Man hat einen Strand, auf dem alles erlaubt und nichts verboten ist, aber es ist kein Hotel da und keine Bar und kein Strandkorb, nur ein Verschönerungsverein. Ein Bagger vollführt Lärm und zerstört Meeres­idylle, die Hochöfen sehen zu und über die Dünen klettern drei magere Ziegen. Am Sonntagabend findet auf dem Marktplatz allgemeiner Ge­dankenaustausch statt, in der einen Ecke singt die Heilsarmee, in der an­dern aber wirdfranzösischer Schmuck" verkauft, nicht für zwei Gulden und nicht für einen, sondern ausnahmsweise für einen halben. Zwar: im Cafe klimpert ein Klavier, aber sie tun solches ohne Fröhlichkeit, trinken wortlos ihr Bier, und gehen heim. Kein Geschäft für Gastwirte.

Woraus besteht das Licht?

Von Louis Viktor de Vroglie,

Träger des Physiknobelpreises für 1929.

Vor kurzem wurde dem französischen Physiker de B r o g - l i e für seine hervorragenden Forschungen auf dem Gebiete der Elektronentheorie der diesjährige Nobelpreis für Physik verliehen. Wir find in der Lage, unseren Lesern eine Dar­stellung des augenblicklichen Standes der Lichttheorie und der Ergebnisse seiner eigenen Arbeiten aus der Feder des neuen Nobelpreisträgers bringen zu können.

Es dürfte kaum möglich sein, die Bedeutung des Lichtes im Gesamt­bilde der Naturerscheinungen zu überschätzen.' Das Licht ist nicht nur lebensnotwendig, sondern die Physik hat uns sogar gelehrt, daß die Substanzen der Materie sich mit dem Licht in ständigem Energieaustausch befinden, so daß der Zustand unserer Umwelt nicht mit Unrecht als eine Art von Gleichgewichtsverhültnis zwischen Materie und Licht bezeichnet werden kann.

Daraus ergibt sich, daß die Frage nach den Eigenschaften des Lichtes und die Bestimmung der von ihm abhängigen Erscheinungen von aller­erster Bedeutung ist. Ein derartiges Studium ist zwar im Altertum schwach skizziert worden, es hat sich jedoch erst seit dem 17. Jahrhundert richtig entwickelt. Von dieser Zeit an hat die Entdeckung einer wachsenden Anzahl von Lichtphänomen, deren Beobachtung immer größere Sorg­falt forderte, eine umfassende Wissenschaft, die O p t i k, zu schaffen ge­stattet, deren Gebiet sich ständig erweitert hat. Wie in den anderen Wissenszweigen hat man sich jedoch auch in der Optik nicht damit begnügt, Tatsachen zu beobachten und zu registrieren: man hat vielmehr versucht, sich von dem Wesen des Lichts ein Bild zu machen, indem man die bekannten Tatsachen auszudeuten und neue vorauszusehen trachtete. Seit dem Beginn dieser Bestrebungen haben zwei große Theorien über das Licht die Physiker beschäftigt.

Di« eine von ihnen behauptet, daß das Licht durch bewegliche Elemen­tarkörperchen erzeugt wird, und daß die Lichterscheinungen auf die Be­wegung unendlich schneller minimaler Projektile zurückzuführen sei: das ist die sogenannte Emifsionstheorie, welcher der Engländer Isaac Newton ihre ursprüngliche Fassung gegeben hat.

Die andere bildet sich eine wesentlich andere Idee vom Licht; nach ihr wäre es die Fortpflanzung einer Erschütterung, einer Welle, wie man sie an der Oberfläche des Wasserspiegels beobachten kann, oder besser einer solchen, wie sie sich durch die Luft fortsetzen und den Schall erzeugen: die W e l l e n t h e o r i e ist das Werk des Holländers Christian Huyghens und wurde durch den Franzosen Augustin Fresnel vervollständigt. Die Voraussetzung dieser zweiten Theorie ist die Lehre von der Existenz eines sehr subtilen Elementes, desAethers", der selbst die härtesten, durchsichtigen Körper durchdringt und dessen Erregungen das Licht bilden.

Nach einem Kampfe zwischen beiden Theorien, der drei Jahrhunderte gewährt hat, ist man wohl oder übel zu einer synthetischen Theorie gelangt, die annimmt, daß die elektrischen Wellen, die Wärmestrahlen fJnfra-Rot), Licht, Ultraviolett und Röntgenstrahlen also alle Arten von Strahlung durch Wellen und Körperchen gleichzeitig ge­bildet werden, die engstens miteinander verbunden sind. Da die Ent­wicklung dieser synthetischen Theorie jedoch sehr kompliziert ist, bietet die Optik zurzeit den Eindruck einer Krise.

