nicht weit von Kilo, wohnen: et fürchtet, VaH sie seinetwegen $u leiden haben werden. Ein dummes Pack, das.
Eie Erzählung des jungen Beamten hatte mich lebhaft berührt. Mir tat der arme Kirdjali leid. — Lange habe ich von ihm nichts gehört. Einige Jahre darauf traf ich den jungen Beamten. Wir sprachen von früher.
llnb was macht Ihr Freund Kirdjali?, fragte ich: wissen Sie nicht, wie es ihm ergangen ist?
Wie soll man das nicht wissen, sagte er und erzählte mir folgendes: Kirdjali wurde nach Jassy vor den Pascha gebracht, der ihn zum Tod durch den Pfahl verurteilte. Die Hinrichtung wurde auf irgend- einen Feiertag verschoben. Vorläufig sperrte man ihn ins Gefängnis.
Ihn bewachten sieben Türken (einfache Leute und im Innersten ebensolche Räuber wie auch Kirdjali): sie schätzten ihn hoch und lauschten mit echt orientalischer Gier seinen wunderbaren Erzählungen.
Der Gefangene und die Wächter waren bald nah miteinander bekannt. Eines Tages sprach Kirdjali zu ihnen: Brüder!' meine Stunde ist nah. Memand entrinnt seinem Schicksal. Bald werde ich pon euch scheiden. Ich möchte euch gerne etwas zum Andenken hinterlassen.
Die Türken spitzten die Ohren.
Brüder, fuhr Kirdjali fort: vor drei Jahren, als ich mit dem verstorbenen Michalaki räuberte, haben wir in der Steppe, nicht weit von Jasfh, einen Kessel mit Dukaten vergraben. Ich sehe jetzt, daß ich diesen Schatz nie mehr besitzen kann. Also gut, es sei: nehmt ihn euch und teilt ihn brüderlich.
Die Türken wurden fast verrückt vor Freude. Sie beratschlagten, wie man die geheime Stelle ermitteln könne. Sie stritten hin und her und beschlossen endlich, daß Kirdjali selbst sie hinführen solle.
Es kam die Rächt. Die Türken ketteten Kirdjalis Füße los, banden seine Hände mit einer Schnur zusammen und wanderten mit ihm aus bet, Stadt hinaus in die Steppe.
Kirdjali führte sie und hielt sich, von Hügel zu Hügel, in gerader Richtung. Sie wanderten lange. Endlich machte Kirdjali bei einem großen Steine halt, stampfte mit dem Fuß auf und sagte: Hier.
Die Türken machten sich ans Werk. Viere zogen ihre Jatagans und begannen die Erde aufzuhacken. Drei blieben als Wache. Kirdjali setzte sich auf den Stein und sah ihrer Arbeit zu.
Run, dauert's noch lange? fragte er: seid ihr nicht schon drauf- gestoßen?
Rein, noch nicht, sagten die Türken und arbeiteten, daß ihnen der Schweiß heruntersloß.
Kirdjali begann ungeduldig zu werden.
Ist das ein Volk, sprach er. Richt einmal Erde graben können sie vernünftig. Bei mir wäre die Sache schon längst, in zwei Minuten, erledigt. Kinder! macht mir die Hände frei, gebt mir einen Jatagan.
Die Türken dachten nach und begannen zu beratschlagen. Was kann dabei sein? (flüsterten sie), binden wir ihn die Hände los und geben wir ihm einen Jatagan. Das ist doch nichts: er ist allein, und wir sind sieben. Und sie banden ihm die Hände los und gaben ihm einen Jatagan.
Endlich —I Kirdjali war frei und mit einer Waffe in der Hand. Was er wohl gefühlt haben mag!... Er begann eifrig zu graben, die Wächter halfen ihm... Plötzlich fuhr er einem von ihnen mit dem Jatagan mitten ins Herz, lieh das Messer in der Brust stecken und riß ihm aus dem Gürtel die zwei Pistolen.
Als die übrigen sechs den Kirdjali mit zwei Pistolen in der Hand erblickten, stoben sie auseinander.
Kirdjali räubert jetzt in der Gegend von Jassy. Neulich schrieb er an den Gospodar und verlangte von ihm fünftausend Lewas: im Falle einer Säumigkeit der Zahlung drohte er, Jassy anzuzünden und sich bis an den Gospodaren selbst heranzuarbeiten. Die fünftausend Lewas wurden ihm prompt zugestellt.
Wie gefällt euch Kirdjali?
(Deutsch von Sigismund von Radeck i.)
Aus Maxim Gorkis Iugendjahren.
Von Dr. Petroff.
