Ausgabe 
1.12.1930
 
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GietzenerLamilienblätter

Nummer 95

grausamer saß er mit

Als aber die Eidgenossen der lungen Republik die Rechnung für diese Winterkur präsentierten, schien sie den Herren in Paris zu hoch, die an den sunf Milliarden für Deutschland genug Auslagen hatten; sie fragten

oviel in den Häu- nderspielzeug oder

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1930 Montag, den l. Dezember

anntp gab beiden das glänzende Fell ihrer guten Taae

äurürf, und bald gebrauchte der Drogist schon wieder Tinte und Bavier für seine heimliche Leidenschaft. Aus dem mörderischen Mitrailleuien- ^"nsounvermttelt an den Ort gekommen zu RouLäü se'in Briefe aus den Bergen chrieb, das gab seinen Erlebnissen einen Sckim- ©ebi^ÄT er.^ wollüstig 'hingab,- und wenn e/äAmr brers2rpot^eferJlt^,te waren, daran er sich von den -Strapazen seines Winterfeldzuges erholte, die glorreichen Waffen klirrten darin als nÄW Dons Orleans Zum andernmal Frankreich zu retten käme

°benbs, wenn der Doktor noch einen Gang ins Wirtshaus machte mieöer mit der Uniform in seiner Kammer, weil ihn die des^Dokta^ säh.^'" l^lanken schnüren als in dem schlottrigen Kamisol

Derartig hatte sich das Wohlsein dieses Nanzigers sacht abgesondert von dem Schicksal der Ostarmee; doch was der Doktor von den übrigen ^°rte und erzählte, war nicht viel anders, als daß mancher sich einen Durchschlupf in die Behaglichkeiten des bürgerlichen Daseins suchte au« mTn'n, Baterland zuliebe IN diese unnützen Kriegsumstände gekom- men war. Bevor die Auslosung nach drei Monaten begann, waren viele bei Gelegenheit verschwunden; und wie sich bei der Grenze beim lieber- ntt die haushohen Waffenhaufen in den Schnee gebaut hatten zwecklos ur diesen und verrostet für einen zukünftigen Krieg, so blieb auch nach­her von der Feldausrüstung der Ostarmee allmählich soviel in den Häu- ern zuruch daß die Reste noch für Jahrzehnte als Kinderspielzeuq oder onst zur Verwendung reichten, wie man dem Jura danach einen Reich­tum an schonen Pferden nachsagen wollte.

LPLZSLLZSZW WMWWZ LMLSWHMM band die Deckel berSalbSferoo0 unb mischte, Tüten mit kunstgerechter Fättelung ^^"ren em und schloß die

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E anderen Morgen sorgte der Doktor nach Kräften gab Milck als ob es doch nur die H,

Advent des Bauern.

Von Josef Martin Bauer.

Der Pflug hat Ruhe. Und die Pferde scharren. Weil jetzt int Tagwerk vor dem trägen Schlitten Der Knecht sie nimmer schweißig matt geritten Die Kettenringe schleifen an den Barren.

Wie Glocken tönt im Haus das Kettenklirren.

Der Mutter Spinnrad summt. Die Kinder beten.

Der Bauer hört im Klingelton ein Treten Wik Kinderfüße, die auf Steinen frieren.

Der Bauer weiß. Geht über schwanke Bretten, Wankt mit dem Licht auf seinen Roggenboden,' $ur Hand ein Stück von winterwarmem Loden, Drin soll zur Nacht ein irres Kind sich betten.

Da liegt der Roggen grau in hoher Schütte. Der Bauer muldet ihn wie eine Wiege, Damit das Kleine weich darinnen liege Im Bett von Roggen in der Bauernhütte.

Die Tür zum Roggenspeicher schließt sich wieder. Verstummt ist vor dem Haus das scheue Treten. Das Spinnrad summt. Und still zum Kinderbeten Kniet sich der Bauer an der Vorbank nieder.

Er weiß: er hat den Himmel eingefangen, Er sieht im Roggen morgen seine Grüße: Die zarten Tapfen winzig kleiner Füße, Wo in der Nacht das Christkind schlafen gangen.

Der Schimmel der Ostarmee.

Eine Anekdote von Wilhelm Schäfer.

Als nach der Schlacht bei Pontarlier die Ostarmee des Generals Bour- Boden übertreten mußte, war die Kriegsarbeit der ^ wchsnung leichter getan als das Menschenwerk nachher; denn der sU.ber ferneres ins Traverser Tal hinunterführt, liegt an bte taufend Meter uberm Meer, ist unwirtlich und zu spärlich bewohnt WDtf>pn(C Tfupp-r u^kunfl zu bieten. Auch geht es bei Soldaten, die wochenlang im eisigen Winter verzweifelt kämpften meist ohne Nah- rung und endlich die letzten Waffen des Vaterlandes von sich warfen, Qm J1!1 Manöver zu; es war ein meilenlanges Ungeheuer von Hunger, Rachsucht und Ermattung, das sich damals über den Jura schob und nicht immer gutwillig in achtzigtausend Menschenleben auflöste davon ein^edes sein Teil Fürsorge verlangte, so daß die Gastfreundschaft um Gottes willen an tausend Türen klopfte.

Einer von den achtzigtausend war ein Trompeter auf einem Schimmel m ei,nem Trupp Berittener noch in der Dunkelheit durch die steile -woldschlucht von St. Sulpiee bis nach Motiers im Traverser Tal hinunter mutzte, ein schmächtiges Kerlchen von achtzehn Jahren, das noch zuletzt Zur Fahne gekommen und aus Ranzig zu Hause war, wo es bei einem -vrogisten lernte, aber heimlich Gedichte machte. Er ritt das edle Tier «qt Jett dem Morgen, weil ihm sein Gaul an einer tückischen Gistante 8?>lurzt unb nicht mehr aufgekommen war; ihm selber hatte ber Sturz oie tottrn aufgezogen, so baß er mit einem blutig verwickelten Kopf wte em Turko aussah. Sonst war er heil burch bie eisige Rot biefer ~age gekommen und saß noch immer auf dem feurigen Tier, als ob un endlich bie braufenben Attacken und Siegesfanfaren seiner Träume lörrien.

Es war aber nur eine ausgefahrene Landstraße im dick verschneiten ^raverser Tal, auf der sie schrittweise und ohne Waffen gewaltsam in den üneben hineingeleitet würben, bis sich bie Häuser von Motiers schwarz uus ser monblichen Dämmerung hoben unb bei Laternenlicht bie Abtei- ng für bie einzelnen Hürben kam. Den Ranziger traf es mit einigen i>nsn£10 ..""^ren bei bem Doktor, ber zur Not Stallung für ihre Pferde «no Darüber einen warmen Heuboden hatte, wo sie die schlimmste Er- Lrio 110 __au5to*afen konnten, indessen die Kameraden von der Jnsan- ftiiSo3U Tausenden, bei Schnee und Frost in engen Kreisen mit den

Ben Segen bie Wachtfeuer verpackt, bie letzte Kriegsnacht erlebten.