Ich kann hier nur sehr kurz andeuten, in welchem Sinne die neue Lichttheorie sich entwickelt. Nach der alten Auffassung betrachtete man die Wellen, als ob sie sich von einem Punkt« aus verbreiteten, und glaubte, die Bibrationscnergie sei in kontinuerlicher Form auf die Welle ver­teilt. Das steht jedoch im Widerspruch mit der Erzeugung von elektrischem Strom unter Einfluß des Lichtes, denn aus dieserphotoelcktrischen" Erscheinung die neuerdings erforscht worden ist und schon in der Photozelle" zu den wunderbarsten Anwendungen geführt hat ergibt sich, daß die Strahlungsenergie in Elementarladüngen enthalten sein muß. Trotz dieser photoelektrischen Erscheinung, trotz der von dem Deutschen Max Plank aufgestellten Quantentheorie, muß man jedoch den Begriff der Welle festhalten, um in der Definition einer Wellenlänge und Frequenz fortsahren zu können und um die Interferenz, d. h. diese Tatsache, nach der Licht zu Licht gefügt, Finsternis ergeben kann, erklä­ren zu können.

Um eine fo!d;e Jnterferenzerscl-eiming zu beobachten, ist die Verwen­dung einer ziemlich erheblichen Menge von Lichtenergie notwendig, sei es, daß man wie es meistens Üblich ist eine rasche Beobachtung mit einem dichten Lichtbündel anstellt, sei es, daß man eine sehr lang- dauernde Beobachtung wie etwa eine photographische Zeitaufnahme mit einer winzigen Intensität vornimmt. Unter allen Umständen ergibt sich aber die Unmöglichkeit, Interferenzen herzustellen ohne eine beträchtliche Anzahl von Lichtquanten oderPhotonen" Mitwirken zu lassen. Wenn man also ein Jnterferenzexperiment macht, so wird man immer zu dem Ergebnis kommen, daß dort, wo die alte Wellentheorie ein Maximum von Licht voraussah, wenige oder gar keine Photonen auftreten werden. Die Verteilung der Lichtenergie in den Jnterferenzzonen ist demnach bei Amvendung. der neuen Theorie dieselbe, die die klassische Theorie vor­aussah, obwohl nach ihr die Lichtenergie in Elementarkörperchen zer­streut statt in kontinuierlicher Form verbreitet wird.

Diese wenigen Hstlweise mögen genügen, um den Weg anzudeuten, auf dem man jetzt die Resultate der Wellentheorie mit der Hypothese einer Quantenstruktur zu vereinigen sucht. Die bedeutfame Tatsache, die man heute als selbstbegründet betrachtet, ist die, daß das Licht gleichzeitig ans Wellen und Urkörperehen besteht, die übrigens in engstem Zusam­menhänge stehen und, nach dem Ausdruck des Dänen Niels Bohr, zwei Komplementärfronten der Wirklichkeit" bilden.

Eine ganz neue Tatsache von großer Bedeutung hat dazu beigetra- gcn, die tiefe Bedeutung dieser Theorie von Dualismus des Lichtes zu bestätigen. Das Elektron ist eines der Elementarbestandteile der Materie, bisher halte man es immer für ein einfaches Urkörperchen gehalten. Mußte man nicht aber nach der Feststellung der engen Verbindung von Wellen und Elementarteilchen auch mit diesen Urkörperchen Wellen in Verbindung bringen? (Amu. der Red.: Diese Wetten werden in der Physik heute allgeniein nach Louis de Broglie als bc Broglie- strahlen bezeichnet.)

Sollte man nicht dem Elektron gegenüber den entgegengesetzten Irr­tum von dem aus der Optik begangen haben? Mit ändern" Worten: während Fresnel und seine Nachfolger die Urkörperseite zu sehr aus den Augen verloren und sich nur auf die Wellentheorie geworfen hatten, hatte man sich andererseits zu sehr an den rein körperlichen Anblick des Elektrons gehalten und hier die Wellenfrage vernachlässigt. Wenn man das zugibt, kommt man zu folgendem Schluß: mit Elektronbündeln muß man zur Erzeugung von Interferenzerscheinungen gelangen können, die denen der Lichtbündel entsprechen. Vor wenige» Jahren noch wäre ein solcher Schluß als völlig widersinnig erschienen. Seit zwei Jahren jedoch hat diese kühne Annahme sich nachprüfen lassen. Man hat mit Elektronen Interferenzen erzielt, die Länge der mit ihnen verbundenen Wellen ge­niessen und dabei Resultate erzielt, die den Annahmen der neuen Theo­rie entsprachen. Damit hat sich ein völlig neues Gebiet der Experimental­physik eröffnet: die Spektroskopie der "Elektronen.