Gorkis Großvater mar Soldat und hatte sich im Kriege so ausgezeichnet, daß er zum Offizier befördert wurde, ein in der alten russischen Armee äußerst seltener Fall. Wegen seiner Grausamkeit im Verkehr mit den Soldaten wurde er aber degradiert und nach Sibirien verbannt. Seinen Sohn, Gorkis Vater, der Maxim Peschkoff hieß — Gorki ist ein Pseudonym und heißt auf deutsch Bitter — hat er einmal beinahe zu Tode geprügelt und den Sohn auch sonst auf die denkbar grausamste Weise behandelt. Gorkis Vater war Tapezierer und hatte, als Maxim, der übrigens Alexej getauft wurde, eine Werkstatt in Nischny-Nowgorod. Die Familie siedelte im Jahre 1870 nach Astrachan über. Während der Cholera-Epidemie im Wolgagebiet erkrankte der kleine Gorki an Cholera. Der Vater pflegte das Kind, steckte sich an und starb, Frau und Kind mittellos hinterlassend.
„Hier fing für mich das tiefe, bunte, unsagbar seltsame Leben an, ein finsteres Märchen, das von einem guten, jedoch peinlich wahrheitliebenden Genie erzählt ist," schreibt Gorki. Tierische Grausamkeit, Schlägereien im ewigen Wodkarausch, Verhöhnung der Schwachen — das waren die ersten Eindrücke des aufgeweckten Knaben. „Furchtbar quälten mich die bleiernen Widerwärtigkeiten des wilden russischen Lebens." Eines Tages wurde der Junge von seinem Großvater mütterlicherseits so geschlagen, daß er mehrere Tage lang krank war. „Diese Tage waren für mich große Tage des Lebens," schreibt er. „Mein Herz, von dem man die Haut abgezogen hatte, wurde unglaublich empfindlich gegen jede Ungerechtigkeit und jeden Schmerz, gleichviel ob ich oder ein anderer der Leidende war." Bei seinem Großvater lernte Gorki lesen, es machte ihm Spaß, Gedichte umzuändern und durchaus „etwas Eigenes" zu verfassen. In Nischny-Nowgorod, wohin die Mutter Gorkis inzwischen zu
ihren Eltern gezogen war, ging der Knabe in die Volksschule. Als bet Bischof die Schule einmal inspizierte, fiel ihm der kleine Peschkoff, der sehr viele fromme Gedichte auswendig konnte, durch sein glänzendes Gedächtnis auf. In der Schule steckte sich Gorki an Pocken an. Zu Hause wurde er in ein dunkles Zimmer gelegt. In einem Fieberanfall zerschlug er die Fensterscheibe und sprang auf den Hof, wo er in einem Schneehaufen bewußtlos liegen blieb, bis man ihn auffand.
Im Jahre 1877 verheiratete sich Gorkis Mutter zum zweitenmal und zwar mit einem Adligen, einem Studenten, namens Eugen Maxim offt Der Student war ein Spieler und Ouartalsäufer und mußte das Studium bald aufgeben, um Arbeiter und dann Bahnhofskassierer zu werden. Maximoff prügelte seine Frau jeden Tag. Der zehnjährige Gorki sprang einmal der Mutter zu Hilfe, griff nach einem Messer und wollte den Stiefvater töten. „Im vollen Bewußtsein schwor ich meiner Mutter^ die der Stiefvater geschlagen hat, den Mann zu töten und mir dann das Leben zu nehmen." Daraufhin nahm Gorkis Großvater den Jungen zu sich. Nach der Schule suchte der Knabe auf der Straße und in Müllkästen nach Abfällen, um sie zu verkaufen und den Großeltern, die in großer Armut lebten, auf diese Weise zu helfen. Straßenjungen verfolgten den kleinen Gorki mit ihren Witzen, Schulkameraden verhöhnten ihn und wollten nicht neben ihn sitzen, da er angeblich nach dem Müllkasten roch. „Ich war durch diese Verleumdung tief beleidigt. Ich habe mich jeden Morgen sorgfältig gewaschen und besuchte niemals die Schule in derselben Kleidung, in der ich Abfälle sammelte." Nach Beendigung der Volksschule verbrachte Gorki den ganzen Tag auf der Straße und verrichtete alle möglichen Gelegenheitsarbeiten. Im Jahre 1879 starb seine Mutter an galoppierender Schwindsucht.
„Ich fing ein Leben unter Menschen an," heißt es über die erste Anstellung in einem Geschäft. Gorki wurde Lehrjunge in einem „Geschäft für elegante Schuhwaren" in der Hauptstraße von Nischny-Nowgorod. „Die Arbeit war schwer, Wochen- und Feiertage waren von einer unbedeutenden, nutzlosen und geisttötenden Arbeit ausgefüllt." Der Lehrjunge mußte auch in der Küche mithelfen. Eines Tages verbrühte er sich die Hände mit kochender Suppe und wurde zum Großvater zurückgeschickt. Dort war kein Platz für ihn, und so mußte der Knabe in den Hafenanlagen schlafen. Oft ging er in die Kirche. „Es war der einzige Ort, wo ich mich ausruhen konnte. Dort fühlte ich mich wohl. Mein kleines Herz, das soviel Unrecht kannte und von der bösen Grobheit des Lebens beschmutzt war, reinigte sich durch unklare Träume. Ich dichtete eigene Gebete in Versen, in denen ich mein trauriges Schicksal vor (Sott beklagte."
