Ausgabe 
1.9.1930
 
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studierter Mann als Schwiegersohn, das ist ihm so ins Blut gegangen, ehe er sich auf den Grundstückshandel warf. Malle Perlens ist heute der reichste Mann, er hat die berühmtesten Hunde in der Stadt und weit in der Runde, nicht die großen Gutsherren, nicht der Bürgermeister, nicht einer vermag ihn darin einzuholen. Just hat er eine Feliciohündin gekauft, eine bis dahin fast unbekannte Rasse, von der es nur einige wenige Exemplare gibt, die einen kaum schützbaren Wert besitzen. Er hat sie vom Freund des jungen Hagenah bezogen, der eines der'Tiere auf seiner Flucht von Moskau mitgebracht hat, ein kleines winselndes Tierchen bis London muß man heute fahren, um einen guten Rüden dafür zu bekommen. Aber diese Felicias haben es auch in sich; eine Rase, ein Gang, eine Zuverlässigkeit, lauter kaum noch bekannte Eigenschaften bei den verkehrt gezüchteten Rassen von heute! Seht nur, wie diese Hündin hinter Malle Perlens hergeht, wenn er abends zum Dämmerschoppen wandelt, di« Rase hoch, die Schritte wie ein Tanzpferd, die Augen halb zugekniffen, als wüßte sie ganz genau, daß es außer ihr kaum noch ein gleiches auf der Welt gibt. Ja, das find so die alten Familienschätze der von Rußland Eingewanderten.

Haben die Hagenahs keine Familienschätze? Doch, auch bei denen gibt es noch dies und das. Da ist zum Beispiel «ine Kette, tartarische Schnitze­rei, unverkäuflich. Wenn der alte Hagenah in Rot war, hat er sie hinter­legt, bis er wieder ein Beet Rosen verkauft hatte und ihm aus der Rot geholfen war. Auch die Hagenahsch« Kette ist sagenhaft. Warum sollen die Russen nicht auch die letzten jener wunderbaren Felicios besessen haben? Hätte Malle Perlens nur den rechten Hund dazu. Schließlich will man nicht umsonst soviel Geld für die Hündin ausgegeben haben. Er gibt eines Tages dem jungen Züchter in der Stadt auf, zu forschen, wo ein guter Rüde steht, er träumt mitunter von sieben jungen Felicios, alle mindestens 1000 Mark wert, drei Monate alt! Die in Romsö, der Luchs von Bürgermeister soll wohl Augen machen.

Aber dann geschieht das Unglück. Eines Tages bietet ihm der russische Herr aus der Stadt den Rüden für seine Hündin an, ein Rüde mit einem Stammbaum, ich weiß nicht wie lang. Malle Perkens stutzt aber über den Preis und versucht zu handeln. Er bietet erst einmal die Hälfte des Geforderten, dieser Herr Baron ist ja auch zu unverschämt, teilt Mensch kann gegen seine Preise an.

Andern Tags hat der Bürgermeister gekauft. Und der Bürgermeister kommt mit dem Rüden zum Dämmerschoppen, wo sein Feind, Mall« Perkens, just von seiner Hündin erzählt. Und der Bürgermeister mäkelt und schneidert und hat sieben verschiedene Einwände gegen die Hündin, er meint schließlich hochtrabend, für die liehe er seinen Felicio nicht her. Man müsse ja auf di« Rasse halten, man hätte Pflichten. Malle Perkens hatte eine schlaflose Nacht, aber kann man den Bürgermeister zwingen?

Der Frühling ist im Anmarsch, es wird Zeit an den Wurf im Som­mer zu denken. Aber der Züchter in der Stadt tut großspurig und behaup­tet noch, den Hund billig angeboten zu haben und behauptet, ihn dem Bürgermeister noch viel teurer verkauft zu haben. Und obschon Malle Perkens sich demütigt, sein Abhandeln bedauert und eine hohe Summe auf den Tisch legt, um in den Zeitungen nach einem echten Felicio zu forschen, es wird nichts und wird nichts mehr, es findet sich kein Felicio, kein Mensch weiß eigentlich recht darüber Bescheid.

Ach so, richtig", antwortete man hier und da, wenn Malle Perkens vor Fremden prahlt, und tut als verstände man etwas von seltenen Rassen.Ach so, ja, hm!" Man hätte ja auch schon darüber gehört, heißt es dann, aber ob er sich nicht lieber einen Barsoy hätte anschaffen sollen, der hätte wenigstens einen Marktwert und es wären doch auch schöne Tiere.

Während Malle Perkens nun in der Stadt ist, um den Züchter zu besuchen und Anzeigen aufzugeben, langweilt sich Gin«. Sie ergeht sich mit dem jungen Hagenah im Walde, fast wie ein Liebespaar tun die zwei. Sie reden aber über nichts anderes als wie hoffnungslos es mit ihnen sei und wie trostlos das Leben ohne einander wäre. Und sie lassen sich alles durch den Kopf gehen, Flucht, heimliche Heirat, Amerika, sogar Börsengeschäfte und Lotterielose, aber es wird alles nichts Rechtes. Hagenah ist ein Bastler und Rosenzüchter, er hat das Häuschen und den Garten, er hat höchstens noch die alte Kette vom Bater her. Aber in Lotterielosen und Börsengeschäften hat er kein Glück, wie sollte es auch sein bei so viel Glück, das er mit Gin« fand.