Der Dualismus der Wellen und Quanten geht über den Rahmen der Optik hinaus. Cs zeigt sich bei der Materie wie beim Licht. Es ist also eines der großen Naturprinzipien, vielleicht sogar ihre Grundlage. Er ist aber gleichzeitig eines ihrer großen Geheimnisse, denn die wahre Bedeutung dieses Dualismus in seinem Grunds zu erfassen, erscheint sehr schwierig. Für den Laien ist ein Lichtstrahl etwas furchtbar Ein­faches und unerhört Alltägliches. Der Forscher dagegen schlägt sich an die Brust und spricht zu sich selber:Was wüßten wir nicht alles, wenn wir wirklich wüßten, was ein Lichtstrahl ist."

, (Autorisierte Uebersetzung von H. A. v. M a l tz a h n.)

Oer arme Spielmann.

Erzählung von Franz Grillparzer.

lSchlnß.)

In all diesen Widerwärtigkeiten war mir, gestehe ich's nur, der Griesler und seine Tochter ganz in den Hintergrund getreten. Nun da es ruhiger tburbe und ich anfing, zu überlegen, was etwa weiter ge­schehen sollte, kam mir die Erinnerung an den letzten Abend lebhaft zurück. Den Alten, eigennützig, wie er icar, begriff ich ganz wohl, aber das Mädchen! Manchmal tarn mir in den Sinn, daß, wenn ich das Mei­nige zu Rate gehalten und ihr eine Versorgung hätte anbieten können, sie wohl gar aber sie hätte mich nicht gemocht." Dabei besah er mit auseinander fallenden Händen seine ganze dürftige Gestalt.Auch war ihr mein höfliches Benehmen gegen jedermann immer zuwider.

So verbrachte ich ganze Tage, sann und überlegte. Eines Abends im Zwielicht cs war die Zeit, die ich gewöhnlich im Laden zuzu­bringen pflegte faß ich wieder und versetzte mich in Gedanken an die gewohnte Stelle. Ich hörte sie sprechen, auf mich schmähen, ja es schien, sie verlachten mich. Da raschelte es plötzlich an der Türe, sie ging auf, und ein Frauenzimmer trat herein. Es war Barbara. Ich saß aus meinem Stuhl angenagelt, als ob ich ein Gespenst sähe. Sie war blaß und trug ein Bündel unter dem Arme. In die Mitte des Zimmers ge­kommen, blieb sie stehen, sah rings an den kahlen Wänden umher, dann nach abwärts auf das ärmliche Geräte und seufzte tief. Dann ging sie an den Schrank, der zur Seite an der Mauer stand, wickelte ihr Paket auseinander, das einige Hemden und Tücher enthielt sie hatte in der letzten Zeit meine Wäsche besorgt zog die Schublade heraus, schlug die Hände zusammen, als sie den spärlichen Inhalt sah, fing aber gleich darauf an, die Wäsck)e in Ordnung zu bringen und die mitgebrachten Stücke einzureihen. Darauf trat sie ein paar Schritte vom Schranke hin­weg, und die Augen auf mich gerichtet, wobei sie mit dem Finger auf die offene Schublade zeigte, sagte sie: 'Fünf Hemden und drei Tücher. Soviel habe ich gehabt, soviel bringe ich zurück/ Dann drückte sie lang­sam die Schublade zu, stützte sich mit der Hand auf den Schrank und fing laut an zu meinen. Es schien fast, als ob ihr schlimm würde, denn sie setzte sich auf einen Stuhl neben dem Schranke, verbarg bas Gesicht in ihr Tuch, und ich hörte aus den stoßweise geholten Atemzügen, daß sie noch immer fortweinte. Ich war leise in ihre Nähe getreten und faßte ihre Hand, die sie mir gutwillig ließ. Als ich aber, um ihre Blicke auf mich zu ziehen, an dem schlaff hängenden Anne bis zum Ellenbogen emporrückte, stand sie rasch auf, machte ihre Hand los und sagte in gefaßtem Tone: »Was nützt das alles? Es ist nun einmal so. Sie haben es selbst gewollt, sich und uns haben Sie unglücklich gemacht; aber frei­lich sich selbst am meisten. Eigentlich verdienen Sie kein Mitleid' hier wurde sie immer heftiger »wenn man so schwach ist, seine eigenen Sachen nicht in Ordnung halten zu können; so leichtgläubig, daß man jedem traut, gleichviel ob es ein Spitzbube ist ober ein ehrlicher Mann. Und doch tuts mir leid um Sie. Ich bin gekommen, um Abschied zu nehmen. Ja, erschrecken Sie nur. Jst's doch Ihr Werk. Ich muß nun hin­aus unter die groben Leute, wogegen ich mich solange gesträubt habe. Aber da ist kein Mittel. Die Hand habe ich Ihnen schon gegeben, und so leben Sie wohl für immer.* Ich sah, daß ihr die Tränen wieder ins Ange traten, aber sic schüttelte unwillig mit dem Kopf« und ging. Mir war, als hatte ich Blei in den Gliedern. Gegen die Türe gekom­men, wendete sie sich noch einmal um und sagte: »Die Wäsche ist jetzt in