. Th. A. M a a h.
Es ist noch nicht lange her, daß man in der Physikstunde lernte, daß der Flug des Menschen in einem Fahrzeug, das schwerer als die Lust wäre, eine mathematische, physikalische, kurz und gut wissenschaftliche Unmöglichkeit sei. Selbst die Steuerbarkeit eines Luftballons wurde infolge des' geringen Widerstandes, den die Luft dem Steuerdruck böte, mindestens als äußerst unwahrscheinlich bezeichnet. Solche Dinge sollten gerade die exakte Wissenschaft zu äußerster Vorsicht bei Verwendung des Wortes „unmöglich" mahnen. Aber merkwürdigerweise ist gerade sie mit diesem Begriff außerordentlich schnell bei der Hand. Sie setzt ihn gerne dort ein, wo sie meint, daß irgend etwas mit dein heutigen Stande der Forschung schwer vereinbar sei. Unter Umständen geht sie sogar so weit, Dinge schon deshalb als unmöglich zu bezeichnen, weil bisher noch Meß- und Regi-- trierapparate zu deren Feststellung und 'Aufzeichnung fehlen.
Aus diesen kleinen und recht unpraktischen Gesichtspunkten IM sich eine sehr eigenartige Stellung des größten Teiles der exakten 'Naturwissenschaftler zu jenem großen Gebiet entwickelt, das heute im wesentlichen an seinem Namen krankt, dem Okkultismus.
Ein großer Teil des wissenschaftlichen Okkultismus ist heut« durchaus keine Geheimlehre mehr, sondern eine durch Tatsachen belegte und durch sorgfältige Durchforschung des menschlichen Seelenlebens wissenschaftlich begründete Erkenntnis. Die Suggestion in der Hypnose und namentlich die im Wachzustände wird als wichtiger Faktor im täglichen Leben und auch von der strengsten zünftigen Wissenschaft unter geeigneten Bedingungen als durchaus zulässige Heilmethode anerkannt.
Der Sprung von ihr zur Gedankenübertragung, die heute noch nicht allgemein anerkannt mjrb, ist äußerst gering. Hinter dieser beginnt das Gebiet des Okkultismus, demgegenüber sich der größte Teil strenger Naturwissenschaftler vollkommen ablehnend verhält, deren Anhänger er als betrogene Betrüger oder bestenfalls unter Billigung mildernder Umstande als bedauernswerte, kritiklose Phantasten verurteilt.
Es würde hier zu weit führen, die Gründe für diese rwerkrckische Schärfe näher auszuführen. Einer von ihnen ist die Persönlichkeit und das Verhalten der Medien. Die zahlreichen Betrugsmanöver, die von diesen gerade in den Sitzungen vollführt und durchschaut wurden, die von vornherein zur Entlarvung des vermeintlichen Schwindels angestellt werden, bieten eine willkommene Handhabe. Wobei stets die außerordentlich labile seelische Verfassung der Medien, der Fanatismus für ihre Sache und die aus den verschiedensten Gründen besonders ungünstigen Bedingungen solcher „Entlarvungssitzungen" nicht genügend in Betracht gezogen rverden. Dann aber darf nicht vergessen werden, daß tausendmaliger Mißerfolg, ja selbst tausend größere oder kleinere Betrügereien, durch einen einzigen unanfechtbaren Erfolg vollkommen ausgewogen und ausgelöscht wären. Senn das würde besagen, daß eben in diesem einzigen Falle die bisher noch unbekannten und vielleicht äußerst verwickelten und empfindlichen Voraussetzungen für das Zustandekommen der Phänomene richtig getroffen feien, während dies in allen anderen erfolglosen oder gar vom Medium betrügerisch korrigierten Sitzungen nicht der Fall war. Also: Die Wissenschaft soll das Verfahren gegen den Okkultismus als schwebend betrachten. Soll über ihn nicht mit Sem Wort „unmöglich" den Stab brechen, um dieses VerdamniungsurteU möglicherweise über kurz ober lang umfloßen zu müssen, sondern soll nur den Anhängern dieser Lehre Ne" volle Beweis la st für die Richtigkeit ihrer Anschauung zuschieben. „ .
Unter der Sonne Indiens gedeihen die Geheimlehren am üppigsten. Bor den Wundertaten, di« durch die Fakire vollführt werden, mutz alles, was Europa auf diesem Gebiete leistet, verblassen.
Damit sind nicht die verhältnismäßig einsachen Leistungen gemeint, die durch weitgehend geschulte Beherrschung von Körper und Nerven mit ober ohne Anwendung von Hypnose ober Autosuggestion zu erreichen sind und die schon zum großen Teil von abendländischen Wissenschaftlern und Artisten nachgeahmt werden. Gemeint sind vielmehr jene unerklärlichen Vorkommnisse, die durch Wort und Schrift überliefert sind und die, sofern näinlich die Uebcrlieferung einem Wahrheitsbeweis gleichzusetzen ist, geeignet wären, das Wort „ünmöglich" überhaupt aus dem Sprachschätze zu verbannen.
Da gibt es zum Beispiel das Fakirwunber mit dein an den Wolken haftenden Seil. Der Fakir wirft, umgeben von einer großen Zuschmier- menge, ein Seil in die Höhe. Das bleibt irgendwo in der Lust hängen. Ein Knabe kletterte daran empor, höher und höher, bis er den Blicken der Zuschauer entschwindet. Der Fakir, mit einem Messer bewaffnet, folgt ihm auf seiner lustigen Reise in die Unsichtbarkeit. Da oben muß sich bann ein gräßliches Drama abspielen, denn aus den Wolken stürzt der vollkommen zerstückelte Leichnam des Knaben vor die Füße der entsetzten Zuschauer. Aber der grausige Film hat das mit Recht so beliebte happy end. Der mörderische' Fakir wagt es, aus der wolkenhasten Ferne auf die Erde zurückzukehren. Er setzt den zerstückelten Körper tadellos und anatomisch richtig wieder zusammen und vergnügt und munter verlassen Mörder und Opfer den Ort des Geschehens. ..
Würde sich das Vorkommnis so abgespielt haben, bann wurde das nicht mehr und nicht weniger bedeuten, als daß bas, was wir schlechthin 3raturgesetze nennen, eine auf schwankendem Boden stehende Konstruktion ist Aber es liegt nicht der geringste Grund vor, alles Bestehende umzu- stoßen, denn die Sadje hat sich gar nicht so zugetragen. Als Erklärung, daß sie trotzdem in dieser Form überliefert wird, wird gern Die Massen- sugqestion herangezogen. Die vielhundertköpfige Menge, die angeblich das Vorkommnis mitangesehen hat, soll in so starkem Maße der hypnotischen Beeinflussung durch den Fakir unterworfen gewesen fein, daß er ihr einfach suggerierte, den Vorgang, der sich in Wirklichkeit gar nicht abgespielt hat, miterlebt zu haben. Diese Erklärung ist nach allem, was man über Wesen und Stärke der Suggeftionsivirhmg kennt, unannehmbar. Es würde sich näinlich unter der laut Bericht sehr großen Zuschauermenge ein großer Teil Leute befinden, die foldjer Suggestion nickst zugänglich waren. Diese würden sich ebenso höflich rote energisch verbitten, day man ihnen