Wenn du die Kette verkauftest", seufzt das Mädchen. Aber da ist irgendein Geheimnis drum. Immer hat sein Vater sie rechtzeitig ausgelöst und wenn er sich die Butter vom Brot sparen mußt«. Nie dürfte er sie aus den Händen geben, hat er den Sohn gemahnt, die Augen halb zugekniffen, als wollte er ihm sein gutes Gewissen lassen.Ja, die Kette , seufzt der junge Hagenah zögernd, ihm ist sein ehrlicher Name das halbe Leben Eine aber glaubt, er lieb« die Kette mehr als sie. Sie beginnt herzzerbrechend zu schluchzen, sie meint, mit der Ahnenkett« könnte man ein Schloß kaufen:Wo dein Freund doch auch so viel Glück mit den Filicios gehabt hat, die er aus Rußland mitgebracht hat", seufzt sie.

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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Jahrgang 1950

Montag, den 1-September

Stille der Nacht.

Von Gottfried Setter. Willkommen, klare Sommernacht, Die auf betauten Fluren liegt! Gegrüßt mir, gold'ne Sternenpracht, Die spielend sich im Weltraum wiegt!

Das Urgebirge um mich her

Nummer 67

in der SHtj j >ie trenn K j h mehr. A f t, kein - iieren. Gt i Ideen." :

Ist schweigend wie mein Nachtgebet; Weit hinter ihm hör' ich das Meer Im Geist und wie die Brandung geht.

Ich höre einen Flötenton,

Den mir die Lust von Westen bringt.

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Indes herauf im Osten schon Des Tages leise Ahnung dringt.

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Ich sinne, wo in weiter Welt

Jetzt sterben mag ein Menschenkind Und ob vielleicht den Einzug hält Das viel ersehnte Heldenkind.

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Doch wie im dunklen Erdental Ein unergründlich Schweigen ruht, Ich fühle mich so leicht zumal Und wie die Welt so still und gut

Der letzte leise Schmerz und Spott Verschwindet aus des Herzens Grund; Es ist, als töt' der alte Gott Mir endlich feinen Namen kund.

Zwietracht in Nomsö.

Von Hans Friedrich B l u N ck.

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Niemand kann ihm was nachsagen, dem jungen Herrn von Hagenah, obschon er öfters in die groß« Stadt fährt und über feine Gesellschaft dort allerhand gemunkelt wird. Aber schließlich hat er es nicht leicht, dieser arme Zuwanderer, er muß sich eben durchschlagen wie er kann. Und weil der Alte, der verspielte Baron, der Russe, wie man in der Heinen Stadt kurzerhand sagt, zu eingebildet und zu arm gewesen war, um ihn etwas Rechtes lernen zu lassen, muß der Junge nun sehen, wie « sich durchschlägt, als Bastler, als Rosenzüchter und vielleicht auch mit jenen Fahrten zu Landsleuten in der großen Stadt, über die der Bürger­meister, der Doktor, der Notar und Malle Perkens, der die Bauplätze in Romsö hat, die Stirn runzelten.

Sonst war nicht viel von ihm zu sagen vom jungen Hagenah mein ich bis eines Tages das Gerücht ging, er hätte sich in Malle Perkens' Tochter Eine verliebt. Man vernahm es ein wenig schadenfroh und neu­gierig, wie's wohl auslaufen würde. Dann vergaß mans. Auch in einer kleinen Stadt ist viel zu erleben, etwa der ewige Wetteifer zwischen dem Bürgermeister und Malle Perkens, der einst sein Bürovorsteher gewesen ist und sich dann die besten Grundstücke rundum sicherte, die er teuer an die reichen Leute der Großstadt verkauft, oder auch das Neueste über Utibetv und Hundezucht, die der Sport der reichen Leute in Romsö ist uni) bei der Malle Perkens und der Bürgermeister große Summen aus- üeben, um sich zu übertrumpfen, die alten Esel.

Aber die Geschichte mit Eine und dem jungen Hagenah spielte doch unterirdisch weiter, mitunter wollte man die beiden draußen am Wald 9Wn haben. Der junge Baron war ein beliebter Stoff der Unter« Wtung; man wußte auch, daß ein Fremder aus der Stadt ihn öfter befucfjte, einer mit mindestens eben solch hochtrabenden Namen und daß

, beiden mitunter lange abends im Gasthof gebechert und di« Kopf« Wommen gesteckt hatten. Was der Fremde für einer war? Züchter hatte tt als Beruf eingetragen, das konnte sich nach Pferden, Hunden und Kanarienvögeln anhören, je wie er einem gefiel.

srutn soll der junge Hagenah aber nicht einmal gründlich bechern? k hat nichts weiter zu tun, als auf feine Rosen zu warten er sollte ®*ge ganz besondere Sorten haben, die er herbstens verkaufte, das traut S 'M auch zu, schon der alte Baron hat sich damit durchgeschlagen.

auch noch auf (Sine warten, aber Malle Perkens darf nichts davon Malle Perkens ist Bürovorsteher gewesen und ihm gilt nur «in