So lebte der kleine Vagabund, bis er eines Tages eine neue Anstellung als Abwaschjunge auf einem Wolgadampfer erhielt. Von sechs Uhr früh bis tief in die Nacht mußte er in der Küche das Gefchirr ab- wcffchen. Das unergründliche Schicksal wollte es aber, daß der zukünftige Dichter gerade hier feinen „ersten Lehrer" finden sollte. Sein Vor- gesetzter, der Schiffskoch, ein ehemaliger Unteroffizier namens Michail Srnury, „ein Mann von phantastischer physischer Kraft, unglaublich brutal, aber sehr belesen," erweckte bei dem Jungen das Interesse am Lesen. „Bis dahin waren mir Bücher und überhaupt jede gedruckte Schrift verhaßt, mit Schlägen und Zärtlichkeit zwang mich mein Lehrer, die große Bedeutung der Bücher anzuerkennen, und lehrte mich, das Buch zu lieben. Der Koch hatte einen ganzen Koffer voll von kleinen Büchern in ledernen Einbänden. Es war die seltsamste Bibliothek der Welt — Eckardtshausen lag neben Nekrassoff, Walter Scott neben Gogol, revolutionäre verbotene Zeitschriften neben wissenschaftlichen Magazinen, fromme Schriften neben Büchern in ukrainischer Sprache." Der Koch war ein strenger Literaturkritiker — eine patriotische Novelle unter dem Titel „Wie ein Soldat dem Zaren Peter das Leben gerettet hat", die den kleinen Gorki entzückte, unterzog er einer vernichtenden Kritik und geriet darüber mit feinem Günstling in heftigen Streit. Die Schiffskellner beneideten den Abwaschjungen um die Gunst des Kochs, spielten ihm verschiedene böse Streiche und beschuldigten ihn des Diebstahls. Der Inhaber des Schiffsbüfetts entließ Gorki und zahlte ihm dabei die bis« her größte Summe, die er verdient hatte — ganze 8 Rubel!
Gorki kehrte in das' Haus feiner Großeltern nach Nischny-Nowgorod zurück. Er wurde Vogelfänger und verbrachte die Nächte im Walde am Wolga-Ufer. Dann erhielt er eine Anstellung in einem Zeichnerbureau. Während der Tagesarbeit durfte der Junge — er war jetzt 13 Jahre alt — nicht lesen, um so eifriger verschlang er Bücher, die er für seine mühselig ersparten Groschen sich kaufte, nachts bei Mondschein, denn für Kerzen reichten seine paar Groschen nicht aus! Er las alles, aber meistens französische Literatur — Dumas, Balzac, Gaboriau, Xavier-de- Montepin. „Diese Romane, reich an Menschen und Erlebnissen, schilderten ein unbekanntes, bewegtes Leben, das so ganz anders war als das Milieu, das mich umgab." Aber auch historische Romane und Schilderungen des Lebens russischer Heiligen fesselten sein Interesse. „Beim Lesen französischer Kriminal- und Abenteurerromane verstand ich recht bald, daß es sich, trotz verschiedener Namen und Begebenheiten immer um dasselbe drehte: gute Menschen sind unglücklich und werden von schlechten Menschen verfolgt, die schlechten haben immer mehr Gluck und sind klüger als die guten, jedoch werden die schlechten zum Schluß durcb etwas Unfaßbares besiegt, so daß die guten zuletzt doch triumphieren. Die Liebe, von der Männer und Frauen immer in denselben Ausdrücken sprechen, lanaweilte mich. Diese Eintönigkeit erweckte Zweifel an der Wahrheit des Geschriebenen." Balzacs Roman „Gugeme ©raubet" erschien dem aufgeklärten Jungen „künstlerisch wahr . Balzac wurde bald sein Lieblingsdichter.
1882 nahm der 14jährige Gorki wieder eine Stellung als „Kuchen- niuschik" (wie man die Abwaschkellner nannte) auf einem Wolgadampfer an. Er fing an, in ein dickes Heft Aufzeichnungen und Gedichte niederzuschreiben. Im nächsten Jahr ist Gorki Verkäufer in einem Jkonen- ©eschäft in Nischny-Nowgorod. Bei seinen Wanderungen durch die Stadt lernt er das Leben der Obdachlosen kennen. „Das waren Leute, die vom Leben abgesprungen waren, jedoch schien es, daß sie sich ein eigenes lustiges und unabhängiges Leben geschafft haben. Wenn sie keine Arbeit


